Wir dürfen nicht vergessen
Ich war das Mädchen aus AuschwitzNach längerer Zeit habe ich mich wieder einmal an eine Biografie bzw. biografischen Roman einer der letzten Zeitzeugen des Holocaust gewagt. Gelesen habe ich dazu schon sehr viel. Mit "Ich war das Mädchen ...
Nach längerer Zeit habe ich mich wieder einmal an eine Biografie bzw. biografischen Roman einer der letzten Zeitzeugen des Holocaust gewagt. Gelesen habe ich dazu schon sehr viel. Mit "Ich war das Mädchen aus Auschwitz" erzählt Tova Friedman von ihrer Zeit im Ghetto und im Konzentrationslager Auschwitz. Tova wurde 1938 in Ggdynia, Polen, geboren. Sie war vier Jahre alt, als man sie gemeinsam mit Mutter und Vater nach Auschwitz-Birkenau deportierte. Von den 50.000 jüdischen Kindern der polnischen Stadt Tomaszow Mazowiecki, in der sie mit ihrer Familie wohnte, ist sie nur eine von fünf überlebenden Kindern.
Die mittlerweile 85jährige Tova gehört in der heutigen Zeit zu den wohl allerletzten Zeitzeugen. Beim Lesen ihres Schicksals musste ich oftmals innehalten und ein anderes Mal ungläubig den Kopf schütteln. Wie viel Glück im Unglück Tova hatte, ist unbeschreiblich. Und es ist ihr ein großes Anliegen darüber zu berichten, damit wir nicht vergessen....
Tova hat sich dazu entschlossen nicht nur ihre Lebensgeschichte gemeinsam mit Co-Autor Malcolm Brabant zu erzählen, sondern sie ist auch mit ihrer Enkelin auf TikTok unterwegs. Sie gehört zu den engagiertesten Stimmen gegen das Vergessen. Tova erzählt nicht nur in den Sozialen Medien über ihr Schicksal, sondern auch in Schulen, nachem sie erfahren musste, dass 2/3 der jungen amerikanischen Bevölkerung mit dem Ort Auschwitz und dem Holocaust nichts anfangen können. Wie erschreckend ist das bitte?
Tova erzählt aus der Zeit im polnischen Ghetto und ihrem Aufenthalt im Konzentrationslager Auschwitz. Manche mögen sich fragen, wie sich eine damals 4-jährige so genau an viele Dinge erinnern kann. Ich denke viele Ereignisse haben sich in ihre kindliche Seele gebrannt, aber vorallem die genauen Tagebucheinträge ihres Vaters haben diese Zeit festgehalten. Nachdenklich machte mich auch der Gedanke, dass Tova die ersten Jahre ihres Lebens nichts anderes kannte, als das Leben im Ghetto, Krieg, Hass und Vernichtung. Beeindruckt hat mich vorallem die Stärke ihrer Mutter Reizel, die Tova viele wichtige Verhaltensweisen einprägte, die ihr sicherlich auch geholfen haben zu überleben.
Diese Biografie endet nicht bei der Befreiung aus dem Konzentrationslager, sondern wir erfahren auch mehr über Tovas Leben nach dem Krieg, ihr Aufwachsen in New York und Israel. Erschütternd ist, dass sie auch im späteren Leben immer wieder auf Krieg und Antisemitismus trifft.
Mehr möchte ich über den Inhalt gar nicht schreiben, denn jeder sollte dieses Buch #gegendasvergessen lesen. In der Mitte gibt es einige Fotografien von Tova, ihrer Familie und späteren Besuchen in Auschwitz-Birkenau, wie zum Beispiel beim 75. Jahrestag der Befreiung.
Eine solche Biografie zu bewerten ist eigentlich unmöglich und steht mir auch nicht zu. Für diverse Plattformen und weil es es ein Reziexemplar ist, vergebe ich hiermit meine 5 Sterne.
Fazit:
Eine schonungslose Erzählung von einer der letzten Zeitzeugen, die ich jedem ans Herz lege. Erschütternd und authentisch. Wir dürfen nicht vergessen, was damals passiert ist und müssen gegen jeglichen Rassismus vorgehen.