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Veröffentlicht am 17.08.2017

Eher düsteres, lokalkoloriertes Psychodrama als Krmi

Kein guter Ort
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Zweifelsohne ist es zu empfehlen, sich vor dem Lesen dieses Romans, den ich in diesem Fall als Rezi-Exemplar via NetGalley erhalten hatte, die ersten Bände der "Arne Eriksen ermittelt"-Reihe zu Gemüte ...

Zweifelsohne ist es zu empfehlen, sich vor dem Lesen dieses Romans, den ich in diesem Fall als Rezi-Exemplar via NetGalley erhalten hatte, die ersten Bände der "Arne Eriksen ermittelt"-Reihe zu Gemüte zu führen: Selbst war ich nun erst bei "Kein guter Ort" eingestiegen und hatte letztlich zwar keine echten Verständnisprobleme, aber dennoch das Gefühl, mir würde Vorwissen fehlen.
Das zeigte sich besonders in der Szene, in welcher der Protagonist sich mit halluzinogenen Pilzen in einen Rausch versetzte, welcher sein Bewusstsein schärfen und überhaupt öffnen sollte - und zugleich kundtat, diese Trance könne durchaus auch durch Meditation herbeigerufen werden. Ich fand es seltsam, dass ein Psychologe, der auch Suchtkranke therapierte, da so frei selbst Drogen konsumierte - wiederholt wurde hier erwähnt, dass es sich dabei um ein Ritual der Samen handelte, welches ihm von der alten Samifrau Akka dereinst nähergebracht war. Das weckte in mir doch die Vermutung, dass ich diese ganze Rausch-Szenerie vermutlich besser nachvollziehen hätte können, würde ich die vorherigen Bände gekannt haben; da hatte ich den Eindruck, dass dem Leser diese Riten in Band 1 und Band 2 wahrscheinlich schon besser ausgeleuchtet worden wären.

Die Kurzbeschreibung finde ich auch etwas irreführend, da eingangs der Fokus völlig auf Kari liegt und Arne vergleichsweise spät auf der Bildfläche erscheint; da muss es erst so kommen, dass Kari ihn aufsucht. Das Hotel Rabenschlucht wird somit also auch erst recht spät zum Dreh- und Angelpunkt der Geschichte und dennoch bleibt der Fokus weiterhin auf den bisherigen Romanfiguren: Als klassischen Krimi habe ich "Kein guter Ort" erst ganz zum Schluss empfinden; in einem actionreichen Showdown (der allerdings in absolutem Kontrast zum vorherigen eher ruhigen, besonnenen Verlauf stand) zeigte sich schon Thriller-Potential; weitgehend blieb "Kein guter Ort" für mich doch Mystery-Drama.
Die regionale Einfärbung des Romans gefiel mir ausgesprochen gut; das machte durchaus Lust auf einen Urlaub in Südnorwegen; auch die Beschreibung des verlassenen Hotels in seiner abseitigen und nicht ganz ungefährlichen Waldlage fand ich sehr gelungen: Da spiegelte die Darstellung die düstere Atmosphäre sehr gelungen wider. Ohnehin mochte ich den Erzählstil Stäbers sehr gerne.
Ein wenig unglücklich fand ich, dass die Kurzbeschreibung bereits verrät, dass Arne dem Täter tödlich nahe rückt: Denn es sind letztlich nicht einmal eine Handvoll Personen in "Kein guter Ort" involviert, welche mit dem damaligen Mord bzw. den Opfern in Verbindung standen; die Anzahl der Verdächtigen ist also eh verschwindend gering und die Kurzbeschreibung lässt einen sehr schnell auf den richtigen Täter tippen (wenn ich auch kurz darauf zunächst einen anderen potentiellen Täter vermutet hätte, aber mehr als diese zwei Figuren hätte ich ohnehin nicht hinter dem Mord vermutet) - schließlich ist dies auch die einzige Person "von früher", der Arne überhaupt wirklich nahekommt. Für einen kleinen Moment der Überraschung sorgte da eher die Motivation des Täters.

Insgesamt empfand ich "Kein guter Ort" also als sehr unterhaltsamen, etwas spannenden und etwas mehr rätselhaften Norwegenkrimi, der insbesondere durch einen atmosphärischen Erzählstil und tollen Lokalkolorit mich doch zumindest auch insofern zu überzeugen wusste, als dass ich hernach dachte: "Ja, doch, nun würdest du die ersten Bände dieser Reihe aber definitiv auch noch lesen wollen!"

Veröffentlicht am 14.08.2023

Die Online-Omi mal ein wenig anders

Nicht, dass noch einer sitzenbleibt! (Die Online-Omi 19)
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Lauere ich angesichts des (sich nie von 82 Jahren fortbewegenden) Alters der Online-Omi regelrecht darauf, dass es in einem ihrer Bücher mal um eine Beerdigung gehen wird, wird nach der noch nicht allzu ...

Lauere ich angesichts des (sich nie von 82 Jahren fortbewegenden) Alters der Online-Omi regelrecht darauf, dass es in einem ihrer Bücher mal um eine Beerdigung gehen wird, wird nach der noch nicht allzu lang zurückliegenden Organisation einer Hochzeit im fortgeschrittenen Alter („Man muss sich nur trauen“) nun also zur Schule gegangen und den dortigen Lehrkräften als Assistenz zugearbeitet. Inzwischen zig erschienene Bände der Online-Omi-Reihe haben Renate Bergmanns Kult-Faktor regelrecht zementiert, wozu meiner Meinung auch die kongenial vorgetragenen Hörbücher beitrugen und nach wie vor beitragen: Die Stimme von Carmen-Maja Antoni und ihre Lesart SIND einfach die Online-Omi. Ich würde auch in diesem Fall wiederum raten, sich eher das Hörbuch zu Gemüte zu führen als selbst zu lesen; ich versuche es zwar auch immer wieder, aber ohne Antonis Stimme fehlt Renate Bergmann meiner Meinung nach einfach etwas ganz Wesentliches.

Im Falle von „Nicht, dass noch einer sitzenbleibt“ fehlte mir aber nun noch etwas ganz Anderes: die Bergmann-Bücher drehen sich in der Regel doch längst immer um ein bestimmtes Geschehnis, welches hernach abgeschlossen ist (Hochzeit, Camping-Urlaub, Kreuzfahrt, Krönung…), und hier ist bereits im Vorfeld klar, dass die kleine Lisbeth nun definitiv noch sehr viel länger zur Schule gehen wird als die Online-Omi dort tätig sein würde und dass es der Online-Omi auch nicht gelingen wird, die Schullandschaft zu reformieren. Es gab da einfach keinen klaren Dreh- und Angelpunkt wie z.B. eine Schulaufführung (ähnlich des Krippenspiels aus einem anderen Bergmann-Buch) oder ein Schulfest. Stattdessen besteht dieser Titel hauptsächlich aus Beobachtungen des heutigen Schulalltags und dessen Be- bis Verurteilung durch die Online-Omi; da war nun schon sehr viel Gesellschaftskritik und Sozialstudie enthalten. Aber abgesehen davon, dass der Inhalt hier meiner Meinung nach ein wenig aus dem typischen Rahmen fiel, hatte ich auch häufig das Gefühl, die Online-Omi würde sich sehr unentschlossen zwischen „früher lief das alles besser“, „gut, dass sich dies und das geändert hat“ und „ich bin allem gegenüber absolut aufgeschlossen“ bewegen; da dachte ich doch so manches Mal: „Möchte sie jetzt eine eher konservative oder doch eher progressive Figur sein?“

Andererseits war es durchaus interessant, so diverse Generationsunterschiede nochmals deutlich gemacht zu bekommen, aber außer einem diffusen „irgendwas muss sich ändern“; und dass es im Lande Schulsystem seit geraumer Zeit absolut nicht rundläuft, sollte dabei längst klar sein; wurde hier nur wenig an Essenz und sehr viel Verwünschung der gegenwärtigen Verhältnisse (wobei massiver Unterrichtsausfall bei uns auch vor 20 Jahren bereits zum Thema wurde; wenn auch nicht wegen direkten Mangels an Lehrkräften, sondern weil der Etat schon damals einfach keine weiteren Einstellungen vorsah) geboten. Nach einem Bergmann-Titel eher ratlos dazusitzen, ist allerdings auch mal etwas ganz Neues. Allerdings positiv, dass durch dieses etwas andere Renate-Bergmann-Buch ebenfalls das Publikum einen durchaus authentischen Einblick in die Schullandschaft der letzten Jahr(zehnt)e erhält, das womöglich längst sehr viel weiter weg von diesem System ist.
Ansonsten ist die leicht verschrobene Online-Omi in diesem Buch wiederum charmant wie eh und je; ihrem Kultfaktor wird „Nicht, dass noch einer sitzenbleibt“ wohl nix anhaben können, aber meiner Meinung nach wird er durch diesen Titel auch nicht weiter befeuert. Ein schlechtes Buch ist es nicht, halt ungewöhnlich für die Reihe, und wie gesagt: mir fehlte einfach ein großer Zielpunkt inmitten des ganzen Schwadronierens, Philosophierens und Reflektierens.

Veröffentlicht am 17.06.2023

Wenig passiert.

Das Netz
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Einem klassischen Krimi entspricht „Das Netz“ nicht: die Protagonistin Sonja kann von Anfang an als eine der Bösen gelten und man wird hier direkt damit konfrontiert, dass sie ihr Geld als Drogenkurierin ...

Einem klassischen Krimi entspricht „Das Netz“ nicht: die Protagonistin Sonja kann von Anfang an als eine der Bösen gelten und man wird hier direkt damit konfrontiert, dass sie ihr Geld als Drogenkurierin verdient; angesichts der Buchbeschreibung hatte ich eher erwartet, zunächst davon zu lesen, wie sie in diese Kreise abrutscht, aber sie steckt bereits am Beginn der Geschichte mittendrin. Eh ist die Beschreibung ein wenig verfehlt, denn auch die Beziehung zu Agla ist als solche gar nicht definiert: Während Sonja sich da deutlich mehr „Offizielles“ wünscht, hadert Agla, die vor Sonja noch nie mit einer Frau zusammen war, arg damit, sich in eine Frau verliebt zu haben, denn sie ist doch gar nicht „so eine“.
Tatsächlich verlaufen die Geschichten dieser beiden Frauen hier eher parallel, von diversen gemeinsam verbrachten Nächten mal abgesehen und sehr vielen Grübeleien, ob und zu was diese Beziehung, oder Nicht-Beziehung, führen soll/könnte.
Auch der Bragi-Strang wird später parallel eingeflochten; die Handlung rund um Sonja steht zwar klar im Fokus und macht das Gros dieses Romans aus, aber insgesamt werden da eben drei Hauptfiguren thematisiert, deren Wege sich, mal häufiger, mal seltener, überkreuzen.

Ich habe „Das Netz“ jetzt als eher ruhigen Roman empfunden. Völlig einfangen konnte mich die Geschichte nicht, denn tatsächlich passierte gar nicht so viel, außer dass Sonja immer mehr Drogen aus dem Ausland nach Island schmuggeln sollte, Bragi mit dem Pflegeheim seiner Frau mehr als unzufrieden war und Agla zum Einen nicht zugeben wollte, lesbisch zu sein, zum Anderen aber ohnehin damit beschäftigt war, sowohl ihre Beteiligung als auch die einiger Kollegen am isländischen Bankencrash zu verschleiern.
Gelangweilt habe ich mich während des Lesens nicht, wobei für Spannung eigentlich nur die Frage sorgte, ob Sonja je aussteigen würde können und wie die großen Drogenbosse da weiter auf sie reagieren würden. Später wird zwar noch die Frage aufgeworfen, wer eigentlich da der oberste Drahtzieher ist, aber was vermutlich für einen Mindf*-Moment sorgen sollte, war für mich völlig absehbar. Mit der Beteiligung dieser Person hatte ich schon frühzeitig gerechnet und ab DEM großen Spannungsmoment in diesem Buch war es eigentlich völlig absehbar und da habe ich mich wirklich gewundert, dass die sonst eher abgebrüht auftretende Sonja da völlig den Kopf verlor und überstürzt zu handeln begann. Bzw. ihr Verhalten konnte ich angesichts dieser dort geschilderten Notsituation sogar noch halbwegs nachvollziehen, aber auch ihr Umfeld mit der vermeintlich sauberen Weste hat da nicht so reagiert, wie man es eigentlich erwarten sollen dürfte, von daher war es nicht ganz nachvollziehbar, dass eine gewisse Enthüllung sie später ganz kalt erwischt haben sollte. (Ja, das klingt jetzt kryptisch, aber ich will nicht spoilern. Wer von Anfang an aufmerksam liest und nur ein klitzekleines bisschen weiterdenkt, für den wird es hier aber keinen Plot Twist, sondern lediglich eine Bestätigung, geben.)

Das Ende ist auch semi-offen: Es gibt keinen klaren Cut, aber der Schluss war als solcher für mich nun auch akzeptabel. Es ist einfach eines dieser Enden, die dazu einladen, die Geschichte ab hier selbst noch ein wenig weiterzuspinnen – oder eben den nächsten Band zu lesen. Ich habe dabei allerdings nur wenig Interesse an der Trilogie im Gesamten entwickelt und werde es vermutlich dabei belassen, einfach nur „Das Netz“ gelesen zu haben.

Veröffentlicht am 09.06.2023

Sauber und solide

Match on Ice
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Was die ominösen, bereits in der Buchbeschreibung angesprochenen, "Übungsstunden" anbelangt, konnte ich deren Sinn bis zuletzt nicht nachvollziehen - das blieb für mich ein ganz seltsames Konstrukt, das ...

Was die ominösen, bereits in der Buchbeschreibung angesprochenen, "Übungsstunden" anbelangt, konnte ich deren Sinn bis zuletzt nicht nachvollziehen - das blieb für mich ein ganz seltsames Konstrukt, das in meinen Augen lediglich dazu diente, die zu erwartende Romanze einzuläuten: denn auch wenn sich die Beiden letztlich ein wenig von ihrem jeweiligen Sport nahebrachten, schien die "Strafe" bis dahin darin zu bestehen, dass sie frühmorgens, vor dem eigentlichen Trainingsbeginn, gleichzeitig in derselben Halle auf dem Eis rumdaddeln sollten, wobei Romys einziges Problem darin zu bestehen scheint, dass sie derzeit, auch ganz unabhängig von ihrer Verletzung, den Axel nicht sauber abschließen kann. Dass ihre Verletzung sie nun noch unsicherer auf dem Eis hat werden lassen, kam für mich gar nicht rüber und ohnehin wurde die Geschichte für mich dem Eiskunstlauf nicht wirklich gerecht: während Eishockey sogar noch erklärt wurde, wurde Eiskunstlauf hier eher mit Phrasen bedient und da wirkte die Darstellung auf mich allzu sehr als habe man halt noch eine zweite Eissportart gebraucht, aber sich nicht mit zu vielen Sportarten (neu) auseinandersetzen wollen. (Ich habe ja auch keine Ahnung; ich kuck mir einfach nur ab und an gerne mal Eiskunstlauf, auch in Turnierrahmen, an, aber selbst ich kenne da inzwischen mehr „Fachvokabular“, was Sprünge und Schrittfolgen angeht. In diesem Roman wurde zusammen übers Eis gelaufen und ihr Partner musste Romy häufiger heben und ABER DER AXEL!!! Hier bestand Eiskunstlauf eigentlich aus nix Anderem.)

Die Romanze an sich war ganz schön, Jack und Romy bewegten sich auch auf der gleichen Ebene und waren sich ebenbürtig; mir hat es wirklich gut gefallen, dass es hier kein krasses Gefälle zwischen den Beiden gab. Weder war sie das arme Hascherl, das gerettet werden musste, noch er der hehre Prinz auf dem weißen Ross, geschweige denn eine gebeutelte Seele von nur nach außen hin hartem Kerl, der sich heimlich nach Liebe verzehrte. Nee, die Beiden waren einfach ganz normale Studierende mit Sportstipendien, wobei der Studienaspekt im Roman auch arg kurz kommt: Die Geschichte spielt sich zu mindestens 90% doch in Eishallen ab und dass die Hauptfiguren auch noch ein reguläres Studium zu absolvieren haben, wird da eher sporadisch eingeworfen, wohl um uns daran zu erinnern, dass Sport hier (noch) kein Hauptberuf ist, und außerdem spielen die Studieninhalte ganz zum Schluss doch auch noch eine kleine Rolle, um eine Intrige aufzudröseln.
Denn natürlich gibt es noch ein Drama, und hier fand ich es wiederum schön, dass es nicht hausgemacht, also vom Paar selbst konstruiert, war und dass es zudem, ohne nun groß spoilern zu wollen, mal wirklich um was ging. Also kein sich über zig Kapitel erstreckendes Eifersuchtsdrama, weil sie zufällig gesehen hat, wie er eine Unbekannte geknuddelt hat, die sich 100 Seiten später als seine Schwester entpuppte oder Ähnliches.

Generell fand ich diesen Roman im Vergleich mit anderen Titeln desselben Genres sehr authentisch; wie gesagt: die Hauptfiguren waren nicht krass auffällig und es gab auch nicht den ganz großen Schmonz (ebenso gab es übrigens auch keine erotischen Szenen; der Roman ist generell also eher im Bereich clean romance anzusiedeln). Wer seine Romanzen gerne total kitschig mag, wird hier eher enttäuscht sein; dazu ist die Gefühlsebene wohl zu nüchtern, eben: alltäglich, dargestellt. Wer es auch in diesem Genre gerne ein wenig realistischer hat, dürfte sich da weitaus mehr an "Match on Ice" erfreuen können.
Für mich ergab sich hier aus Allem eine solide Romanze mit einem für mich okayen Unterhaltungsfaktor; also mich hat diese Geschichte nun nicht völlig in den Bann gezogen, aber ich würde definitiv auch noch einer weiteren Sports Romance der Autorin eine Chance geben. Schade fand ich lediglich, dass die letztliche Auflösung des Dramas nicht tiefer thematisiert wurde; da hatte sich die Beziehung zwischen Romy und Jack zuvor so schön mit der Zeit entwickelt, nichts geschah überhastet, aber das Romanende war dann doch eher so basta, fertig, aus.

Veröffentlicht am 03.06.2023

Viele Sexszenen in einer sonst eher wenig aufregenden Geschichte

Kissing Chloe Brown (Brown Sisters 1)
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Verblüfft hat mich hier beim Lesen zunächst einmal die Erwähnung, dass Chloe bereits Anfang 30 ist; die gesamte Aufmachung von Cover bis Klappentext hatte mich, wie auch die ersten Seiten des Romans bis ...

Verblüfft hat mich hier beim Lesen zunächst einmal die Erwähnung, dass Chloe bereits Anfang 30 ist; die gesamte Aufmachung von Cover bis Klappentext hatte mich, wie auch die ersten Seiten des Romans bis zu jener Altersnennung, eher davon ausgehen lassen, dass es sich bei diesem Roman um eine typische Mittzwanziger-Romance handeln würde. So ganz habe ich Chloe ihr tatsächliches Alter auch bis zuletzt nicht abgenommen, zumal zwischendrin betont wurde, dass sie, bis sich ihr gesundheitlicher Zustand dramatisch verschlechterte, ein recht "normales" unauffälliges Leben geführt habe, was für mich gar nicht zur Darstellung der jetzigen Chloe passte, die, ganz unabhängig von ihrer Krankheit, doch auch einige Marotten hatte.
In diesem Roman lebt Chloe nun seit Kurzem zum ersten Mal in einer eigenen Wohnung, was mich zum Einen deswegen ein wenig befremdete, weil sie zuvor sogar schon einmal verlobt gewesen war, aber gemäß der Darstellung wohl noch nie abseits ihrer Familie gewohnt hatte, und zum Anderen dadurch, dass Chloe sich angeblich dort doch sehr einigelte und jeglichen Kontakt zur Nachbarschaft möglichst mied, aber wiederum einige Leute aus dem Haus sehr akkurat zu charakterisieren vermochte, was weder zu "just erst eingezogen" noch "gar nix mit irgendwem da zu tun" passte.
Also da gab es durchaus einige Punkte, die für mich nicht ganz so miteinander klickten, aber insgesamt war "Kissing Chloe Brown" für mich doch ein ganz unterhaltsamer Chicklit-Roman nach dem Motto "Welt raus, wir zwei rein", denn außer Chloe und Red hätte es eigentlich gar keine Figuren gebraucht. Ab und an tauchte grad aus Chloes Familie mal noch jemand auf, aber prinzipiell bestand die komplette Geschichte nur aus Chloe und Red.
Ein tolles Buch, wenn einem grad zu viele Menschen auf den Senkel gehen und man dankbar ist, wenn man dazu nicht noch von zig belletristischen Figuren genervt wird!

Die Handlung ist hier definitiv sehr vorhersehbar; Chloes Erkrankung nimmt zwar sehr viel Raum ein, wird aber nicht größer als die Hauptfiguren und obschon die Krankheit hier klar thematisiert wird, blieb der Roman meinem Empfinden nach doch sehr oberflächlich; also sollte jemand dieser Romance "aber mit Tiefgang!" bescheinigen, weil die Protagonistin ernsthaft krank ist, oder auch, weil die männliche Hauptfigur aufgrund vergangener Erfahrungen Probleme hat, sein Herz zu öffnen: sorry, nein, da gehe ich nicht mit.
Dabei habe ich, trotz aller Vorhersehbarkeit, bis zuletzt nicht verstanden, was nu eigentlich zwischen Chloe und Red passiert war, dass sie plötzlich bekundeten, völlig scharf aufeinander zu sein und rumzufummeln bzw. zu vö geln begannen; das kam für mich quasi aus dem Nichts; mir waren die Sexszenen auch zu viel. Jene hätte man meiner Meinung nach deutlich reduzieren können und dafür Chloes Schwestern mehr als ein paar Pflichtauftritte absolvieren lassen können. Schließlich ist dieser Roman der Auftaktband zu einer Reihe rund um alle drei Schwestern, aber ganz ehrlich: "Kissing Chloe Brown" hat mich da gar kein Interesse entwickeln lassen, da mir ihre Schwestern völlig fremd geblieben sind. Tatsächlich erschien mir die Großmutter noch am Einzigartigsten und ein Roman rund um jene Exzentrikerin könnte mir wahnsinnigen Spaß bereiten, aber Chloes Schwestern erscheinen mir so einfach völlig unspannend. Ferner hatte ich bei den Sexszenen das Gefühl, dass man da selbst merkte, sich zu wiederholen und dann schwankte die Erzählweise ständig abrupt zwischen zärtlicher Erotik und dreckiger Einhandliteratur; die Ausdrucksweise wechselte da mitunter so krass, dass ich mir nicht sicher war, ob all das so tatsächlich von nur einer Person geschrieben/übersetzt worden war.

Letztlich sehe ich "Kissing Chloe Brown" als ganz gute Sommer-Sonne-Strand-Romance an, die es überflüssig macht, mehr als zwei Personen Beachtung zu schenken, bin aber doch enttäuscht, dass sich einige Punkte eher miteinander ver- als einhakten, weil da, wie ich finde, einfach Potential verschenkt wurde und die Geschichte einfach noch viel runder ausgestaltet hätte werden können.