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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 27.12.2023

25 Jahre später

Eine halbe Ewigkeit
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Eine halbe Ewigkeit von ildiko von Kürthy ist ein interessantes Buch. Die Preisfrage für mich war aber, ob man auch etwas mit dem Roman anfangen kann, wenn man den Vorgänger, den Bestseller Mondscheintarif ...

Eine halbe Ewigkeit von ildiko von Kürthy ist ein interessantes Buch. Die Preisfrage für mich war aber, ob man auch etwas mit dem Roman anfangen kann, wenn man den Vorgänger, den Bestseller Mondscheintarif nicht gelesen hat. Das ist bei mir der Fall.
Ich kann sagen, dass da schon eine gewisse Leerstelle ist.
Aber ich kenne „Morgen kann kommen“ von ihr und schon gibt es ein Wiedersehen mit bekannten Figuren, zum Beispiel den extrovertierten Erdal. Eine originelle, wenn auch klischeevolle Figur.

Die Handlung um Cora Hübsch setzt 25 Jahre später als bei Mondscheintarif ein und es geht viel um den Scheidepunkt, an dem Cora angekommen ist.
Cora ist zwar selbstbewusst, aber manchmal auch selbstkritisch und unzufrieden, zum Beispiel mit ihrem Körper. Manchmal erinnerte mich das an Bridget Jones.

Auch mit der Handlung komme ich gut klar. Tagebuchszenen der Vergangenheit sind eingebunden. Schließlich kommen spät im Buch auch Szenen, die die vorher nicht erzählte Vorgeschichte der Trennung mit Daniel erläutern und das mit Coras Freundin Johanna erklärt.

Ildiko von Kürthy ist für mich ein Aushängeschild von Unterhaltungsliteratur mit einer Spur Tiefgang. Sie ist einfach besser als andere des Genres Frauenschmöker. Stilistisch hat sie ihre Linie, die funktioniert und dazu gehört eine gute Portion Selbstironie. Dass kennzeichnet das Buch.

Veröffentlicht am 29.11.2023

Kommissar Franz Reinicke

Im Gleichschritt stark
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Jörg Reibert hat seine Reihe um Kommissar Franz Reinicke schon einige Jahre in Gange. Dies ist der dritte Teil. Der erste war 2017 erschienen.
Damit gehört Reibert ähnlich wie Volker Kutscher zu den Pionieren ...

Jörg Reibert hat seine Reihe um Kommissar Franz Reinicke schon einige Jahre in Gange. Dies ist der dritte Teil. Der erste war 2017 erschienen.
Damit gehört Reibert ähnlich wie Volker Kutscher zu den Pionieren als Autoren von Krimis, die in der Zeit des Nationalsozialismus handeln.
Der Erfolg von Bayblon Berlin dürfte weiteres Interesse an Büchern dieser Art geweckt habe.

Jörg Reibert schreibt geradlinig und sorgfältig. Das ist gut gemacht.
Es ist das Jahr 1935. Im Mittelpunkt stehen der ermittelnde Kommissar Franz Reinicke und der SA-Mann Emil Bachmann, ein begnadigter Mörder.

Eine junge Arbeiterin wird ermordet aufgefunden. Der Kommissar ermittelt mit seinem Team.

Das Milieu und die Stimmungen der Zeit werden intensiv transportiert. Dazu gehört auch die Gewaltbereitschaft und der Judenhass. Ich halte diese Beschreibungen für glaubhaft und da kann man froh sein, dass man nicht in dieser Zeit leben musste.
Wer sich für diese Zeit interessiert, findet hier ein lesenswertes Buch.

Veröffentlicht am 25.11.2023

Der wispernde Wind

Der flüsternde Abgrund
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Es handelt sich bei „Der flüsternde Abgrund“ um einen sehr atmosphärischen Roman, der auch sehr geheimnisvoll ist.
Der Protagonist heißt Callum. Aus Anlaß des Todes eines Mannes kehrt er nach 30 Jahren ...

Es handelt sich bei „Der flüsternde Abgrund“ um einen sehr atmosphärischen Roman, der auch sehr geheimnisvoll ist.
Der Protagonist heißt Callum. Aus Anlaß des Todes eines Mannes kehrt er nach 30 Jahren nach Granite Creek zurück. Hier ist er aufgewachsen und die Vergangenheit lässt ihn nicht los. Callum ist Journalist, aber hier ist er persönlich involviert.
Der Leser wird bei der Stange gehalten, indem nur häppchenweise berichtet wird, was vor 30 Jahren eigentlich passiert ist. In diesen Passagen wechselt die Perspektive in die erste Person, während sonst in der dritten Person erzählt wird. Das trägt dazu bei, den Plot noch intensiver zu machen und es folgen noch ein paar Überraschungen.
Das Buch hat mit der australischen Umgebung inklusive dem Regenwald einen reizvollen Schauplatz.
Veronica Lando ist eine Autorin, die man sich merken muss.

Veröffentlicht am 02.11.2023

Interviews mit Substanz

Vom Leben und anderen Zumutungen
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Giovanni di Lorenzo ist bekannt durch 3nach9 und seine vielen Interviews. Ich schätze die Art seiner Gesprächsführung, die ihm auch bei schwierigen Zeitgenossen gelingt.
Dieses Interviewbuch hat eine interessante ...

Giovanni di Lorenzo ist bekannt durch 3nach9 und seine vielen Interviews. Ich schätze die Art seiner Gesprächsführung, die ihm auch bei schwierigen Zeitgenossen gelingt.
Dieses Interviewbuch hat eine interessante Auswahl an Interviewpartner. Da sind Politiker wie Merkel, Habeck, aber auch ein Diktator.
Es fehlen neben Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens auch die aus dem Showgeschäft nicht wie z.B. Udo Jürgens, Bully Herbig und dem Papst.

Das Erdogan-Interview ist wirklich bitter. Es wurde zu der geführt, als Deniz Yucel in der Türkei in Haft war und zeigt Erdogans Haltung unverhüllt.

Aufschlussreich die beiden sehr unterschiedlichen Interviews mit Robert Habeck, eins 2018, eins dieses Jahr.

Was mich an dem Buch begeistert ist, dass sehr viele der Gesprächspartner bereit sind, auch sehr persönliches zu schildern.
Zu den schönsten Interviews gehört dann schließlich eins, das nicht mit einem Prominenten, sondern mit einem 8jährigen Mädchen geführt wurde.

Veröffentlicht am 29.10.2023

Die Liste

Kleine Probleme
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Ein kurzer Roman, komplett aus der gedanklichen Ichperspektive eines mittelalten Mannes erzählt.

Lars, ist alleine im Haus. Seine Frau Johann hat zur Zeit eine sechsmonatige Ehepause eingelegt, die Tochter ...

Ein kurzer Roman, komplett aus der gedanklichen Ichperspektive eines mittelalten Mannes erzählt.

Lars, ist alleine im Haus. Seine Frau Johann hat zur Zeit eine sechsmonatige Ehepause eingelegt, die Tochter Lina ist in England.
Und Lars hat eine lange Liste angelegt, was er heute noch alles erledigen will. Das geht über putzen, Steuererklärung machen und Linas Bett aufbauen bis hin zum Plan, sein Meisterwerk zu schreiben.
Irgendwie ist von Anfang an klar, das er niemals alles schaffen kann.

Seine Gedanken sind so philosophisch wie selbstironisch. Das lädt ein, sich mit dem Protagonisten, wenigsten teilweise, zu identifizieren.

Es ist ein sehr amüsanter Roman, das heißt aber nicht, dass nicht durchaus wichtige Themen behandelt werden. Die Meisterschaft der Autorin liegt darin, eine Leichtigkeit dafür zu schaffen. Es ist ein wirklich guter Roman.
Allerdings habe ich das Buch auch mit einigen Unterbrechungen von mehreren Tagen gelesen. Man wird also auch nicht unbedingt als Leser an das Buch gefesselt.