Profilbild von erisch

erisch

Lesejury Star
offline

erisch ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit erisch über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 05.11.2023

Spannender historischer Roman zu Zeiten der Blockade des Berliner Westsektors

Die Kinder der Luftbrücke
0

Zusammen mit ihren Kindern, ihrer Mutter und ihrer jüngeren Schwester lebt Nora im Westsektor von Berlin. Ihr Mann wird nach dem Krieg nach wie vor vermisst und sein Schicksal ist unklar. Nora ist somit ...

Zusammen mit ihren Kindern, ihrer Mutter und ihrer jüngeren Schwester lebt Nora im Westsektor von Berlin. Ihr Mann wird nach dem Krieg nach wie vor vermisst und sein Schicksal ist unklar. Nora ist somit auf sich alleine gestellt und muss die Familie irgendwie mit Lebensmitteln über die Runde bringen. Um Geld zu verdienen nimmt sie einen Job bei den US-Alliierten als Übersetzerin an. Doch als Westberlin komplett abgeriegelt wird bringt ihr auch das mühsam verdiente Geld nichts, um genügend Lebensmittel für ihrer Familie zu besorgen. Westberlin ist durch die Blockade komplett abgeschnitten und es gestaltet sich unmöglich die Versorgung der Einwohner sicher zu stellen. Doch die Alliierten haben eine Idee, die zwar komplett utopisch klingt, aber das Problem zumindest ein bisschen minimiert wird. Die Versorgung mit dem Lebensnotwendigsten soll auf dem Luftweg geschehen. Die sogenannte Luftbrücke wird ins Leben gerufen. Flugzeuge der Alliierten liefern Lebensmittel aus Wiesbaden an den Tempelhof in Berlin und sichern so das Überleben der West-Berliner. In ihrer Aufgabe als Übersetzerin wird Nora auch beigezogen, wenn die Lieferungen kontrolliert werden und sie lernt dabei den sympathischen Piloten Matthew kennen. Die beiden sind sofort angetan voneinander, doch Nora kann sich nicht wirklich darauf einlassen. Denn es ist immer noch die Frage im Raum, was mit ihrem Mann Joachim ist und ob sie ihren Kindern eine neue Liebe zumuten kann. Nora ist hin und her gerissen zwischen der Versorgung ihrer Familie und der Liebe zu Matthew.

‘Die Kinder der Luftbrücke’ ist ein spannender historischer Roman, der mit einem flüssigen Schreibstil überzeugt. Als Leser möchte man unbedingt wissen, wie die Geschichte um Nora weitergeht, aber auch wie sich die Luftbrücke entwickelt und ob sie die Idee ist, um das Versorgungsproblem zu lösen. Während dem Lesen hat man das Gefühl selbst mitten im Geschehen zu sein und fiebert mit Nora mit. Eine Zeit die mich sehr interessiert und auch schon viel darüber gelesen habe, dank diesem Buch habe ich jedoch wieder etwas total neues entdeckt.

Nora und ihre Familie sind sympathische Personen, die ein schwieriges Leben haben und sich trotzdem nicht unterkriegen lassen. Doch Nora könnte viel mehr nur für sich schauen, anstelle immer alles zu Hinterfragen und so ihr eigenes Glück hinten anzustellen. Die beiden Kinder könnten nicht unterschiedlicher sein. Veronika, die sich komplett verschliesst wenn ihr etwas nicht passt und ihr kleiner Bruder der sehr offen gegenüber von allem ist. Ihre Schwester Hanna hat ein grosses Herz, das ihr jedoch leider zum Verhängnis wird und alles in Frage stellt. Eine echte Nervensäge fand ich Inga, welche als Übersetzerin im Tempelhof arbeitet und sich immer in der Vordergrund stellt. Das ständige Ich-Gehabe und die Eifersucht sind völlig fehl am Platz und zerstören so einiges.

Ein gelungener Roman über eine schwere Zeit. Ein Muss für alle, die historische Roman lieben, welche zu Zeiten der Weltkriege spielen und gerne neue Details erfahren.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 26.09.2023

Spannende Lesestunden mit beeindruckenden Persönlichkeiten und einer neuen Kultur

Die Pionierin im ewigen Eis
0

Das Leben als Frau an der Seite eines erfolgreichen Forschers, besteht für Josephine nicht nur als Hausfrau. Sie strebt nach mehr und kann ihren Mann, den Forscher Robert Peary auf seine Arktisexpedition ...

Das Leben als Frau an der Seite eines erfolgreichen Forschers, besteht für Josephine nicht nur als Hausfrau. Sie strebt nach mehr und kann ihren Mann, den Forscher Robert Peary auf seine Arktisexpedition begleiten. Die Vorfreude auf das bevorstehende Abenteuer ist riesig. Josephine möchte mehr über das Leben der Inuit erfahren. Doch deren einfaches Leben ist für sie am Anfang ein Schock und auch deren Essgewohnheiten sind gewöhnungsbedürftig. Die Inuit haben gegenüber den wohlbetuchten Amerikanern ihre Vorbehalte und sie werden nicht von allen mit offenen Armen empfangen. Nur langsam kann sich Josephine mit den unbekannten Lebensgewohnheiten und der ihr völlig fremden Kultur anfreunden und die kritische Inuk Arnakittoq öffnet ihr immer mehr die Augen. Ihre Erfahrungen hält sie in Büchern fest, die zu einem grossen Erfolg werden und sie im späten 19. Jahrhundert zu einer berühmten Frau machen. Die Geburt ihres Kindes scheint ihr aufregendes Leben perfekt zu machen, doch ihre Ehe scheint auf keinem guten Pfeiler zu stehen.

‘Die Pionierin im ewigen Eis’ erzählt die spannende Geschichte von Josephine Peary und ihren aufregenden Abenteuern. Der sehr angenehme Schreibstil lässt den Leser nur so durch die Seiten fliegen. Die Situationen kann man sich sehr gut bildlich vorstellen und man fühlt sich, als wäre man mitten drin. Vor allem als der starke Sturm aufzieht, bibbert man mit Josephine und ihren Begleitern mit. Eine Situation die beängstigend ist, aber einmal mehr Zeit wie stark die Natur ist. Spannend sind auch die Informationen über das einfache Leben der Inuit. Sie sind mit wenig zufrieden und versuchen mit der Natur eins zu sein.

Die Protagonisten waren mir alle sehr sympathisch. Josephine ist eine taffe Frau, die weiss was sie will und sich nicht einschüchtern lässt. Sie kämpft und versucht ihre Ängste zu überwinden. Arnakittoq konnte ich zu Beginn nicht so einordnen. Sie zeigt sehr klar, was sie von einem hält und kann entsprechend sehr hart sein. Doch versucht sie Josephine auch zu helfen, sich mit der fremden Kultur zurechtzufinden. Im Grunde genommen, ist sie eine hilfsbereite Frau, welche ihre Emotionen nicht verbirgt und deswegen als harte Persönlichkeit wahrgenommen wird.

Ein spannendes Buch, in dem der Leser neue Kulturen und beeindruckende Persönlichkeiten kennenlernt. Ich hatte spannende, kurzweilige Lesestunden und hatte das Gefühl selbst Teil der Geschichte in der Arktis zu sein.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 19.09.2023

Spannende Ermittlungen mit einem interessanten Thema

Nordwestschuld
0

Anna und ihre Kollegen bekommen es mit einem speziellen Fall zu tun. Karla Hensel wird als vermisst gemeldet und es ergeben sich Hinweise, die mit einem anderen Fall zusammen hängen können. Karla hat vor ...

Anna und ihre Kollegen bekommen es mit einem speziellen Fall zu tun. Karla Hensel wird als vermisst gemeldet und es ergeben sich Hinweise, die mit einem anderen Fall zusammen hängen können. Karla hat vor kurzem auf Facebook eine Männerbekanntschaft gemacht und dieser Bekanntschaft eine hohe Summe an Geld überwiesen. Viele andere Frauen sind auch bereits auf diese Masche reingefallen und Opfer vom sogenannten Love-Scamming geworden. Diese Erkenntnis lenkt die Ermittlungen in eine komplett andere Richtung, den nun wird vermutet dass ihr plötzliches Verschwinden mit den Geldüberweisungen zu tun hat. Zur gleichen Zeit werden am Strand menschliche Knochen angespült. Es stellt sich heraus, dass diese zu einer Frau gehören, die seit längerem vermisst wird und ebenfalls Opfer von Love-Scammern geworden ist. Anna und ihr Team gehen davon aus, dass diese beiden Fälle zusammen hängen. Doch es ergeben sich auch noch andere Ermittlungsansätze, welche die Ermittlungen immer wieder durcheinanderwirbeln. Welche Rolle spielt Karla Hensels Mitarbeiterin Inken in der Geschichte? Und was hat der Bruder von Frau Färber zu verbergen? Ermittlungen, die immer wieder überraschendes ans Tageslicht bringen.

Auch mit ‘Nordwestschuld’ ist Svea Jensen ein spannender Krimi gelungen. Die Thematik mit den Love-Scammern war für mich ein Thema, das mir am Rande bekannt war und gut in den Krimi eingearbeitet wurde. Man erfährt als Leser auch noch einiges neues über dieses Thema. Ein bisschen störend waren die Facebook-Beiträge am Anfang der Kapitel. Den da stand mehr oder weniger immer dasselbe und irgendwann hat man genug davon gelesen. Das Setting in St. Peter-Ording kann man sich sehr gut vorstellen und kann sich sehr gut an die Orte versetzen. Ein spannender vierter Teil der Reihe rund um Anna und Hendrik, der nicht voraussetzt, das man die vorherigen Bücher gelesen hat. Nordwestschuld lässt sich gut ohne Vorkenntnisse lesen.

Anna und Hendrik sind Charaktere, welche einem immer noch sehr sympathisch sind und deren Entwicklung man unbedingt weiterverfolgen möchte. Anna ist immer noch die taffe Ermittlerin, die ihren Kopf durchsetzt und nicht locker lässt. Sie scheint aber das Risiko immer sehr gut abschätzen zu können und begibt sich so nur sehr selten in Gefahr. Bei Hendrik gestaltet sich das Familienleben turbulent. Sein ältester Sohn testet wieder einmal seine Grenzen aus und Hendrik weiss nicht wie er dem entgegenwirken soll. Die Situation mit Stefanie scheint auch eher kompliziert zu sein, aber irgendwie bringt er auch nicht den Mut auf mit ihr zu reden. Die Probleme im Privatleben und die Unzufriedenheit im Job lassen ihn an der aktuellen Situation zweifeln und er steht vor einer grossen Entscheidung.

Ein spannender Krimi mit sympathischen Ermittlern mit interessanten Einblicken in ein aktuelles Thema.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 28.08.2023

Ein Neuanfang mit Hindernissen – fesselnder Reihenauftakt

Die Uhrmacherin – Im Sturm der Zeit
0

1873: Die junge Lehrerin Sarah möchte einen Neuanfang und nimmt eine Stelle als Hauslehrerin im solothurnischen Grenchen an. In Grenchen nimmt die Uhrenindustrie einen sehr grossen Platz ein und viele ...

1873: Die junge Lehrerin Sarah möchte einen Neuanfang und nimmt eine Stelle als Hauslehrerin im solothurnischen Grenchen an. In Grenchen nimmt die Uhrenindustrie einen sehr grossen Platz ein und viele Bewohner arbeiten in der dortigen Uhrenmanufaktur. Auch die Familie Schneider, bei welcher Sarah die beiden Kinder Sophie und Euseb unterrichtet, ist mit dem Uhrenhandwerk verbunden. Kurz nach ihrer Ankunft in Grenchen wird das Hausmädchen Emmi tot im Wald aufgefunden. Alles sieht zuerst nach einem Unfall aus, doch es stellt sich heraus, das irgendjemand nachgeholfen hat. In Paul, dem Sohn von Herr Schneider, findet sie einen verbündeten, der ebenfalls rausfinden möchte was passiert ist. Kurz darauf wird eine zweite Leiche gefunden, bei der schnell klar ist dass Mord im Spiel ist. Korporal Ringgenberg aus Solothurn tappt im Dunkeln und findet keine Anhaltspunkte zu beiden Morden. Und ganz kann er sich auch nicht den Ermittlungen widmen, da die Katholiken sich gegenseitig angreifen und er auch da gefordert wird. Sarah kann in den beiden Morden ihre Füsse einfach nicht stillhalten und stellt eigene Ermittlungen an, sehr zur Missgunst von Korporal Ringgenberg. Die Uhrmacherei zieht Sarah magisch an und sie überlegt sich, eine Lehre als Uhrmacherin zu beginnen. Doch als Frau ist das nicht so einfach und ihr Vater wird sie bei diesem Wunsch sicherlich auch nicht unterstützen. Ein Neuanfang mit Hochs und Tiefs, der zu scheitern droht.

Mit ‘Die Uhrmacherin – Im Sturm der Zeit» erzählt Claudia Dahinden einen historischen Krimi in der aufstrebenden Region rund um Grenchen. Eine spannende Erzählungen, welche den Leser ab der ersten Seite begeistert und in die Zeit als die Uhrmacherei florierte, entführt. Die Karte zu Beginn des Buches hat geholfen einen Überblick über die verschiedenen Schauplätze zu bekommen und sich jeweils innerhalb des Dorfes zu orientieren. Spannend waren auch die älteren Begriffe, welche heute nicht mehr unbedingt bekannt sind. So war mir beispielsweise zu Beginn nicht klar was Landjäger waren, was sich jedoch nach einigen Kapitel verflüchtigt hat.

Die Hauptprotagonistin Sarah Siegwart, fand ich eine sehr spannende Persönlichkeit. Eine junge Frau, die sich ihren eigenen Weg sucht und nicht so schnell locker lässt. Teilweise ganz schön gewagt für diese Zeit. Die Familie Schneider nimmt man zuerst als wahre Bilderbuchfamilie war, diese Sicht zerbricht jedoch immer mehr. Auch hier gibt es Persönlichkeiten, die sich sehr gut verstellen können und deren Geheimnisse sehr tiefgründig sind. Bei Korporal Ringgenberg war ich mir nie sicher, ob ich den nun sympathisch finden soll oder nicht. Er hat sehr angenehme Züge, kann sich aber auch sehr schnell zu einem arroganten Typen verwandeln.

Das erste Buch der Reihe hat mir sehr gut gefallen und hat mein Interesse für die weiteren Bücher geweckt. Ein spannender historischer Krimi in einer interessanten Umgebung, der unbedingt gelesen werden muss.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 29.07.2023

Eine spannende Romanbiografie über eine selbstbewusste Gorillaforscherin

Dian Fossey - Die Forscherin
0

Dian Fossey, bekannt als Gorillaforscherin in Ruanda, hatte keine leichte Kindheit und sich ihren eigenen Weg gesucht. Zuerst hat sie sich der Arbeit mit Kindern gewidmet. Sie wollte unbedingt den Kindern ...

Dian Fossey, bekannt als Gorillaforscherin in Ruanda, hatte keine leichte Kindheit und sich ihren eigenen Weg gesucht. Zuerst hat sie sich der Arbeit mit Kindern gewidmet. Sie wollte unbedingt den Kindern helfen, wieder gesund zu werden und kann eine gute Beziehung zu den Kindern aufbauen. Ihr Helfersyndrom zeigt sich auch schon früh in ihrer Kindheit, als sie unbedingt nach Hamburg will, um den Kriegskindern zu helfen. Ihr Interesse an Afrika wird geweckt, als ihre beste Freundin eine Safari plant, an der sie ebenfalls teilnehmen sollte. Doch soweit kommt es nicht und Dian ist sehr enttäuscht. Einige Jahre später bekommt sie jedoch die Gelegenheit diese Reise nachzuholen und verliebt sich sofort in Afrika. Am Liebsten würde sie für immer dort bleiben. Während ihrer Reise trifft sie auf den Forscher Louis Leakey, durch den sie später zu ihrer Aufgabe als Gorillaforscherin kommt. Dian hat einen grossen Sturkopf und setzt ihn auch immer durch. Auf ihrer Safari durch Afrika kommt sie so den Gorillas ganz nahe, obwohl das eigentlich nicht in die Reiseplanung passt. Mit Alexie Forster scheint sie bei ihrer Rückkehr nach Amerika ihr Glück gefunden zu haben, die beiden verloben sich. Doch schon bald gehen sie ihre eigenen Wege, er als Student und sie als «Gorillamädchen» im Kongo.

Eine spannende Romanbiografie über eine sehr selbstbewusste Frau, die ihren Willen immer durchsetzen kann. Die verschiedenen Zeitsprünge sind am Anfang eher verwirrend. Glücklicherweise wird immer zu Beginn des Kapitels erwähnt, in welchem Jahr und an welchem Ort man sich befindet. Durch dies bekommt man als Leser einen guten Anhaltspunkt. Dian lernt man als Kind und als Erwachsene kennen und muss feststellen, dass ihre Persönlichkeit als Kind schon sehr durch Ablehnung und Zurechtweisung geprägt wird. Einiges erklärt auch ihr Verhalten als Erwachsene, jedoch handelt sich manchmal völlig irrational und stösst ihren Freunden damit vor den Kopf.

Dian Fossey war mir bisher kein Begriff, doch ich konnte durch dieses Buch eine spannende Persönlichkeit kennenlernen, die für ihre Ideale eingestanden ist und sich nicht aus der Ruhe bringen liess. Durch ihre irrationale Handlungsweise kommt sie jedoch nicht wirklich sympathisch rüber und als Leser ist man zwiegespalten, ob sie als sympathisch durchgeht oder als vollkommen verrückt.

Eine spannende und gut recherchierte Romanbiografie über eine willensstarke Frau, die gerne weiterempfohlen werden kann. Spannende Lesestunden sind garantiert.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere