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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 29.10.2023

Hier wird auch nur mit Wasser gekocht

Into the Water - Traue keinem. Auch nicht dir selbst.
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Beckford ist bekannt für seinen Fluss und eine besondere Stelle in ihm, die der Drowning Pool genannt wird. Dort wurden schon vor Jahrhunderten Frauen mittels der Hexenprobe ertränkt. Jetzt ist dort Danielle ...

Beckford ist bekannt für seinen Fluss und eine besondere Stelle in ihm, die der Drowning Pool genannt wird. Dort wurden schon vor Jahrhunderten Frauen mittels der Hexenprobe ertränkt. Jetzt ist dort Danielle Abbott - angeblich - in den Tod gesprungen. Sie hat sich intensiv mit den Geschichten der toten Frauen, die im Pool ihren Tod fanden, beschäftigt. Nach 15 Jahren kehrt Nels Schwester Julia nun zurück zu ihrer Nichte Lena, die sie noch nie gesehen hat. Julia kommt nicht gerne nach Beckford, denn sie wäre als Jugendliche fast selbst im Fluss ertrunken.

Das klang so gut und hatte so viel Potential. Eine Dorfgemeinschaft, die irgendwelche Geheimnisse hütet. Eine Frau, die nach langer Zeit wieder in ihr Elternhaus zurückkehrt, mit ganz viel Jugendtraumata im Gepäck und ein undurchsichtiger Todesfall.

Leider, leider hat mich das Buch überhaupt nicht gepackt. Ich habe ewig gebraucht, um es durchzulesen und war zwischendrin kurz davor, es abzubrechen. Die Geschichte wird aus verschiedenen Perspektive von - Moment, ich muss kurz nachzählen - vierzehn (!) Personen erzählt. Ich mag ja multiperspektivische Geschichten, aber bis ich hier alle Personen sortiert hatte, musste ich erst das halbe Buch lesen. Das war einfach zu viel des Guten. Auch der Spannungsbogen war für mich gar nicht vorhanden, das plätscherte so vor sich hin, ich weiß auch nicht. Aber es steht ja auch Roman auf dem Umschlag, nicht Krimi oder Thriller. Da bin ich wahrscheinlich dem Cover-Bild auf dem Leim gegangen. Mir hatte schon "Girl on the train" nicht hundertprozentig gefallen, aber von diesem Buch war ich enttäuscht. Da passte es dann auch, dass das Ende ehe farblos war. Schade.

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Veröffentlicht am 12.09.2023

Beziehungschaos an der Atlantikküste

Unsere glücklichen Tage
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Vier Freundinnen, die sich jeden Sommer in einem Ferienhaus an der französischen Atlantikküste treffen, verbringen dort Wochen voller Glück, Zukunftspläne und Unbeschwertheit. Bis Lenica eines Tages ihren ...

Vier Freundinnen, die sich jeden Sommer in einem Ferienhaus an der französischen Atlantikküste treffen, verbringen dort Wochen voller Glück, Zukunftspläne und Unbeschwertheit. Bis Lenica eines Tages ihren Jugendfreund Sean mitbringt. Er scheint sich mit Leichtigkeit in das Gefüge der vier einzufinden, setzt aber eine Entwicklung in Gang, die diesen Sommer zum letzten gemeinsamen der Freundinnen machen wird.

Christine Westermann, auf deren Meinung ich viel gebe, hat das Buch sehr gelobt und auch das Cover und der Klappentext haben mich angesprochen. Leider hat mich die Geschichte der vier Freundinnen, Lenica, Marie, Fanny und Ich-Erzählerin Elsa nicht so gepackt. Es war für mich klar, wo die Reise hingeht und der Roman bot wenig Überraschung. Muss er ja auch nicht, aber insgesamt war es mir dann zu wenig. Die Beziehung, die im Mittelpunkt steht, dreht sich lange im Kreis und eigentlich weiß man gar nicht warum. Das Verhalten der Protagonisten war für mich nicht immer vollständig nachvollziehbar. Es passiert auch nicht so viel, denn es werden immer wieder die lauschigen Sommerabende im Garten, die Schwimmausflüge und gleichen Beteuerungen untereinander wiederholt. Das Buch stimmt melancholisch, da sehr häufig die Unbeschwertheit der Jugend dem Ist-Zustand der Protagonisten gegenübergestellt wird. Alle stehen zwar gut im Leben, haben "etwas erreicht", trauern aber der Vergangenheit sehr hinterher. Das ist teilweise auf den Punkt beschrieben, z.B. stellt sich die Frage, wann eigentlich die Zeitlosigkeit, die scheinbare Unendlichkeit des Lebens, die die Jugend auszeichnet, verschwindet? (S. 29) Ja, wann? Man sieht die Zeit nicht vergehen und auf einmal sieht man in den Spiegel und ist alt. Dieses Thema beschäftigt die Freundinnen sehr und ganz ehrlich, das zieht einen ein bisschen runter. Am Ende siegt zwar die Zuversicht, aber etwas bitter ist es trotzdem.

Wer einen fluffigen Wohlfühlroman zum Einkuscheln sucht, ist hier falsch. Es ist eine Freundschafts- und eine Liebesgeschichte, die nachdenklich stimmt.

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Veröffentlicht am 12.09.2023

Wie Bücher ein Leben verändern können

Frau Komachi empfiehlt ein Buch
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Fünf Geschichten von fünf Menschen, die unzufrieden mit ihrer aktuellen Lebenssituation sind, aber es irgendwie nicht schaffen, aus diese "Krise" auszubrechen. Erst der Besuch in der kleinen Bibliothek ...

Fünf Geschichten von fünf Menschen, die unzufrieden mit ihrer aktuellen Lebenssituation sind, aber es irgendwie nicht schaffen, aus diese "Krise" auszubrechen. Erst der Besuch in der kleinen Bibliothek im Gemeindehaus bringt sie auf den richtigen Weg, denn hier empfiehlt Frau Komachi genau das passende Buch für jede und jeden.

Das hört sich zunächst einmal nach einem ziemlich schönen Buch an. Nach der zweiten Geschichte fing der Roman jedoch langsam an, mich eher zu langweilen, denn die Probleme, die die Personen mitbringen, drehen sich sämtlich um ihr Arbeitsleben. Oft agieren die Figuren sehr naiv und unselbständig, da musste ich schon mal mit den Augen rollen. Da standen studierte Leute, die nicht in der Lage waren, auf die Beschwerde einer Kundin zu reagieren oder die von anderen erst darauf hingewiesen werden mussten, dass man einen Laden vielleicht doch besser mit der Lebensgefährtin als Unterstützung aufziehen sollte. Frau Komachi selbst steht auch gar nicht so sehr im Mittelpunkt, denn jede Geschichte wird aus der Sicht der Person geschildert, die letztlich in die Bibliothek kommt. Da alle Personen unzufrieden sind, werden wir fünfmal unmittelbar Zeuge ihrer diversen inneren Monologe. Diese Fokussierung auf die Arbeit ist vielleicht ein kulturelles Phänomen, denn sobald diese Hürde genommen war, waren alle zufrieden. Das empfand ich als sehr einseitig. Eine gewisse Gleichförmigkeit im Aufbau der Geschichten lässt sich ebenso wenig vermeiden, wie Wiederholungen einzelner Abläufe, Gespräche und Erkenntnisse, mit der Zeit wirkt das ermüdend. Auch der Schreibstil war nicht ganz mein Ding. Er ist ebenfalls gleichförmig, unkompliziert, plätschert dahin und kommt ohne große emotionale Sprünge aus. Das Buch lässt sich dadurch sehr schnell lesen.

Gut gefallen haben mir einzelne Sätze, die zum Nachdenken über das eigene Leben anregen. Über Dinge, die wir immer wieder aufschieben, auf ein unbestimmtes Irgendwann in der Zukunft, anstatt sie einfach jetzt anzupacken. Über die Zeit, die wir schon gelebt haben und die Zeit, die uns noch bleibt. Auch die zarten Verknüpfungen der einzelnen Geschichten sind gelungen.

Insgesamt hat mich das Buch nach ca. der Hälfte verloren. Diese leichte Lektüre dürfte aber für viele andere einige schöne Lesestunden bereithalten.

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Veröffentlicht am 21.08.2023

100 Jahre Geschichte

Sogar Papageien überleben uns
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Olga Martynova hat in 88 kleinen Kapiteln, verteilt auf 199 Seiten, über das 20. Jahrhundert in Russland geschrieben. Es gibt eine grobe Storyline:

Die Ich-Erzählerin, Martina, Uni-Dozentin in Petersburg, ...

Olga Martynova hat in 88 kleinen Kapiteln, verteilt auf 199 Seiten, über das 20. Jahrhundert in Russland geschrieben. Es gibt eine grobe Storyline:

Die Ich-Erzählerin, Martina, Uni-Dozentin in Petersburg, ist in Deutschland auf einem Kongress. Dort will sie einen Vortrag über den avantgardistischen russischen Autor Charms (1905-1942) halten, dessen Texte erst seit Ende der 1980er Jahre in größerem Umfang gedruckt und veröffentlicht werden. Vor 20 Jahren lernte Martina in Petersburg den deutschen Studenten Andreas kennen und verliebte sich in ihn. Sie werden sich wieder begegnen.

In den zahlreichen, teilweise nur wenige Zeilen langen Kapiteln, erinnert sich Martina an Personen, Orte, Begebenheiten - private und gesellschaftliche - und deckt so das gesamte vergangene Jahrhundert ab. Ungewöhnlich, aber eine sehr gute Idee, um die Kapitel zeitlich einzuordnen, sind die drei Zeilen nach jeder Kapitelüberschrift. Es sind Jahreszahlen, die vom 5. Jh. v. Chr. bis in die Gegenwart Martinas, das Jahr 2006, reichen. Die Jahre, die im Kapitel angesprochen werden bzw. eine Rolle spielen, sind fett gedruckt. Ich habe einige Lesemarkierung im Buch gemacht, weil es wirklich sehr schön formulierte, pointierte, interessante und nachdenklich stimmende Sätze und Abschnitte gibt. Insgesamt war das Buch aber nichts für mich. Es war mir zu zusammenhanglos und ich habe auch nicht alle Kapitel wirklich verstanden. (Was will uns die Autorin damit sagen?) Auf dem hinteren Buchdeckel steht: "Man muss diese Buch lieben." Nein, ich liebe es nicht. Es ist ohne Frage eine anspruchsvolle Lektüre, die all die Preise sicherlich verdient hat, aber es ist in meinen Augen nicht unbedingt lesefreundlich.


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Veröffentlicht am 28.06.2023

Disneyland Venedig

Falsche Freunde
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In diesem dritten Teil der Reihe ist Commissario Morello immer noch eher widerwillig in Venedig. Er wartet nur darauf, zurück nach Sizilien gehen zu können, obwohl dort nach wie vor die Mafia auf ihn lauert. ...

In diesem dritten Teil der Reihe ist Commissario Morello immer noch eher widerwillig in Venedig. Er wartet nur darauf, zurück nach Sizilien gehen zu können, obwohl dort nach wie vor die Mafia auf ihn lauert. Derweil vertreibt er sich die Wartezeit mit einer Mordaufklärung. Ein Mann wurde erschlagen und die Untersuchung führt Morello in vornehme Kreise ein. Die Nachfahren der ehemaligen Dogenfamilien halten sich immer noch für die Staatsoberhäupter. Zahlreiche von ihnen sind verarmt und mussten ihre prächtigen Palazzi vermieten oder gar verkaufen. Es gibt aber noch genug, die mit ihrem Geld (oder dem von anderen) die Lagunenstadt nach ihren Vorstellungen "renovieren" möchten.

Ehrlich gesagt habe ich schon wieder vergessen, wer den Buchhalter Salini eigentlich ermordet hat. Der Kriminalfall an sich ist wieder eher eine gemächliche Angelegenheit. Die Dialoge sind mir weiterhin zu hölzern. Der "Tiefpunkt" ist für mich das Gespräch zwischen Morello und Gerhard (S. 211 bis S. 219). Das finde ich wirklich einfach nervig.

Als Leserin erfährt man wieder einiges über Venedig und seine Geschichte, das ist interessant. Erneut hat sich das Autorenduo ein gesellschaftliches/wirtschaftliches Problem vorgenommen und mit dem Finger darauf gezeigt. (Kaum zu glauben, dass es tatsächlich solche Bestrebungen wie im Buch dargestellt gibt.) Morello ist mir als Figur nicht ans Herz gewachsen, das Gewese um seine Coppola ist unerquicklich. Außerdem beginnt er plötzlich mitten im Roman mit sich selbst zu reden und sich immer mit Antonio anzusprechen. Das hat er zuvor nicht gemacht und ich empfand diese unvermittelte Veränderung seines Verhaltens merkwürdig. Als überflüssig habe ich empfunden, dass gefühlt auf jeder Seite "Aperol Spritz" getrunken wird. Mal ist es ja ganz nett, aber so gehäuft wirkt es irgendwie plump. Mecker mecker.

Gut gefallen hat mir die Entwicklung der Sekretärin Viola, die Morello mal ordentlich die Meinung gegeigt hat. Außerdem gibt es tatsächlich eine Figur, die langsam aber sicher neugierig macht: Morellos Stellvertreterin Anna. Diese hat offenbar eine interessantere Vergangenheit als bisher angenommen. Die Karte mit Legende auf dem Vorsatz hilft bei der Orientierung in der Stadt. Für Venedig- und Cosy-Crime-Fans sicherlich wieder ein gelungener Krimi.

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