Rache und Gerechtigkeit
Der Totensucher
Um es gleich vorwegzunehmen, „Unvergolten“ und „Der Todesprophet“ hatte ich mit Begeisterung verschlungen und so war ich schon gespannt auf „Der Totensucher“. Die Inhaltsangabe ließ erneut auf einen packenden ...
Um es gleich vorwegzunehmen, „Unvergolten“ und „Der Todesprophet“ hatte ich mit Begeisterung verschlungen und so war ich schon gespannt auf „Der Totensucher“. Die Inhaltsangabe ließ erneut auf einen packenden Thriller hoffen und ich wurde nicht enttäuscht.
Der Autor geht gleich in medias res: Die elfjährige Lucy wird aus der elterlichen Wohnung entführt. Zwei Jahre danach ist ihr Vater, der ehemalige Drogenfahnder Adrian Speer, ein Wrack. Er hat alles verloren, bekommt aber eine zweite Chance in einer neu gegründeten Abteilung.
Zusammen mit seinem Partner Robert Bogner wird er zu einem Tatort gerufen. Horst Rokov wurde grausam ermordet. Früher war er im Rotlichtmilieu tätig. Kurz darauf wird ein weiterer Mann erhängt aufgefunden. Derselbe Modus Operandi. Es handelt sich um den Anwalt Achim Wölfling. Wo ist die Verbindung? Anscheinend geht es dem Täter um Gerechtigkeit - und späte Rache.
Chris Karlden, der Meister der Irrungen und Wendungen, hat seinen neuen Thriller routiniert in Szene gesetzt. Wechselnde Perspektiven, auch aus Sicht des Killers, sorgen für Dynamik. Selbst wenn der Leser der Polizei immer einen Schritt voraus ist, wird dennoch Spannung aufgebaut.
Die Figuren sind gut gezeichnet. Allerdings bin ich weder mit Speer noch mit Bogner warm geworden. Der Eine geht fremd, der Andere ermittelt einfach weiter, obwohl er suspendiert ist. Noch dazu im Alleingang. Das finde ich ziemlich unprofessionell.
Der Plot an sich lässt wenig zu wünschen übrig. Zwar schleppt sich die Geschichte im Mittelteil manchmal ein wenig dahin, werden einige falsche Fährten gar zu offensichtlich gelegt, aber die Auflösung gelingt dennoch überzeugend.
Fazit: Mehr Krimi als Thriller. Nichtsdestotrotz lesens- und empfehlenswert!