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Veröffentlicht am 17.08.2017

Nachtblumen-Genuss

Nachtblumen
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Was habe ich „Kirschroter Sommer“ und „Türkisgrüner Winter“ geliebt! So großartig die Autorenneuentdeckung Carina Bartsch auch war, so sehr konnte ich nachvollziehen, dass sie danach lange in einem Loch ...

Was habe ich „Kirschroter Sommer“ und „Türkisgrüner Winter“ geliebt! So großartig die Autorenneuentdeckung Carina Bartsch auch war, so sehr konnte ich nachvollziehen, dass sie danach lange in einem Loch war und dann sehr lange am Manuskript zum nun veröffentlichten „Nachtblumen“ gearbeitet hat. Wie sollte man die beiden so erfolgreichen Erstlingswerke auch toppen? Bartsch hat eine interessante Lösung gewählt: sie schreibt zwar immer noch für junge Erwachsene, aber Grundausrichtung ist eine ganze andere und hier kommt die Erklärung, wie mir dieser Schritt gefallen hat.
„Nachtblumen“ hatte es in vielerlei Hinsicht schon einfach, weil mit Jana eine Hauptfigur aufgeboten wurde, in der ich mich sehr häufig wiederentdeckt habe und wenn es doch noch andere Charaktereigenschaften gab, dann habe ich mich selbst das großartig hineinversetzen können, weil Jana wirklich sehr greifbar charakterisiert wurde. Jana nimmt definitiv den Hauptteil der Geschichte ein und es ist sehr berührend, wie man mit ihr nach und nach ihre Dämonen bekämpft und sie beim Wachsen zu ihrem wahren Ich begleiten darf. Diese Entwicklung enthält unheimlich viele kleine Schritte, aber jeder einzelne ist so wichtig, weil dadurch sehr authentisch klar wird, warum sie sich wandelt und warum sie am Ende des Romans eine junge, lebenslustige und mutige Frau ist. Hier muss ich wirklich kräftig loben, denn selten habe ich eine so glaubwürdige Entwicklung mitverfolgen können.
Neben Jana werden auch einige andere Figuren aufgeboten. Mit der Psychologin Flick, mit den Gasteltern Klaas und Anke und mit Janas Mitbewohnern werden eine ganze Reihe an unterschiedlichsten Charakteren aufgeboten. Thea Flick war z. B. der quirlige, lustige Ausgleich zu der eher melancholischen Jana und die Gasteltern die strengen, aber stets liebevollen Motivierer. Zwar habe ich mich mit einigen Figuren richtig wohl gefühlt, aber im Gegensatz zu Jana wurden sie alle in entscheidenden Aspekten vernachlässigt. Viele Aspekte ihrer Vergangenheit werden angedeutet, aber nie vollends aufgelöst. So habe ich mich aus diesem Buch mit sehr, sehr vielen Fragen verabschiedet und habe richtig bedauert, dass mit weitere 500 Seiten es nicht erlaubten, alles zu wissen.
Diese inhaltlichen Lücken entstehen aber auch, weil einer sehr große Erzählspanne bedient werden muss. Insgesamt etwa sechs Jahre. Mir ist bewusst, dass da nicht alles erzählt werden kann. Zumal die sechs Jahre auch so ein Zeitraum sind, wo ich sagen kann, ja, das ist realistisch, dass sich Jana da so sehr entwickelt hat. Denn oftmals kritisiere ich in Büchern, die ebenfalls junge Frauen auf der Reise zu ihrem Ich begleiten, dass die Zeitspanne viel zu kurz ist und es unglaubwürdig wirkt. Das kann ich hier nicht kritisieren, muss ich sogar loben, aber wenn dadurch logische Lücken entstehen, dann ist das auch nicht 1A-Weg.
Den letzten Abschnitt möchte ich nun noch der Liebesgeschichte widmen, die mich ebenfalls etwas zwiespältig zurückgelassen hat. Ich fand es sehr abwechslungsreich, dass es hier nicht um eine junge Liebe, begleitet von rosa Herzchen, rosaroter Brille und ähnlichen unrealistischen Traumbildern geht. Denn das hätte zu den traurigen Themen und der Melancholie der Geschichte nicht gepasst. Dennoch nimmt die Liebesgeschichte eher einen kleinen Raum ein und in meinen Augen fast zu wenig, um wirklich eine Beziehung zu Jana und Collin als Paar aufzunehmen. Die ersten Schritte der beiden zueinander hin sind süß, vorsichtig und damit perfekt für ihre jeweiligen Charaktere. Irgendwann nimmt das Tempo zu, damit verknüpft sind aber schnell erste Dämpfer, die das Glück trüben, die mich teilweise sogar frustriert haben. Ich war sogar soweit die beiden vielleicht als unpassend füreinander zu erklären. Aber vielleicht hat das auch die Autorin erkannt, da sie schließlich einen anderen Weg wählt, der tatsächlich viel besser zu den beiden passt und der mich dann auch zufrieden zurücklässt.
Fazit: Ich weiß, ich weiß, meine Argumente klingen eigentlich mehrheitlich negativ, trotzdem möchte ich „Nachtblumen“ wohlverdiente vier Sterne geben. Ich habe einen Heidenrespekt, dass sich Bartsch mit diesem Roman neu erfunden hat und auch abseits von Humor und Leichtigkeit ihren Weg gefunden hat. „Nachtblumen“ war nicht perfekt, da sich durch die große Erzählspanne einige Lücken ergeben haben, die man als Leser entweder selbst stopft oder als unbeantwortet akzeptieren muss. Dafür war ich tief beeindruckt von der unglaublichen realistischen Entwicklung von Jana, die begleitet war von Angst, Trauer, Mut, Freude, Empathie und gefüllt allen anderen Emotionen der Palette. Das habe ich selten so großartig irgendwo niedergeschrieben gesehen!

Veröffentlicht am 23.07.2017

Was für ein Finish!

Und morgen du (Ein Fabian-Risk-Krimi 1)
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Stefan Ahnhem ist nun bereits seit ein paar Jahren auf dem Krimimarkt bekannt und seine Fabian-Risk-Reihe hat bereits drei Bände. Bei mir hat es etwas länger gedauert, aber nun habe auch ich mich endlich ...

Stefan Ahnhem ist nun bereits seit ein paar Jahren auf dem Krimimarkt bekannt und seine Fabian-Risk-Reihe hat bereits drei Bände. Bei mir hat es etwas länger gedauert, aber nun habe auch ich mich endlich „Und morgen du“, dem Auftaktband der schwedischen Krimireihe gewidmet. Ich habe große Hoffnungen in diese Reihe gesetzt, da die Kritiken durchaus positiv waren und ich schwedischen Krimis sowieso sehr positiv gegenüberstehe.
Mein großes Problem dieses Auftaktbandes ist ehrlich gesagt der Namensgeber dieser Krimireihe selbst: Fabian Risk. Zunächst nahm ich ihn als Familienvater war, der sich nur auf die Ermittlungen einlässt, weil persönlich betroffen ist. Diese Ausgangslage gefiel mir, weil viele Ermittler einsame, verbitterte Männer sind, die entweder nie eine Familie hatten oder diese bereits verloren oder zerstört haben. Der zweite Aspekt war, dass ein persönlicher Fall sehr viel Potenzial bot, den Ermittler gleich mit dem Auftaktband sehr gut kennenzulernen. Der erste Aspekt hat sich als Trug erwiesen und der zweite Aspekt hat gezeigt, dass Fabian Risk eher eine unbequeme Persönlichkeit ist, mit der man wohl nur mit langem Anlauf warm werden kann. Seine Alleingänge, sein grottiges Verhalten als Familienvater, dass ständige Betonen, wie gut er aussieht und dass er diese Tatsache einzusetzen weiß, da waren wirklich einige Aspekte, die mich Fabian Risk auch nach Beendigung des Bandes negativ gegenüber stehen lassen. Carl Mork, die zentrale Figur bei Jussi Adler Olsen ist ebenfalls eine unbequeme Figur und dennoch habe ich ihn über all die Zeit zu schätzen gelernt. Bei Risk ist das die große Frage: er bietet zwar gute, aber auch viele negativen Facetten und grundsätzlich identifiziere ich mich lieber mit „guten“ Menschen.
Der Fall dagegen war sogar unabhängig von Risks persönlicher Involvierung, klasse für einen ersten Band gewählt. Es wird kein harmloser Mord oder sonstiges geboten, stattdessen wird wirklich ein Killer der Extraklasse geboten, der einen Schüler einer Klasse nach dem anderen tötet. Durch die vielen Morde passiert unheimlich viel, es kommt nie Langeweile auf, so dass man regelrecht atemlos durch die Seiten hechelt. Dadurch dass sehr viel passierte und auch aus sehr vielen verschiedenen Perspektiven erzählt wurde, hätte es der Geschichte gut getan, wenn die Kapitel mit Datum- oder Wochenendangaben und sogar der Uhrzeit versehen worden wären. Denn manches Mal wurde etwas erzählt und das Kapitel danach war in der Zeit wieder davor. Das sind kleinere Dinge, bei denen man beim Lesen drüber stolpert und unnötig hängenbleibt. Das muss nicht sein.
Die vielen Perspektiven haben mit gut gefallen, ohnehin liebe ich bei Krimis ein großes Perspektivenrepertoire, weil es die Spekulationen gewinnbringend anheizt und weil so vielen Figuren hinter die Stirn geguckt werden kann. Seltsam war nur, dass der Beginn des Krimis fast nur aus Fabians Sicht erzählt wurde und urplötzlich kamen noch zig andere Perspektiven hinzu. Das war in der Erzählung selbst nicht ganz stringent. Die verschiedenen Perspektiven waren auch mit guten Figuren mit viel Potenzial für weitere Bände besetzt, sei es Fabians neues Team oder auch Dunja. Alle scheinen pfiffig zu sein und solche Nebenfiguren hat man doch gerne.
Beim Fall weiß ich nicht nur die Bösartigkeit und die Brutalität des Mörders zu schätzen, sondern auch dass der Fall unheimlich spannend konstruiert ist und einige Wendungen geboten hat, die ich so nicht habe kommen sehen. Manche Krimiautoren versuchen verzweifelt Überraschungsmomente einzubauen, die aber scheitern, weil sie zu offensichtlich sind, aber „Und morgen du“ bietet tatsächlich überraschende Momente, mit denen ich nicht gerechnet habe. Zu Ende hin spitzt sich die Lage in allen Perspektiven so zu, dass ich einige Sätze am liebsten übersprungen hätte, weil die Spannung zu brutal aufgebaut wurde und ich nur noch die Auflösung wissen wollte. Ich habe es meist auch gerne, wenn der Täter bis fast bis zum Schluss unbekannt bleibt. Das wird hier etwas früher aufgelöst, aber das ändert nichts ans der Spannung, da der große Kampf, ob Gut oder Böse am Ende siegt, genauso großartig war und das findet man echt selten.
Fazit: Ich habe es definitiv nicht bereut, nach einigen Jahren nun nach „Und morgen du“ gegriffen zu haben, denn Stefan Ahnhem scheint tatsächlich ein Krimiautor zu sein, der sein Handwerk zu verstehen scheint. Zwar bin ich mit dem Protagonisten noch nicht warm und es gibt auch kleinere stilistische Mängel, aber das Wichtigste (Fall und Spannungsaufbau) waren nahezu perfekt, so dass ich die Reihe nun definitiv weiterverfolgen werde!

Veröffentlicht am 19.07.2017

Hitverdächtiges Figurenrepertoire

Stormheart 1. Die Rebellin
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Nachdem ich gerade erst den ersten Band der „Chronik der Verbliebenen“ verschlungen hatte und vollends begeistert von der starken weiblichen Protagonistin war, hatte ich daran wirklich einen Narren gefunden. ...

Nachdem ich gerade erst den ersten Band der „Chronik der Verbliebenen“ verschlungen hatte und vollends begeistert von der starken weiblichen Protagonistin war, hatte ich daran wirklich einen Narren gefunden. „Stormheart – Die Rebellin“ versprach ja alleine schon vom Titel ebenfalls eine starke Protagonistin. Zudem hat sich Cora Carmack ja auch in Deutschland bereits einen Namen gemacht und das durchaus mit Erfolg. Es sprach also vieles für diesen Trilogie-Auftaktband.
Eine neue Welt, neue Regeln, ein neues Verständnis von Natur. Man kann mich wahrlich nicht als Fantasy-Fan bezeichnen und dennoch tauche ich immer gerne in neue Welten ein. Knackpunkt bei der Sache ist, dass ich als ungeübter Leser dieses Genres immer recht lange brauche, um mich in neue Weltordnungen und –vorstellungen einzudenken. Das ist dann durchaus bitter, dass der erste Band dieser Reihe mir nicht unbedingt hilft. Vom Prinzip her verstehe ich die Idee hinter den Sturmgewalten, aber dennoch bleibt für mich bis zur letzten Seite vieles offen und ungeklärt. An dieser Stelle muss ich einschränken, dass es also entweder ein tatsächlicher Mangel der Autorin ist oder dass es vielleicht einfach an mir selbst liegt. Die Frage kann ich nicht beantworten, dessen muss sich jeder Leser individuell versichern. Dennoch lasse ich es mal als meinen größten Kritikpunkt im Raum stehen, da ich solche Kritik bei andern Fantasy-Welten nicht äußern musste.
Kommen wir zur durch den Titel groß angekündigten Protagonistin: Aurora. Ich nenne sie aber viel lieber Roar, denn genau die Persönlichkeit, die Aurora mit ihrer Flucht aus ihrer Heimatstadt antritt, die ist es, die es problemlos mit Lia aus „Chronik der Verbliebenen“ aufnehmen kann. Schon Aurora, die zu kämpfen und mit dem Messer umzugehen weiß, fasziniert mich, aber der Schritt aus der eigenen Heimat hinaus, sich auf wilde Abenteuer einzulassen und an sich selbst zu wachsen, das überzeugt mich restlos. Neben dieser abenteuerlustigen Seite, überzeugt Roar aber auch mit Empathie und Pflichtgefühl. Ich habe mich von Seite 1 in sie hineinversetzen können, mit ihr mitleiden und –freuen können und ich bin wirklich froh, dass sie durchweg in ihrer Persönlichkeit bleibt und mich dadurch für sie gewinnt.
Aber nicht nur die Protagonistin weiß zu überzeugen, sondern auch die vielen anderen eingeführten Figuren, die jede für sich eine spannende Geschichte zu erzählen haben. Ganz vorneweg natürlich Lock, der im Gegensatz zu meiner anfänglich Vermutung Cassius als eigentlichen Held ablöst. Ein mutiger Kämpfer mit einer traurigen Vergangenheit, der Roar als verängstigtes Mädchen aufnimmt und sie dabei begleitet, wie sie langsam zur Frau wird. Aber auch an ihm selbst gibt es noch unheimlich viel zu entdecken und daher freue ich mich bereits jetzt auf ein Wiedersehen mit den beiden.
Zurück zu den anderen Figuren, vor allem den Sturmkämpfern rund um Lock, Nova, die anscheinend eine lange verborgene Fähigkeit besitzt, deren Ausbruch ich gerne beiwohnen werde und natürlich Cassius. Cassius ist nicht leicht zu greifen: ist er Antagonist oder doch ein potenzieller Protagonist für die restlichen Bände? Viele Fragen, auch rund um den Sturmlord, der ebenfalls eine faszinierende Persönlichkeit zu sein scheint. Ich habe es wirklich selten, dass ich viel lieber wegen der Figuren weiterlesen möchte, als der Auflösung all der offenen Fragen entgegenzustreben.
Davon abgeleitet will ich natürlich noch etwas zur Handlung sagen. Diese leidet wie gesagt etwas unter der unverständlichen Welt für mich. Dennoch überzeugt mich der klug gewählte Erzählrhythmus. Es gibt viele ruhige Momente, in denen die Figuren brillieren können und es gibt viele spannungsgeladene Momente, die das Lesetempo anheizen und die Fähigkeiten der Helden erproben lassen. Ebenfalls positiv fällt mir der Perspektivenwechsel auf. Auf der einen Seite der Wechsel zwischen Lock und Roar und auf der anderen Seite immer wieder hin zu Nova und Cassius, so dass ein größeres Gesamtbild stehen bleibt.
Fazit: „Stormheart – Die Rebellin“ muss sich wirklich nicht hinter der „Chronik der Verbliebenen“ verstecken. Die Idee hinter der Fantasy-Welt ist ähnlich undurchsichtig, vielleicht sogar einen Ticken schwächer, aber dafür wird eine ebenso starke Protagonistin geboten und dazu eine wirklich großen Haufen an tollen Nebenfiguren, die ich bereits alle liebgewonnen habe. Die Reihe bietet noch so viel Potenzial, von dem ich hoffe, dass es in den Folgebänden genutzt wird, denn dann haben wir eine wieder eine wahre Hitreihe auf dem Buchmarkt.

Veröffentlicht am 29.05.2026

Ähnlich, aber wieder neu

Sie kann dich hören
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Bis zur zweiten Adaption aus der „Housemaid“-Reihe nach Freida McFadden ist es zwar noch was hin, aber ich wollte „Sie kann dich nicht hören“ jetzt doch lieber schnell nachziehen, nachdem ich ohnehin schon ...

Bis zur zweiten Adaption aus der „Housemaid“-Reihe nach Freida McFadden ist es zwar noch was hin, aber ich wollte „Sie kann dich nicht hören“ jetzt doch lieber schnell nachziehen, nachdem ich ohnehin schon spät in den Hype eingestiegen bin. Sowohl Band 1 als auch der Film haben ja deutlich gemacht, dass Millie noch etwas zu erledigen hat und da war ich doch sehr gespannt, wie das aussehen könnte und vor allem ob die Autorin eine Struktur findet, damit es nicht zu wiederholend wirkt.

„Sie kann dich nicht hören“ macht einen größeren Zeitsprung und wir erleben Millie, die ihre Nebenbeschäftigung offenbar schon wieder an den Nagel gehängt hat. Das fand ich zum Einstieg auf jeden Fall interessant, weil es nicht wie erwartet war und weil es vielleicht auch zu offensichtlich in der Gestaltung gewesen wäre. Auch wenn Millie mit Sozialarbeit einen neuen Traum hat, so finden wir uns mit ihr schnell in einer repetitiven Situation wieder, weil sie wieder nah an pleite ist und weil sie einen Job als Hausmädchen annehmen muss. Diesmal bei den Garricks. Ich möchte zunächst aber noch einen anderen Aspekt herausheben, denn Millies neue Beziehung zum Anwalt Brock war für mich ein Element der Handlung, was ich nervig fand. Ich glaube nicht, dass es diese Figur wirklich gebraucht hätte, zumal es um ihn herum keine Wendung gab. Stattdessen war er einfach nur nervig und ich habe nicht verstanden, was sich Millie da in Bezug auf ihn immer einreden wollte, ihre Enttäuschung wegen Enzo hin oder her. Das war ein wirklich lahmes Element.

Da war die eigentliche Hausmädchen-Anstellung doch deutlich spannender. Auch wenn es eine ähnliche Ausgangssituation ist, so habe ich mich doch sofort dabei erwischt, dass mir klar war, es wird nicht dasselbe sein. Also habe ich andere Theorien angestellt und wild mitgefiebert, was für so einen zweiten Band schonmal genial ist. Auch wenn bei manchen Hinweisen offensichtlich war, dass da was nicht stimmen kann, so muss ich doch sagen, dass mich McFadden mit Band 2 trotzdem in einige Irren führen konnte. Auch wenn ich am Ende bei einer Auflösung doch sagen muss, dass ich sie sehr unrealistisch fand und viel zu hoch gepokert, so hat für mich umgekehrt gestimmt, dass ich keine Wetten für den Ausgang hätte eingehen können. Ich hätte verloren.

Ein wichtiges Casting für den zweiten Film ist ja schon bekannt und das finde ich sehr genial. Viel mehr kann ich dazu auch gar nicht sagen, aber es ist ein wichtiges Casting, eben weil McFadden für Band 2 eine andere Struktur gefunden hat, bei der ich sehr gespannt bin, wie sie umgesetzt wird. Denn diese Perspektive war einfach absurd-herrlich.

Fazit: „Sie kann dich hören“ ist zwar strukturell sehr nah an Band 1 und trotzdem ist es McFadden in meinen Augen gelungen, noch einmal neue Seiten und Wendungen zu finden. Vorhersehbarer war die Handlung für mich keinesfalls. Es gab zwar nervige und etwas zu hoch gepokerte Elemente, aber ich lasse unterm Strich stehen, dass ich wieder gut unterhalten wurde.

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Veröffentlicht am 12.05.2026

Starke Erzählstimme

Sieben Tage im Juni
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Tia Williams ist für mich eine neue Autorin, aber die Verfilmung ihres Buchs „The Perfect Find“ habe ich auf Netflix gesehen und dementsprechend wurde ich direkt neugierig. Es ist schon interessant, dass ...

Tia Williams ist für mich eine neue Autorin, aber die Verfilmung ihres Buchs „The Perfect Find“ habe ich auf Netflix gesehen und dementsprechend wurde ich direkt neugierig. Es ist schon interessant, dass „Sieben Tage im Juni“ jetzt die erste Übersetzung eines Buchs von Williams ist, zumal eines, das schon von 2021 ist. Manchmal ist es schon seltsam, wann es welches Buch nach Deutschland schafft, aber ich wollte gerne mal reinlesen.

Ich habe gleich einige kritische Stimmen zum Buch gelesen und war dann gespannt, ob ich es mich den Kritikern anschließen werde und ich bleibe bei einem ganz unparteiischen jein. Kritikpunkt war vor allem der Schreibstil, dem ich mich aber nicht anschließen würde. Der Stil ist anders und er ist auch nicht immer einfach zu lesen, aber ich habe sofort eine typische Schwarze Erzählstimme rausgelesen. Wenn man Serien wie „Black-ish“ oder „Empire“ gesehen hat oder einen Film bzw. Buch wie „The Hate U Give“ konsumiert hat, dann ist einfach ein eigener Stil und ich mag ihn. Aber ich kann nachvollziehen, dass man sich dort erst einlesen/eingewöhnen muss. Aber es passte auch zu vielen Themen, die Williams verarbeitet hat, denn es geht um die oft schwierigen Karrierewegen von Autoren, die People of Color sind und ich kann mir vorstellen, dass es gerade im Ausland dann noch schwieriger sein kann. Ich fand die Erzählstimme insgesamt also authentisch, zumal man auch durchgängig gemerkt hat, dass Williams um intensive Charakterstudien bemüht war.

Genau dort sehe ich aber meinen eigenen Kritikpunkt an diesem Buch. Grundsätzlich hat Williams ihre Figuren sehr intensiv gezeichnet und weil auch viel Traumata in dem Inhalt drin steckte, war da auch viel rauszuholen. Mir hätte es aber mehr als gereicht, wenn sie sich nur auf die Perspektiven von Eva und Shane mitsamt der Rückblenden in die Jugend beschränkt hätte. Denn es ist ihre Geschichte und es geht um die große Frage, wer sie sind sie seit damals geworden, was ist damals vorgeworfen und kann es eine Zukunft geben? Wir bekommen aber zusätzlich noch weitere Perspektiven eingestreut. Hier Audre, hier Lizette, dann noch Cece, Ty. Es ist dann eigentlich immer nur ein Kapitel, manchmal sogar nur wenige Abschnitte, aber ich fand das eher irritierend und es hat für mich die eigene Handlung ausgebremst. Ich habe natürlich jeweils etwas über diese Figuren gelernt, auf jeden Fall, aber ich brauchte es nicht, weil sie nicht mal ansatzweise so viel Erzählzeit wie die anderen bekommen haben und dann war es einfach unnötig. Zumal gutes Schreiben es auch erlaubt, dass man Figuren auch genug begreifen kann, ohne ihnen in den Kopf gucken zu können. Gerade Lizette war schnell zu verstehen und zu begreifen, ihre Perspektive war mir sogar fast zu erschreckend.

Ansonsten würde ich zum Handlungsverlauf sagen, dass dieses Konzept, nur einen ganz kleinen Zeitrahmen zu erzählen, entweder über einen Tag in jedem Jahr oder wie hier eine Woche und das zweimal, das ist in der Literatur erprobt und funktioniert auch. Es ist sicherlich eine spezielle Art des Erzählens, aber Williams hat es hinbekommen, den Unterschied zwischen den insgesamt 14 Tagen eklatant aufzuzeigen. Ich fand die Rückblenden auch echt heftig zu lesen, weil man niemanden so leiden sehen will, aber es war gut, dass wir sie nicht auf einmal bekommen haben, denn die Gegenwart ist da deutlich leichter. Auch wenn Shane und Eva immer noch viel Arbeit an sich zu erledigen haben, so war es doch gewaltig, was sie jeweils aus sich gemacht haben. Ich mochte bei Eva auch extrem ihre Beziehung zu ihrer Tochter, gerade im Kontrast zu Lizette. Ich mochte aber auch, wie diese atemraubende Chemie zwischen Eva und Shane für uns rübergebracht wurde. Auch wenn sie in ihrer Jugend absolut falsch füreinander waren, so kam da schon was Spezielles rüber, aber gerade in der Gegenwart war es einfach so intensiv. Gerade vor dem Hintergrund, dass Adaptionen nie eins zu eins wie die Vorlage erzählt werden können, kann ich mir schon jetzt vorstellen, dass es sich ebenfalls toll als Verfilmung eignen würde.

Fazit: „Sieben Tage im Juni“ ist in vielerlei Hinsicht eine ungewöhnliche Lektüre. Der Schreibstil ist von einer starken Schwarzen Erzählstimme geprägt und auch die erzählten Schicksale haben Tiefe. Der Stil mit den vielen verschiedenen Perspektiven hat mir leider nicht so gepasst, aber dafür kam die ungewöhnliche Liebesgeschichte auch intensiv rüber. Das Buch ist sicherlich nicht Mainstream, aber es geht inhaltlich ja auch genau darum, den Weg außerhalb der vorgegebenen Trends zu finden und das beweist Tia Williams.

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