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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 25.06.2023

Interessant, aber mit Schwächen

Mein Leben als Tatortreiniger
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In "Mein Leben als Tatortreiniger" erzählt Dirk Plähn aus seinem Berufsalltag, unterstützt von der Ghostwriterin Kathrin Hanke. Er schildert, wie er zu diesem Beruf kam, und nimmt den Leser in 18 wahren ...

In "Mein Leben als Tatortreiniger" erzählt Dirk Plähn aus seinem Berufsalltag, unterstützt von der Ghostwriterin Kathrin Hanke. Er schildert, wie er zu diesem Beruf kam, und nimmt den Leser in 18 wahren Geschichten mit an seinen Arbeitsplatz. Ob Entrümpelung eines Messiehaushalts oder fachgerechte Reinigung und Desinfektion von Wohnungen, in denen ein Leichnam oft über Wochen unentdeckt lag, inklusive Ausbau und Entsorgung kontaminierten Materials - schnell wird klar, dass Tatortreiniger ein psychisch und physisch äußerst herausfordernder Beruf ist. Manches war mir vor der Lektüre dieses Buches so nicht bewusst, insbesondere, wie weitreichend die Folgen eines längere Zeit unentdeckt gebliebenen Todesfalls sogar für die Bausubstanz der Wohnung sind. 

Leider ähneln sich die einzelnen Geschichten doch sehr, und Plähn wiederholt sich häufig. Seine Schilderungen bleiben sehr an der Oberfläche, und ich hätte gerne noch tiefergehende, fundierte Details aus seiner Arbeit erfahren, und dafür auf einige abschweifende Passagen verzichtet. Wirklich gestört hat mich der äußerst einfache Schreibstil und die flapsige Ausdrucksweise, die ich als sehr unangebracht empfand. Hier hätte ich doch etwas mehr Niveau erwartet, insbesondere, da eine Ghostwriterin am Buch beteiligt war.

Insgesamt bleibt das Buch leider deutlich hinter meinen Erwartungen zurück, sowohl was den Informationsgehalt als auch Sprache und Stil anbelangt. 

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Veröffentlicht am 21.06.2023

Spannend, rasant, aber teilweise unlogisch

Im Bann der Elemente (Bd. 1)
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Da das Cover richtig abenteuelustig aussah und die Leseprobe sehr vielversprechend klang, waren wir sehr gespannt auf das Buch. Das Cover sticht durch die Glitzerffekte sofort ins Auge und gefiel meinem ...

Da das Cover richtig abenteuelustig aussah und die Leseprobe sehr vielversprechend klang, waren wir sehr gespannt auf das Buch. Das Cover sticht durch die Glitzerffekte sofort ins Auge und gefiel meinem Sohn auf Anhieb.

Der Schreibstil ist sehr flott und treibt die Geschichte voran, ohne Ausschmückungen oder detaillierte Beschreibungen. Die Protagonist*innen geraten von einem Abenteuer ins nächste. Das hält die Spannung hoch, führt aber dazu, dass sich einige kausale Zusammenhänge nicht erschließen und die Logik etwas auf der Strecke bleibt.

Die Sprache ist betont jugendlich und eher flapsig gehalten, was manchmal fast zu viel ist. Einige der Fabelwesen, wie der Wurzelknorr oder die Irrlichter, haben Sprachfehler, so dass die Dialoge sehr mühsam zu lesen sind. Mal wird das z durch sch ersetzt, mal das sch durch f, oder das s durch ein w oder ein z. Zu Vorlesen ist das Buch daher ziemlich anstrengend, und vermutlich verliert das ein oder andere Kind die Lust, es selbst zu lesen, da diese Sprachfehler das Lesen und das Verständnis deutlich erschweren. Gerade für Kinder mit einer Lese- oder Rechtschreibschwäche sehe ich diese
geballt auftretenden fehlerhaften Schreibweisen auch sehr kritisch, da sich so Fehler leicht einprägen können, insbesondere, wenn die Phonetik ähnlich ist (Prins statt Prinz).

Insgesamt ein spannendes, unterhaltsames Kinderbuch mit vielen skurrilen, witzigen und abenteuerlichen Einfällen, bei dem mir allerdings der logische Überbau und der große Zusammenhang zu kurz kam. Vieles wird nur aneinandergereiht, und ich habe den Eindruck, dass hier Potenzial verschenkt wurde. Für den 2. Band ist noch deutlich Luft nach oben.



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Veröffentlicht am 15.06.2023

Fachlich mangelhaft

Emmy Noether. Ihr steiniger Weg an die Weltspitze der Mathematik
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Als Mathematikerin hat mich die Biografie Emmy Noethers, die mir aus dem Studium natürlich bekannt ist, sehr interessiert.

In "Emmy Noether - Ihr steiniger Weg an die Weltspitze der Mathematik" versucht ...

Als Mathematikerin hat mich die Biografie Emmy Noethers, die mir aus dem Studium natürlich bekannt ist, sehr interessiert.

In "Emmy Noether - Ihr steiniger Weg an die Weltspitze der Mathematik" versucht der Autor Lars Jaeger nicht nur, Emmy Noethers Leben und ihren akademischen Werdegang nachzuzeichnen, sondern auch, ihre mathematische und physikalische Forschungsarbeit allgemeinverständlich zu erklären. Letzteres ist ihm leider nicht gelungen. Im Bemühen, allgemeinverständlich zu sein, vereinfacht er zu stark, weicht Definitionen auf oder formuliert sie um, wodurch einiges schlicht falsch wird, oder so schwammig, dass es einer so exakten Wissenschaft wie der reinen Mathematik nicht mehr gerecht wird (das beginnt bereits bei den Definitionen von Idealen, Moduln und Isomorphismen).  Ab Kapitel 6, das sich Noethers Beitrag zur Algebra widmet, habe ich mich stellenweise so sehr geärgert, dass ich kurz davor war, das Buch abzubrechen. Von Algebra hat der Autor offensichtlich wenig Ahnung. Allein der ständig verwendete, nicht existente Begriff "Zahlenfeld", bei dem es sich offenbar um eine fehlerhafte Übersetzung aus dem Englischen (number field) handelt, zeigt dies. Jeder Student im Grundstudium weiß, daß "field" die englische Bezeichnung für Körper ist, und es sich bei "number fields" um Zahlkörper handelt. So kommt es zu kuriosen und auch falschen Sätzen wie "Alle Unterfelder einer Divisionsalgebra D sind Spaltfelder". Korrekt formuliert müsste der Satz lauten: "Sei D eine endlich-dimensionale zentrale (!) Divisionsalgebra über dem Körper K. Dann besitzt D maximale Teilkörper, und jeder maximale (!) Teilkörper einer Divisionsalgebra D ist ein Zerfällungskörper von D".
Da weder die Begriffe Divisionsalgebra noch Zerfällungskörper näher erläutert werden, dürfte dieser Satz für Laien unverständlich sein, und das gilt für weitere Passagen des Buches.

Die Abschnitte über Emmy Noethers Leben, die auch eindrücklich zeigen, mit welchen Vorurteilen und Ungerechtigkeiten Frauen in der Wissenschaft zu kämpfen hatten und welche Hindernisse ihnen in den Weg gelegt wurden, sind interessant und informativ. Aufgrund der Mängel im fachlichen Teil kann ich die Biografie jedoch leider nicht weiterempfehlen.

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Veröffentlicht am 12.06.2023

Konnte mich nicht fesseln

Die Spur der Aale
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Nachdem ich die Leseprobe zu "Spur der Aale" gelesen hatte, wollte ich das Buch gerne lesen, da die Themen Umwelt und Schmuggel selten Arten außergewöhnlich und sehr interessant klangen.

Mir war vorher ...

Nachdem ich die Leseprobe zu "Spur der Aale" gelesen hatte, wollte ich das Buch gerne lesen, da die Themen Umwelt und Schmuggel selten Arten außergewöhnlich und sehr interessant klangen.

Mir war vorher auch nicht bewusst, wie gefährdet die Aalpopulation ist und welche weite Reise Aale in ihrem Leben zurücklegen, um sich fortzupflanzen.

Leider empfand ich die Geschichte als etwas unrund, und für einen Krimi hatte sie eindeutig zu wenig Spannung. Alles plätscherte brav vor sich hin, und ich war zu keinem Zeitpunkt gefesselt von der Handlung. Der Autor arbeitet sehr offensichtlich auf eine Fortsetzung hin, da immer wieder Anspielungen auf Greta Vogelsangs Vergangenheit vorkommen und frühere Kontakte ins linksextreme Milieu suggerieren. Auch der Schluss lässt die Thematik der nächsten Bandes erahnen. Das wirkt alles etwas erzwungen, und auch der Schreibstil konnte mich nicht begeistern. Teilweise empfand ich die Wortwahl als etwas abstoßend bzw. merkwürdig. ("Er roch noch nach Schlaf und ein bisschen nach morgendlichem Furz. Sie mochte das.") Die Charaktere blieben farblos, und ich fühlte mit keinem wirklich mit.

Insgesamt konnte mich der Roman nicht überzeugen und den nächsten Band werde ich nicht mehr lesen.

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Veröffentlicht am 09.06.2023

Gewöhnungsbedürftig

Mein Lieblingstier heißt Winter
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Der Klappentext von "Mein Lieblingstier heißt Winter" hat mich neugierig gemacht. Leider wurde mir dann bereits auf den ersten Seiten klar, dass ich mit diesem Buch nicht warm werde, und das liegt vornehmlich ...

Der Klappentext von "Mein Lieblingstier heißt Winter" hat mich neugierig gemacht. Leider wurde mir dann bereits auf den ersten Seiten klar, dass ich mit diesem Buch nicht warm werde, und das liegt vornehmlich am Schreibstil. Ferdinand Schmalz bedient sich einer Kunstsprache, die entfernt an eine süddeutsche Umgangssprache erinnern soll, und durch beabsichtigte Grammatikfehler und ungewöhnlichen Satzbau äußerst sperrig anmutet. Ich hatte zunächst gehofft, mich mit der Zeit daran zu gewöhnen, doch je weiter ich las, desto mehr nervte es mich. 

Hätte mir die merkwürdige Sprache nicht die Freude am Buch genommen, hätte mich die morbid-groteske Geschichte um den Tiefkühlwarenhändler Franz Schlicht durchaus in ihren Bann ziehen können. Unwillkürlich musste ich während der Lektüre an David Schalkos Serien "Der Aufschneider" und "Braunschlag" denken.

Wer David Schalko und Josef Hader mag und sich für dieses Buch interessiert, sollte unbedingt vorab die Leseprobe lesen. Meinen Geschmack hat es leider nicht getroffen.

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