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Veröffentlicht am 29.08.2023

Musikalische Umerziehung

Sag nicht, wir hätten gar nichts
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Maries Eltern leben in Kanada nachdem sie aus China ausgewandert sind. Allerdings hat der Vater die Familie verlassen und ist nach Hongkong gegangen. Als ihre Mutter im Jahr 1990 erfährt, dass ihr Ex-Mann ...

Maries Eltern leben in Kanada nachdem sie aus China ausgewandert sind. Allerdings hat der Vater die Familie verlassen und ist nach Hongkong gegangen. Als ihre Mutter im Jahr 1990 erfährt, dass ihr Ex-Mann sich umgebracht hat, ist Marie erst zehn Jahre alt. Als kurz darauf die junge Ai-Ming nach den Demonstrationen auf dem Tiananmen Platz bei Marie und ihrer Ma auftaucht, hoffen Mutter und Tochter, eine Erklärung für den rätselhaften Selbstmord des Vaters zu bekommen. Jedoch hat Ai-Ming eine ganz eigene Geschichte zu erzählen. Und gemeinsam erfahren sie eine Geschichte zweier Familien, deren Leben von der Musik und der Kulturrevolution in China geprägt ist.

Sind Marie und ihre Eltern in Kanada heimisch geworden? Allem Anschein nach ist in ihrem Leben eine Leerstelle geblieben. Das gilt wohl in erster Linie für den Vater, der doch sein halbes Leben in China zurückgelassen hat. Ein Teil dieser Hälfte besteht aus Ai-Mings Familie, die auch Verluste zu erleiden hatte. Doch ihren Anfang nimmt die Geschichte in den 1940ern als ein Paar sich findet, über Aufzeichnungen eines Autors und die Affinität zur Musik und einigen großen europäischen Komponisten.

Im Jahr 2016 erstmals veröffentlicht zeigt dieser Roman einen Teil der modernen chinesischen Geschichte. Aus einem in sich ruhenden Land wurde eines, dessen Bevölkerung umerzogen werden musste, um zu guten Kommunisten zu werden. Natürlich blieb dabei einiges auf der Strecke. Menschen, die ein musisches Interesse und Talent hatten, oder die eine Liebe zu alten chinesischen Schriften und auch westlichen Büchern hatten, mussten um ihren Status und mitunter sogar um ihr Leben fürchten. Manchmal blieb keine andere Möglichkeit als das Land zu verlassen. Doch auch in der Ferne ist es nicht immer leicht, selbst wenn man keinen staatlichen Zwängen ausgesetzt ist, so ist es doch nicht jedem gegeben, seinen inneren Frieden zu finden.

Diese vielschichtige Erzählung mag zwar in manchen Bereichen etwas ausführlich geraten sein, doch fasziniert sie durch ihre geschickte Komposition und die liebevollen Worte zur chinesischen Sprache. Diesen Roman kann man nicht einfach so weglesen, doch die Zeit, die man benötigt, ist gut angelegt.

Veröffentlicht am 25.08.2023

Cromwells Fall

Feuer der Vergeltung
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Im Jahr 1540 hat sich der Anwalt Matthew Shardlake aus den Reihen von Thomas Cromwell zurückgezogen. Er hat eine ruhige Existenz mit Eigentumsfällen und der normalen Gerichtsarbeit. Er zögert deshalb als ...

Im Jahr 1540 hat sich der Anwalt Matthew Shardlake aus den Reihen von Thomas Cromwell zurückgezogen. Er hat eine ruhige Existenz mit Eigentumsfällen und der normalen Gerichtsarbeit. Er zögert deshalb als er von Joseph Wentworth gebeten wird, seine Pflegetochter Elizabeth zu vertreten, die des Mordes an ihrem Cousin verdächtigt wird. Die junge Frau schweigt und sieht deshalb einem schweren Foltertod entgegen. Um Elizabeth zu helfen, übernimmt er doch wieder einen Auftrag Cromwells. Mithilfe von dessen Dienstmann Jack Barak soll er eine Apparatur finden, mit der das Griechische Feuer verströmt werden kann und auch die Rezeptur für den Brandstoff soll herbeigeschafft werden.

In den heißen Frühjahrstagen des Jahres 1540 reibt sich Shardlake bei seinem zweiten Auftritt zwischen zwei schwierigen Fällen auf. Seinem verkrümmten Rücken ist das nicht zuträglich, doch eine Hilfe ist sein alter Freund Guy, ein ehemaliger Priester. An seine neue Hilfskraft und Bodyguard Jack Barak muss sich Matthew Shardlake noch etwas gewöhnen. Der junge Mann ist sehr forsch. Nach dem ersten guten Zusammenwirken kann Shardlake jedoch feststellen, dass Barak ein Gewinn für seine Arbeit ist. Doch seine schweigende Mandantin erleichtert es nicht, herauszufinden, was tatsächlich geschehen ist. Doch Shardlake ist sich ziemlich sicher. Elizabeth ist unschuldig. Daneben gestaltet sich die Suche nach dem griechischen Feuer schwierig, denn die Zeugen scheinen schneller zu sterben als sie befragt werden können.

Die Zeit der Tudors bekommt man hier anhand einer Kriminalgeschichte etwas näher gebracht. Mit Matthew Shardlake hat man einen sympathischen und intelligenten Ermittler, der sich seiner körperlichen Einschränkung bewusst ist, aber sich davon nicht ausbremsen lässt. Mit Akribie und Einfallsreichtum versucht er, die Angaben, die an ihn herangetreten wurden, zu bewältigen. Man ist erstaunt über die politischen Intrigen, die gesponnen werden. Und hinsichtlich des Mordes an dem Jungen tun sich die Untiefen einer Familie auf, die das Schweigen Elizabeths verständlich machen. Zwei Fälle, bei denen Shardlake sowohl an seine psychischen als auch an seine physischen Grenzen gehen muss. Die Lage wird für ihn als Mann Cromwells immer gefährlicher. Das Ganze ist informativ und spannend zu lesen. Eine tolle Sache, wenn man dann nebenbei noch ein wenig Geschichtsunterricht bekommt.

Veröffentlicht am 23.08.2023

Das Unerhörte

Commissaire Le Floch und das Phantom der Rue Royale
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Paris im Jahr 1770. Es soll ein großes Feuerwerk geben zu Ehren der Vermählung des Dauphins. Doch wie bei heutigen Ereignissen auch möglich läuft einiges schief sowohl bei der Organisation als auch bei ...

Paris im Jahr 1770. Es soll ein großes Feuerwerk geben zu Ehren der Vermählung des Dauphins. Doch wie bei heutigen Ereignissen auch möglich läuft einiges schief sowohl bei der Organisation als auch bei der Ausführung. Tragischerweise kommt es zu Gedränge und Panik. Commissaire Nicolas le Floch sieht das Unheil kommen, wird aber gehindert, sofort zu helfen. Später stellt sich heraus, dass unter den vielen Toten eine junge Frau zu finden ist, die nicht ins Muster passt. Die junge Elodie wurde nicht zu Tode gedrückt, sondern ermordet.

Bei seinem dritten Fall ist Commissaire le Floch ein erfahrener Ermittler. Nicht so sehr einverstanden ist er mit einer rivalisierenden Polizeibehörde. Diese hat die Absicherung der Veranstaltung an sich gerissen und kläglich versagt. Das kann aber so einfach nicht gesagt werden. So tragisch es ist, der Mord kommt le Floch einigermaßen zu pass, denn unter diesem Deckmantel kann er nach Hinweisen für das Versagen der anderen Polizisten suchen. Doch auch die Mordermittlung gestaltet sich alles andere als einfach. Zwar kann Elodie schnell identifiziert werden, doch ihre Familie ist schon ein seltsamer Haufen. Niemand scheint so richtig zu trauern und so richtig überrascht wirken sie auch nicht.

Wie schön, wenn man zufällig einen alten Bekannten wiedertrifft. Die le Floch Reihe hat einiges zu bieten. Angesiedelt in einer geschichtlich interessanten Zeit entführt sie in das Paris des 18. Jahrhunderts. Man erfährt von Intrigen und Ränkeschmieden. Ein alternder König will seine Macht bewahren, macht aber Fehler im Umgang mit dem Volk. Verschiedene Dienste konkurrieren, was auch nicht zum Wohl der Menschen beiträgt. Dazu kommt ein Fall, der zwar etwas weit hergeholt erscheint, zumindest wenn man an gewisse Dinge einfach nicht glaubt, aber der dennoch spannend ist. Le Flochs teilweise unkonventionelle Ermittlungsansätze gefallen und auch sein Team besteht aus sympathischen Menschen, deren Unterstützung er gewiss sein kann.

Veröffentlicht am 22.08.2023

Die Adlondamen

Die marmornen Träume
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Im Sommer 1939 scheint es so, als wollten alle den herandrohenden Krieg aus ihren Gedanken verbannen und das Leben noch einmal richtig genießen. Davon profitiert der Psychiater Simon Kraus, der sich von ...

Im Sommer 1939 scheint es so, als wollten alle den herandrohenden Krieg aus ihren Gedanken verbannen und das Leben noch einmal richtig genießen. Davon profitiert der Psychiater Simon Kraus, der sich von seinen weiblichen Patientinnen die Träume erzählen lässt und sonst noch einiges. Etliche seiner reichen Klientinnen treffen sich auch im Adlon zu angenehmen Runden. Dass Kraus sein Wissen auch für die eine oder andere kleine Erpressung nutzt, nimmt er leicht. So ein kleines Zubrot ist doch nicht zu verachten. Der Gestapomann Franz Beewen ist ganz bei der Nazisache, da kann ihm keiner was vormachen. Doch dann soll er in einem Frauenmord ermitteln, der ihn in die Kreise der Adlondamen führt.

Sie bilden ein seltsames Team der kleine erpresserische Psychiater Simon Kraus, der überzeugte Nazi Franz Beewen und die alkohol- und drogensüchtige Minna von Hassel, die Leiterin einer psychiatrischen Anstalt. Doch gerade durch ihre Unterschiedlichkeit ergänzen sie sich in Bezug auf die Nachforschungen zu den Frauenmorden, denn bald wird zumindest ein weiterer Mordfall bekannt. Von seinen Vorgesetzten unter Druck gesetzt, sieht sich Beewen gezwungen, die beiden Psychiater quasi als Berater anzuheuern. Wie sonst soll er einen Fall lösen, den er nicht lösen darf, der aber abgeschossen werden muss, möglichst an den direkten Kollegen vorbei.

Ein historischer Kriminalroman, dessen Handlung zur Zeit des dritten Reichs angesiedelt ist, das erwartet man von dem Autor nicht gerade. Natürlich ist man gespannt, was einen erwarten wird. Wenn Schriftsteller über das dritte Reich schreiben, die sich nicht um die Vergangenheit kümmern müssen, bekommt man manchmal noch einen anderen Blick. Auch Christophe Grangé bringt klipp und klar zum Ausdruck, wer Freund ist und wer Feind. Sehr klar wird, was er von den Machenschaften der Nazis hält. Auch wenn die Figuren darunter etwas holzschnittartig geraten, so ist man froh, dem Autor zustimmen zu können. Dass das Geheimnis um die Morde noch zu einer packenden Ermittlung führt, die als kleines Manko zur Auflösung hin von einem Ende zum nächsten führt, ist ausgesprochen gut zu lesen. Mit weit über sechshundert Seiten ist der Roman schon ein Wälzer, doch es erscheint kaum eine Zeile verschwendet.

Obwohl die Umschlaggestaltung ein wenig unheimlich wirkt, ist sie doch sehr gut auf den Inhalt dieses packenden Romans abgestimmt.

Veröffentlicht am 19.08.2023

Der Unfall

Knochentanz
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In Hamburg wird die Polizei zu einem Unfall gerufen, bei dem der Fahrer eines Transporters tödlich verunglückt ist. Die Beamten sind entsetzt als sie im Laderaum weitere Leichen finden. Einer der Toten ...

In Hamburg wird die Polizei zu einem Unfall gerufen, bei dem der Fahrer eines Transporters tödlich verunglückt ist. Die Beamten sind entsetzt als sie im Laderaum weitere Leichen finden. Einer der Toten hat eine Schusswunde. Und nun sind Peer Nielsen und sein Kollege Michael Boateng von der Mordkommission gefordert. Ein rätselhafter Fall, denn einige der Toten sind eines natürlichen Todes gestorben. Bei dem Erschossenen handelt es sich um einen Friedhofsmitarbeiter. Nielsen hat nun die unangenehme Aufgabe, den Familienangehörigen mitzuteilen, dass ein geliebter Mensch verstorben ist. Die Tochter des Mannes ist Peer Nielsen ausgesprochen sympathisch, was die Aufgabe nicht leichter macht.

Ein neues Team aus Hamburg bilden Peer Nielsen und Michael Boateng bekommt hier seinen ersten Fall. Und der hat es gleich in sich, denn wer kann ein Interesse haben, mit Leichen im Kofferraum durch die Gegend zu fahren. Zunächst müssen die Toten genauer untersucht werden. Es gelingt, den ein oder anderen Verstorbenen zu identifizieren. Doch zur Überraschung der Kommissare, erfahren sie von den Verwandten, dass der junge Mann bereits bestattet ist. Nach ein paar Informationen aus der Rechtsmedizin drängt sich ein Gedanke auf, an den sich auch die Ermittler erst gewöhnen müssen.

Diese Hörbuch wird von der Autorin selbst gelesen und sie verleiht sehr passend der Handlung einen norddeutschen Einschlag, so dass man sich selbst im hohen Norden wähnt.

Die Autorin hat für den ersten Fall ihrer neuen Krimireihe ein Thema gewählt, über das vorher nicht so viel bekannt war. Was eigentlich etwas Gutes für die Menschen sein soll, wird wieder einmal aus bloßer Profitgier missbraucht. Dass man da auch noch über Leichen geht, also solche, die man selbst umgebracht hat, macht die Sache nicht angenehmer. Es ist spannend darüber zu lesen und die Überlegung liegt nahe, selbst noch ein wenig zu recherchieren. Mit Interesse und Empathie widmet man sich auch den Ermittlern. Sowohl Boateng als auch Nielsen haben Besonderheiten, die ihnen gewisse Ecken und Kanten verleihen, die ihn aber keine überbordenden Probleme verschaffen. So normale Menschen eben, bei denen nicht immer alles rund läuft, so wünscht man es sich.

Ein sehr lesens- oder hörenswerter Reihenbeginn von einer Autorin, von der mal immer schon mal etwas lesen wollte.