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Veröffentlicht am 28.02.2023

Zwei kaputte Frauen auf Crashkurs zueinander

Du lügst. Du stirbst.
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Die junge und attraktive Olivia will zusammen mit ihrem Mann Jacob in einem kleinen schottischen Dorf einen Neuanfang wagen. Sie hat ihren Namen in Scarlett Dyer geändert, und zunächst gestaltet sich ihr ...

Die junge und attraktive Olivia will zusammen mit ihrem Mann Jacob in einem kleinen schottischen Dorf einen Neuanfang wagen. Sie hat ihren Namen in Scarlett Dyer geändert, und zunächst gestaltet sich ihr neues Leben auch zu ihrer Zufriedenheit. Aber jemand im Ort scheint sie und ihre vorherigen Missetaten zu kennen und lässt sie auffliegen. Damit beginnt wie schon an ihrem früheren Wohnort eine Spirale brutaler Gewalt, die Scarlett nicht mehr steuern kann. Wer steckt hinter diesen bösen Taten und will damit erreichen, dass sie vernichtet wird?
Dieser Roman ist tatsächlich mal etwas völlig anderes. Die Protagonistin ist zwar von zierlicher Gestalt und versteht es, die Menschen für sich einzunehmen, aber hinter dieser Fassade lauert das Böse. Sie rechtfertigt ihre perfiden Rachepläne mit ihrer ureigenen Vorstellung von Gerechtigkeit und löst damit eine Lawine verstörender Ereignisse aus. Das Ende erschlug mich.
Um die Wahrheit zu sagen: Ich fand diesen Thriller entsetzlich, und meine Abscheu für die Protagonistin wuchs von Seite zu Seite. Dennoch muss ich anerkennen, dass die Autorin ein fast perfektes Bild zweier kaputter Menschen gezeichnet hat. Ich ziehe lediglich einen Stern ab, weil für den Leser von Anfang an klar war, wer der Antagonist ist und damit die Spannung getötet wurde.

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Veröffentlicht am 19.12.2025

Das Böse unter der Sonne Schwedens

Rostiges Grab
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Dies ist der dritte Band einer Nordic Noir Krimireihe aus Schweden. Die Kriminalbeamtin Leonore Asker steht kurz vor ihrer Beförderung. Bislang leitete sie mit Erfolg die sogenannte Abteilung für Verlorene ...

Dies ist der dritte Band einer Nordic Noir Krimireihe aus Schweden. Die Kriminalbeamtin Leonore Asker steht kurz vor ihrer Beförderung. Bislang leitete sie mit Erfolg die sogenannte Abteilung für Verlorene Seelen. Aber bevor sie ihren neuen Posten antritt, drängt man ihr den Cold Case der vor zehn Jahren aufgefundenen verstümmelten Leiche einer jungen Ukrainerin auf. Deren dringend tatverdächtiger Ehemann ist seitdem verschwunden. Der Verdacht erhärtet sich, dass er sich bei seiner asozialen Familie im sogenannten Rostskogen, einem finsteren, verwahrlosten Waldstück mit einer ehemaligen Torffabrik, versteckt hält, denn dort wurde nun der abgetrennte und seitdem ebenfalls verschwundene Ringfinger der Toten wiedergefunden. Und es geht auch um den Fall einer im Jahre 1973 dort entdeckten Moorleiche, dem sogenannten Graumädchen, einem archäologisch interessanten Fund aus grauer Vorzeit. Leonore ist in einem inneren Zwiespalt. Natürlich reizt sie dieser ungeklärte Fall, aber wenn sie bei der erneuten Suche nach dem Mörder einen Misserfolg erleidet, kann sie ihre Beförderung abhaken. Und es gibt ein paar Zeitgenossen, denen es gar nicht gefallen würde, wenn sie diesen Fall neu aufrollt und womöglich zu einem erfolgreichen Ende bringt.

Zunächst das Positive. Leo Asker ist eine schlagkräftige und toughe Protagonistin, die keiner Konfrontation aus dem Weg geht. Auch wenn sie mir nicht wirklich sympathisch geworden ist, nötigt sie mir Respekt ab. Der düstere Rostskogen ist so bildhaft beschrieben, dass einem ein wohliger Schauer über den Rücken läuft. Und dass das Betreten dieses Geländes mit Lebensgefahr verbunden ist, bleibt keinem verborgen. Die Eigentümer, die Familie Offerlund, verteidigen ihre Privatsphäre mit Brachialgewalt. Wer hier unerlaubt eindringt, wird niemals wieder auftauchen. Und genau da hinein wagt sich Leo Asker im Alleingang. Manche Kapitel sind so packend, nervenzermürbend und bombastisch, dass man es kaum aushält. Wer ein schwaches Herz hat, sollte diesen Krimi besser nicht lesen.
Man könnte ihn also mit Wonne genießen, wenn uns das Kapitel auf den Seiten 202 bis 204 erspart geblieben wäre. In widerwärtigen Details bekommen wir hier grausame Tiermisshandlungen präsentiert. Da spricht der Katzenhasser, das Mittelalter lässt grüßen. Für solche Schilderungen habe ich nicht das allergeringste Verständnis, weiß man doch, dass sie allzu oft zu Nachahmungstaten führen. Hier fehlt ganz klar eine Trigger-Warnung am Anfang des Buches.
Damit war mir die Freude an diesem ansonsten spektakulären Schmöker gründlich verdorben. Da konnte auch der vor Action triefende Showdown nichts mehr retten. Am Ende klärt sich alles auf, die Zusammenhänge erweisen sich als perfider und verzweigter, als zunächst abzusehen war, und der Cliffhanger der letzten Zeilen lässt keinen Zweifel daran, dass es einen weiteren Band geben wird.

Mein persönliches Fazit: Ohne die unsäglichen Seiten 202 bis 204 hätte ich diesem Schweden-Krimi fünf Sterne gegeben. So werden es mit viel gutem Willen nur drei. Sehr schade.

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Veröffentlicht am 28.07.2025

Geschmackssache

Gefährliche Aussicht
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Eine hochschwangere Frau stürzt aus dem Dachfenster ihres Landhauses in Saint-André und stirbt kurz darauf. Schon bald wird klar, dass es sich dabei nicht um einen Unfall handelt. Kommissarin Marie Mercier ...

Eine hochschwangere Frau stürzt aus dem Dachfenster ihres Landhauses in Saint-André und stirbt kurz darauf. Schon bald wird klar, dass es sich dabei nicht um einen Unfall handelt. Kommissarin Marie Mercier und ihr Mitarbeiter Richard Martin nehmen die Ermittlungen auf. Es gibt eine Reihe von Verdächtigen, aber jeder von ihnen hat ein hieb- und stichfestes Alibi. Im Laufe der folgenden Tage offenbaren sich erbitterte Rivalitäten zwischen den Dorfbewohnern, es bröckelt an der Fassade des nach außen hin so harmonischen Miteinanders. Und dann wird der Hauptverdächtige ermordet aufgefunden.

Ohne Zweifel ist dieser fünfte Band der Périgord-Krimireihe spannender und atemloser als der vorhergehende. Zu sagen, dass sich in der beschaulichen Dorfgemeinschaft Abgründe auftun, wäre eine Untertreibung. Dennoch bietet die Autorin wieder herzerwärmende und humorvolle Einlagen. Das Leben in Saint-André fühlt sich zum Greifen nah an, bezaubernde Landschafts- und Milieuschilderungen ziehen den Leser in ihren Bann. Soweit zur ersten Hälfte des Romans.

Danach ärgern mich etliche spießbürgerlich-kleinkarierte Ansichten und Äußerungen der beiden Ermittler, die mir dadurch zunehmend unsympathisch werden. Und die Todesursache beim zweiten Mord ist hanebüchen. Peinlich.

Im Großen und Ganzen liest sich dieser Périgord-Krimi angenehm, das Cover ist wunderschön, und das Buch liegt gut in der Hand. Ich persönlich hätte mir jedoch in Bezug auf die liebevoll beschriebenen Delikatessen mehr Sensibilität gegenüber den auf Achtsamkeit und Tierwohl bedachten Lesern gewünscht.

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Veröffentlicht am 10.02.2025

Nicht der große Wurf

Der Seher
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Ein vermeintlicher Schatz unter dem Dresdner Zwinger führt zu einem tödlichen Streit zwischen zwei Bauarbeitern. Doch in der vergrabenen Zeitkapsel finden sich keine Reichtümer, sondern die Knochen eines ...

Ein vermeintlicher Schatz unter dem Dresdner Zwinger führt zu einem tödlichen Streit zwischen zwei Bauarbeitern. Doch in der vergrabenen Zeitkapsel finden sich keine Reichtümer, sondern die Knochen eines Kleinkindes. Schon bald ermittelt der Kryptologe Arne Stiller, dass es sich dabei um den vor siebzehn Jahren verschwundenen Säugling Jan Köpke handelt. In der Zeitkapsel ist ein Code eingraviert, der nicht zu knacken ist. Und dann ist da noch der selbsternannte Seher Moritz Schrader. Er drängt sich der Dresdner Kripo auf, will dabei helfen, diesen Fall und den des kürzlich entführten Kleinkindes Tibor zu lösen. Aber Stiller lehnt diese Zusammenarbeit rigoros ab. Ein Fehler?

Was in rasantem Erzähltempo und mit viel Spannung beginnt, versandet leider allzu schnell in klischeehaften Wendungen. Die Figur des Arne Stiller erscheint mir eher wie dessen Karikatur. Seine Weigerung, eine Zusammenarbeit mit dem Seher auch nur in Erwägung zu ziehen, kommt genauso kindisch rüber wie das Auftreten seiner neuen Praktikantin. Die Passagen, in denen der Täter vorgestellt wird, sind nebulös, seine Beweggründe bleiben zwischen den Zeilen verborgen. Die Auflösung am Ende des Romans ist schlicht unglaubwürdig. Schade. Dabei hatte der Anfang durchaus Potential, eine spätere Szene ist aus einer originellen Erzählperspektive heraus geschrieben. Doch auch hier hat sich der Autor in Binsenweisheiten verrannt. Noch schader.

Ich hoffe, der nächste Arne-Stiller-Thriller wird wieder die gewohnt schnoddrige Erzählweise liefern, die wir Stammleser so schätzen. Das hier war leider nichts.

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Veröffentlicht am 09.11.2024

Finster und grausam

Frevel
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In diesem historischen Thriller aus dem Frankfurt des beginnenden 19. Jahrhunderts trifft der feinsinnige Zeitungsschreiber Johann auf die abgebrühte Manon, Tochter eines Mitglieds des Collegium Medicinum. ...

In diesem historischen Thriller aus dem Frankfurt des beginnenden 19. Jahrhunderts trifft der feinsinnige Zeitungsschreiber Johann auf die abgebrühte Manon, Tochter eines Mitglieds des Collegium Medicinum. Manons Vater ist besessen davon, durch das Sezieren von Toten wichtige Erkenntnisse für die Medizin zu gewinnen, der verstorbene Mensch als Individuum interessiert ihn nicht. Eigentlich ist es Johanns Aufgabe, für den Frankfurter Korrespondenten bluttriefende Berichte über Mordfälle zu schreiben, aber dann stolpern die beiden jungen Leute mitten hinein in eine grausige Mordserie.

Als Leser tauchen wir tief ein in das blutrünstige, pralle, derbe und gewalttätige alte Frankfurt. Bietet das erste Kapitel noch einen spektakulären Anfang mit einem gelungenen Cliffhanger, so spinnt die Autorin diesen Faden leider nicht weiter. Die aufregende Szene endet abrupt. Stattdessen reihen sich voneinander unabhängige Kapitel aneinander. Zweifellos ist die Autorin sprachgewaltig, sie verfügt über profunde historische Kenntnisse, aber dabei konzentriert sie sich auf grausige Einzelheiten. Hinrichtungen und Verstümmelungen werden in liebevollen Details beschrieben. Man hat das Gefühl, die Menschen damals lebten in fortwährender Angst und ohne jede Freude. Auch mit den beiden Hauptfiguren bin ich nicht warm geworden. Und der Erzählstil ist mitunter holprig, was das Lesen erschwert und der Spannung leider abträglich ist.

Alles in allem konnte mich dieser Thriller nicht fesseln.

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