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Veröffentlicht am 11.10.2023

Eine Nacht in Tokio

Gute Nacht, Tokio
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Eine Requisiteurin benötigt für einen Film eine für diese Jahreszeit seltene Frucht und steigt zu Matsui ins Taxi, um sämtliche Supermärkte der Stadt zu durchforsten. In jener Nacht befördert Matsui noch ...

Eine Requisiteurin benötigt für einen Film eine für diese Jahreszeit seltene Frucht und steigt zu Matsui ins Taxi, um sämtliche Supermärkte der Stadt zu durchforsten. In jener Nacht befördert Matsui noch einen Privatdetektiv, der einem Geheimnis auf der Spur ist. Ein weiterer Fahrgast ist eine junge Schauspielerin, und sie scheint den Privatdetektiv zu kennen. Später kehrt der Taxifahrer ins „Drehkreuz“ ein, ein nur nachts von vier Frauen bewirtschaftetem Bistro, das am Morgen seine Pforten schließt, und wo es die besten Ham & Eggs von ganz Tokio gibt. Ähnliche Öffnungszeiten hat der seltsame Laden für gebrauchtes Werkzeug, das von einem kauzigen Mann betrieben wird, der kaputten Gegenständen einen neuen Sinn und einen neuen Namen einhaucht.

Es wirkt zunächst wie ein wirres Knäuel aus Ramen-Nudeln, wie diese Leute im nächtlichen Tokio ihren jeweiligen Leben nachgehen und die Wege der anderen kreuzen, während sie ihre individuellen Probleme wälzen. Die Fragmente dieser Geschichte fügen mehr oder weniger gut zusammen wie ein Wandteppich, aus dem am Ende doch noch ein paar lose Enden herausgucken. Den Reiz, dieses Buch zu lesen, muss man im Titel suchen. «Gute Nacht Tokio» fängt die Neonlichter der Stadt, die erst dann wirken, wenn die Nacht sich über die Metropole gelegt hat, erzählerisch ein. Ein ganzes Buch voller Fremder, denen man im Dämmerlicht flüchtig begegnet und sie anschließend wieder ziehen lässt. Gefällt!

Veröffentlicht am 27.09.2023

Eine Freundschaft ungleicher Mädchen

Luftmaschentage
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Ricci ist seit zwei Wochen neu in der Klasse und das genaue Gegenteil der schüchternen Matea. Ricci ist laut und lässt sich nichts gefallen. Aus irgendeinem Grund freunden sie und Matea sich miteinander ...

Ricci ist seit zwei Wochen neu in der Klasse und das genaue Gegenteil der schüchternen Matea. Ricci ist laut und lässt sich nichts gefallen. Aus irgendeinem Grund freunden sie und Matea sich miteinander an, obwohl sie eigentlich nichts zu verbinden scheint. Aber Matea spricht nicht immer, ihre große Zaghaftigkeit setzt ihr einen Kloß in den Hals und verhindert bei den meisten Menschen in ihrer Umgebung, dass sie frei mit ihnen spricht.
Mats und Ricci verbindet schon bald ein Projekt und sie behäkeln Bäume und Zäune, so dass die Nachbarschaft ein richtiger Hingucker wird.
Mateas Mutter zeigt sich besorgt über die neue Freundschaft und mahnt zur Vorsicht. Mats hat keine Ahnung, warum ihre Mutter solche Vorbehalte gegen Riccarda hat. Eins jedoch ist komisch - immer dann, wenn Mats vorschlägt, dass sie doch auch mal zu Ricci nach Hause gehen könnten, reagiert die Freundin ablehnend und zieht sich zurück. Riccarda hat ein Geheimnis, in das sie Matea nicht einweihen kann oder will. Es folgt eine Auseinandersetzung, welche die beiden Mädchen entzweit.

Luftmaschentage ist eines dieser Kinderbücher, die man auch als Erwachsene:r gut lesen kann. Was genau Riccardas Geheimnis ist, wird im Buch nie komplett aufgeklärt. Das macht es unglaublich identifizierbar und regt an zu reflektieren, wie gut es einem möglicherweise geht und zu sensibilisieren für Kinder in beklagenswerteren Lebenslagen als man selbst, weil sie ärmer sind, Gewalt in ihren Familien erfahren, vernachlässigt werden oder ähnliches. Die Freundschaft zwischen Ricci und Mats überwindet auf heitere Weise soziale Unterschiede.
Eindringliches Buch, das ich mir an Schulen als Unterrichtslektüre gut vorstellen kann!

Veröffentlicht am 27.09.2023

EIn Manga ganz nach meinem Geschmack!

Eine Geschichte von sieben Leben 01
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Nanao und Machi sind zwei Straßenkatzen, die jeden Tag ums Überleben kämpfen. Nahrungsquellen werden immer weniger, die Menschen sind nicht gewillt die Streuner zu dulden. Nachdem Nanao von seinem früheren ...

Nanao und Machi sind zwei Straßenkatzen, die jeden Tag ums Überleben kämpfen. Nahrungsquellen werden immer weniger, die Menschen sind nicht gewillt die Streuner zu dulden. Nachdem Nanao von seinem früheren Besitzer ausgesetzt wurde, empfindet er Verachtung für die Menschen und findet in Machi einen Mentor, der ihn unter seine Pfoten nimmt und auf ihn aufpasst.
Mitten im Winter finden Nanao und Machi einen behaglichen Schlafplatz in einem warmen Badehaus. Als die Besitzerin die beiden Tiere entdeckt, greift sie zum Besen und verscheucht die unerwünschten Tiere. Sie hat nicht nur eine Abscheu gegen Katzen, sondern einen richtigen Hass. Am nächsten Tag sieht sie eine Gruppe von Katzen und erkennt den weißen Machi mit seinen strahlend blauen Augen wieder. Entgegen ihrer ursprünglichen Reaktion versöhnt sie sich mit Machi und füttert ihn. Sie scheint eigentlich ein gutes Herz zu haben, und doch muss sie in ihrer Vergangenheit etwas erlebt haben, dass sie Katzen verabscheuen lässt.

Eine Geschichte von sieben Leben verwebt die Lebenswege zweier Kreaturen, deren Wege sich zuvor nie gekreuzt haben, die jedoch durch eine gemeinsame Erfahrung miteinander verbunden sind. Machi und Nanao sind Teil einer größeren Katzengemeinschaft mit unterschiedlichen Charakteren, und ich freue mich auf ein Wiedersehen mit einigen von ihnen im zweiten Band. Besonders Machi wirkt auf mich geheimnisvoll, und ich hoffe, dass auch er seine Geschichte offenbaren wird. Wer Stories über Katzen mag, hier ist noch eine!

Veröffentlicht am 11.09.2023

Elena Fischers Debüt war für mich ein bittersüßes Lesevergnügen

Paradise Garden
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Die 14-jährige Billie und ihre Mutter Marika leben in einer Hochhaussiedlung. Viel Geld haben sie nicht. Am Anfang des Monats gibt es manchmal einen Paradise Garden in der hiesigen Eisdiele, am Ende des ...

Die 14-jährige Billie und ihre Mutter Marika leben in einer Hochhaussiedlung. Viel Geld haben sie nicht. Am Anfang des Monats gibt es manchmal einen Paradise Garden in der hiesigen Eisdiele, am Ende des Monats Nudeln mit Ketchup. Doch Marika schafft es auch mit wenig Geld, das Leben der beiden bedeutungsvoll zu gestalten, nicht zuletzt, weil das Mutter-Tochter-Duo einige herzliche Nachbarn haben. Die einträchtige Zweisamkeit wird unterbrochen, als die kranke Großmutter aus Ungarn anreist, mit der Marika kein gutes Verhältnis hat und die Billie noch nie getroffen hat.
Marika, die mit Billie nie über ihren Vater und wenig über die eigene Vergangenheit in Ungarn geredet hat, gerät mit der unerwünschten Großmutter in einen Zwist, der Billies Leben komplett auf den Kopf stellt. Es drängt Billie nach Antworten, und kurzerhand macht sie sich in dem kaputten Nissan auf den Weg nach Norddeutschland, wo sie die Spuren ihrer Herkunft hinzuführen scheinen.

Elena Fischers Debüt war für mich ein bittersüßes Lesevergnügen. Die erste Hälfte des Buches ist geprägt von dieser innigen Mutter-Tochter-Beziehung, die zweite Hälfte ist geprägt durch Billies schmerzliche Suche nach ihren Wurzeln und Antworten auf Fragen, die ihr nie beantwortet wurden. Ein kleines Beispiel, wie sehr mich dieses Buch beeinflusst hat: Auf der Arbeit ging ich gut gelaunt in die Mittagspause und kam wieder mit einem negativen Gefühl zwischen den Rippen. Es dauerte einige Momente, bis ich gewahr wurde, dass Billies Schmerz kurzzeitig zu meinem geworden ist und ein Teil ihrer Traurigkeit auf meine Stimmung übergegangen war. Wenn Literatur sowas schafft, kann sie nur gut sein! Lest dieses Debüt!

Veröffentlicht am 11.09.2023

Warme und humorvolle Erzählweise über einen Außenseiter

Peanuts und andere Katastrophen
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Ein Streich seiner Mitschüler kostet den 12-jährigen Ambrosius fast das Leben. Drei Jungs schmuggeln dem Allergiker eine Ernuss ins Pausenbrot. Ab sofort heißt es: Homeschooling. Für Ambrosius war es nicht ...

Ein Streich seiner Mitschüler kostet den 12-jährigen Ambrosius fast das Leben. Drei Jungs schmuggeln dem Allergiker eine Ernuss ins Pausenbrot. Ab sofort heißt es: Homeschooling. Für Ambrosius war es nicht die erste Schikane seiner Mitschüler. Er möchte aber seine überfürsorgliche Mutter nicht beunruhigen und stellt alles viel positiver dar, so dass seine Mutter denkt, er hätte gute Freunde. Die Wahrheit ist aber, dass Ambrosius gar keine Freunde hat und eine seiner liebsten Beschäftigungen eine Runde Scrabble am Küchentisch gegen seine Mom ist.
Als Cosmo, der Sohn der Nachbarn aus dem Gefängnis entlassen wird, ergreift Ambrosius die Chance und bekommt ihn dazu, Ambrosius ins Gemeindezentrum zu einem Scrabble-Club zu fahren, an dem er so gerne teilnehmen würde. Cosmo, der für Brettspiele so gar nichts übrig hat, hat sicher nicht damit gerechnet, dass es beim Scrabble-Club etwas gibt, das sein Interesse auf eine ganz besondere Weise erweckt. Nur darf von den allwöchentlichen Ausflügen Ambrosius Mutter nichts erfahren. Aber natürlich lässt die alles auffliegen lassende Katastrophe nicht lange auf sich warten...

Susin Nielsen hat mich ursprünglich mit "Adresse Unbekannt" über einen Jungen, der mit seiner Mutter zusammen obdachlos in einem VW Bulli wohnt begeistert, und so konnte ich natürlich nicht anders als mir alle ihre anderen Bücher ebenfalls sofort zu besorgen, nachdem ich von deren Existenz hörte. "Peanuts und andere Katastrophen" wartet mit derselben warmen und oft humorvollen Erzählweise über einen Außenseiter beim Knüpfen herzlicher Freundschaften auf. Und auch in diesem Buch weicht sie sich nicht davor zurück, schwierige Themen in die Geschichte einzubauen. Klar freue ich mich schon auf die nächsten Bücher auf meinem Stapel von ihr!