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Veröffentlicht am 23.02.2023

Rasanter Thriller

Der Riffgeist
2

„Ein Katz- und Mausspiel auf hoher See – der dritte Rügen-Krimi von R.P. Hahn“.

Kaum war ich drin im Geschehen, war es schwer auszuhalten. Die Leiche einer jungen Frau gibt Rätsel auf, es gibt keine ...

„Ein Katz- und Mausspiel auf hoher See – der dritte Rügen-Krimi von R.P. Hahn“.

Kaum war ich drin im Geschehen, war es schwer auszuhalten. Die Leiche einer jungen Frau gibt Rätsel auf, es gibt keine verwertbaren Spuren, ihr eher undurchsichtiger Lebensstil tut ein Übriges.

Jens Lackner ist ein Kommissar mit Durch- und Weitblick, sein Privatleben gestaltet sich eher schwierig, wenngleich er seine Susanne liebt und sie ihm genauso zugetan ist. Jens Freund Mike Kramer war Polizist und ist jetzt als Wachmann tätig, in dieser Funktion erwischt er eine kleine Ausreißerin. Bald stellt sich heraus, dass das Flüchtlingsmädchen Yslei, so heißt die Kleine, Schreckliches erlebt hat. Ihr Schicksal ist verbunden mit den Geschehnissen auf der Kaiphas, einem Schiff, das in der baltischen See liegt. Was ist hier los?

Avid König, seit jeher King genannt, besitzt die Black Bee, ein Segelboot mit allen erdenklichen und nicht mal vorstellbaren Raffinessen. Er ist schon lange ins Visier von Linda Todt, der knallharten Kommissarin, geraten. Der Riffgeist ist er, er fühlt sich auf hoher See am wohlsten.

Auch wenn das Vorher, bevor die Dramatik auf See beginnt, sich eher gemächlich anlässt, so steigert sich die Spannung zusehends.

Eine Funken sprühende Reise in menschliche Abgründe bietet R.P. Hahn dar. Actionreiche Szenen sind hier nicht zu knapp, es knistert an allen Ecken und Enden. Solange es um den eingangs erwähnten Mord und dessen Aufklärung geht, ist alles soweit nachvollziehbar. Es geht dann weiter in die baltische See, auf die Kaiphas. Und hier geht es zur Sache, kurze Wechsel von der Black Bee, Kings Boot, hinüber zu denen, die sich auf dieser Kaiphas unterhaltsame Stunden der besonderen Art gönnen wollen, sind atemraubend, für Außenstehende alles andere als gemütlich.

Es ist mein erster Rügen-Krimi von R.P. Hahn, den ich gut ohne Wissen der Vorgängerbände lesen konnte, es wird aber nicht mein letzter sein. Zugegeben: Die Story lebt teilweise von abenteuerlichen Szenarien, jedoch mit einem ernsten Hintergrund. Die thematisierte Gewalt gegen wehrlose Kinder ist so befremdlich wie verstörend, aber durchaus realistisch. Diese unhaltbaren Zustände sind bestens ins Geschehen integriert, auch wenn dieser Thriller eher nichts für Zartbesaitete ist. Wer rasante Thriller liebt, ist hier bestens bedient.

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Veröffentlicht am 22.02.2023

Sehr berührend und einfühlsam erzählt

Als Großmutter im Regen tanzte
2

Genug ist genug! Wieder mal hat er sie geprügelt. Juni flieht vor ihren gewalttätigen Ehemann auf eine kleine norwegische Insel, ins Haus ihrer Großmutter Tekla. Nach deren Tod bewohnte es Junis Mutter ...

Genug ist genug! Wieder mal hat er sie geprügelt. Juni flieht vor ihren gewalttätigen Ehemann auf eine kleine norwegische Insel, ins Haus ihrer Großmutter Tekla. Nach deren Tod bewohnte es Junis Mutter Lilla und nun ist auch Lilla tot. Das Verhältnis der Frauen untereinander war schwierig, Unausgesprochenes stand stets zwischen ihnen. Beim Aufräumen entdeckt Juni unter vielen anderen Fotos eines, das die junge Tekla mit einem deutschen Soldaten zeigt. Die beiden scheinen glücklich zu sein – wer ist dieser Unbekannte?

Juni will mehr wissen, ihre Nachforschungen führen sie nach Berlin und in die Kleinstadt Demmin im Osten Deutschlands. Bis dato war mir Demmin und der Massensuizid kein Begriff. Kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges nahmen die Sowjets den Ort ein. Um dem Grauen zu entkommen, sahen ganze Familien keinen anderen Ausweg als die Selbsttötung.

Diese Massenselbsttötungen von Demmin sind hier verwoben mit dem Schicksal eines norwegischen Mädchens, das mit einem deutschen Soldaten eine Beziehung eingeht. Als „tyskerjentene“ werden sie stigmatisiert, als „Deutschenmädchen“. Es ist ein Buch, das eine sehr dunkle Zeit thematisiert. Eine Familiengeschichte, die von Tristesse und Hoffnungslosigkeit, von Trauer und sehr viel Angst, aber auch von einer unendlichen Liebe erzählt. Zu Schreckliches mussten sie erleiden, nicht alles kann an die nächste Generation weitergegeben werden, die Sprachlosigkeit wird zunehmend greif- und begreifbar.

Trude Teige erzählt abwechselnd aus Junis und aus Teklas Sicht. Ein berührendes Zeugnis einer schlimmen Zeit ist entstanden. Immer mehr tauche ich in Teklas Leben ein, dieser Erzählstrang dominiert, er fesselt ungemein. Juni kannte ihre Großmutter als lebensbejahende Frau. Sie malte und wenn es regnete, musste sie hinaus, sie musste einfach tanzen und sich danach vor ihrem imaginären Publikum verbeugen.

Eingepackt in eine Familiengeschichte hat mir die Autorin ein Stück Nachkriegsgeschichte nähergebracht, die ich nicht kannte. Sehr anschaulich spricht sie über eine tragische Zeit, über ein Geheimnis, das noch nachfolgende Generationen prägt. Ein großartiges Buch ist zu Ende gelesen, ich bin erschüttert ob der Grausamkeiten, gleichzeitig bin ich tief bewegt. Es ist eines der Bücher, die man nicht vergisst. Es ist ein Buch, das man unbedingt lesen sollte.

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Veröffentlicht am 20.02.2023

Spannend, kurzweilig, beste Unterhaltung

Das Flüstern der Mütter (Thriller)
2

Wenn „Das Flüstern der Mütter“ nicht Gänsehaut pur ist, was dann! Es ist nicht mein erstes Buch aus der Feder von Gunnar Schwarz und wird auch nicht das letzte sein. Seine Art, Spannung zu erzeugen, nimmt ...

Wenn „Das Flüstern der Mütter“ nicht Gänsehaut pur ist, was dann! Es ist nicht mein erstes Buch aus der Feder von Gunnar Schwarz und wird auch nicht das letzte sein. Seine Art, Spannung zu erzeugen, nimmt mich immer wieder gefangen, ich lese ohne aufzusehen, es drängt mich vorwärts. Muss weiterlesen, immer weiter…

Es geht gleich mal ziemlich heftig los, der Prolog lässt Bilder im Kopf entstehen, die man sich eigentlich gar nicht vorstellen möchte. Und dann wird sie gefunden - eine junge Frau. Sie hängt kopfüber an einem Ast, die Augen offen, sie sind fixiert. Was sollte sie sehen, was hat sie beobachtet? Oder was sonst hat diese Fixierung zu bedeuten?

Es ist der zweite Band um die Kommissare Lena Freyenberg und Henning Gerlach. Es schadet nicht, wenn man das erste Buch kennt, man kann aber ohne weiteres hiermit einsteigen, das Wesentliche wird gut ins Geschehen integriert.

Die Identität der Getöteten ist alsbald geklärt, ihr Ausweis liegt gut sichtbar neben ihrer Leiche. Ihr familiärer Hintergrund scheint in Ordnung zu sein. Eine weitere Tote wird gefunden, ähnlich zugerichtet. Gibt es Gemeinsamkeiten? Beide hinterlassen zwei Kinder, eine Glückwunschkarte mit makaberem Inhalt trifft ein, ebenso ein USB-Stick mit schrecklichen, schwer auszuhaltenden Aufzeichnungen.

Henning und Lena arbeiten gut zusammen, sie schätzen sich, können sich aufeinander verlassen. Vom Team erfährt man ein wenig Privates, nicht viel, aber doch genug, um sie gut einschätzen zu können. Mehr muss auch gar nicht sein, die Ermittlungsarbeit steht im Vordergrund. Und die hat es in sich.

Auch aus Tätersicht erfahre ich viel Interessantes. Vage könnte ich mir vorstellen, was ihn dazu treibt, die Mütter zu töten. Aber warum nimmt er den Kindern ihre Mutter? Und nach welchen Kriterien sucht er seine Opfer aus? Nicht nur ich, auch die Ermittler tappen im Dunkeln. Wird er wieder zuschlagen? Können sie einen weiteren Mord verhindern? Die intensive Suche bringt sie nicht unbedingt weiter, erst ziemlich zum Schluss wird klar, was so lange übersehen wurde. Auch ich habe mich täuschen lassen.

Ja, so mag ich es – eine Story, die lange undurchsichtig bleibt, dessen Ende man regelrecht entgegenfiebert. Mit authentischen Ermittlern, wendungsreich und geschickt ausgelegten Spuren. Ein Thriller, der gelesen werden will.

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Veröffentlicht am 17.02.2023

Die letzte weiße Kugel

Spinnennetz
5

Neun weiße Kugeln wollen abgefeuert werden, jede einzelne wird tödlich sein und eine davon ist für Joona Linna reserviert.

"Spinnennetz" - der neunte Band der Joona-Linna-Reihe hat es wieder in sich, ...

Neun weiße Kugeln wollen abgefeuert werden, jede einzelne wird tödlich sein und eine davon ist für Joona Linna reserviert.

"Spinnennetz" - der neunte Band der Joona-Linna-Reihe hat es wieder in sich, der tote Serienmörder Jurek Walter spukt noch immer herum. Saga Bauer, die nach ihrem Reha-Aufenthalt in den Polizeidienst zurück will, erhält eine Postkarte (angeblich von Jurek, das Anagramm “Artur K. Jewel” deutet darauf hin) in dem er ihr mitteilt, dass einzig sie es ist, die Joona retten kann. Sollte sie versagen, trifft ihn eine dieser weißen Kugeln.

Saga ist Dreh- und Angelpunkt für ihn, wer auch immer dahinterstecken mag. Sie bekommt ein Päckchen in die Detektei, in der sie vorübergehend arbeitet, zugeschickt. Ihr Chef hat es geöffnet und dann einfach weggepackt, der Zinnfigur darin hat er keinerlei Beachtung geschenkt. Derweilen wird Margot Silverman tot aufgefunden, grauenhaft zugerichtet. Spätestens jetzt steht fest, dass dieser Unbekannte, der sich hinter Jurek Walter versteckt, vor nichts zurückschreckt.

Das ist wieder so ein Buch, das ich am liebsten in einem Happs gelesen hätte. Spannend von Anfang an. Dass Margot, die Chefin der NOA, der Nationalen Operativen Abteilung, nicht ungeschoren davonkommt, ist bald absehbar. Hinter jedem Wort, hinter jeder Zeile, lauert das Grauen. Und es wird noch sehr viel schlimmer, als ich es mir überhaupt vorstellen kann. Das Autorenduo Kepler ist auch hier, nach acht erfolgreichen Bänden, wieder sehr einfallsreich, ich möchte diesem Unbekannten nicht begegnen und doch zieht mich das abgrundtief Böse magisch an. Ich muss lesen, einfach weiterlesen… Wer ist als Nächster dran? Nach welchem Prinzip werden die Opfer ausgesucht? Ist es noch nicht genug? Nein, es ist noch nicht vorbei, es sind noch weiße Kugeln übrig.

Es bleibt nicht bei dem einen Mord, weitere folgen und werden im Vorfeld angekündigt. Noch mehr Päckchen werden vom Täter verschickt mit schwer zu deutenden Hinweisen. Auch wenn allen voran Saga und Joona immer besser darin werden, die Zeichen zu lesen, so brauchen sie doch zu lange, sie kommen wieder und wieder zu spät.

Man muss schon Nerven wie Drahtseile haben, es geht brutal zur Sache. Und die Leser sind hautnah dabei. Sowohl bei den Taten als auch danach, wenn das Team um Joona die Leichen oder das, was davon übrig bleibt, wieder mal viel zu spät entdeckt. Jedes Mal aufs Neue, nach jedem Mord, hoffe ich, dass die Ermittler dem Täter zuvor kommen. Die furchtbaren Gräueltaten ziehen sich durchs Geschehen, es wird gnadenlos weitergemordet. Auch wenn sie ihm dicht auf den Fersen sind, so entwischt er doch, als ob er das kleinste Schlupfloch findet oder sich in Luft auflösen könnte.

So etliche schmierige Typen sind mir nicht geheuer, es geht beileibe nicht zimperlich zu. Actionreiche, heftige Szenen wechseln sich ab mit ereignisreichen, sehr intensiven und oftmals schwer auszuhaltenden Momenten, es ist wahrlich kein Buch für Zartbesaitete. Der Schluss hat mich dann nochmal richtiggehend verblüfft. Der vermeintlichen Auflösung wird dann noch eins draufgesetzt – Spannung bis zum bitteren Ende sozusagen.

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Veröffentlicht am 15.02.2023

Auf Entdeckungstour

Nice to meet you, Albanien!
2

„So unbekannt wie vielfältig…“ wird Albanien beschrieben und nachdem ich mich festgelesen habe, kann ich diese Aussage nur bestätigen. Mit Etleva Shemai, der gebürtigen und hier aufgewachsenen Albanierin ...

„So unbekannt wie vielfältig…“ wird Albanien beschrieben und nachdem ich mich festgelesen habe, kann ich diese Aussage nur bestätigen. Mit Etleva Shemai, der gebürtigen und hier aufgewachsenen Albanierin und der Journalistin Luisa Willmann habe ich angenehme, wenn auch virtuelle Reisestunden verbracht.

Bevor es immer und überall Internet gab, bin ich nicht ohne mindestens einen, meist mehreren Reiseführern in Buchform verreist. Ich mag diese vielen individuellen Tipps, die Pfade jenseits des Massentourismus, die man nur dann findet, wenn man auf Insider zurückgreifen kann und genau dies und noch so einiges mehr bietet „Nice to meet you, Albanien“.

Wenn ich mir grad mal Tirana, die Hauptstadt, herauspicke, so erfahre ich neben den landschaftlichen Reizen und der geografischen Lage auch so einiges über die Vergangenheit. Auch lerne ich ein wenig albanisch wie etwa, dass giro genau wie in Italienischen der Spaziergang ist. Der Bürgermeister kommt zu Wort, ich gehe ins Theater oder ins Operncafé, viel Sehenswertes wird angesprochen und – wie in einem Reiseführer üblich – sind Tipps für Essen und Trinken, Übernachtung, Ausflüge und noch viel mehr neben sehr ansprechenden Fotos zu finden.

Nützliches, Albanien von A bis Z, findet man am Ende des Buches. Es war, es ist eine kurzweilige Reise in ein Land, das ich als Reiseland bis soeben gar nicht gesehen habe. Ich mag es, von Land und Leuten zu lesen, war gerne auf Entdeckungstour ins Herz von Albanien. Ein Reise-Buch, das Lust und Laune auf das Land macht.

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