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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 03.04.2024

Informatives, lexikonähnliches Sachbuch zu ernsten Themen der Gegenwart und Zukunft

Das kleine Buch der großen Risiken
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Dieses Sachbuch ist in 26 kurze Kapitel von A-Z aufgeteilt, zu jedem Buchstaben gibt es ein Risiko, das erläutert wird. Es geht u.a. um Cyberrisiken, Schwarze Löcher, Hitze und Klimawandel, totalitäre ...

Dieses Sachbuch ist in 26 kurze Kapitel von A-Z aufgeteilt, zu jedem Buchstaben gibt es ein Risiko, das erläutert wird. Es geht u.a. um Cyberrisiken, Schwarze Löcher, Hitze und Klimawandel, totalitäre Staaten und Ufos, also um unterschiedlich wahrscheinliche Risiken aus verschiedensten Bereichen.

Der Aufbau der einzelnen Einträge bzw. Kapitel sorgt für eine gute Strukturiertheit: zunächst wird das Risiko in einem Satz beschrieben und dann kurz eingeordnet, inwiefern es sich lohnt, sich zu sorgen. Im Anschluss daran wird das jeweilige Risiko auf 5 – 10 Seiten genauer beschrieben. Hinten im Buch ist ein Literaturverzeichnis zu finden, das auf Studien und Bücher hinweist und Anregung für eine weitere Vertiefung bietet.

Jakob Thomä gelingt es, Risiken zu benennen und einzuordnen. Auch schwerwiegende Risiken werden in einem lockeren Ton behandelt, der den Themen etwas die Schwere nimmt. Der Umfang der Kapitel ist sehr angenehm. Sie haben genau die richtige Länge, um zu informieren und Zusammenhänge zu erklären, ohne dass sich in (unnötigen) Details verheddert wird. Ich habe wirklich viel gelernt, auch zu Themen, bei denen ich dachte, mich schon gut auszukennen.

Dennoch hat mich das Buch, insbesondere einige Kapitel, immer wieder stimmungsmäßig ganz schön heruntergezogen. Dies ist sicherlich keine Überraschung angesichts der Thematik, trotzdem hat es mich an einigen Stellen kalt erwischt. Ich würde auf jeden Fall empfehlen, das Buch nicht in einem Rutsch durchzulesen, sondern immer wieder Pausen einzulegen und die Risiken gut zu portionieren. Außerdem würde ich das Buch bei bereits gedrückter Stimmung nicht empfehlen.

Wer aber weiß, auf was er oder sie sich einlässt, kann viel lernen und durch „Das kleine Buch der großen Risiken“ gut unterhalten werden.

Veröffentlicht am 16.11.2023

Komplexer Reihenbeginn mit Luft nach oben für die kommenden Bücher

Glutspur
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Die ehemalige Kriminalbeamtin Liv, seit neuestem Privatdetektivin, wird von ihrem Mentor bei der Polizei um Mithilfe in einem Fall gebeten. Es geht um einen Mord an einem Journalisten vor drei Jahren, ...

Die ehemalige Kriminalbeamtin Liv, seit neuestem Privatdetektivin, wird von ihrem Mentor bei der Polizei um Mithilfe in einem Fall gebeten. Es geht um einen Mord an einem Journalisten vor drei Jahren, der bisher ungelöst blieb.
Hannah, Livs Vermieterin, beschäftigt sich mit dem Suizid ihres Bruders Daniel, der wegen Mordes an seiner Frau im Gefängnis gesessen hat.
Nima arbeitet in der Nähe von Hannah und Liv und ist Spezialist für Oldtimer. Er wird von der Polizei verdächtigt, eine Museumsangestellte getötet zu haben.

Die Zusammenhänge werden erst relativ spät deutlich, sodass ich viel Zeit hatte, um mitzurätseln. Insgesamt habe ich den Plot als stimmig und auch durchaus als realistisch empfunden.
Leider war mir der Krimi etwas zu überfrachtet, worunter die Spannung zu leiden hatte. Engberg hat viele mögliche Spuren, Motive und Themen aufgemacht, die für sich alle interessant sind. Nur leider hat die Fülle der Themen ein tieferes Eindringen verhindert. Da wäre etwas weniger vielleicht mehr gewesen.
Dennoch gefällt mir Katrine Engbergs Schreibstil gut und auch die Charaktere Nima, Liv und Hannah finde ich spannend. Alle drei haben ihre Themen, die bestimmt in den kommenden Büchern noch mehr Platz finden. Besonders überzeugend fand ich die Beschreibung von Livs Ermittlungsarbeit, die sehr detailliert beschrieben wird.

Insgesamt habe ich „Glutspur“ gerne gelesen. Im Vergleich zu der Reihe um Jeppe Körner und Anette Werner ist aber noch Luft nach oben. Den nächsten Band werde ich aber sicher lesen.

Veröffentlicht am 13.06.2023

Atmosphärisch düster

Wolfskinder
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Jakobsleiter ist eine abgeschiedene Siedlung in den Bergen, die ohne Internet, Arzt und Einkaufsmöglichkeit auskommt. In das Dorf den Berg abwärts geht man nur, wenn es sein muss, ansonsten gibt es so ...

Jakobsleiter ist eine abgeschiedene Siedlung in den Bergen, die ohne Internet, Arzt und Einkaufsmöglichkeit auskommt. In das Dorf den Berg abwärts geht man nur, wenn es sein muss, ansonsten gibt es so wenig Kontakt wie möglich zu den Dorfbewohnern. Nur die Jugendlichen Jesse und Rebekka wandern täglich hinab zur Schule. Sie kennen nur das zurückgezogene Leben in Jakobsleiter, auch wenn Rebekka die Siedlung verlassen möchte. Als Rebekka verschwindet und die Journalistin Smilla, die in ihrer Kindheit ihre beste Freundin in den Wäldern verloren hat, einen Zusammenhang sieht, gerät Jakobsleiter in den Fokus. Denn nicht nur Smillas Freundin und Rebekka sind in den letzten Jahren verschwunden…

Mir hat “Wolfskinder” gut gefallen. Vera Buck hat einen Schreibstil, der sich leicht lesen lässt und einen dazu animiert, dabeizubleiben. Ich fand den Thriller auch zu jeder Zeit spannend. Die Thematik der Aussteiger in Jakobsleiter ist interessant und die Entwicklung der Siedler trägt maßgeblich zur erzeugten Spannung bei. Auch die Protagonist*innen bekommen Raum und entwickeln sich. Besonders Jesse und dessen Zerrissenheit zwischen dem Glauben an Jakobsleiter und seinen Vater und den stärker werdenden Zweifeln an der Richtigkeit dessen, was in Jakobsleiter passiert, sind sehr vorstell- und nachvollziehbar beschrieben. Auch atmosphärisch hat mich der Thriller abgeholt, die Beschreibungen der Natur und der Stille sowie des gegenseitigen Misstrauens zwischen Dorfbewohnern und den Bewohnern von Jakobsleiter sind sehr intensiv.
Leider war mir schon relativ früh klar, was hinter dem Verschwinden der Mädchen und Frauen steckt und wer der Täter sein muss. Das fand ich etwas schade, auch wenn ich trotzdem gerne weitergelesen habe. Deshalb aber „nur“ 4 Sterne von mir.

„Wolfskinder“ ist ein gut geschriebener Thriller, der spannend ist und die betroffenen Menschen nicht aus dem Blick verliert.

Veröffentlicht am 16.05.2023

Morde auf der Hallig

Halliggift (Ein Minke-van-Hoorn-Krimi 3)
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Minke van Hoorn, verantwortliche Polizistin für Midsand, hat eigentlich schon genug zu tun mit einem zu nah an der Küste schwimmenden Pottwal. Als dann noch die allgemein so beliebte und selbstlose Hanni ...

Minke van Hoorn, verantwortliche Polizistin für Midsand, hat eigentlich schon genug zu tun mit einem zu nah an der Küste schwimmenden Pottwal. Als dann noch die allgemein so beliebte und selbstlose Hanni vergiftet wird, gibt es für Minke endgültig viel zu tun. Denn bei dem einen Mord bleibt es nicht… Während Minkes und Lisas (Minkes Kollegin) Ermittlungen werden viele Bewohner*innen von Jüstering und Midsand beschrieben, von denen einige interessante Charaktere sind.

Ich habe die beiden Vorgänger „Halligmord“ und „Halligzorn“ nicht gelesen. Trotzdem hatte ich keinerlei Schwierigkeiten in die Geschichte hineinzukommen und bestehende Beziehungsgeflechte zu durchschauen. Der Regionalkrimi punktet mit den Nordsee- und Halligbeschreibungen, die Lust auf einen entspannten Urlaub machen. Gleiches gilt für das hübsche Buchcover. Gleichzeitig hat die Autorin die Atmosphäre eindrucksvoll beschrieben und damit aufgezeigt, dass ein abgeschiedenes Leben auf einer Hallig durchaus Vorteile, aber eben auch Nachteile, haben kann.

Die Schreibweise lässt sich gut lesen und ist flüssig. Die Charakterbeschreibung von Minkes Kollegin Lisa gefällt mir und auch Minkes Bruder ist ein interessanter Charakter. Lisas schwäbischer Dialekt bringt etwas Pepp in die Dialoge. Ich habe sicherlich schon spannendere Krimis gelesen, trotzdem hat mir „Halliggift“ gefallen. Gerade der Bezug in die Vergangenheit hat für mich den Reiz ausgemacht. Zum Miträtseln hat mich der Krimi auf jeden Fall angeregt!

Ich kann „Halliggift“ allen empfehlen, die Lust auf eine Auszeit an der Nordsee haben und sich dabei gut unterhalten fühlen möchten!

Veröffentlicht am 11.04.2023

Große Geschwisterliebe

22 Bahnen
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Tilda ist ein Mathegenie, steht kurz vor ihrer Masterarbeit im Bereich Wahrscheinlichkeiten, liebt das Schwimmen und ist vor allem die große Schwester von Ida. Ida ist ungefähr 9 – 10 Jahre alt, künstlerisch ...

Tilda ist ein Mathegenie, steht kurz vor ihrer Masterarbeit im Bereich Wahrscheinlichkeiten, liebt das Schwimmen und ist vor allem die große Schwester von Ida. Ida ist ungefähr 9 – 10 Jahre alt, künstlerisch begabt und sehr schüchtern. Und dann ist da noch die Mutter der Beiden, die ihrer Mutterrolle aufgrund einer Alkoholkrankheit nicht gerecht wird. Tilda ist für Ida Mutterersatz und Ernährerin der kleinen Familie. Sie selbst bleibt aber etwas auf der Strecke ob der großen Verantwortung. In dem Roman geht es um die Entwicklung der beiden Schwestern, die mit der Situation umgehen und sie verändern müssen, damit beide nicht zu kurz kommen.

Mir hat die erste Hälfte des Romans ungemein gut gefallen, ich habe sie regelrecht verschlungen. Die Art und Weise zu schreiben, passt gut zum Inhalt und der jungen Protagonistin. Auffällig sind die nicht ausgeschriebenen Zahlen, die für mich aber wie ein passendes Stilmittel wirken und Tildas Liebe zu Zahlen und Mathematik widerspiegeln. Fast drehbuchartig begleitet man als Leser*in Tilda und Ida. Beide Schwestern sind mir sehr sympathisch und ich habe mit ihnen mitgefiebert. Der Roman hat mich fast wie ein spannender Krimi gefesselt.
Die große Verbundenheit der beiden Schwestern wird sehr deutlich und ist schön als LeserIn mitzuerleben. Dagegen ist die Hilflosigkeit der Beiden in Bezug auf ihre Mutter schwer auszuhalten. Bewundernswert ist jedoch, wie die beiden ihren Alltag meistern.

Im Vergleich zur ersten Hälfe des Romans ist die zweite meiner Meinung nach etwas abgefallen. Sie konnte mich nicht mehr so stark in den Bann ziehen wie die ersten 120 Seiten. Vielleicht hätte sich die Autorin ein paar mehr Seiten für das Ende des Romans gönnen können.

Insgesamt ist „22 Bahnen“ für mich ein schöner, berührender Roman über die Verbundenheit zweier Schwestern, die dem Leben und der Ungerechtigkeit trotzen.