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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 04.08.2023

Ein Papa zum Frisieren

Hair Love
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“Hair Love” ist eine Hommage an das Afro-Haar und seine wunderbare Vielfältigkeit. Gleichzeitig zeigt dieses Bilderbuch eine super liebevolle Beziehung zwischen einer Tochter und ihrem Papa.

Zuri erzählt ...

“Hair Love” ist eine Hommage an das Afro-Haar und seine wunderbare Vielfältigkeit. Gleichzeitig zeigt dieses Bilderbuch eine super liebevolle Beziehung zwischen einer Tochter und ihrem Papa.

Zuri erzählt uns Leser:innen von ihren vielen Arten die Haare zu tragen. Als sie heute aufwacht, fühlt sie, dass es ein ganz besonderer Tag ist – und ganz besondere Tage brauchen auch entsprechende Frisuren, und so bittet sie ihren Vater ihr die Haare auf eine ganz bestimmte Weise zu frisieren. Gemeinsam gelingt ihnen eine tolle Frisur, und als Zuris Mutter nach Hause kommt, ist auch sie begeistert von der Haarpracht ihrer Tochter.

Ich muss sagen, dass ich so richtig positiv überrascht von Zuris Vater bin, denn er wirkt wie ein Hausmann, der Daheim ist, während seine Frau unterwegs ist (es wird nicht explizit erwähnt, aber in meiner Phantasie ist Zuris Mutter eine erfolgreiche Frau, die ihrer Karriere nachgeht, während Zuris Vater zu Hause bleibt und fürsorglich mit seiner Tochter umgeht, um dieses Buch möglich zu machen). Die Bilder sind so schön wie schon in “Sulwe”, welches ebenfalls von Vashti Harrison illustriert wurde. Ein herzerwärmendes Bilderbuch, das nicht nur für afrodeutsche Menschen interessant ist!

Veröffentlicht am 04.08.2023

Ein wichtiger Diskurs!

FRAUEN LITERATUR
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Momentan begegne ich oft diesem Cover - und das ist gut so! Nicole Seifert schreibt gegen die strukturelle Verachtung und damit des Vergessens des weiblichen Werks im Literaturbetrieb.

Seifert hat recherchiert, ...

Momentan begegne ich oft diesem Cover - und das ist gut so! Nicole Seifert schreibt gegen die strukturelle Verachtung und damit des Vergessens des weiblichen Werks im Literaturbetrieb.

Seifert hat recherchiert, dass sowohl die historische als auch die zeitgenössische Kritik die Frage nach der Ästhetik eines Textes nicht stellen, wenn es sich beim Autor um eine Frau handelt, sondern dass diese laut Studien häufig direkt aburteilen. Diese Marginalisierung sorgte dafür, dass Autorinnen in Vergessenheit gerieten.
Anders als Autoren, die anders befördert wurden, müssen diese mühevoll wiederentdeckt werden. Im Schreiben von Autor:innen wohnt kein biologischer Unterschied, der sich auf die Qualität ihres Schreibens auswirkt. Autor:innen sind in erster Linie soziale Wesen, die ihre Erfahrungen in ihren Werken der Welt zugänglich machen. In dieser Hinsicht lohnt sich ein Blick auf Entwicklungsromane. Diese behandeln das jugendliche Wachstum an Schwierigkeiten auf dem Weg zum Erwachsenwerden. Während männliche Protagonisten diese Schwierigkeiten in der Außenwelt meistern, versuchen weibliche Protagonistinnen mit jenen zu verhandeln, die ihre gesellschaftlichen Fesseln kontrollieren. Die Heldinnenreise unterscheidet sich von der Heldenreise - beides sind per Definition Entwicklungsromane, doch wo es um Frauenleben geht, nennt man sie "Frauenromane".

Literatur wird die Fähigkeit zugeschrieben, den Horizont zu erweitern. Fehlen jedoch im öffentlichen Bewusstsein weibliche Stimmen aus der Lebensrealität von Frauen of Color, durch Behinderungen eingeschränkten Frauen, durch nonbinäre Personen, werden alle Menschen so lange vorwiegend männliche Sichtweisen lesen, bis die weiblichen Stimmen ins Licht der Öffentlichkeit gerückt werden.
Nicole Seiferts Plädoyer trägt hoffentlich zu einem baldigen Mehr an Sichtbarkeit für weibliche Autoren im Feuilleton und insgesamt zu mehr Wertschätzung abseits von seichter Unterhaltung bei.

Veröffentlicht am 04.08.2023

Witziger Unterhaltungsroman der besonderen Art

Doppelt oder nichts, sagt das Glück
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Emily und Leonie sind zwei Frauen, die so gar nichts gemeinsam haben bis auf einen Schwangerschaftsbauch und den gemeinsamen Besuch beim Geburtsvorbereitungskurs. Vermeintlich... Denn sie stellen bald ...

Emily und Leonie sind zwei Frauen, die so gar nichts gemeinsam haben bis auf einen Schwangerschaftsbauch und den gemeinsamen Besuch beim Geburtsvorbereitungskurs. Vermeintlich... Denn sie stellen bald fest, dass ihre Lebenspartner beide Peter heißen. Was für ein merkwürdiger Zufall – bis jedoch Leonies Peter im Kurs steht, um seine Freundin zu überraschen, und dieser gleichzeitig auch Emilys Peter ist. Zwei betrogene Frauen und ein Mann, das las sich im Klappentext schon mal ganz interessant! Der Start der Geschichte ist die reinste Katastrophe. Die zwei Frauen eint die Wut auf den betrügerischen Kindsvater, und obwohl sie so absolut unterschiedlich sind, knüpfen die rechthaberische Leonie und die harmoniebedürftige Emily ein Band der ungewöhnlichsten Sorte. Hier gibts keine Liebesgeschichte sondern eine dynamische und unterhaltsame Erzählung mit einem unberechenbaren Ausgang.
Das Setting in Heiligenhafen und Kiel hat mir als in Norddeutschland Geborene nochmal zusätzlich gut gefallen! Ihr möchtet einen witzigen Unterhaltungsroman, der sich nicht nur um die Liebe dreht? Dann schreit ihr insgeheim nach „Doppelt oder nichts, sagt das Glück“!

Veröffentlicht am 04.08.2023

Eindeutig #metoo. Oder doch nicht so eindeutig?

Das ist Lust
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Quin und Margot sind seit Jahren befreundet. Nun findet sich Quin in Klagen wegen sexueller Belästigung am Arbeitsplatz wieder.
Quin kann nicht nachvollziehen, warum die Frauen, mit denen er nach seinem ...

Quin und Margot sind seit Jahren befreundet. Nun findet sich Quin in Klagen wegen sexueller Belästigung am Arbeitsplatz wieder.
Quin kann nicht nachvollziehen, warum die Frauen, mit denen er nach seinem Verständnis ein gutes Verhältnis gepflegt habt, sein Leben und das seiner Familie ruinieren wollen.
Margot, die sich zu Beginn ihrer Bekanntschaft einst selbst dem unangemessenen Verhalten Quins ausgesetzt sah und deren knappe entschiedene Wehr erfolgreich war, versteht nicht, warum die Anklägerinnen sich nicht so gewehrt haben wie sie. Auf die Aussage von Kolleginnen, dass die Frauen - ob sie sich wehren konnten oder nicht - nicht in die Lage gebracht werden sollten es überhaupt zu müssen, reagiert Margot mit herablassendem Unverständnis über eine bereitwillig anmutende Opfermentalität.

Die jeweiligen Sichtweisen der Protagonist:innen machen das schmale Buch zu einer kontroversen Leseerfahrung. Ich hatte das Gefühl Quin verkauft seine Handlungen als etwas für ihn völlig Normales, das auch meine Meinung beeinflussen soll. Ganz zwangsweise fragte ich mich, ob es mir außerhalb des Buches so ergeht wie Margot innerhalb der Seiten und ich ein Verständnis für etwas Verständnisloses aufbringe. Bis zu einer gewissen Grenze wirken Quins Aussagen aus seiner Sicht wie naive Unschuld. Doch da man nur seine und Margots Ansichten erfährt - nie hört man von den Anklägerinnen und ihrem Empfinden gegenüber Quins Aktionen - gibt es keine Eindeutigkeit, keine simple Einteilung in Gut und Schlecht. Das Buch lässt mich verständnisvoll und gleichzeitig verständnislos, skeptisch, verärgert und letztlich verwirrt zurück. Und ich tippe drauf: das ist genau das, was es erreichen will.

Veröffentlicht am 04.08.2023

Gelungener Abschluss einer Reihe, die man am besten in der Winterzeit verschlingt!

Die Magie von Winterhaus
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Elizabeth lebt nun dauerhaft in Winterhaus und hat sich auch in ihrer neuen Schule gut eingelebt. Ihre Begabung zur Magie versucht sie zu trainieren, obwohl ihr Großvater und Besitzer des Hotels Winterhaus ...

Elizabeth lebt nun dauerhaft in Winterhaus und hat sich auch in ihrer neuen Schule gut eingelebt. Ihre Begabung zur Magie versucht sie zu trainieren, obwohl ihr Großvater und Besitzer des Hotels Winterhaus sie dazu ermahnt ihre Kräfte nie zu missbrauchen. Seine böse Schwester Gracella hat in den letzten Jahren versucht die Magie von Winterhaus für sich zu beanspruchen und damit böse Dinge anzustellen. Durch einen Fundus alter Briefe findet Elizabeth heraus, dass Gracella mit ihrer Gabe gehadert hat und sich von ihrer Familie unverstanden gefühlt hat. Das Mädchen, das mit ihren eigenen Kräften auch erst noch vertrauter werden muss, fühlt sich von ihrem Großvater ebenfalls oft nicht verstanden und entwickelt ein unangenehmes Verständnis für Gracellas Situation. Aber Gracella ist endgültig besiegt und ihre Überreste sind in den unterirdischen Gängen von Winterhaus versiegelt.
Sehnlichst erwartet Elizabeth den Besuch ihres besten Freundes Freddy, der über die Osterferien nach Winterhaus kommt und zum ersten Mal seine Eltern mit an den Ort bringt, an dem er die letzten Jahre Weihnachten verbracht hat. Die Zeit mit Freddy wird wieder großartig, gemeinsam fahren sie Ski, naschen köstliche Flurschen, und Elizabeth entwickelt eine kleine Obsession, das 35.000 Teile große Holzpuzzle, an dem zwei Hotelgäste die letzten Jahre gearbeitet haben, mit ihnen fertigzustellen. Elizabeth und Freddy entdecken ein Siegel, das darauf hindeutet, dass es noch einen letzten magischen Gegenstand in Winterhaus gibt. Welcher könnte das sein? Elizabeth will es unbedingt herausfinden.

Das dritte Abenteuer bildet einen gelungenen Abschluss der Winterhaus-Reihe von Ben Guterson. Ich liebe diese Kinderbuch-Trilogie und habe sie in den letzten Jahren immer in der Vorweihnachtszeit gelesen, was die Lesestimmung nochmal zusätzlich positiv befördert. Hach, wie schade, dass es vorbei ist! - Allerdings ist das eine tolle Buchreihe, die man immer wieder gut von vorne lesen und sich der Winterstimmung hingeben kann.