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Veröffentlicht am 14.06.2023

Angst vor der Liebe

Die Buchverliebten
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„… letztendlich haben die Bücher mir das Liebste in meinem Leben genommen.“ (S. 216) Seit 20 Jahren trauert Gesa um ihre große Liebe, den finnischen Schriftsteller Onni. Sein Tod hat ihr die Freude am ...

„… letztendlich haben die Bücher mir das Liebste in meinem Leben genommen.“ (S. 216) Seit 20 Jahren trauert Gesa um ihre große Liebe, den finnischen Schriftsteller Onni. Sein Tod hat ihr die Freude am Lesen genommen, trotzdem verkauft sie seit über 40 Jahren Buchversicherungen. Doch auch damit könnte es bald vorbei sein, denn „Bücher sind tot … Leider.“ (S. 23). Wenn sie nicht ganz schnell neue Kunden akquiriert, muss sie gehen, sagt ihr Chef. Ihr Zwillingsbruder bringt sie mit Ole Oevermann zusammen, der eine Buchhandlung mit Antiquariat betreibt und auch zu wenig Kunden hat. Zusammen entwickeln sie neuen Mut und eine Idee, um Gesas Kündigung abzuwenden und Oles Laden zu retten.

Gesa ist überzeugt, nicht für die Liebe gemacht zu sein. Zwei Partner haben sie betrogen, Onni ist früh gestorben. Sie tröstet sich mit ihrer Arbeit und der Liebe zu Marzipankartoffeln. Wenn sie sich das Herz ausschütten muss, sind ihre Eltern und ihr Zwillingsbruder für sie da, der in der Liebe ebenfalls kein Glück hat. Außerdem redet sie mit einem ausgestopften Kuukkeli (einem finnischen Unglückshäher, der eigentlich ein Glücksbringer ist), den Onnis Familie ihr zum Trost geschenkt hatte. Aber dann lernt sie Ole kennen, der auch ein Trauma und fast zur gleichen Zeit wie sie seine Frau verloren hat. Erst durch ihren Verlust er zum Lesen gekommen. „Mir bedeuten Bücher alles, Literatur ist mein Lebenssinn.“ (S. 55) Ole ist hilfsbereit, rücksichtsvoll und fürsorglich und scheint ernsthaft an Gesas Dilemma interessiert zu sein und daran, eine Lösung für sie beide zu finden. Sie könnte sich in ihn verlieben, wenn sie nicht solche Angst vor der Liebe hätte, vor einer neuerlichen Enttäuschung. Ole sucht nicht nach der Liebe, die zu seiner Frau war genug für ein ganzes Leben. Doch irgendetwas an Gesa bringt sein Herz zum Schwingen. Er sieht sie nicht nur als Zweckgemeinschaft, sondern erhofft sich mindestens eine tiefe Freundschaft, vielleicht auch mehr. Wenn er seine Gefühle nur begreifen und in Worte fassen könnte. Und außerdem: „Liebe gibt es auch in der Freundschaft, oder nicht?“ (S. 325)

„Die Buchverliebten“ ist ein leiser Roman, getragen von Gesas und Oles Trauer um ihre Liebsten, aber auch mit einem immer wieder durchschimmernden Quäntchen Hoffnung auf Heilung und Veränderung. Mir gefiel die Vorstellung, dass ein ganz ähnlicher Schicksalsschlag sich so verschieden auswirken kann. Gesa hat er von der Literatur entfernt, Ole ihn zu ihr hingeführt.
Es ist ein Buch über die Liebe zu Büchern und zur Literatur das nachhallt und zum Nachdenken anregt. Anja Baumheier hat mit Gesa und Ole zwei ganz besondere Antihelden geschaffen, deren Geschichte einem sofort ans Herz gehen und zu dem ihr poetischer Schreibstil ganz wunderbar passt.

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Veröffentlicht am 29.05.2023

Der Strandphilosoph

Sonntags am Strand
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„Das waren sie, seine sechs Quadratmeter.“ (S. 13) Seit 41 Jahren betreibt Enzo zwischen April und Oktober ein Bagno an der italienischen Küste. Früher hat seine Frau jeden Mittag vorzügliche Pasta für ...

„Das waren sie, seine sechs Quadratmeter.“ (S. 13) Seit 41 Jahren betreibt Enzo zwischen April und Oktober ein Bagno an der italienischen Küste. Früher hat seine Frau jeden Mittag vorzügliche Pasta für die Gäste gekocht, seit ihrem Tod kocht er in Gedenken an sie. An diesem 15. August, Ferragosto, macht er zum ersten Mal ihre Pasta Carbonara. Für die Stammgäste ist damit klar, dass er langsam über ihren Tod hinwegkommt.
Sein Tag am Strand folgt festen Abläufen, genau wie der seiner meisten Gäste, die er zum Teil schon seit Jahren oder Jahrzehnten kennt. Da ist der Fischer Signor Conte, der den ganzen Sonntag bei ihm an der Bar verbringt. Da sind Felice und Alberto, die sich sehr lieben, aber anscheinend zu verschiedene Ansichten haben. Da ist Giacopo, gerade 16, der heimlich in eine Mitschülerin verliebt ist und sich ganz toll um seine jüngeren Geschwister kümmert, während sich seine Eltern immer heftiger streiten und ihre Ehe zu zerbrechen droht.

Alexander Oetkers „Sonntags am Strand“ lässt sofort Urlaubsgefühle aufkommen. Man spürt die Hitze, den Sand unter den Füßen und hat das Wellenrauschen im Ohr. Er beschreibt sehr ruhig ganz alltägliche Szenen, wie man sie selber schon erlebt oder gesehen und für die man sich im Nachhinein vielleicht auch geschämt hat, denn der Strand ist voll und alle bekommen die Streitigkeiten mit.
Er zeigt aber auch, was hinter den Problemen der Paare steht und dass man sich manchmal gegenseitig nur richtig ansehen und hinhören muss, um seinen Partner zu verstehen. Es ist also nicht nur eine leichte Sommerlektüre, sondern auch ein kleiner Beziehungsratgeber.

Die Geschichten gehen zu Herzen, ganz besonders die von Enzo, der mich am Ende zum Strahlen gebracht hat.

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Veröffentlicht am 25.04.2023

Sieben dunkle Jahre überstehn …

Dunkle Verbindungen
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„Die erste Erinnerung, die ich habe, das sind sie.“ Leander Lost und seine Kollegen ermitteln gerade in einem Todesfall im Golfresort von Fuseta, als sie zu einem Überfall auf einen Geldtransporter gerufen ...

„Die erste Erinnerung, die ich habe, das sind sie.“ Leander Lost und seine Kollegen ermitteln gerade in einem Todesfall im Golfresort von Fuseta, als sie zu einem Überfall auf einen Geldtransporter gerufen werden. Dort geraten sie in einen Schusswechsel, bei dem Miguel Duarte am Kopf getroffen wird. Leander übernimmt die Erstversorgung und als Duarte nach Tagen bangen Hoffens endlich wieder aufwacht, hat er sein Gedächtnis verloren und kennt weder seinen Namen noch sein Geburtsdatum. Das bzw. der Einzige, an den er sich erinnert, ist Leander Lost.
Während Leander Duarte mithilfe unzähliger Fotos beim Erinnern helfen will, laufen die Ermittlungen auf Hochtouren. Es scheint Verbindungen zwischen der Toten auf dem Golfplatz und dem Überfall zu geben, dem in immer kürzeren Abständen weitere folgen. Dabei trifft es stets die gleiche Transportfirma. Steckt etwa ein Insider oder gar ein Informant von der Polizei mit drin? Und auch der Überfall vor sieben Jahren, bei dem Graciana Rosados Bruder ermordet und ihr Vater lebensgefährlich verletzt wurden, weist Parallelen auf. Waren das eventuell die gleichen Täter?

Mit „Dunkle Verbindungen“ ist endlich der 6. Band der „Lost in Fuseta“-Reihe von Gil Ribeiro erschienen. Leander Lost ist endgültig in Portugal angekommen und mit Soraia verlobt, der Schwester seiner Chefin Graciana. Der Asperger-Autist und Eidetiker ist längst ein fester Bestandteil der Ermittlerteams und kommt auch im Alltag besser zurecht, kann sich leichter in sein Gegenüber einfühlen bzw. dessen Mimik deuten und einschätzen, was von ihm erwartet wird.
Duarte hatte sich bis zu seinem Gedächtnisverlust immer einen Sonderstatus im Team ausbedungen und war kein besonders netter Mensch, jetzt ist er komplett gewandelt. Seine Kollegen nutzen das aus und versuchen, ihn auch hinsichtlich seiner Hobbys „umzuprogrammieren“, was für amüsante Szenen sorgt.

Ich fand es sehr spannend, dass die Handlung abwechselnd aus Sicht der Räuber und Ermittler erzählt und damit das Tempo noch mal angehoben wird.
Dazu kommt, dass Graciana überzeugt ist, dass es sich bei den Tätern um die Mörder ihres Bruders handelt und sie um jeden Preis und im Alleingang zur Strecke bringen will. Dafür holt sie sich sogar Hilfe bei einem alten Bekannten ...

Mir hat der Fall wieder sehr gut unterhalten. Die Ermittler um Graciana liefern sich einen dramatischen Wettlauf mit den Räubern, nur die erste Tote geht irgendwann verloren (vielleicht habe ich das aber auch überhört).

Besonders hervorheben möchte ich wieder den Sprecher Andreas Pietschmann, der nicht nur Leanders Art mit seiner Stimme sehr gut rüberbringt, sondern auch den anderen Protagonisten eigene Charaktere verleiht. Ich bin sehr gespannt auf den hoffentlich nächsten Fall.

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Veröffentlicht am 05.04.2023

3 Tage Angst

Das verschwundene Fräulein
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Seit einem Jahr wartet Kriminalassistent Christian Hinrichs, dass Viktoria Berg endlich wieder zur Sommerfrische nach Norderney kommt und ihm die Frage aller Fragen beantwortet – ob sie ihn heiratet. Doch ...

Seit einem Jahr wartet Kriminalassistent Christian Hinrichs, dass Viktoria Berg endlich wieder zur Sommerfrische nach Norderney kommt und ihm die Frage aller Fragen beantwortet – ob sie ihn heiratet. Doch alles kommt anders. Badekommissar Eduard von Treptow braucht erneut dringend ihre Hilfe. Ilse, die Tochter des Flottenadmirals Adolph von Manteuffel, ist auf einem Spaziergang verschwunden. Noch während sie die Suche organisieren, kommt ein Brief des Entführers: Ilse hat nur noch 3 Tage zu leben. Verwunderlich ist, dass er keinerlei Forderungen für eine eventuelle Freilassung stellt. Trotzdem ist Manteuffel überzeugt: „Meine Tochter wurde entführt, um militärische Geheimnisse zu erpressen.“ (S. 52) Also suchen die Männer nach politischen und privaten Feinden des Admirals. Viktoria vermutet den Grund der Entführung eher bei Ilse selbst und redet mit deren Mutter und den Bediensteten der Familie. Hatte Ilse vielleicht eine geheime Liebschaft oder ein unschickliches Hobby und war dadurch angreifbar?!

„Das verschwundene Fräulein“ ist leider der letzte Band der Reihe von Elsa Dix, dabei hätte ich Viktoria und Christian noch viele weitere Abenteuer gewünscht.
Die Bücher leben von den unterschiedlichen Ermittlungsansätzen und -methoden der beiden Protagonisten, die sich im Laufe der Fälle stets neu zusammenraufen müssen. Diesmal hängt zusätzlich Viktorias seit einem Jahr aufgeschobene Entscheidung wie ein Damoklesschwert über ihnen. Sie liebt Christian sehr, ihren Beruf als Lehrerin, für den sie so hart kämpfen musste, aber auch. Und als Ehefrau dürfte sie nicht mehr unterrichten. Kein Wunder, dass die bisher so amüsanten Wortgefechte zwischen ihnen diesmal deutlich härter ausfallen. „Ich glaube, du willst mich nur heiraten, damit du mich kontrollieren kannst.“ (S. 146)
Außerdem mischt sich Viktorias Tante Rosamunde, die sie auf die Insel begleitet hat, dauernd in die Beziehung mit Christian ein, da sie ihn nicht mal für annähernd standesgemäß hält.

Elsa Dix hat abermals einen sehr spannenden und temporeichen Kriminalfall mit ständig wechselnden Verdächtigen geschaffen, denen man die Entführung allerdings nicht nachweisen kann. Dazu kommen verschiedene Geheimnisse innerhalb der Familie Manteuffel, die nach und nach aufgedeckt werden und den Fokus der Ermittler (und Leser) in bestimmte Richtungen drängen und damit gewisse Erwartungen und Vermutungen implizieren.
Letztlich gipfelt die atemlose Jagd nach dem Entführer und gegen die Zeit wieder in einem filmreifen Showdown. Aber kann Ilse gerettet werden und gibt für Viktoria und Christian es ein Happy End? Das verrate ich natürlich nicht! Schade, dass die Reihe jetzt zu Ende ist.

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Veröffentlicht am 31.03.2023

Zurück zur Natur

Glückstöchter - Einfach leben
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Tonkaalm 1918: Die junge Gräfin Anna vom Quast lebt mit ihrer kleinen Tochter allein und autark in 1320 m Höhe. Fast alles, was sie zum Leben braucht, baut sie selber an oder stellt es her. Ihr Wissen ...

Tonkaalm 1918: Die junge Gräfin Anna vom Quast lebt mit ihrer kleinen Tochter allein und autark in 1320 m Höhe. Fast alles, was sie zum Leben braucht, baut sie selber an oder stellt es her. Ihr Wissen über Pflanzen hat sie von ihrem Vater, einem berühmten Naturforscher und Pflanzenjäger. Sein Tod vor 8 Jahren änderte ihr Leben radikal ...

München 1976: Eva studiert Pharmazie und arbeitet nebenher in einer Apotheke, denn ihre Leidenschaft ist die Herstellung von pflanzlicher Kosmetik, Salben und Schönheitsprodukten. Sie hat „die Nase“, kann unzählige Gerüche erkennen und unterscheiden, beeindruckt mit ihrem Wissen sogar ihre Professoren. Ihre Eltern hoffen, dass sie trotzdem irgendwann den Friseursalon der Familie übernimmt. Als sie kurz vor ihrem 22. Geburtstag auf dem Dachboden einen alten Koffer entdeckt, kommt sie einem gut gehüteten Familiengeheimnis auf die Spur …

„Glückstöchter – Einfach leben“ ist der Auftakt der neuen Reihe von Stephanie Schuster und erzählt von zwei jungen Frauen, die sich auf die Natur (zurück-) besinnen und versuchen, im Einklang mit ihr zu leben.

Anna hat früh ihre Mutter verloren und wurde von ihrem Vater mit mehr Freiheiten und Bildung als zu ihrer Zeit üblich erzogen. Seit sie denken kann, unterstützt sie ihn bei seinen botanischen Studien, er hat ihr alles beigebracht, was er weiß. Außerdem lernt sie auf dem Gut der Familie schon als Kind, wie Landwirtschaft funktioniert.

Evas zieht nach ihrer Entdeckung zu Hause aus und nach Schwabing in eine Studenten-WG, in der alle frei zusammenleben und verschiedene Spielarten der Liebe (und Rauschmittel) ausprobieren. Sie lernt fair gehandelten Kaffee und Rohstoffe direkt vom Erzeuger kennen, engagiert sich auf einem Demeterhof und Anti-Atomkraft-Demos und baut sich mit ihren Mitbewohnern neben ihrem Studium ein kleines Geschäft auf.

Stephanie Schuster erzählt in zwei parallelen Strängen von Annas und Evas Leben, die etwas sehr Wichtiges verbindet, was dann hoffentlich im nächsten Band gelüftet wird – obwohl man es natürlich schon ahnen kann.
Sie schreibt mitreißend über starke, selbstbewusste und selbstbestimmte Frauen, die ihren Weg und ihre Stimme erst finden müssen. Aus der Geborgenheit ihrer Familien werden sie ins pralle Leben geworfen, machen dabei verschiedene Erfahrungen und müssen Entscheidungen treffen, die ihr weiteres Leben nachhaltig prägen werden.
Die beiden Protagonistinnen befinden sich in einer Phase der Rebellion und Selbst-findung. Anna will nicht als gelangweilte Ehefrau und Gutsherrin enden, sondern träumt davon, wie ihr Vater früher die ganze Welt zu bereisen. Eva sitzt irgendwie immer zwischen den Stühlen, will sich weder auf einen Partner noch einen Beruf festlegen, probiert gern Neues aus. Doch auch sie träumt vom Ankommen.

Annas Weg vom Familiengut über München und den Monte Verità bis auf die Alm ist extrem spannend und hat mir ein kleines bisschen besser gefallen als Evas, auch weil mehr Tempo drin und sie entschlossener war.

Mein Fazit: Ein toller Auftakt, der neugierig auf das weitere Leben und die Geheimnisse der Protagonistinnen macht.

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