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Veröffentlicht am 11.07.2017

Eine Hausfrau klagt an

Bring deinen Mann nicht gleich um, du könntest ihn noch brauchen
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"Wenn es nach meinem Mann und dem Baby ginge, könnte ich niemals pinkeln gehen, mir die Zähne putzen, duschen oder was essen." (30)

So zitiert Jancee Dunn eine Freundin und viele junge Mütter können ...

"Wenn es nach meinem Mann und dem Baby ginge, könnte ich niemals pinkeln gehen, mir die Zähne putzen, duschen oder was essen." (30)

So zitiert Jancee Dunn eine Freundin und viele junge Mütter können dieser Aussage vermutlich von ganzem Herzen beipflichten. Ein Baby oder Kind kann seine Mutter komplett in Anspruch nehmen. Der kleine Mensch fordert 100 Prozent Nähe ein und oftmals würde man sich als Mutter doch nur die paar Minuten zum friedlichen Zähneputzen wünschen. Der junge Papa allerdings ist von der neuen Situation ebenfalls gestresst und kann sich den Leidensdruck der Mama oftmals gar nicht so genau vorstellen.
Hier liegt großes Konfliktpotential und die Ankunft eines Kindes kann die Paarbeziehung der Eltern auf die Probe stellen.

Um diese Problematik soll es in "Bring deinen Mann nicht gleich um " gehen. Die Autorin holt sich Hilfe und einschlägige Tipps bei diversen Experten wie z.B. Therapeuten, Ordnungshelfern oder einer Feministin. Dabei geht sie immer von ihrer eigenen Situation aus und schreibt im Stile eines Erfahrungsberichtes.

Der Schreibstil ist der große Pluspunkt des Buches. Es ist äußerst unterhaltsam und liest sich fast von selbst innerhalb kürzester Zeit. Außerdem geben einige zu Rate gezogenen Experten, Verwandte und Freunde durchaus interessante und verwertbare Ratschläge.

Allerdings verfehlt die Autorin im Großen und Ganzen die eigentliche Thematik des Buches. Ihr geht es immer wieder darum, dass ihr Mann sich nicht genügend am Haushalt beteiligt. Und sie macht dieses Problem zu einem generellen und allumfassenden. Das lässt meiner Meinung nach sehr viele andere Dinge im Zusammenhang mit der Familiengründung und den Problemen, die das für die Paarbeziehung bedeuten kann, außen vor.

Was mich darüber hinaus an einigen Stellen stört, ist die Zielsetzung "Mein Kind soll als Erwachsener anpassungsfähig und erfolgreich im Job sein". Darauf ist das ganze Streben der Autorin in der Erziehung ihrer Tochter ausgerichtet.

Ich gebe dennoch drei Sterne, da das Buch trotz der genannten Kritikpunkte äußerst unterhaltsam ist und mit ein paar guten Ratschlägen aufwarten kann.

Veröffentlicht am 13.10.2025

DIe Welt in hundert Jahren

Was wir wissen können
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„Vierzehn junge [Student*innen] hingen in sich zusammengesunken um den Tisch. Sie waren mit den Folgen aufgewachsen, hatten schon ihre Großeltern endlos darüber reden hören. Die Vergangenheit war bevölkert ...


„Vierzehn junge [Student*innen] hingen in sich zusammengesunken um den Tisch. Sie waren mit den Folgen aufgewachsen, hatten schon ihre Großeltern endlos darüber reden hören. Die Vergangenheit war bevölkert von Idioten. Wen interessiert’s? Das Thema war abgehakt. Die jungen Leute saßen hier, weil der Kurs Pflicht war. Sie selbst waren längst weiter.“

So sehen das die jungen Menschen der Zukunft, wenn sie auf uns zurückblicken, die wir die Klimakatastrophe nicht ernst genommen haben. Sie leben in einer neuen Realität, ihrer einzigen. Und diese Lebensrealität gründet auf den fatalen Folgen, die die Klimakatastrophe haben wird.
Das ist ein zugleich gruseliges und hoffnungsschimmerndes Szenario. Immerhin gibt es noch Menschen in hundert Jahren. Es gibt keine schöne, intakte Natur mehr. Beschwerliches Reisen wird notwendig und der Umzug der überlebenden Menschen auf noch bewohnbare Flecken Erde. Das Internet funktioniert, das Leben ist digitaler geworden.
Wie arbeitet und forscht ein Literaturwissenschaftler in hundert Jahren, der sich auf einen Schriftsteller aus unserer heutigen Gegenwart spezialisiert hat? Die Informationsgrundlage ist enorm groß. Unsere digitalen Spuren haben überdauert. Analoge Archivarbeit scheint trotzdem noch nicht überflüssig zu sein. Zumindest dann nicht, wenn man auf der Suche nach einem literarischen Stück ist, das nur in einer einzigen Anfertigung auf Papier existierte.

Ian McEwan beschreibt dieses Zukunftsszenario für 2119. Wir machen uns mit dem Literaturwissenschaftler Thomas Metcalfe auf Spurensuche in einer Vergangenheit, die unsere heutige Gegenwart ist. Metcalfe sucht nach einem verschollenen Gedicht des Dichters Francis Blundy.

Die Idee zu diesem Buch finde ich herausragend. Die Umsetzung ist allerdings nur mittelmäßig gelungen. Einige Gedanken scheinen nicht zu Ende gedacht und man bekommt den Eindruck, dass Ian McEwan teilweise zu sehr von der Gegenwart auch für sein Zukunftsszenario ausgeht (Archivarbeit in nicht digitalisierten Tagebüchern, die eine gefährliche Reise nötig macht?). Zudem hat er es sich mit dem Ehepaar Blundy sehr einfach gemacht, in dem er die beiden als spießige, akademisch gebildete Leute gestaltet, die sich aufs Land zurückziehen und in weiten Teilen ihr analoges Leben wahren. Das bildet nicht die Lebensrealität jetziger junger Menschen ab. Die Einblicke in das Seelenleben anderer Protagonisten der Vergangenheit sind holprig bis elegant gestaltet. Ausgehend davon, dass wir die Geschichte aus der Perspektive des Literaturwissenschaftlers in 100 Jahren erfahren, darf der Erzähler dann doch manchmal auktorial auftreten. Es wird damit begründet, dass auch Daten der anderen (natürlich ebenfalls berühmten) Figuren zugänglich sind.
Man hätte sich vielleicht dir Begründungen sparen können und den Erzähler der Vergangenheit kommentarlos allwissend auftreten lassen können. Daraus hätte eine sehr spannende, interessante Erzählweise werden können. Die albernen Begründungen zerstören das aber.

Dieser Roman lässt mich ein bisschen unbefriedigt zurück. Das Potenzial zu einer richtig guten Erzählung ist greifbar, doch letzten Endes wirkt die Geschichte schnell und unbedacht zu Papier gebracht.

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Veröffentlicht am 17.09.2023

Groschenroman der 30er

Freundliche junge Damen
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„Wonach sich Elsie am meisten sehnte: ein Sich-in-Luft-Auflösen aller Probleme, aller Physischen und psychischen Belastungen. Hoffentlich blieb sie noch lange krank.“

England in den 1930ern. Elsie ist ...

„Wonach sich Elsie am meisten sehnte: ein Sich-in-Luft-Auflösen aller Probleme, aller Physischen und psychischen Belastungen. Hoffentlich blieb sie noch lange krank.“

England in den 1930ern. Elsie ist siebzehn und lebt in einem kleinen Küstenort bei ihren Eltern. Ihre Welt ist klein und beschaulich. Ihre Hauptbeschäftigung besteht darin, ihren sich ständig streitenden Eltern auszuweichen. Sie leidet unter den Konflikten, sieht sich selbst als scheiternde Schlichterin und wird all zu häufig gezwungen Partei zu ergreifen.
Als ein eitler, junger Arzt ins Dorf kommt und Elsie ungefragt seine Interpretation ihres Lebens aufdrängt, verliebt sie sich in ihn. Um ihm zu gefallen und weiterhin seine Aufmerksamkeit zu bekommen, folgt sie seinem Drängen, ihre Schwester in London aufzusuchen.

Die Schwester Leo ist schon vor vielen Jahren aus dem belastenden Elternhaus geflohen und lebt nun ihr Leben mit einer Frau an ihrer Seite auf einem Hausboot.

So spannend die Geschichte klingt - vor allem vor dem Hintergrund des Erscheinungsdatums - und so gut auch die Konflikte und Emotionen der Figuren gezeichnet werden, bin ich leider mit diesem Roman nicht warm geworden. Die Geschichte ist zu lang und zu seicht. Die Konflikte schwelen nur, die Figuren sind letzten Endes überzeichnet und dadurch flach. So war es dann doch eher die Lektüre eines zu lang geratenen Groschenromans als eine spannende Wiederentdeckung.

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Veröffentlicht am 01.06.2020

Leider enttäuschend

Hamish Macbeth hat ein Date mit dem Tod
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„Der Zug donnerte über die schottische Grenze. Es war trübe und bedeckt gewesen, doch nun war der Himmel strahlend blau, und die Sonne schien. „ (17)

Maria führt die Paarvermittlung Checkmate für vermögende, ...

„Der Zug donnerte über die schottische Grenze. Es war trübe und bedeckt gewesen, doch nun war der Himmel strahlend blau, und die Sonne schien. „ (17)

Maria führt die Paarvermittlung Checkmate für vermögende, elitäre Kunden. Ihre Mitinhaberin Peta ist gerade auf Urlaubsreise und Maria nutzt die Gunst der Stunde mit ihren Klienten eine Reise ins schottische Hochland zu machen. Hier sollen Pärchen zueinander finden. Und zwar ungestört. Denn Peta ist eine recht unangenehme Zeitgenossin.

Natürlich reist Peta kurz darauf ebenfalls an und zieht den Hass aller Beteiligten auf sich. Die Dinge nehmen ihren Lauf und der Dorfpolizist Hamish Macbeth hat schon bald einen Mordfall zu lösen.

„Hamish Macbeth hat ein Date mit dem Tod“ war für mich der erste Band, den ich aus dieser Reihe gelesen habe. Ich kannte daher die Protagonisten nicht aus Vorgängerbänden. Und leider wurden sie mir auch in diesem Band nicht näher gebracht. Man erfährt kaum etwas über Hamish - der Ermittler bleibt völlig charakterlos und im Hintergrund.

Dieses Buch bietet nur einen hochgradig konstruierten Mordfall mit einer ganzen Truppe oberflächlichen und völlig überzeichneten Figuren.

Und leider bleibt auch die Spannung auf der Strecke. Da alles so überspitzt ist, kommt man keiner der Figuren nahe und hat deshalb überhaupt kein Interesse an der Entwicklung und dem Ausgang der Geschichte.

Schöne Landschaftsbeschreibungen und ein hübsches Cover sind die positiven Aspekte dieses Krimis. Außerdem bleibt die Hoffnung, dass die anderen Bände besser sind und dort ein interessanter Ermittlercharakter aufgebaut wird.

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Veröffentlicht am 16.09.2019

Sehr durchschnittlich

Die Waldmeisterinnen
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„‚Good evening, fellow…!‘ Das ist Englisch und bedeutet: Guten Abend, Kumpel. Denn wir sind im Wildwood-Forest, einem großen, alten Wald irgendwo in einer Grafschaft in England.“ (5)

Und in diesem zauberhaften ...

„‚Good evening, fellow…!‘ Das ist Englisch und bedeutet: Guten Abend, Kumpel. Denn wir sind im Wildwood-Forest, einem großen, alten Wald irgendwo in einer Grafschaft in England.“ (5)

Und in diesem zauberhaften Wald wohnen die Waldmeisterinnen Holly Holunder und Lia Lavendel. Ein verspieltes Baumhaus ist ihr zu Hause: Hier hat Holly eine Werkstatt für ihre Erfindungen und Lia eine Küche, in der sie Leckereien backt. Außerdem betreiben sie gemeinsam eine "Sorgenloswerdstelle“, in der sie Tieren aus dem Wald mit Rat und Tat beiseite stehen, um gemeinsam Probleme zu lösen.

„Die Waldmeisterinnen“ - das ist ein toller Titel und auch eine ganz charmante Geschichte. Anderen zu helfen und Probleme am besten gemeinsam zu lösen, sind die Botschaften, die dieses Buch vermitteln möchte.
In sehr fantasievoller und märchenhafter Sprache wird den Leserinnen das nahe gebracht.

Leider ist die Sprache auch gleichzeitig das Problem, das ich mit diesem Buch habe. Die Sätze sind sehr lang und komplex, meist sogar ziemlich holprig. Es macht keinen Spaß, dieses Buch vorzulesen. Und ich kann mir vorstellen, dass es für Kinder ab 7 Jahren (empfohlenes Lesealter) auch kein großes Selbstlesevergnügen ist.

Hinzu kommt, dass die Geschichte sehr austauschbar ist. Es fehlt das gewisse Etwas. Andrea Schütze hat bereits zahllose Kinderbücher geschrieben. Sie scheint damit dem Phänomen Masse statt Klasse unterlegen zu sein.

Alles in allem also ein recht langweiliges, nichtssagendes Buch, das sich hauptsächlich an Mädchen ab 7 Jahren richtet. Besonders hervorzuheben seien aber die Illustrationen von Petra Eimer, die ich wirklich sehr hübsch und gelungen finde.

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