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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 14.03.2023

Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein ...

Der Sonne so nah
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Ich liebe ja Bücher, die auf wahren Tatsachen basieren, da kann man nebenher immer so herrlich eigene Recherchen anstellen und lernt ja auch nie aus! So habe ich mich auch riesig gefreut an einer gemeinsamen ...

Ich liebe ja Bücher, die auf wahren Tatsachen basieren, da kann man nebenher immer so herrlich eigene Recherchen anstellen und lernt ja auch nie aus! So habe ich mich auch riesig gefreut an einer gemeinsamen Leserunde zu „Der Sonne so nah“ von Axel S. Meyer teilnehmen zu dürfen. In zwei Erzählsträngen – die jeweils immer mit einem kleinen Luftschiff beziehungsweise mit einem Flugapparat verziert waren – brachte der Autor mir die beiden Erfinder Otto Lilienthal und Ferdinand Graf von Zeppelin näher. Höchst interessant was die beiden Herren trotz Spott und Hohn aus der Bevölkerung damals auf die Beine stellten. „Es ist dem Menschen nicht gegeben zu fliegen wie ein Vogel“ war die verbreitete Meinung und so mussten besonders die Lilienthal Brüder ihre Flugversuche möglichst im Verborgenen machen. Der werte Herr Pfarrer wollte die Jungs sogar ins Gefängnis stecken lassen! Doch weder Otto nebst Bruder noch Ferdinand ließen sich von ihren Plänen abbringen und kämpften bis zum Schluss für ihre Erfolge. Klasse fand ich auch, dass die Lilienthal Mutter und Frau Isabelle Zeppelin einen Part in der Geschichte fanden, denn hinter jedem erfolgreichen Mann steht ja bekanntlich auch eine starte Frau! Von mir gibt es für diesen wunderbaren biographischen Ausflug in die Fluggeschichte, gepaart mit der genau richtigen Portion Humor, mit fünf begeisterten Sternen die absolute Bestnote. Super gemacht, lieber Axel, freue mich schon auf dein nächstes Buch!

Veröffentlicht am 10.03.2023

"Ich bin wie ein Nebelwesen zwischen Zeiten und Welten" ...

Fine und die Zeit der Veränderung
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Noch ein kleines Stück des Weges darf ich die Familie Dehmel begleiten und ich muss gestehen, der Abschied fiel mir diesmal sehr schwer. Trotz des Titels „Fine und die Zeit der Veränderungen“ stehen erstmal ...

Noch ein kleines Stück des Weges darf ich die Familie Dehmel begleiten und ich muss gestehen, der Abschied fiel mir diesmal sehr schwer. Trotz des Titels „Fine und die Zeit der Veränderungen“ stehen erstmal Ulla und Heinrich Dehmel im Vordergrund. Die Zeiten sind nicht leicht für die Familie mit ihren drei Mädchen. Das Geld wird immer weniger und mit ihm scheint sich auch die Liebe zwischen den Ehepartnern zu verabschieden. Während sich Ulla zunehmend politisch engagiert, zieht Heinrich sich in sein Leben als Arzt zurück. Beide sind auf ihre eigene Art fanatisch, das kann wohl keine Ehe auf Dauer ertragen. Es kommt, wie es kommen muss und die Beiden trennen sich. Doch wo bleibt da noch Zeit und Liebe für Fine, Nellie und Beate übrig? Sie, die doch am wenigsten dafürkönnen und am meisten darunter leiden. Als schließlich noch die Nationalsozialisten mit ihren antisemitischen Hassparolen durch die Straßen marschieren, ist Ulla gezwungen ihre Kinder ziehen zu lassen. Bei einer Pflegefamilie finden sie schließlich Unterschlupf in einer Pension. Doch sind sie dort auch wirklich sicher?

Wie schon bei den Vorgängerbänden ist es für mich jedes Mal ein wenig wie nach Hause kommen, wenn ich wieder in das Leben der Familie Dehmel eintauchen darf. Nachdem Paula und Richard beide nicht mehr am Leben sind, kommen nun die nächsten beiden Generationen zum Zuge. Während natürlich auch Vera, Lottie, Ida etc. in Erscheinung treten, erfahren wir diesmal viel über Ulla und ihre, ja, ich würde es schon fast Besessenheit nennen, sich politisch zu engagieren, um die Welt zu verbessern. Sie begibt sich oft blind und ohne Rücksicht auf Verluste in Gefahr, was wiederum zur Folge hat, dass ihre große Tochter, ihr „Finemädchen“, schnell erwachsen werden und sich um ihre kleinen Geschwister kümmern muss. Während ich Ullala dafür oft hätte schütteln mögen, bleibt sie dennoch eine sympathische Frau, ein typisches Künstlerkind, das eben nicht aus ihrer Haut kann. Auch Fine hat trotz ihrer jungen Jahre schon feste Vorstellungen und scheint mit beiden Beinen im Leben zu stehen. Schnell brennt auch sie für die Ziele der Mutter, sieht jedoch auch ein, dass das wohl nicht ihr Weg werden wird.

Ulrike Renk hat eine wunderbare Gabe ihre Protagonisten sehr authentisch und lebensnah erscheinen zu lassen. Es kann nicht immer einfach gewesen sein über eine reale Familie zu schreiben und dennoch eine flüssige Romanbiografie zu erschaffen, die dem Leser und gleichzeitig den Protagonisten gerecht wird. Ich kann verstehen, dass der letzte Teil der Reihe, der die Familie durch den Zweiten Weltkrieg begleitet hätte, nicht mehr zustande kommen wird. Das wäre Ulrike aufgrund der aktuellen Situation in der Ukraine und anderen Kriegsschauplätzen einfach zu schwergefallen. Nichtsdestotrotz hätte ich persönlich gerne weitergelesen und die Mädchen noch ein weiteres Stück des Weges begleitet.

Ich vergebe natürlich mit fünf Sternen wieder die absolute Bestnote und habe mich sehr gefreut, hier mit von der Partie gewesen zu sein. Wir lesen uns bestimmt mal wieder, liebe Ulrike!

Veröffentlicht am 24.02.2023

Refugiés aus Frankreich ... sie wurden freundlich empfangen – bis es ums Geld ging ...

Das Kreuz der Hugenotten
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Dieses Buch mit seinem wunderschönen Cover hatte aufgrund seines Klappentextes und weil ich den Autor und seine Bücher sehr schätze, meine Neugier geweckt. Und was soll ich sagen, meine Erwartungen wurden ...

Dieses Buch mit seinem wunderschönen Cover hatte aufgrund seines Klappentextes und weil ich den Autor und seine Bücher sehr schätze, meine Neugier geweckt. Und was soll ich sagen, meine Erwartungen wurden um ein Vielfaches übertroffen! Ich konnte gar nicht so schnell gucken, wie ich in das frühe 18. Jahrhundert in Berlin eingetaucht war und miterleben durfte, wie sich das Leben rund um die Hugenotten und die alteingesessenen Berliner Bürger gestaltete. Claudius Crönert nahm mich mit auf eine spannende Reise und durch seine Augen konnte ich mich rasch frei im alten Berlin bewegen. Dort traf ich auf zwei starke Protagonisten namens Paul Dechamps und Lorenz Haeuser und schon bald ging es nicht mehr nur um Konflikt zwischen den Gerbern und dem Handschuhmacher Paul sondern auch um Claire Dechamps, die sich recht ungewollt einen besonderen Platz eroberte …

Während ich ein wenig überrascht war, wie wenig Raum der Bau des französischen Doms einnahm, war ich doch schnell wieder versöhnt durch die Vielfalt an Informationen, die mir mit diesem Buch vermittelt wurden, ohne auch nur einen Moment langweilig zu werden. Auf authentische Weise wird der Integrationskampf der zwei so verschiedenen Gruppen ausgefochten aber auch der gar nicht so weit zurückliegende dreißigjährige Krieg und Kurfürst Friedrichs Streben nach der Krone werden auf abwechslungsreiche Weise mit in die Geschichte eingebunden. Mit der Neuauflage dieses historischen Romans hat der GMEINER Verlag dem Autor Claudius Grönert zu neuer Aufmerksamkeit verholfen. Eine wohlverdiente Ehre, wie ich finde. Von mir bekommt das Buch begeisterte fünf Sterne und eine absolute Leseempfehlung nicht nur für geschichtsinteressierte Leserinnen und Leser!

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Veröffentlicht am 17.02.2023

Spannender Auftakt einer Trilogie rund um die Verlegerbranche ...

Das Versprechen der Jahre
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In London im beginnenden 20. Jahrhundert lernt Celia, eine junge Dame aus gutem Hause, den Verleger Oliver Lytton kennen. Ihre Eltern finden ihn nicht standesgemäß, doch Celia setzt ihren Willen durch ...

In London im beginnenden 20. Jahrhundert lernt Celia, eine junge Dame aus gutem Hause, den Verleger Oliver Lytton kennen. Ihre Eltern finden ihn nicht standesgemäß, doch Celia setzt ihren Willen durch und schnell werden die Beiden ein Paar. Doch nur die Haushaltsführung und Muttertätigkeiten genügen der frischvermählten Celia nicht. Sie ist intelligent und möchte ihr Wissen im familieneigenen Verlag, der von Oliver gemeinsam mit seiner Schwester Meg geführt wird, einsetzen. Besonders als Oliver an die Front muss, ist sie eine ungeheure Bereicherung, doch nicht alles im Leben läuft nach Plan …

Ok, ok, ich habe in vorhergehenden Rezensionen schon gelesen, dass einige Leserinnen den Roman auf Groschenheft-Niveau abstufen. Das finde ich absolut ungerechtfertigt. Neben dem spannenden Thema, das sich rund um den Verlag, Bücher und Schriftsteller dreht, fand ich die Geschichte flüssig und angenehm zu lesen. Mir hat sie jedenfalls Lust auf die nächsten beiden Bände gemacht und somit vergebe ich hier gerne fünf Sterne und eine Leseempfehlung an alle, die auch einfach mal wieder mit einem Schmöker auf der Couch an einem langen Wochenende abtauchen möchten.

Veröffentlicht am 07.02.2023

Wir schauen vorwärts ... nie zurück, das schmerzt zu sehr ...

Hanne. Die Leute gucken schon
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Man sollte den Vorgängerband rund um Minna und ihre Eltern auf jeden Fall gelesen haben, um hier wieder fast nahtlos anknüpfen zu können. Ich hatte „Minna. Kopf hoch, Schultern zurück“ ja erst kürzlich ...

Man sollte den Vorgängerband rund um Minna und ihre Eltern auf jeden Fall gelesen haben, um hier wieder fast nahtlos anknüpfen zu können. Ich hatte „Minna. Kopf hoch, Schultern zurück“ ja erst kürzlich begeistert beendet und war somit sofort wieder drin im Geschehen und in der Familie. Diesmal steht Minnas Tochter Hanne im Mittelpunkt, wobei dies gar nicht so einfach ist, denn sie ist ein stilles und fast zu braves Kind, das nie aus der Reihe schlägt. Sie scheint ein typisches Nachkriegskind zu sein, hat die Grauen des Krieges überstanden hat und nun soll nach vorne geschaut werden, weshalb vieles – damals aber wohl nicht unüblich – unter den Teppich gekehrt wird. Die kriegsbedingten Probleme werden totgeschwiegen, was man leider von der Erkrankung von Mutter und Tochter nicht sagen kann. Beide, Mutter und Tochter, erkranken an Tuberkulose und nur durch viel Geduld und Glück überstehen es Beide recht unbeschadet. Ihre Umgebung geht mit der damals oft todbringenden Krankheit leider nicht so gnädig um und so verliert Minna ihre schöne Schneiderwerkstatt und ist – inzwischen ohne Mann – auf sich selbst gestellt. Überhaupt haben weder Mutter noch Tochter Glück mit ihren Männern. Als Hann zu allem Übel auch noch ungewollt schwanger wird, scheint ihr Schicksal besiegelt. Doch hier wird Minna zur Kämpferin und schließt schließlich einen Pakt mit dem Teufel, der Auswirkungen auf das gesamte restliche Leben haben wird …

Wunderbar flüssig geschrieben, hatte die Autorin mich mit ihrer Geschichte schnell wieder in den Bann gezogen. Ihr Roman mit vielen autobiografischen Elementen fesselt und berührt und ließ mich das Buch nur schwer aus der Hand legen. Zu Ende sind wir in den späten 70er Jahren angekommen und ich bin nun schon unheimlich gespannt, wie es mit Romy – die natürlich die Autorin selbst darstellt – weitergehen wird. Sie ist nur unmerklich älter als ich selbst und ich denke, es wird wieder einiges an Parallelen und Wiedererkennungsfaktoren geben. Felicitas Fuchs, vielen besser bekannt als Carla Berling, hält den Spannungsbogen hoch und zeichnet in ihren Büchern ein sehr authentisches Bild der damaligen Zeit. Von mir gibt es auch für diesen zweiten Teil wieder wohlverdient die volle Punktzahl und nun sitze ich hier voller Vorfreude auf den dritten und letzten Teil, der im Juli dieses Jahres erscheinen wird. Bin schon sehr gespannt!

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