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Veröffentlicht am 05.05.2021

Wechselvolle Schicksale vor der Kulisse Islands

Das Mädchen im Nordwind
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Luise, die Tochter eines jüdischen Kaufmanns, lernt 1936 in Lüneburg den Isländer Jónas kennen und lieben. In den folgenden Jahren wird die Situation für die Juden in Nazideutschland immer gefährlicher. ...

Luise, die Tochter eines jüdischen Kaufmanns, lernt 1936 in Lüneburg den Isländer Jónas kennen und lieben. In den folgenden Jahren wird die Situation für die Juden in Nazideutschland immer gefährlicher. Bald schon wird es für Luise und Jónas zur Gewissheit, dass Luise Deutschland verlassen muss, um den menschenunwürdigen Bedingungen zu entgehen und ihr Leben zu retten. Doch was wird dann aus ihren Eltern?
Die junge deutsche Tischlerin Sofie restauriert in Island ein Haus und entdeckt Briefe, die Luise einst geschrieben hat. Dann macht Sofie die Bekanntschaft des eigenwilligen Isländers Björvin und stellt fest, dass er ein Nachkomme von Luise ist. Diese Erkenntnis wirbelt das Leben der beiden kräftig durcheinander.

Der Roman „Das Mädchen im Nordwind“ von Karin Baldvinsson  spielt abwechselnd in zwei Zeitebenen, was der Erzählung Spannung verleiht. Überzeugend verknüpft die Autorin das Schicksal zweier Frauen und damit die Ereignisse aus Vergangenheit und Gegenwart. Die Not der Juden in Nazideutschland, ihr schwerer Alltag, wird mit jedem Abschnitt des Buches spürbarer. Karin Baldvinsson hat ausdrucksstarke, sympathische Protagonisten geschaffen. Luise und Sofie sind starke Frauen, deren Schicksale eng miteinander verbunden sind. Sehr beeindruckt hat mich auch Jónas, der unbeugsam zu Luise steht und unter Einsatz seines Lebens versucht, Luises Eltern zu helfen. Mit Sofie und Björgvin werden die Episoden aus der Vergangenheit abgeschlossen. Für die Menschlichkeit und gegen das Vergessen – ein passender Einsteig in die Erzählung. Das Buch besticht durch die bildhafte Sprache, auch wenn einzelne Ereignisse in Island etwas langatmig gestaltet sind. Insgesamt handelt es sich um einen sehr bewegenden Roman, für den ich vier Sterne vergebe und eine Kaufempfehlung ausspreche.

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Veröffentlicht am 07.08.2020

DAS Modeparadies Lichtenstein

Das Lichtenstein - Modehaus der Träume
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Bereits das schön gestaltete Cover mit der Dame im eleganten Kostüm vor dem Hintergrund eines fundamentalen Gebäudes versprüht Charme und weckt Lust, das Buch zu lesen.

Der historische Roman von Marlene ...

Bereits das schön gestaltete Cover mit der Dame im eleganten Kostüm vor dem Hintergrund eines fundamentalen Gebäudes versprüht Charme und weckt Lust, das Buch zu lesen.

Der historische Roman von Marlene Averbeck bildet den Auftakt einer Trilogie rund um das Berliner Modehaus Lichtenstein. Die Handlung des ersten Teils umfasst die Jahre 1913 bis 1918. Im Mittelpunkt der Erzählung steht die Besitzerfamilie Lichtenstein sowie deren Angestellten mit ihren Hoffnungen und Träumen. Die Brüder Lichtenstein leiten das Familienunternehmen, wobei Jacob vor allem in der Mode neue Wege gehen möchte, während sein jüngerer Bruder Ludwig an konservativen Werten festhält. Konflikte zwischen den beiden Brüdern sind damit vorprogrammiert.

Das Ladenmädchen Hedi beginnt die Arbeit im Lichtenstein zunächst, um die Haushaltskasse aufzubessern, gewinnt aber zunehmend Freude an der Arbeit und wächst mit den verschiedenen ihr übertragenen Aufgaben. Vor allem, als sie den Konfektionär Hannes Hallberg kennenlernt. Hedi verbindet zudem bald eine enge Freundschaft mit der Näherin Thea.

Eine weitere Hauptprotagonistin ist die Schauspielerin Ella, die den Traum hat, berühmt zu werden und sich zu Hedi und Thea hingezogen fühlt.
Plötzlich geht das Modehaus in Flammen auf und bedroht die Existenz sowohl der Besitzer als auch der Angestellten. Bald danach beginnt noch der 1. Weltkrieg.

Die Erzählung erfolgt aus den verschiedenen Perspektiven der Protagonisten, die in den Kapiteln abwechselnd zu Wort kommen. Das hat mir die Protagonisten zwar näher gebracht, ich hätte mir aber gewünscht, dass einige noch näher betrachtet worden wären. Insgesamt war der Schreibstil flüssig, der Leser befindet sich sofort im Geschehen. Ich spreche für das Buch eine Kaufempfehlung aus und freue mich auf den zweiten Band.

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Veröffentlicht am 28.12.2025

Gefährliches Stalking

Der Kuckucksjunge
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Im Prolog lernt der Leser eine Schülergruppe auf Klassenfahrt kennen. Dabei kommt es zu beunruhigenden Ereignissen. Jahre später wird in Kopenhagen die geschiedene Mutter Silje Thomsen vermisst. ...

Im Prolog lernt der Leser eine Schülergruppe auf Klassenfahrt kennen. Dabei kommt es zu beunruhigenden Ereignissen. Jahre später wird in Kopenhagen die geschiedene Mutter Silje Thomsen vermisst. Vor ihrem Verschwinden hat sie verstörende Abzählreime auf ihrem Handy erhalten. Die letzte Nachricht lautete Hab dich. Die Kommissarin Naia Thulin  übernimmt die Ermittlungen und erinnert sich an den Fall einer 19-jährige Schülerin, die vor ihrer Ermordung dieselbe Botschaft erhielt. Naia arbeitet in der Folge erneut mit Mark Hess zusammen. Die beiden Ermittler werden bald mit neuen Leichen konfrontiert sowie derselben letzten Nachricht Hab dich.

Allein das düster gestaltete Cover weckt Beklemmung und macht gleichzeitig neugierig auf den Inhalt des Thrillers.
Es handelt sich vorliegend um den ersten Thriller, den ich von Søren Sveistrup gelesen habe. Der Autor versteht es, von der ersten Seite an Spannung zu erzeugen. Alleine die beängstigenden Geschehnisse auf der Klassenfahrt sowie die Mitteilungen auf den Handys der späteren Opfer erzeugen Gänsehaut.
Der Leser hat das Gefühl, im Rahmen der schwierigen Ermittlungen Naia und Mark zu begleiten und ihnen über die Schulter zu schauen. Auch das Privatleben der beiden Ermittler kommt nicht zu kurz, ohne einen zu breiten Rahmen einzunehmen.
Die weiteren Figuren des Thrillers hat der Autor vielschichtig gezeigt. Er überzeugt durch eine düstere Stimmung und atemberaubende Wendungen. Wenn man glaubt, denn Täter zu kennen, ergeben sich wieder andere Verdachtsmomente. Das Ende hat sich dann völlig überraschend gestaltet. Völlig überzeugen konnte mich „Der Kuckucksjunge“ jedoch nicht. Ich vergebe für das Buch vier Sterne und spreche eine Leseempfehlung aus.

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Veröffentlicht am 01.10.2023

Dramen der Nachkriegszeit

Helle Tage, dunkle Schuld
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Das Cover, eine dunkel gekleideten Frau vor hellem Hintergrund, hat sofort meine Beachtung gefunden.
Essen im Jahr 1948, Carl Bruns ist endlich wieder Kriminalbeamter, nachdem er während der Zeit des Nationalsozialismus ...

Das Cover, eine dunkel gekleideten Frau vor hellem Hintergrund, hat sofort meine Beachtung gefunden.
Essen im Jahr 1948, Carl Bruns ist endlich wieder Kriminalbeamter, nachdem er während der Zeit des Nationalsozialismus vom Dienst suspendiert wurde. Er ermittelt im Mordfall an einer Hausbesitzerin, deren Sohn ein flüchtiger SS-Verbrecher ist. Im Rahmen der Ermittlungen erfährt Carl von einem entsetzlichen Verbrechen, das sich zum Kriegsende ereignet hat. Er ist sogleich bemüht, beide Verbrechen aufzuklären, als sich weitere Morde ereignen. Carl begegnet der Krankenschwester Anne wieder, einer Freundin aus vergangener Zeit. Diese lebt mit ihrer Schwester Frieda und ihrem Sohn Emil zusammen, hütet ein Geheimnis und ist selbst bald in großer Gefahr.

Eva Völler hat mit diesem Roman nach der Ruhrpott-Saga und der Dorfschullehrerin ihren ersten Krimi vorgelegt. Dieser spielt wiederum im Ruhrgebiet. Der Schreibstil der Autorin ist flüssig, der Leser befindet sich mitten im Geschehen. Die Autorin hat die Handlung im Jahr 1948 angelegt, als die deutsche Polizei sich von Nazis in ihren Reihen getrennt hat. Diese streben aber wieder eine Neueinstellung an. Die Tragik des Geschehens wird am Beispiel Carls deutlich. Als Enkel eines Juden wurde er aus dem Polizeidienst entfernt und musste in einem Tagebau arbeiten. Es ist nachvollziehbar, wie entsetzt er war, als er wieder mit seinem alten Nazi-Vorgesetzten konfrontiert wird. Aber auch Anne wird mit der Vergangenheit immer mehr konfrontiert. Nachdem der Krimi spannend begonnen hat, zieht er sich stellenweise langatmig dahin. Carl und Anne sind zwar authentische Protagonisten, richtig warm werden konnte ich jedoch mit ihnen nicht. Ich vergebe für das Buch dennoch vier Sterne.

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Veröffentlicht am 07.09.2023

Reise mit fatalen Folgen

Der Trip – Du hast dich frei gefühlt. Bis er dich fand.
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Bereits das dunkel gestaltete Cover mit einem Wohnmobil als anvisiertes Ziel, verrät einen spannenden Thriller.

Im Prolog begegnet der Leser einem Jungen, dem in einem Wohnmobil von mehreren Männern Gewalt ...

Bereits das dunkel gestaltete Cover mit einem Wohnmobil als anvisiertes Ziel, verrät einen spannenden Thriller.

Im Prolog begegnet der Leser einem Jungen, dem in einem Wohnmobil von mehreren Männern Gewalt angetan wird.

Fabian Jancke ist mit seiner Frau im Wohnmobil in Frankreich unterwegs, als er am Abend eine Panne hat. Den ADAC ruft er vergebens an, dann hält ein nicht gerufener Abschleppwagen an und ein Mann entführt die beiden in ein abgelegenes Waldstück.
Fabians Schwester, die auch für die Polizei tätige forensische Psychologin Eva, ist verzweifelt, da nach dem spurlosen Verschwinden ihres Bruders kein Lebenszeichen erfolgte und die Ermittlungen eingestellt wurden. In Norddeutschland tötet ein Unbekannter scheinbar wahllos Menschen auf Campingplätzen. Endlich gibt es einen Zeugen und als Eva das Phantombild sieht, ist sie entsetzt. Gemeinsam mit Kriminalkommissar Gerhard Tillmann begibt sie sich auf eine private Spurensuche.

Arno Strobel beweist mit seinem neuen Thriller einmal mehr, dass er ein absoluter Meister der absoluten Spannung ist. Der Schreibstil ist gewohnt flüssig. Die Situation, in die Fabian und seine Frau geraten, ist schrecklich. Beim Lesen habe ich sofort Gänsehaut bekommen. Auch das Gefühlschaos, in das Eva gerät, wird authentisch geschildert. Das Buch ist in zwei Erzählstränge gegliedert, nach und nach kommt auch der Täter zu Wort. Dessen Ausführungen sind in Kursivschrift gedruckt. Es wird allerdings sehr schnell klar, wer der Campingplatzmörder ist, das ist schade. Auch wenn die Wendungen nicht vorhersehbar sind, ist einiges nur schwer oder gar nicht nachvollziehbar. Aus diesem Grund vergebe ich für das Buch nur vier Sterne und spreche dennoch eine Kaufempfehlung aus.

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