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Veröffentlicht am 09.04.2023

Opfer oder Täter?

Verschwiegen
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Mit „Verschwiegen“ von Eva Björg Aegisdottir habe ich eine neue Autorin und Krimiserie für mich entdeckt, die ich auf jeden Fall weiterverfolgen werde.

Mit der Polizistin Elma ist eine wirklich sympathische ...

Mit „Verschwiegen“ von Eva Björg Aegisdottir habe ich eine neue Autorin und Krimiserie für mich entdeckt, die ich auf jeden Fall weiterverfolgen werde.

Mit der Polizistin Elma ist eine wirklich sympathische Figur gelungen. Elma kehrt in ihre Heimatstadt Akranes zurück um einen Neuanfang zu wagen. Gleich ihr erster Fall hat es ordentlich in sich. Eine Frau wird tot aufgefunden. Was auf den ersten Blick als Unfall mit Fahrerflucht durchgehen könnte, entpuppt sich zu einem vielschichtigen Drama voller Abgründe und Geheimnisse.

„Verschwiegen“ ist kein blutrünstiger Krimi, hier stehen eher persönliche Tragödien und deren Folgen im Vordergrund. Die Charaktere sind voller Facetten und nicht stereotyp als gut oder böse einzuordnen, wodurch die Figuren sehr realitätsnah wirken. Insbesondere Elisabeth, die wir durch Rückblenden näher kennenlernen, entpuppt sich sich im Verlauf der Handlung als weit mehr als nur ein Mordopfer.

Obwohl sich der Schreibstil der Autorin flüssig und angenehm liest, ist es insbesondere am Anfang wichtig, dass man mit voller Konzentration bei der Sache ist. Ich habe das Buch außerhalb meiner gewohnten Leseumgebung begonnen und hatte zunächst etwas Schwierigkeiten, die vielen Personen auseinander zu halten und Zusammenhänge zu erkennen, vor allem, da die isländischen Namen teilweise etwas schwierig sind und es nicht immer sofort ersichtlich ist, ob es sich um Männer oder Frauen handelt.

Was ich sehr positiv finde ist, dass sich auch in der deutschen Übersetzung alle Personen in diesem Buch duzen. Dies ist ja in vielen nordischen Ländern so üblich, wird aber oft bei Übersetzungen an die deutsche Anrede angepasst. Ich finde die Du-Form viel authentischer und es gibt den Dialogen etwas viel freundlicheres und persönlicheres.

Außerdem mochte ich, dass „Verschwiegen“ bis zum Schluss undurchsichtig ist und sich tatsächlich erst auf den letzten Seiten enthüllt, was geschehen ist. Auch in Sachen Elma gibt es im Epilog nochmal eine überraschende Wendung.
Elma, ihre Familie und ihre Kollegen haben auf jeden Fall noch viel Potenzial und ich freue mich sehr auf ein Wiedersehen in Band 2.

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Veröffentlicht am 12.03.2023

Könnte gerne noch weitergehen

Eine Sehnsucht nach morgen
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Bei Band 1 hatte ich noch nicht damit gerechnet, dass ich so viel Abschiedsschmerz empfinden werde, wenn ich am Ende der Reihe ankomme. Inge, Bärbel, Jakob und Co. sind mir so ans Herz gewachsen, dass ...

Bei Band 1 hatte ich noch nicht damit gerechnet, dass ich so viel Abschiedsschmerz empfinden werde, wenn ich am Ende der Reihe ankomme. Inge, Bärbel, Jakob und Co. sind mir so ans Herz gewachsen, dass ich sie nur ungern gehen lasse und ihr Leben am Liebsten noch weiter durch die Jahrzehnte begleiten möchte.
Mit „Eine Sehnsucht nach morgen“ befinden wir uns mittlerweile Ende der 60er Jahre.
Im finalen Band fokussiert die Handlung insbesondere auf Bärbel, die als frischgebackene Assistenzärztin ins Ruhrgebiet zurückkehrt. Als Frau mit wenig Berufserfahrung ist es nicht einfach, im Krankenhaus Fuß zu fassen, insbesondere, da die älteren männlichen Ärzte den Begriff „Halbgott in weiß“ buchstäblich leben.
Privat trifft Bärbel auf ihre Jugendliebe Klaus, was das Chaos auf allen Ebenen perfekt macht.
Auch bei den anderen Familienmitgliedern passiert laufend etwas Neues. Jakob ist mittlerweile ein Teenager, der seine politischen Interessen bei Demos durchzusetzen versucht.
Dies ist insbesondere deswegen interessant, da Parallelen zur heutigen Jugend zu erkennen sind. Teilweise sind es sogar immer noch die selben Themen, wegen denen Menschen auf die Straße gehen.
Es gibt viele Charaktere in diesem Buch. Neben der Familie runden Nachbarn, Kollegen und Freunde das Sammelsurium an Personen und Problemen ab. Ehekrisen, Krankheiten, Liebesdramen, Karrierewünsche... von allem ist etwas dabei und es kommt zu keiner Zeit Langeweile auf.
Das Ende kommt gefühlt viel zu schnell und man kann kaum glauben, wie schnell 460 Seiten gelesen waren.

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Veröffentlicht am 03.03.2023

Enge Familienbande

Ein Gefühl von Hoffnung
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„Ein Traum vom Glück“, der Auftakt der Ruhrpott-Saga hatte mich nicht so ganz überzeugt, da ich Inge aber als vielversprechenden Charakter empfand, habe ich der Reihe eine weitere Chance gegeben.
Zum ...

„Ein Traum vom Glück“, der Auftakt der Ruhrpott-Saga hatte mich nicht so ganz überzeugt, da ich Inge aber als vielversprechenden Charakter empfand, habe ich der Reihe eine weitere Chance gegeben.
Zum Glück! Schon nach wenigen Seiten war mir klar, dass ich „Ein Gefühl von Hoffnung“ sicherlich mit 5 Sternen bewerten werde und diese Ahnung hat sich zum Schluss auch bewahrheitet.
Die Geschichte hat mich sehr schnell abgeholt und konnte mich durchgängig fesseln.
Seit dem ersten Band sind mehrere Jahre vergangen. Inge, die im Zentrum dieses Teils steht, ist mittlerweile 23 Jahre alt. Sie ist eine sehr pflichtbewusste junge Frau und ihre jüngeren Geschwister, ihr kriegsversehrter Vater und ihr Beruf als Buchhändlerin halten sie ordentlich auf Trapp.
Auch die Liebesgeschichte, die die Autorin einbaut, ist wunderbar romantisch. Ich fand zwar den „Partnertausch“ ein wenig Soap-Opera mäßig aber ich mochte die Charaktere so gerne und habe beiden die Daumen gedrückt.
Neben Inge ist insbesondere auch Johannes ein toller Protagonist. Er ist immer hilfsbereit, egal ob es um Familie oder Nachbarn geht. Jeder kann sich bedingungslos auf ihn verlassen und man wünscht sich, auch so einen Johannes im Leben zu haben.
„Ein Traum vom Glück“ ist ein sehr authentisches Portrait einer Familie Ende der 50er Jahre, zwischen Aufschwung und Geldsorgen, neuen und alten Konventionen.
Es ist auch eine Geschichte voller Zusammenhalt und engen Familienbanden. Ein wirklich toller, lesenswerter Schmöker. Ich freue mich, dass es noch einen dritten Teil gibt.

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Veröffentlicht am 03.03.2023

Brutaler als Band 1

If You Fly
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„If you fly“ setzt nahtlos da an, wo „If you fall“ geendet hat. John ist weg und Maggie versucht, über ihren Liebeskummer hinwegzukommen, als plötzlich zwei Mafioso vor der Tür stehen und sie entführen. ...

„If you fly“ setzt nahtlos da an, wo „If you fall“ geendet hat. John ist weg und Maggie versucht, über ihren Liebeskummer hinwegzukommen, als plötzlich zwei Mafioso vor der Tür stehen und sie entführen.
Da mich Band 1 sehr begeistert hatte, habe ich mich direkt auf die Fortsetzung gestützt. Die Geschichte ist definitiv kurzweilig und man leidet und fiebert mit Maggie mit.
Trotzdem empfand ich stellenweise Enttäuschung, denn dieser Teil ist im Gegensatz zum Vorgänger kein romantisches Wohlfühlbuch. Tante Edda, die Kids und Hasi haben nur Gastauftritte und auch John, für den ich selbst ein wenig schwärme, tritt erst im letzten Drittel des Buches wieder in Erscheinung.
Diese Mal präsentiert Any Cherubim wirklich einen Mafia-Roman, der auch mit Folterszenen und Gewalt nicht spart.
Aufgrund der Kürze der Geschichte kommt keine Langweile auf und zum großen Finale reißt die Autorin das Ruder noch einmal völlig herum und präsentiert überraschende Wendungen. Die letzten Kapitel haben mich richtig begeistert, so dass ich wieder 5 Sterne vergeben.
Sehr gut gelungen sind auch die abschließenden „Was wurde aus...“ Kapitel.
Dominic Kolb läuft nochmal zu Hochtouren auf. Wie er aus Sicht der Tiere Hasi und Khan liest, ist einfach großes Kino und ich kam aus dem Lachen nicht mehr heraus.

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Veröffentlicht am 26.02.2023

Außergewöhnlicher Thriller

Wolfskinder
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Der Klappentext von Vera Bucks „Wolfskinder“ hat nicht zu viel versprochen. Dieser Thriller überzeugt mit einer Story, die selbst für Leser, die viel in diesem Genre unterwegs sind, außergewöhnlich ist. ...

Der Klappentext von Vera Bucks „Wolfskinder“ hat nicht zu viel versprochen. Dieser Thriller überzeugt mit einer Story, die selbst für Leser, die viel in diesem Genre unterwegs sind, außergewöhnlich ist. Schon allein der Schauplatz ist unheimlich und gleichzeitig faszinierend. Mitten in den Bergen liegt das kleine Dorf Jakobsleiter. Die Bewohner haben sehr einfache, fensterlose Behausungen, es gibt keine Elektrizität und keine Geschäfte. Die Menschen leben völlig für sich und bis auf die beiden Jugendlichen Jesse und Rebekka umgibt alle Einwohner eine furchteinflößende Ausstrahlung. Besonders unheimlich ist Edith, ein Kind von 8 bis 10 Jahren. Sie spricht nicht, ging nie zur Schule, scheint aber hyperintelligent zu sein. Edith ist mit völlig verqueren Moralvorstellungen aufgewachsen und Gedankengänge, die für sie selbstverständlich sind, sind für uns schockierend. Kapitel aus ihrer Sicht waren ein Garant für Grusel.

Als im angrenzenden Dorf eine Lehrerin verschwindet, stellt die Volontärin einer Zeitung einen Zusammenhang zu anderen Vermisstenfällen her. Plötzlich wird Jakobsleiter von Presse und Polizei heimgesucht. Dunkle und überraschende Geheimnisse kommen ans Licht.

Die Geschichte wird abwechselnd aus Sicht verschiedener Personen erzählt. Jesse, Edith und Rebekka aus Jakobsleiter, die Lehrerin Laura und die Volontärin Smilla, die nie über das Verschwinden ihrer Schulfreundin Juli hinweggekommen ist, sind die Erzähler.
Ich fand alle Perspektiven gleich fesselnd. Der Schreibstil von Vera Buck ist sehr atmosphärisch, sie beschreibt sehr eindrucksvoll den Wald, die Berglandschaft mit all seinen Tücken und unbegehbaren Wegen. Auch ein zahmer Wolf betritt immer wieder die Bühne und gibt der Handlung zusätzlich einen besonderen Touch.
Es hat mich absolut begeistert, wie die Autorin immer wieder einen neuen Schocker hervorholt. Es reißt wirklich nicht ab und obwohl ich viele Thriller lese, ist dieses Buch mit keinem zu vergleichen.
Vor allem habe ich schon länger nichts gelesen, bei dem ich zwischendurch immer wieder innehalte und über meine eigenen Spekulationen nachdenke. Von diesen Grübelein abgesehen ist es nahezu unmöglich, das Buch aus der Hand zu legen oder diese Welt zu verlassen. Ein echter Page turner, bei dem jede einzelne Seite spannend ist. Erst gegen Schluss fügen sich die Puzzleteile zusammen und liefern ein sehr komplexes Ende, die Grenzen zwischen Freund und Feind, Hilfsbereitschaft und Verbrechen vermischen sich.
„Wolfskinder“ ist ein unfassbar guter Thriller, wer das nicht liest, verpasst wirklich was.

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