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Veröffentlicht am 28.05.2023

Ein spannender Phantastik-Jugendroman, der eine dichte Atmosphäre besitzt

Die letzten Hexen von Blackbird Castle
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Inhalt: Das Leben der zwölfjährigen Zita Brydgeborn ändert sich schlagartig, als plötzlich eine Vogelscheuche über die Gartenmauer steigt und ihr einen Brief übergibt: Sie soll die Alleinerbin von Blackbird ...

Inhalt: Das Leben der zwölfjährigen Zita Brydgeborn ändert sich schlagartig, als plötzlich eine Vogelscheuche über die Gartenmauer steigt und ihr einen Brief übergibt: Sie soll die Alleinerbin von Blackbird Castle sein, einem riesigen Schloss, das einsam auf einer Bergkuppe liegt. Dort angekommen, erwarten sie aber nicht nur zwei Diener, die bestimmte Dinge nicht sagen können, eine Nachlassverwalterin, die sie nicht ausstehen kann, und einige Geheimnisse, die im Gemäuer von Blackbird Castle schlummern – Zita erfährt außerdem, dass sie eine Hexe ist…

Persönliche Meinung: „Die letzten Hexen von Blackbird Castle“ ist ein phantastischer Jugendroman von Stefan Bachmann. Erzählt wird die Handlung aus der Ich-Perspektive Zitas, die wir bei ihrer Ausbildung zur Hexe begleiten (das Hexensein funktioniert im Roman etwas anders als üblich, was eine schöne Abwechslung zu altbekannten Hexenmotiven ist). Gleichzeitig erkundet man während der Lektüre gemeinsam mit Zita Blackbird Castle. Denn: Dort passieren einige merkwürdige Geschehnisse, deren Ursprung Zita ans Licht bringen möchte. Eine große Stärke des Romans ist seine Atmosphäre: In bildhafter, mit schönen Vergleichen und Metaphern gespickter Sprache werden hier viele dichte, leicht schaurige Szenerien entworfen (Ich will hier jetzt nicht zu viel spoilern, welche Orte Zita aufsucht. Nur: Man findet in „Die letzten Hexen von Blackbird Castle“ quasi alles, was das Gothic novel-Herz begehrt, allerdings so verpackt, dass es sich auch für jüngere Lesende eignet). Was mir ebenfalls gut am Roman gefallen hat, sind die vielen originellen phantastischen Elemente: Klar, bestimmte Motive, Gegenstände etc. hat man irgendwie so schon mal gelesen, aber es findet sich über die gesamte Handlung hinweg doch recht viel Anderes und Neues. Die Handlung entfaltet sich zunächst behutsam, gewinnt dann aber, durch leichte Mysteryelemente und Gruselmomente, immer mehr an Spannung. Die Handlung schließt zudem mit einem überraschenden Twist, der schön aufgebaut wird. Der Schreibstil von Stefan Bachmann ist anschaulich, reich an satten Bildern und lässt sich sehr flüssig lesen. Insgesamt ist „Die letzten Hexen von Blackbird Castle“ ein spannender Phantastik-Jugendroman, der erzählerisch mit einer dichten Atmosphäre auftrumpft.

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Veröffentlicht am 02.05.2023

Eine spannende Fortsetzung

Die Zentrale
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Inhalt: Nachdem die Bankerin Laura Jacobs einen Komplott bei der BWG Bank entdeckt hat, wird sie von der Chefetage zum Hauptquartier der Bank beordert, um dort mit bei der restlosen Aufklärung des finanziellen ...

Inhalt: Nachdem die Bankerin Laura Jacobs einen Komplott bei der BWG Bank entdeckt hat, wird sie von der Chefetage zum Hauptquartier der Bank beordert, um dort mit bei der restlosen Aufklärung des finanziellen Skandals behilflich zu sein. Doch je länger Laura sich mit den Finanzen der Bank beschäftigt, desto deutlicher wird: Der von ihr entdeckte Komplott ist nur die Spitze des Eisbergs…

Persönliche Meinung: „Die Zentrale – Allein gegen das System“ ist ein Thriller, der in der Finanz- und Bankenwelt spielt. Es handelt sich um den zweiten Band der „Laura Jacobs“-Reihe, die mit „Die Filiale“ begonnen hat. Da „Die Zentrale“ inhaltlich auf „Die Filiale“ aufbaut, ist es sinnvoll, die Bände chronologisch zu lesen (fängt man mit „Die Zentrale“ an, spoilert man sich für den ersten Band). Erzählt wird die Handlung aus der personalen Perspektive von Laura Jacobs in vielen, eher kurzen Kapiteln, sodass sich der Thriller flott lesen lässt. Auch kommt es innerhalb der Handlung zu mehreren Wechseln des Handlungsortes, wodurch der Thriller vergleichsweise temporeich ist. Der „Thrill“ des Buches ist nicht effektheischend, sondern schön subtil: Laura hat es mit einer anonymen „Macht“ zu tun, die sich blinde Flecke des Bankensystems zunutze macht und meisterhaft darin ist, ihre Spuren zu verwischen. Daher verliert sich Laura mehrfach in den Irrwegen des Systems und steht plötzlich vor Sackgassen. Außerdem weiß man während der Lektüre nie so genau, wem Laura tatsächlich trauen kann, wodurch sich eine latente Spannung durch den Thriller zieht. Der Schreibstil von Veit Etzold ist angenehm und lässt sich flüssig lesen. Insgesamt ist „Die Zentrale“ ein thematisch aktueller und spannender Thriller, der mit einigen unerwarteten Wendungen auftrumpft.

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Veröffentlicht am 27.04.2023

Geschichten, Geschichten und wieder Geschichten

Morgen, morgen und wieder morgen
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Inhalt: Harvard in den 1990ern. Sam und Sadie waren in ihrer Jugend mal beste Freunde – doch dann hat Sadie etwas in Sams Augen Unverzeihliches getan. Mittlerweile ist Sam seiner ehemaligen besten Freundin ...

Inhalt: Harvard in den 1990ern. Sam und Sadie waren in ihrer Jugend mal beste Freunde – doch dann hat Sadie etwas in Sams Augen Unverzeihliches getan. Mittlerweile ist Sam seiner ehemaligen besten Freundin fast zehn Jahre erfolgreich aus dem Weg gegangen. Doch plötzlich steht Sadie in einer U-Bahn-Station vor ihm, und drückt ihm nach einem kurzen Gespräch eine Diskette mit einem von ihr programmierten Computerspiel in die Hand. Zunächst zögert Sam, spielt es dann aber doch – und ist begeistert. So begeistert, dass er Sadie vorschlägt, gemeinsam Computerspiele zu produzieren.

Persönliche Meinung: „Morgen, morgen und wieder morgen“ ist ein Coming of Age-Roman von Gabrielle Zevin. Inhaltlich dreht sich der Roman um Freundschaft, die Liebe, Hoffnungen, Enttäuschungen, Erfolg und Scheitern. Dies alles spielt sich vor dem zeitlichen Hintergrund der 90er und 2000er ab, sodass sich viele popkulturelle Referenzen zu diesen Zeiten im Roman finden. Hauptaugenmerk ist dabei die Gaming-Szene dieser Jahre: Sam und Sadie haben in ihrer Kindheit/Jugend bereits viel gemeinsam gezockt; nun wollen sie ihr Hobby zum Beruf machen. Zu Beginn des Romans spielen dementsprechend auch eher technische Aspekte der Spieleentwicklung eine größere Rolle. Dies legt sich aber nach den ersten hundert Seiten: Verstärkt werden die Games, die Sam und Sadie programmieren, als Geschichten verstanden, deren Handlungsverläufe im Roman durchdacht, diskutiert und kritisiert werden (man könnte den Roman auch „Geschichten, Geschichten und wieder Geschichten“ nennen 🙃). Dementsprechend spielt das „Erschaffen“ von Erzählungen und Erzählwelten in „Morgen, morgen und wieder morgen“ eine große Rolle. Die auftretenden Figuren, allen voran Sadie und Sam, besitzen Ecken und Kanten: Mal kann man sich mit ihnen identifizieren, mal fällt – durch bestimmte Handlungen – das Sympathisieren schwer, früher oder später kann man aber immer ihr Verhalten zumindest nachvollziehen. Erzählerisch ist der Roman brillant: Hauptsächlich wird die Handlung von einem allwissenden Erzähler erzählt, der meist in die personalen Perspektiven von Sam und Sadie schlüpft und auch mal foreshadowing betreibt, allerdings finden sich immer wieder alternative erzählerische Kniffe. So begibt sich der Erzähler bspw. in einem Kapitel in eine Parallelwelt, in einem anderen Kapitel hingegen wird erzählerisch die Arbeitsweise von Sam und Sadie nachgebildet. Erzählerisch wie inhaltlich mein liebstes Kapitel ist „Der NPC“: Dies wird aus der Du-Perspektive erzählt, wodurch die Distanz zwischen Erzählfigur und Leser*in schrumpft; zugleich ist es hochemotional, tragisch und in Bezug auf das Tempo perfekt erzählt (ohne Witz: Ich würde lügen, wenn ich behaupten würde, dass ich beim Lesen dieses Kapitels keine Tränen in den Augen hatte). Wirklich ein kleines Meisterstück! Insgesamt ist „Morgen, morgen und wieder morgen“ ein anschaulich geschriebener, interessant erzählter Coming of Age-Roman mit einigen unerwarteten Wendungen. Zwar steht die Gamingwelt im Fokus, allerdings können auch Lesende, die eigentlich nichts mit Games am Hut haben, ihre Freunde an „Morgen, morgen und wieder morgen“ haben, da Spiele hier als Geschichten/Erzählungen (wie man sie auch in Büchern findet) verstanden werden.

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Veröffentlicht am 24.04.2023

Ein düsterer Urban-Fantasyroman, in den man sich etwas reinfuchsen muss

Das neunte Haus
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Inhalt: Alex Stern kann Geister sehen – ohne, dass sie gefährliche Substanzen zu sich nehmen muss. Daher ist sie die perfekte Kandidatin für Lethe, jenes neunte Haus der Yale University, das die magischen ...

Inhalt: Alex Stern kann Geister sehen – ohne, dass sie gefährliche Substanzen zu sich nehmen muss. Daher ist sie die perfekte Kandidatin für Lethe, jenes neunte Haus der Yale University, das die magischen Rituale der anderen acht Häuser überwacht. Alex, der ihr Leben lang eingeredet worden ist, das Sehen der Geister sei eine psychische Störung, muss allerdings erst lernen, ihre Fähigkeiten gezielt einzusetzen. Dabei soll ihr Daniel Arlington – Everybody's Darling in Lethe – helfen. Doch plötzlich verschwindet Daniel und zeitgleich sieht Alex sich noch mit einem anderen Problem konfrontiert: ein Mordfall in Yale, der magische Spuren besitzt…

Persönliche Meinung: „Das neunte Haus“ ist ein Urban-Fantasyroman von Leigh Bardugo. Erzählt wird der Roman in zwei Handlungssträngen, die sich jeweils abwechseln. Der chronologisch gesehen erste Handlungsstrang wird aus der personalen Perspektive Daniel Arlingtons erzählt, der Alex in die Arbeit bei Lethe einführt; der zweite in der Gegenwart spielende Handlungsstrang setzt nach dem Verschwinden Daniels ein und wird aus der Perspektive Alex‘ erzählt. Der Fokus liegt in diesem u.a. auf der Suche nach Daniel und der Aufklärung des Mordfalls. Zugleich passiert hier inhaltlich aber auch so viel Anderes, das man kaum in Gänze fassen kann: Informationspartikel werden preisgegeben, ohne dass man sie wirklich einordnen kann; die Handlung wendet sich, geht in bestimmte Richtungen, bleibt aber abrupt stehen, um doch wieder einen ganz anderen Weg einzuschlagen. Das ist stellenweise verwirrend, und gerade zu Beginn des Romans habe ich mich in der Handlung etwas verloren gefühlt: Ich hatte permanent den Eindruck, dass mir das nötige Hintergrundwissen zu Yale, den Verbindungen und dem Leben in diesen fehlt, um komplett zum Kern der Handlung vorzudringen. Allerdings: Je länger man liest, desto besser kann man sich in die Handlung reinfuchsen. Auch ergeben mit der Zeit die Winkelzüge der Erzählung (mehr) Sinn: Zum Ende der Handlung werden die gestreuten Informationspartikel aufgesammelt und zu einem stimmigen Gesamtbild zusammengefügt. Dabei gibt es einige schöne Aha-Momente, da einzelne Dinge, die man eigentlich schon abgehakt hatte, plötzlich wieder eine Rolle spielen und in einem ganz anderen Licht erscheinen. Das Finale des Romans ist dementsprechend überraschend, twistig und fulminant. Der Schreibstil von Leigh Bardugo ist detailreich und lässt sich flüssig lesen. Insgesamt ist „Das neunte Haus“ ein facettenreicher Fantasyroman, für den man einen längeren Atem haben muss, bis man sich reingefuchst hat – am Ende wird man aber für das Durchhaltevermögen belohnt.

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Veröffentlicht am 24.04.2023

Ein solider, flüssig zu lesender (Justiz)Krimi

Täuscher
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Inhalt: Landshut 1922. Ein Mordfall erschüttert die Stadt: Clara Ganslmeier, eine Musiklehrerin, und ihre Mutter werden tot in der gemeinsamen Wohnung aufgefunden. Auch der Schmuck der beiden wurde gestohlen. ...

Inhalt: Landshut 1922. Ein Mordfall erschüttert die Stadt: Clara Ganslmeier, eine Musiklehrerin, und ihre Mutter werden tot in der gemeinsamen Wohnung aufgefunden. Auch der Schmuck der beiden wurde gestohlen. Schnell richtet sich der Fokus der Ermittlungen auf den Fabrikantensohn Hubert Täuscher. Doch ist Täuscher wirklich der Mörder?

Persönliche Meinung: „Täuscher“ ist ein Kriminalroman von Andrea Maria Schenkel, der auf einem historischen Kriminalfall basiert. Erzählt wird die Handlung, wie bei Schenkel gewohnt, in kurzen Kapiteln aus verschiedenen Perspektiven. So werden die personalen Perspektiven von verschiedenen Polizisten, Augenzeugen und verdächtigen Personen (darunter auch Täuscher) eingenommen. Daneben nutzt Schenkel die interessante Erzählweise der literarischen Montage: Neben den Erzählparts aus den jeweiligen Figurenperspektiven werden Augenzeugenberichte, Akten und Zeitungstexte in die Handlung eingebaut. Auf diese Weise wird der Mordfall aus verschiedenen Perspektiven durchleuchtet; Schritt für Schritt erfährt man während der Lektüre, was tatsächlich geschehen ist. Die Handlung des Romans teilt sich – grob gesagt – in zwei Teile: Der erste Part beschäftigt sich mit den Ermittlungen im Mordfall; der zweite dreht sich um den Gerichtsprozess des (potentiellen) Verdächtigen (dementsprechend ist „Täuscher“ über weite Strecken der Handlung auch ein Justizkrimi). Die Struktur des Thrillers erinnert – mit der literarischen Montage, den kurzen Kapiteln, der „wahren Begebenheit“ und den vielen unterschiedlichen Perspektiven – insgesamt an Schenkels gefeiertes Debüt „Tannöd“. Die Durchleuchtung des Falls gelingt in „Täuscher“ ähnlich gut wie in „Tannöd“; auch ist der Krimi sehr kurzweilig. Allerdings fehlte mir bei „Täuscher“ das gewisse Etwas - konkret: die besondere atmosphärische Dichte, mit der sich „Tannöd“ (aber auch Schenkels 2012 erschienenes „Finsterau“) auszeichnen. Insgesamt ist „Täuscher“ ein solider, flüssig zu lesender (Justiz)Krimi, der aber für mich nicht ganz an „Tannöd“ heranreichen konnte.

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