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Veröffentlicht am 17.08.2017

Nachtblumen-Genuss

Nachtblumen
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Was habe ich „Kirschroter Sommer“ und „Türkisgrüner Winter“ geliebt! So großartig die Autorenneuentdeckung Carina Bartsch auch war, so sehr konnte ich nachvollziehen, dass sie danach lange in einem Loch ...

Was habe ich „Kirschroter Sommer“ und „Türkisgrüner Winter“ geliebt! So großartig die Autorenneuentdeckung Carina Bartsch auch war, so sehr konnte ich nachvollziehen, dass sie danach lange in einem Loch war und dann sehr lange am Manuskript zum nun veröffentlichten „Nachtblumen“ gearbeitet hat. Wie sollte man die beiden so erfolgreichen Erstlingswerke auch toppen? Bartsch hat eine interessante Lösung gewählt: sie schreibt zwar immer noch für junge Erwachsene, aber Grundausrichtung ist eine ganze andere und hier kommt die Erklärung, wie mir dieser Schritt gefallen hat.
„Nachtblumen“ hatte es in vielerlei Hinsicht schon einfach, weil mit Jana eine Hauptfigur aufgeboten wurde, in der ich mich sehr häufig wiederentdeckt habe und wenn es doch noch andere Charaktereigenschaften gab, dann habe ich mich selbst das großartig hineinversetzen können, weil Jana wirklich sehr greifbar charakterisiert wurde. Jana nimmt definitiv den Hauptteil der Geschichte ein und es ist sehr berührend, wie man mit ihr nach und nach ihre Dämonen bekämpft und sie beim Wachsen zu ihrem wahren Ich begleiten darf. Diese Entwicklung enthält unheimlich viele kleine Schritte, aber jeder einzelne ist so wichtig, weil dadurch sehr authentisch klar wird, warum sie sich wandelt und warum sie am Ende des Romans eine junge, lebenslustige und mutige Frau ist. Hier muss ich wirklich kräftig loben, denn selten habe ich eine so glaubwürdige Entwicklung mitverfolgen können.
Neben Jana werden auch einige andere Figuren aufgeboten. Mit der Psychologin Flick, mit den Gasteltern Klaas und Anke und mit Janas Mitbewohnern werden eine ganze Reihe an unterschiedlichsten Charakteren aufgeboten. Thea Flick war z. B. der quirlige, lustige Ausgleich zu der eher melancholischen Jana und die Gasteltern die strengen, aber stets liebevollen Motivierer. Zwar habe ich mich mit einigen Figuren richtig wohl gefühlt, aber im Gegensatz zu Jana wurden sie alle in entscheidenden Aspekten vernachlässigt. Viele Aspekte ihrer Vergangenheit werden angedeutet, aber nie vollends aufgelöst. So habe ich mich aus diesem Buch mit sehr, sehr vielen Fragen verabschiedet und habe richtig bedauert, dass mit weitere 500 Seiten es nicht erlaubten, alles zu wissen.
Diese inhaltlichen Lücken entstehen aber auch, weil einer sehr große Erzählspanne bedient werden muss. Insgesamt etwa sechs Jahre. Mir ist bewusst, dass da nicht alles erzählt werden kann. Zumal die sechs Jahre auch so ein Zeitraum sind, wo ich sagen kann, ja, das ist realistisch, dass sich Jana da so sehr entwickelt hat. Denn oftmals kritisiere ich in Büchern, die ebenfalls junge Frauen auf der Reise zu ihrem Ich begleiten, dass die Zeitspanne viel zu kurz ist und es unglaubwürdig wirkt. Das kann ich hier nicht kritisieren, muss ich sogar loben, aber wenn dadurch logische Lücken entstehen, dann ist das auch nicht 1A-Weg.
Den letzten Abschnitt möchte ich nun noch der Liebesgeschichte widmen, die mich ebenfalls etwas zwiespältig zurückgelassen hat. Ich fand es sehr abwechslungsreich, dass es hier nicht um eine junge Liebe, begleitet von rosa Herzchen, rosaroter Brille und ähnlichen unrealistischen Traumbildern geht. Denn das hätte zu den traurigen Themen und der Melancholie der Geschichte nicht gepasst. Dennoch nimmt die Liebesgeschichte eher einen kleinen Raum ein und in meinen Augen fast zu wenig, um wirklich eine Beziehung zu Jana und Collin als Paar aufzunehmen. Die ersten Schritte der beiden zueinander hin sind süß, vorsichtig und damit perfekt für ihre jeweiligen Charaktere. Irgendwann nimmt das Tempo zu, damit verknüpft sind aber schnell erste Dämpfer, die das Glück trüben, die mich teilweise sogar frustriert haben. Ich war sogar soweit die beiden vielleicht als unpassend füreinander zu erklären. Aber vielleicht hat das auch die Autorin erkannt, da sie schließlich einen anderen Weg wählt, der tatsächlich viel besser zu den beiden passt und der mich dann auch zufrieden zurücklässt.
Fazit: Ich weiß, ich weiß, meine Argumente klingen eigentlich mehrheitlich negativ, trotzdem möchte ich „Nachtblumen“ wohlverdiente vier Sterne geben. Ich habe einen Heidenrespekt, dass sich Bartsch mit diesem Roman neu erfunden hat und auch abseits von Humor und Leichtigkeit ihren Weg gefunden hat. „Nachtblumen“ war nicht perfekt, da sich durch die große Erzählspanne einige Lücken ergeben haben, die man als Leser entweder selbst stopft oder als unbeantwortet akzeptieren muss. Dafür war ich tief beeindruckt von der unglaublichen realistischen Entwicklung von Jana, die begleitet war von Angst, Trauer, Mut, Freude, Empathie und gefüllt allen anderen Emotionen der Palette. Das habe ich selten so großartig irgendwo niedergeschrieben gesehen!

Veröffentlicht am 23.07.2017

Was für ein Finish!

Und morgen du (Ein Fabian-Risk-Krimi 1)
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Stefan Ahnhem ist nun bereits seit ein paar Jahren auf dem Krimimarkt bekannt und seine Fabian-Risk-Reihe hat bereits drei Bände. Bei mir hat es etwas länger gedauert, aber nun habe auch ich mich endlich ...

Stefan Ahnhem ist nun bereits seit ein paar Jahren auf dem Krimimarkt bekannt und seine Fabian-Risk-Reihe hat bereits drei Bände. Bei mir hat es etwas länger gedauert, aber nun habe auch ich mich endlich „Und morgen du“, dem Auftaktband der schwedischen Krimireihe gewidmet. Ich habe große Hoffnungen in diese Reihe gesetzt, da die Kritiken durchaus positiv waren und ich schwedischen Krimis sowieso sehr positiv gegenüberstehe.
Mein großes Problem dieses Auftaktbandes ist ehrlich gesagt der Namensgeber dieser Krimireihe selbst: Fabian Risk. Zunächst nahm ich ihn als Familienvater war, der sich nur auf die Ermittlungen einlässt, weil persönlich betroffen ist. Diese Ausgangslage gefiel mir, weil viele Ermittler einsame, verbitterte Männer sind, die entweder nie eine Familie hatten oder diese bereits verloren oder zerstört haben. Der zweite Aspekt war, dass ein persönlicher Fall sehr viel Potenzial bot, den Ermittler gleich mit dem Auftaktband sehr gut kennenzulernen. Der erste Aspekt hat sich als Trug erwiesen und der zweite Aspekt hat gezeigt, dass Fabian Risk eher eine unbequeme Persönlichkeit ist, mit der man wohl nur mit langem Anlauf warm werden kann. Seine Alleingänge, sein grottiges Verhalten als Familienvater, dass ständige Betonen, wie gut er aussieht und dass er diese Tatsache einzusetzen weiß, da waren wirklich einige Aspekte, die mich Fabian Risk auch nach Beendigung des Bandes negativ gegenüber stehen lassen. Carl Mork, die zentrale Figur bei Jussi Adler Olsen ist ebenfalls eine unbequeme Figur und dennoch habe ich ihn über all die Zeit zu schätzen gelernt. Bei Risk ist das die große Frage: er bietet zwar gute, aber auch viele negativen Facetten und grundsätzlich identifiziere ich mich lieber mit „guten“ Menschen.
Der Fall dagegen war sogar unabhängig von Risks persönlicher Involvierung, klasse für einen ersten Band gewählt. Es wird kein harmloser Mord oder sonstiges geboten, stattdessen wird wirklich ein Killer der Extraklasse geboten, der einen Schüler einer Klasse nach dem anderen tötet. Durch die vielen Morde passiert unheimlich viel, es kommt nie Langeweile auf, so dass man regelrecht atemlos durch die Seiten hechelt. Dadurch dass sehr viel passierte und auch aus sehr vielen verschiedenen Perspektiven erzählt wurde, hätte es der Geschichte gut getan, wenn die Kapitel mit Datum- oder Wochenendangaben und sogar der Uhrzeit versehen worden wären. Denn manches Mal wurde etwas erzählt und das Kapitel danach war in der Zeit wieder davor. Das sind kleinere Dinge, bei denen man beim Lesen drüber stolpert und unnötig hängenbleibt. Das muss nicht sein.
Die vielen Perspektiven haben mit gut gefallen, ohnehin liebe ich bei Krimis ein großes Perspektivenrepertoire, weil es die Spekulationen gewinnbringend anheizt und weil so vielen Figuren hinter die Stirn geguckt werden kann. Seltsam war nur, dass der Beginn des Krimis fast nur aus Fabians Sicht erzählt wurde und urplötzlich kamen noch zig andere Perspektiven hinzu. Das war in der Erzählung selbst nicht ganz stringent. Die verschiedenen Perspektiven waren auch mit guten Figuren mit viel Potenzial für weitere Bände besetzt, sei es Fabians neues Team oder auch Dunja. Alle scheinen pfiffig zu sein und solche Nebenfiguren hat man doch gerne.
Beim Fall weiß ich nicht nur die Bösartigkeit und die Brutalität des Mörders zu schätzen, sondern auch dass der Fall unheimlich spannend konstruiert ist und einige Wendungen geboten hat, die ich so nicht habe kommen sehen. Manche Krimiautoren versuchen verzweifelt Überraschungsmomente einzubauen, die aber scheitern, weil sie zu offensichtlich sind, aber „Und morgen du“ bietet tatsächlich überraschende Momente, mit denen ich nicht gerechnet habe. Zu Ende hin spitzt sich die Lage in allen Perspektiven so zu, dass ich einige Sätze am liebsten übersprungen hätte, weil die Spannung zu brutal aufgebaut wurde und ich nur noch die Auflösung wissen wollte. Ich habe es meist auch gerne, wenn der Täter bis fast bis zum Schluss unbekannt bleibt. Das wird hier etwas früher aufgelöst, aber das ändert nichts ans der Spannung, da der große Kampf, ob Gut oder Böse am Ende siegt, genauso großartig war und das findet man echt selten.
Fazit: Ich habe es definitiv nicht bereut, nach einigen Jahren nun nach „Und morgen du“ gegriffen zu haben, denn Stefan Ahnhem scheint tatsächlich ein Krimiautor zu sein, der sein Handwerk zu verstehen scheint. Zwar bin ich mit dem Protagonisten noch nicht warm und es gibt auch kleinere stilistische Mängel, aber das Wichtigste (Fall und Spannungsaufbau) waren nahezu perfekt, so dass ich die Reihe nun definitiv weiterverfolgen werde!

Veröffentlicht am 19.07.2017

Hitverdächtiges Figurenrepertoire

Stormheart 1. Die Rebellin
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Nachdem ich gerade erst den ersten Band der „Chronik der Verbliebenen“ verschlungen hatte und vollends begeistert von der starken weiblichen Protagonistin war, hatte ich daran wirklich einen Narren gefunden. ...

Nachdem ich gerade erst den ersten Band der „Chronik der Verbliebenen“ verschlungen hatte und vollends begeistert von der starken weiblichen Protagonistin war, hatte ich daran wirklich einen Narren gefunden. „Stormheart – Die Rebellin“ versprach ja alleine schon vom Titel ebenfalls eine starke Protagonistin. Zudem hat sich Cora Carmack ja auch in Deutschland bereits einen Namen gemacht und das durchaus mit Erfolg. Es sprach also vieles für diesen Trilogie-Auftaktband.
Eine neue Welt, neue Regeln, ein neues Verständnis von Natur. Man kann mich wahrlich nicht als Fantasy-Fan bezeichnen und dennoch tauche ich immer gerne in neue Welten ein. Knackpunkt bei der Sache ist, dass ich als ungeübter Leser dieses Genres immer recht lange brauche, um mich in neue Weltordnungen und –vorstellungen einzudenken. Das ist dann durchaus bitter, dass der erste Band dieser Reihe mir nicht unbedingt hilft. Vom Prinzip her verstehe ich die Idee hinter den Sturmgewalten, aber dennoch bleibt für mich bis zur letzten Seite vieles offen und ungeklärt. An dieser Stelle muss ich einschränken, dass es also entweder ein tatsächlicher Mangel der Autorin ist oder dass es vielleicht einfach an mir selbst liegt. Die Frage kann ich nicht beantworten, dessen muss sich jeder Leser individuell versichern. Dennoch lasse ich es mal als meinen größten Kritikpunkt im Raum stehen, da ich solche Kritik bei andern Fantasy-Welten nicht äußern musste.
Kommen wir zur durch den Titel groß angekündigten Protagonistin: Aurora. Ich nenne sie aber viel lieber Roar, denn genau die Persönlichkeit, die Aurora mit ihrer Flucht aus ihrer Heimatstadt antritt, die ist es, die es problemlos mit Lia aus „Chronik der Verbliebenen“ aufnehmen kann. Schon Aurora, die zu kämpfen und mit dem Messer umzugehen weiß, fasziniert mich, aber der Schritt aus der eigenen Heimat hinaus, sich auf wilde Abenteuer einzulassen und an sich selbst zu wachsen, das überzeugt mich restlos. Neben dieser abenteuerlustigen Seite, überzeugt Roar aber auch mit Empathie und Pflichtgefühl. Ich habe mich von Seite 1 in sie hineinversetzen können, mit ihr mitleiden und –freuen können und ich bin wirklich froh, dass sie durchweg in ihrer Persönlichkeit bleibt und mich dadurch für sie gewinnt.
Aber nicht nur die Protagonistin weiß zu überzeugen, sondern auch die vielen anderen eingeführten Figuren, die jede für sich eine spannende Geschichte zu erzählen haben. Ganz vorneweg natürlich Lock, der im Gegensatz zu meiner anfänglich Vermutung Cassius als eigentlichen Held ablöst. Ein mutiger Kämpfer mit einer traurigen Vergangenheit, der Roar als verängstigtes Mädchen aufnimmt und sie dabei begleitet, wie sie langsam zur Frau wird. Aber auch an ihm selbst gibt es noch unheimlich viel zu entdecken und daher freue ich mich bereits jetzt auf ein Wiedersehen mit den beiden.
Zurück zu den anderen Figuren, vor allem den Sturmkämpfern rund um Lock, Nova, die anscheinend eine lange verborgene Fähigkeit besitzt, deren Ausbruch ich gerne beiwohnen werde und natürlich Cassius. Cassius ist nicht leicht zu greifen: ist er Antagonist oder doch ein potenzieller Protagonist für die restlichen Bände? Viele Fragen, auch rund um den Sturmlord, der ebenfalls eine faszinierende Persönlichkeit zu sein scheint. Ich habe es wirklich selten, dass ich viel lieber wegen der Figuren weiterlesen möchte, als der Auflösung all der offenen Fragen entgegenzustreben.
Davon abgeleitet will ich natürlich noch etwas zur Handlung sagen. Diese leidet wie gesagt etwas unter der unverständlichen Welt für mich. Dennoch überzeugt mich der klug gewählte Erzählrhythmus. Es gibt viele ruhige Momente, in denen die Figuren brillieren können und es gibt viele spannungsgeladene Momente, die das Lesetempo anheizen und die Fähigkeiten der Helden erproben lassen. Ebenfalls positiv fällt mir der Perspektivenwechsel auf. Auf der einen Seite der Wechsel zwischen Lock und Roar und auf der anderen Seite immer wieder hin zu Nova und Cassius, so dass ein größeres Gesamtbild stehen bleibt.
Fazit: „Stormheart – Die Rebellin“ muss sich wirklich nicht hinter der „Chronik der Verbliebenen“ verstecken. Die Idee hinter der Fantasy-Welt ist ähnlich undurchsichtig, vielleicht sogar einen Ticken schwächer, aber dafür wird eine ebenso starke Protagonistin geboten und dazu eine wirklich großen Haufen an tollen Nebenfiguren, die ich bereits alle liebgewonnen habe. Die Reihe bietet noch so viel Potenzial, von dem ich hoffe, dass es in den Folgebänden genutzt wird, denn dann haben wir eine wieder eine wahre Hitreihe auf dem Buchmarkt.

Veröffentlicht am 24.02.2026

Emotionale Herausforderungen

In the Likely Event – Bis wir uns wiedersehen
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Während ich die Fantasy-Yarros immer noch nicht weiterverfolgt habe, sind ihre Liebesromane, die auf dem deutschen Buchmarkt veröffentlicht werden, sofort ein Must-Read. So auch bei „In the Likely Event“, ...

Während ich die Fantasy-Yarros immer noch nicht weiterverfolgt habe, sind ihre Liebesromane, die auf dem deutschen Buchmarkt veröffentlicht werden, sofort ein Must-Read. So auch bei „In the Likely Event“, das im Original 2023 erschienen ist.

Es ist bekannt, dass Yarros aus einer Militärfamilie stammt und dann auch in eine eingeheiratet hat, weswegen sie auch immer Liebesgeschichten aus diesem Kontext heraus erstellt. In Deutschland sind diese Militärfamilien deutlich seltener, weswegen es immer etwas fremd für mich wirkt, aber vom amerikanischen Markt kennt man es und ich finde auch, dass es Kontexte sind, die eine gewisse Emotionalität in sich tragen. Dennoch habe ich bei „In the Likely Event“ gemerkt, dass es emotionale Grenzen gibt, wo mein Verständnis dann fehlt, sodass ich einen gewissen Bruch merke, weil ich nicht mehr so mitfühlen kann, wie ich es von einer Autorin wie Yarros gewöhnt bin.

Zunächst mal finde ich das Buch gut erzählt, wenn es um die Struktur geht. Yarros arbeitet gerne mit unterschiedlichen Techniken, die es ihr erlauben, dass wir die Anfänge einer Liebesgeschichte verfolgen, dann aber auch in der Gegenwart etwas angeboten bekommen, was das Level trifft, sodass sich beide Perspektiven dann ideal ergänzen. Das hat hier auch wieder wunderbar funktioniert, denn die gemeinsame Vergangenheit mit Flugzeugabsturz und diversen Urlauben wird um die Afghanistan-Geschehnisse ergänzt, die wir 2021 erleben und beides hat eine ungeheure Bewandtnis, sodass ich beide Perspektiven gleichwertig und mitreißend fand und das ist immer die halbe Miete. Ich fand es gerade bei der Afghanistan-Perspektive sehr interessant, dass Yarros da auf sehr konkrete Begebenheiten zurückgegriffen hat, über die sie durch ihren Hintergrund sicherlich auch echt Bescheid weiß. Zudem ist es auch für mich eine sehr präsente Vergangenheit, sodass ich mich auch an die deutsche Perspektive auf die Ereignisse noch gut erinnern kann.

Aber zunächst geht es mit dem Flugzeugabsturz los. Wow, was für eine Idee und das war gleich zu Anfang etwas, was emotional reingehauen hat. Es war zum Mitfiebern, aber es hat auch wirklich eine Verbindung geknüpft, die man dann gerne weiterverfolgen will. Auch der Afghanistan-Teil hat für mich gut funktioniert, weil er eine Relevanz hat. Aber was mir dann nicht so ideal gefallen hat, dass war der Zwischenweg. Wir erfahren zu Nates Vergangenheit zwar die entscheidenden Infos, aber dennoch ist er als Mann sehr zugeknöpft zu seinen Gefühlen über seine familiäre Situation und das hat es für mich schwierig gemacht, immer diese Geduld von Izzy zu ertragen. Und hier fehlte mir dann auch das militärische Verständnis irgendwann, denn diese absolute Hingabe an den Job, wenn es um Krieg und Fernbleiben von den Liebsten geht, da fehlt irgendwann die Logik, zumindest aus meiner Perspektive. Wir erleben auch, was das Erlebte mit Nate macht. Ja, er ist echt gut in seinem Job, aber weil es ihn gleichzeitig so ausgehöhlt hat, war es noch viel schwieriger, immer nachzuvollziehen, warum er den Absprung nicht geschafft hat. Auch wenn ich das Ende für den angebotenen Kontext wieder sehr passend fand und dann auch meinen Frieden gemacht habe, so war die Liebesgeschichte zwischendurch nicht mehr das, was der Anfang versprochen hatte.

Ich habe das Buch auch teilweise als Hörbuch gehabt, sodass ich die mir bekannten Stimmen Rebecca Veil und Tim Gössler nur lobend erwähnen kann. Sie haben die prinzipiell emotionalen Szenen sehr gut transportiert bekommen.

Fazit: Ich lese die Liebesromane von Rebecca Yarros wirklich gerne und da ist auch „In the Likely Event“ keine Ausnahme, aber gleichzeitig war es auch das Buch, wo ich bislang die größte emotionale Barriere gemerkt habe. Der militärische Kontext gehört zu den Büchern, aber es ist nicht, wie ich groß geworden bin, sodass mir hier stellenweise das Verständnis fehlte. Insgesamt hat aber Yarros viele richtige Entscheidungen getroffen und ich würde vom Lesen niemals abraten, dafür ist es trotz der Kritik zu gut.

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Veröffentlicht am 18.02.2026

Thematisch leidenschaftlich, mit Luft nach oben

My Idea of No. 14
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Ich habe Alicia Sommer bei Lyx schon etwas länger im Auge gehabt, habe dann aber jetzt doch etwas gebraucht, aber die baldige Veröffentlichung von ihrem dritten Band der LA Vipers-Reihe ist doch Anlass ...

Ich habe Alicia Sommer bei Lyx schon etwas länger im Auge gehabt, habe dann aber jetzt doch etwas gebraucht, aber die baldige Veröffentlichung von ihrem dritten Band der LA Vipers-Reihe ist doch Anlass genug, die Sports Romance-Reihe sich nun mal genauer anzuschauen.

Es ist nicht unbedingt so, dass Sports Romance für mich das absolute Muss ist, aber ich lese die Bücher im Allgemeinen doch gerne und bei „My Idea of No. 14“ da hat mich schon der Klappentext sehr angezogen, denn Leahs Bestreben, in eine absolute Männerdomäne vordringen zu wollen, klingt einfach reizvoll. Ich war zwar in meiner Jugend nicht das einzige Mädchen mit glühender Leidenschaft für Fußball, aber es war doch selten, vor allem weil ich mich auch richtig eingedacht und alles inhaliert habe. Auch wenn ich nie Fußballtrainerin werden wollte, aber trotzdem habe ich schnell viel in Leah von mir entdeckt und wollte sie unbedingt besser kennenlernen. Da ich auch das Interview mit der Autorin im Rahmen des Lyx-Podcasts gehört habe, hat sich beim Lesen ihre Leidenschaft für den Sport sofort widergespiegelt. Ich selbst bin von dem Sport noch nicht mitgerissen worden, aber ich habe schon deutlich gemerkt, dass Sommer weiß, wovon sie schreibt, weil sich die ganzen Geschehnisse mit den verschiedenen Coaches, die Spielbeschreibungen sehr echt anfühlten.

Charakterlich muss ich sagen, dass ich Leah und Sam prinzipiell beide mochte, aber ich fand es etwas schade, was für ein Schwerpunkt zwischendurch gewählt wurde. Bei der gewählten Thematik, dass Leah nicht nur Journalistin oder Cheerleaderin werden will, sondern tatsächlich Trainerin, war klar, dass Vorurteile aufgrund des Geschlechtes eine Rolle spielen müssen, aber ich fand es sehr schade, dass Leah irgendwie selbst geglaubt hat, sie treffe als Frau zu viele falsche Entscheidungen in Bezug auf Männer. Zumal dann die beschriebenen Momente der Vergangenheit auch wahrlich kein Drama waren, sondern alle hochstilisiert wurden. Dementsprechend tat es fast weh, dass Leah da so wenig Selbstbewusstsein hatte. Ich habe keinesfalls erwartet, dass sie mit ihrem Ziel tough und unverwundbar ist, aber das fand ich zu einseitig und es hat in der Konsequenz dann auch die Liebesgeschichte etwas überschattet, weil alles, was zwischen ihr und Sam passierte, wegen der Geheimniskrämerei und ihres Selbstbildes, verboten wirkte.

Aber auch ohne den Eindruck finde ich, dass die Geschichte etwas schnell erzählt ist. Gerade die gemeinsamen Szenen zum Thema Football und Tanzen, die hätten gerne noch mehr ausgearbeitet werden können. Man hat einfach ständig den Schatten des Vaters gespürt, weswegen einiges etwas gehetzt wirkte. Aber insgesamt sehe ich das auch nicht überkritisch, denn Sommer ist noch relativ unerfahren und gerade dieser Eindruck von Oberflächlichkeit, das ist oft total normal und wird von Reihe zu Reihe weniger. Charakterlich war das auch gar nicht so entscheidend, mehr im Aufbau der Handlung, dass ich einfach manches gerne ausführlicher gehabt hätte, anderes hätte man etwas reduzieren können, wegen Wiederholungen (wieder Stichwort Vater). Das sind dann getroffene Entscheidungen, die man gut nachvollziehen kann, aber Potenzial für mehr wäre in jedem Fall da gewesen.

Fazit: „My Idea of No. 14” macht durchaus Lust auf mehr. Mir gefällt vor allem Alicia Sommers Leidenschaft für die Thematik sehr. Es geht schriftstellerisch noch mehr, weswegen ich schon gespannt bin, wie ich es in Band 2 empfinde.

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