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Veröffentlicht am 02.11.2023

Für Michel aus Lönneberga-Fans

Karlchen hilft allen, ob sie wollen oder nicht
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Karla, 6 Jahre alt, wohnt mit ihrem kleinen Bruder Johann, ihren Eltern und dem Opa auf einem Bauernhof. Sie ist ein überaus hilfsbereites Mädchen, das immer mit den besten Absichten handelt und dabei ...

Karla, 6 Jahre alt, wohnt mit ihrem kleinen Bruder Johann, ihren Eltern und dem Opa auf einem Bauernhof. Sie ist ein überaus hilfsbereites Mädchen, das immer mit den besten Absichten handelt und dabei regelmäßig in kleinere und größere Schlamassel gerät. Zur Strafe muss sie dann im Wäschezummer ihrer Mama nachsitzen und Socken sortieren. Das Setting erinnerte mich sofort an Astrid Lindgrens Michel aus Lönneberga, und auch der Schreibstil des Buches verstärkt diese Assoziation.

Karlchens Mutter lässt den alten Geräteschuppen zu einer Ferienwohnung umbauen, und erwartet die ersten Gäste, von deren Bewertung viel abhängt. Karlchen ist  fest entschlossen, ihrer Mama zu helfen, damit alles ein Erfolg wird, und freut sich auf die ersten Gäste mit zwei Kindern aus dem fernen Berlin. Da kann man doch sicher tolle Freundschaften schließen! Doch Karlchens Hilfsaktionen haben teils ungeahnte Nebenwirkungen....

Karlchen ist einem sofort sympathisch, und auch ihre Mutter und der unkonventionelle, etwas kauzige Opa sind originelle Figuren. Johann und der Papa spielen in diesem Buch kaum eine Rolle. Das finde ich etwas schade. Generell hätte mir noch etwas nähere Informationen zu Karlchens Familie gewünscht, und der türkische Anteil an ihren Wurzeln hängt etwas unmotiviert in der Luft. Die Geschichte selbst ist sehr kurzweilig und unterhaltsam zu lesen, wenn auch an einigen Stellen für meinen Geschmack etwas übertrieben (Der Hahnangriff auf das Hochzeitsauto und seine Folgen).

Insgesamt aber ein lesenswertes, kurzweiliges und unterhaltsames Kinderbuch, das allen Freude bereiten dürfte, die Michel aus Lönneberga mögen.

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Veröffentlicht am 20.10.2023

Spannende Meeresbewohner

Seepferdchen
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Die Dichterin und Evolutionsbiologin Andrea Grill schildert in diesem Buch Wissenswertes über die Lebensweise, Fortpflanzung und Lebensräume der Seeoferdchen sowie ihre historische Wahrnehmung und Klassifizierung ...

Die Dichterin und Evolutionsbiologin Andrea Grill schildert in diesem Buch Wissenswertes über die Lebensweise, Fortpflanzung und Lebensräume der Seeoferdchen sowie ihre historische Wahrnehmung und Klassifizierung in den letzten Jahrhunderten. Ferner beschreibt sie ihre Versuche, auf Reisen selbst Seepferdchen im Meer zu entdecken, und weist auf die verschiedenen Gefahren des Klimawandels und der Fischerei auf die Population der Seepferdchen hin. Der Text wird ergänzt durch  erläuternde Bilder, Skizzen und Abbildungen von Gemälden mit Seepferdchen.

Im letzten Teil des Buches finden sich Beschreibungen von zehn der aktuell 57 bekannten Arten von Seepferdchen einschließlich jeweils einer großen detaillierten Illustration.

Das Buch liest sich angenehm, unterhaltsam und flüssig, und man erfährt viele interessante Details über Seepferdchen, die die Autorin erkennbar faszinieren. Anstelle der Beschreibungen ihrer oft vergeblichen Tauchgänge auf diversen Reisen hätte ich mir jedoch teilweise eine noch stärkere wissenschaftliche Herangehensweise an die Thematik gewünscht, mit genaueren Angaben über Stoffwechsel, Körperbau und ähnliches. Auch eine bildliche Gegenüberstellung der Unterschiede zwischen männlichen und weiblichen Tieren habe ich vermisst, insbesondere in den Kurzbeschreibungen am Ende.

Insgesamt ein interessantes und lesenswertes Buch über faszinierende Meeresbewohner, die, wie so viele Arten, vom Klimawandel bedroht sind.

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Veröffentlicht am 11.10.2023

Von Trollen und Riesen

Norwegische Märchen
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Die Märchen der Gebrüder Grimm oder von Hans Christian Andersen kennt wohl jeder noch aus seiner Kindheit, doch Märchen aus Norwegen waren mir bisher nicht untergekommen,  so dass ich sehr gespannt auf ...

Die Märchen der Gebrüder Grimm oder von Hans Christian Andersen kennt wohl jeder noch aus seiner Kindheit, doch Märchen aus Norwegen waren mir bisher nicht untergekommen,  so dass ich sehr gespannt auf diese Sammlung klassischer norwegischer Märchen war, die Peter Christian Asbjørnsen und Jørgen Moe im 19. Jahrhundert zusammengetragen haben. Insgesamt enthält das Buch über 50 Geschichten ganz unterschiedlicher Länge. Einige erinnern entfernt an hierzulande ebenfalls bekannte Märchen, so weist etwa "Die Tochter des Mannes und die Tochter der Frau" Parallelen zu "Frau Holle" auf und "Der Herr Peter" hat Ähnlichkeit mit "Der gestiefelte Kater". Die Sprache der Märchen ist altertümlich, und viele Begriffe wie Muhme, Gevatterin, Dirne u.ä. sind heute nicht mehr gebräuchlich. Als Vorlesebuch für Kinder eignet sich das Buch daher auch eher nicht, sondern ist vielmehr eine interessante und empfehlenswerte Sammlung für Erwachsene.





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Veröffentlicht am 09.10.2023

Spannende Dystopie

Memoria
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Memoria beschreibt ein dystopisches Szenario in Deutschland in einer nahen Zukunft. Der Klimawandel sorgt für Extremereignisse, Waldbrände sind an der Tagesordnung, die Gesellschaft spaltet sich weiter ...

Memoria beschreibt ein dystopisches Szenario in Deutschland in einer nahen Zukunft. Der Klimawandel sorgt für Extremereignisse, Waldbrände sind an der Tagesordnung, die Gesellschaft spaltet sich weiter auf. Die Mittelschicht verschwindet, Reiche schotten sich durch Security ab, während Arme in ehemaligen Firmengebäuden hausen.

Die Hauptfigur Harriet rettet bei einem Waldbrand einer alten Frau das Leben, die sie mit Namen anspricht und offenbar zu kennen scheint, doch Harriet ist diese Frau völlig fremd. Diese seltsame Begebenheit beschäftigt Harriet und lässt sie nicht mehr los. Sie versucht mit aller Macht, sich zu erinnern, doch je stärker sie ihr Gedächtnis bemüht, desto weniger greifbarer werden ihre Erinnerungen. Erinnerungen und Träume verschwimmen zusehens miteinander, und Harriet beschließt, nach München an den Ort ihrer Kindheit zurückzukehren, in der Hoffnung, dort Klarheit zu finden.

Der Schreibstil ist flüssig und angenehm zu lesen, aber eher nüchtern, und so blieb ich auch zu Harriet und den weiteren Figuren emotional eher auf Distanz. Da diese erzählerische Kühle in gewissem Sinne aber gut zu der dargestellten Gesellschaft passt, empfand ich dies nicht als störend. Die Geschichte ist spannend erzählt, und auch wenn ich Teile der Auflösung relativ früh ahnte, hat mich der Roman bis zum Schluß gepackt.

Als klassischen Thriller sehe ich Memoria nicht, eher als spannende Klima- und Wissenschaftsdystopie, die zum Nachdenken anregt.


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Veröffentlicht am 09.10.2023

Schöne Geschichte a la Dickens

Die Nacht, in der ich Weihnachten rettete
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Der kleine Jackson will es wissen. Gibt es den Weihnachtsmann nun wirklich, oder nicht? Und so bleibt er in der Nacht auf den 25. Dezember wach und wartet....

"Die Nacht, in der ich Weihnachten rettete" ...

Der kleine Jackson will es wissen. Gibt es den Weihnachtsmann nun wirklich, oder nicht? Und so bleibt er in der Nacht auf den 25. Dezember wach und wartet....

"Die Nacht, in der ich Weihnachten rettete" von Ben Miller ist eine sehr schöne Einstimmung auf Weihnachten, die unverkennbare Parallelen zu Charles Dickens Weihnachtsgeschichte um Ebeneezer Scrooge aufweist und diese mit der magischen Welt der Elfen und der Frage nach der Existenz des Weihnachtsmannes verbindet. Die zum Teil für Kinder recht gruseligen Elemente bei Dickens schwächt Miller ab und bringt stattdessen sogar etwas Humor ins Spiel. So hat uns der vorwitzige Rudolph besonders gut gefallen und wir hätten am liebsten noch mehr Szenen mit ihm gehabt.

Da Ben Miller Brite ist, entsprechen die Weihnachtsbräuche und die Vorstellung vom Weihnachtsmann im Buch dem angelsächsischen Raum - der Weihnachtsmann kommt in der Nacht vom 24. auf den 25. Dezember auf dem Schlitten mit seinen neun Rentieren angesaust, rutscht durch den Schornstein, bringt die Geschenke, füllt die bereithängenden Strümpfe am Bett und freut sich über eine bereitgestellte Stärkung aus Whiskey und Minz-Pie. Das war für meinen Sohn, der nach hiesiger Tradition mit Heiligem Abend,  Christkind und St. Nikolaus aufgewachsen ist, teilweise fremd.

Was ich an den Büchern des ars Verlages schon seit vielen Jahren sehr schätze, sind - neben den wirklich tollen Geschichten - auch immer wieder die sehr liebevoll und aufwändig gestalteten Illustrationen und Cover.  Bei Kinderbüchern ist das für mich ein wichtiger Punkt. Auch die schwarz-weissen Zeichnungen von Daniela Jaglenka Terrazzini in diesem Buch sind wunderbar gelungen und sehr detailreich. Sie passen ganz hervorragend zum nostalgischen Flair der Elfengeschichte.

Insgesamt eine sehr stimmungsvolle und kurzweilige Weihnachtsgeschichte, die sich auch sehr gut zum Vorlesen in der Adventszeit eignet. Da Miller doch recht viele Anleihen bei Dickens genommen hat, ziehe ich einen Stern ab und vergebe 4 Sterne.

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