Profilbild von Magnolia

Magnolia

Lesejury Star
online

Magnolia ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Magnolia über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 21.11.2023

Schuldig!

Monster (Ein Bodenstein-Kirchhoff-Krimi 11)
0

Der elfte Taunuskrimi hat es wieder in sich. Mit Pia Sander und Oliver von Bodenstein und ihrem Team fiebere ich der Auflösung des vielschichtig angelegten Falls entgegen. Denn es ist nicht nur der Mord ...

Der elfte Taunuskrimi hat es wieder in sich. Mit Pia Sander und Oliver von Bodenstein und ihrem Team fiebere ich der Auflösung des vielschichtig angelegten Falls entgegen. Denn es ist nicht nur der Mord an der 16jährigen Lizzy aufzuklären, deren Auffindeort von einem Hundebesitzer telefonisch gemeldet wird, im Laufe der Ermittlungen tauchen noch einige andere ungeklärte Todes- und Vermisstenfälle auf.

Wie es den Anschein hat, wurde Lizzy mit ihrem eigenen Schal erdrosselt und hinter einem Marienstockbild sorgfältig abgelegt, zugedeckt mit ihrer Jacke. Ihr Umfeld wird durchleuchtet - ihre beste Freundin, ihre Schulfreunde, ihre Familie und ihre sonstigen Kontakte.

Bald darauf werden Pia und Oliver zu einem Autounfall gerufen. Der fürchterlich zugerichtete Mann hat am ganzen Körper Bisswunden, er war bei Minustemperaturen barfuß unterwegs und ist direkt ins Auto gelaufen.

Und nicht nur das, es gibt noch mehr Rätselhaftes und auch wenn sich jeder einzelne Fall von den anderen abgrenzt, so sind Parallelen zu erahnen. Ungeklärte Todes- und Vermisstenfälle durchziehen ihre Ermittlungen, es geht um Fremdenfeindlichkeit und Fremdenhass, um Schuldzuweisungen und Anschuldigungen, zusätzlich bereitet das weltweite Netz dem Hass eine willkommene Bühne.

Nele Neuhaus unterbreitet ihren Lesern ein vielschichtiges Szenario. Sie versteht es aufs Beste, die Spannung stets hoch zu halten. Ihre komplexe Story handelt von Schuld und Sühne, der Fanatismus zieht weite Kreise, gleichzeitig wird das Wertesystem hinterfragt.

Gut finde ich, dass dem Kriminalroman ein Personenregister vorangestellt ist, was gerade in diesem Genre nicht selbstverständlich ist. Und auch wenn die Aufklärung im Mittelpunkt steht, so hat doch jeder ein Privatleben, das zwischendurch schon auch hervorblitzt. Nicht viel, aber viel genug, um Pia, Oliver und die anderen gut einschätzen zu können. Das K11 in Hofheim ist diesmal ganz besonders gefordert, auch mag ich diese halb-privaten Momente zwischen Pia und Henning. Und nicht nur die beiden, auch allen hier Agierenden nehme ich ihre Handlungsweise ab.

Das titelgebende „Monster“ ist enttarnt, der mittlerweile elfte Taunuskrimi ist vielschichtig, die verzweigte Story teils grausam und äußerst facettenreich, die Täter schwer fassbar. Die einzelnen Handlungsstränge fügen sich letztendlich gut zusammen – es war ein kurzweiliges Lesevergnügen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 12.11.2023

Wundervoll erzählt

In Liebe, deine Lina (Mühlbach-Saga 1)
1

Lina und Albert leben im pfälzischen Mühlbach, einem kleinen, ländlich geprägten Dorf. Das Leben geht seinen Gang, es geschieht nichts Aufregendes. Und wenn doch, dann ist das Getratsche groß. Die beiden ...

Lina und Albert leben im pfälzischen Mühlbach, einem kleinen, ländlich geprägten Dorf. Das Leben geht seinen Gang, es geschieht nichts Aufregendes. Und wenn doch, dann ist das Getratsche groß. Die beiden jungen Leute sind seit jeher unzertrennlich, sie verlieben sich ineinander, jedoch bleibt ihre Liebe nicht ohne Folgen - Lina ist schwanger. Natürlich will Albert sie heiraten, seine vermögenden Eltern hingegen sind strikt gegen eine Verbindung, denn Lina kommt aus ärmlichen Verhältnissen, sie ist für ihren Sohn und einzigen Erben nicht gut genug. Albert beugt sich den Wünschen seiner Eltern und es kommt, wie es kommen muss - Lina wird von den Dörflern als unverheiratete, schwangere Frau ausgegrenzt. Lediglich Karl, der um die Unerbittlichkeit der Nachbar weiß, steht als einziger an ihrer Seite.

Die Geschichte beginnt im Mai 1883, als sie noch Kinder waren und endet mit dem nahenden Beginn des Ersten Weltkrieges. Und – ganz anders, als die Autorin dies sonst mit ihren Büchern hält – ist „In Liebe, deine Lina“ kein Einzelband, es ist der erste von zwei Bänden. Ein Roman, der auf wahren Begebenheiten beruht. Barbara Leciejewski erzählt die Geschichte ihrer Großeltern. Rund um die Fakten füllt sie die Seiten mit ihren begründeten Vermutungen und auch mal mit reiner Fantasie. Entstanden ist ein warmherziger Roman um eine Familie, der es nie leicht gemacht wurde, die aber dennoch auch in schwierigen Zeiten zusammengestanden ist.

Die Moralvorstellungen im ausgehenden 19. Jahrhundert waren andere. Eine ledige Frau wurde ausgegrenzt, wenn sie für ihren „Bankert“ keinen Ehemann als Vater vorweisen konnte. Selbst eine Vergewaltigung war für den männlichen Part unerheblich, die Frauen dagegen wurden als liederliche Personen gemieden und auch deren Kinder waren gebrandmarkt – keiner wollte etwas mit ihnen zu tun haben.

Es ist eine Geschichte, direkt aus dem Leben gegriffen. Nicht jeder konnte sich den Ehepartner aussuchen, es wurden gerade in den besseren Kreisen Ehen arrangiert. Geld und Vermögen musste zu seinesgleichen, Gefühle blieben außen vor, ein armer Schlucker blieb zeitlebens arm. Und auch die Arbeitsbedingungen waren neben dem Zwischenmenschlichen Thema. Sei es in den Fabriken, im Steinbruch oder im familieneigenen Bauernhof – es war beileibe kein Zuckerschlecken.

Der erste Band der Mühlbach-Saga hat mich tief berührt. Es ist ein Buch voller Wärme, eine Geschichte, die mich nicht mehr losgelassen hat - bittersüß und doch voller Liebe und Zuversicht. Das Schicksal meint es nicht immer gut, so manche Träne konnte ich nicht zurückhalten. Alle hier vorkommenden Figuren - seien es die längst verstorbenen Großeltern der Autorin oder die anderen, die erdachten – sind aufs Beste beschrieben. Schon heute freue ich mich auf die Fortsetzung, wenn Lotte, Linas Tochter, ihren Jugend- und Brieffreund August wiedersieht.

Ein wundervolles Buch, eine warmherzig erzählte, sehr lesenswerte Geschichte.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 08.11.2023

Ein schwergewichtiges Thema, federleicht erzählt

Henriette lächelt
1

Wie schön, dass Henriette mich angelächelt und mich auf den ersten Blick verzaubert hat. Das Cover macht Laune, die Margeriten, der Titel, die ganze Aufmachung laden direkt ein, das Buch näher zu betrachten. ...

Wie schön, dass Henriette mich angelächelt und mich auf den ersten Blick verzaubert hat. Das Cover macht Laune, die Margeriten, der Titel, die ganze Aufmachung laden direkt ein, das Buch näher zu betrachten. „In Henriettes Herz blüht heimlich eine Margerite.“ Ist das nicht schön, so lebensbejahend? Ich finde schon, auch wenn sich Henriette mir zunächst ganz anders präsentiert, denn sie schleppt 190 Kilo mit sich rum. Die Pandemie kommt ihr gerade recht, sie kann von zuhause aus arbeiten. Die Außenwelt betrachtet sie eher durch das Fenster, sie zieht sich immer mehr zurück. Was soll sie in einem Lokal, in dessen Stühle sie immer weniger passt? Da bestellt sie doch lieber all die Köstlichkeiten frei Haus, die sie dann massenweise verschlingt. Genießen ist eher Nebensache, ihre zwei angedachten Mägen wollen gefüllt sein. Und auch wenn ihr ihre Mutter immer wieder ins Gewissen redet, so lässt Henriette sich gehen – es sieht ja keiner. Naja, Martin schon. Zumindest sieht er sie auf dem Bildschirm in ihren täglichen Meetings. Nicht nur in seine grünen Augen hat sie sich verguckt, sie träumt von ihm, sie verstehen sich gut. Wäre da noch Sonja mit ihren Kindern, das Vierte wird auch bald da sein. Henriette nimmt ihren ganzen Mut zusammen und fragt, ob sie bei ihr putzen würde.

Henriettes Mutter ist immer dann sehr präsent, wenn Henriette Unmengen an Essen bestellt, wenn die Wäscheberge immer größer werden, das dreckige Geschirr sich stapelt. Henriette kann sich immer weniger bewegen, jeder Schritt will gut überlegt sein. Und bücken – geht meist gar nicht.

Das Buch hat eine ganz besondere Ausstrahlung. Die kurzen Kapitel sind sehr sinnig übertitelt, Andrea Heinisch schreibt federleicht und sehr poetisch. Einmal angefangen, kann man sich dem nicht mehr entziehen. Sie erzählt Henriettes Geschichte und lässt viel Ungesagtes mitschwingen. Man beginnt zu verstehen, was mit der Mutter ist, Henriettes Welt wird ein Stück größer, sie knüpft zunächst zaghafte Kontakte, sie öffnet sich ein Stück weit. Ihr verstecktes Leben jenseits der gesellschaftlichen Normen hat mich nachdenklich werden lassen. Verurteilt man sich oftmals zu schnell und vergisst, den Menschen dahinter zu sehen?

Und jetzt, nachdem ich Henriette näher kennengelernt habe, lächle ich zurück. Das schwergewichtige Thema kommt leise und sehr feinsinnig daher, Andrea Heinisch trifft mit ihrem wunderbaren Erzählstil den genau richtigen Ton. Ein lesenswertes Buch, dessen Ende hoffen lässt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 06.11.2023

Eine faszinierende Frau

Ich bin Frida
1

Wer kennt sie nicht, die farbenfrohen Bilder von Frida Kahlo. Jedes einzelne erzählt eine Geschichte, erzählt ihre Geschichte. Auch wenn sie eher kleinformatig sind, so packt sie in jedes ihrer Bilder ...

Wer kennt sie nicht, die farbenfrohen Bilder von Frida Kahlo. Jedes einzelne erzählt eine Geschichte, erzählt ihre Geschichte. Auch wenn sie eher kleinformatig sind, so packt sie in jedes ihrer Bilder einen Teil ihres Lebens, das geprägt ist von Krankheiten, von Schmerzen, aber auch von ihrer Liebe zu Diego Rivera und mehr.

Caroline Bernard hat mir in ihrem ersten Buch „Frida Kahlo und die Farben des Lebens“ diese Künstlerin näher gebracht und nun erlebe ich eine starke Frau, die ich von August 1938 bis Ende März 1939 begleite. „Ich bin Frida“ erzählt von ihrer ersten Einzelausstellung in New York und auch von der Begegnung mit Nick Muray, der sie als Fotograf immer wieder ablichtet, in den sie sich verliebt. Die beiden verbindet mehr als nur eine Affäre, sie ist zwischen Diego und Nick hin- und hergerissen. Bald nach der erfolgreichen New Yorker Ausstellung geht sie nach Paris, André Breton will ihre Bilder, die sie vorausschickt, in seiner Galerie ausstellen. Doch so einiges läuft schief, Paris begegnet ihr zunächst grau in grau.

Caroline Bernards zweites Buch über Frida Kahlo ist keine Fortsetzung von „…den Farben des Lebens“. Es zeigt Frida als Frau, als Freundin und Geliebte, als Weggefährtin. Als eine, die sich gefunden hat, die sich in ihren Bildern auszudrücken versteht. Sie will nicht mehr Diegos Muse sein, sie will als eigenständige Künstlerin wahrgenommen werden, will und wird ihren eigenen Weg gehen. Sie begegnet vielen bekannten Persönlichkeiten wie etwa der großartigen Josephine Baker, Picasso und auch der Modeschöpferin Elsa Schiaparelli, um nur einige wenige zu nennen. Und immer wieder sind es ihre Bilder, die für sich sprechen, die ich mir zum ersten Mal näher betrachte und so vieles entdecke, was ein flüchtiger Blick nicht erfassen kann. Auch schätze ich die am Ende des Buches abgedruckte Liste mit den wichtigsten Bildern der beiden Ausstellungen inklusive Bildbeschreibungen.

„Ich bin Frida“ beschreibt eine Zeit, in der sie sich als Künstlerin etabliert und sich als Frau so richtig wahrnimmt. Die Autorin hat mir eine unbekannte Seite von Frida Kahlo bildhaft und sehr lebendig nähergebracht. Frida war eine mutige, eine außergewöhnliche, eine faszinierende Frau, die sich schon durch ihr Auftreten, ihre Kleidung, durch ihre Gesamterscheinung mit Schmuck und Blüten im Haar aufs Beste inszeniert hat. Ihr Unfall und ihre Krankheiten haben sie nicht davon abgehalten, intensiv zu leben. Dies alles und noch viel mehr erzählt dieses wunderbare, gut recherchierte, kurzweilig erzählte Buch, da ich nicht nur Kunstinteressierten wärmsten empfehlen kann.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 01.11.2023

Von der Suche nach den Wurzeln, von der Liebe, von Zigarren und mehr…

Das Geheimnis der Zigarrenkönigin - Liebesroman Karibik
2

„Das Geheimnis der Zigarrenkönigin“ ist Annas Geschichte. Ein historischer Liebesroman, der im 19. Jahrhundert angesiedelt ist. Alles beginnt mit einem alten Überseekoffer, den Ana Galana von einem entfernten ...

„Das Geheimnis der Zigarrenkönigin“ ist Annas Geschichte. Ein historischer Liebesroman, der im 19. Jahrhundert angesiedelt ist. Alles beginnt mit einem alten Überseekoffer, den Ana Galana von einem entfernten Verwandten geschenkt bekommt. Er ist sehr schwer, die Scharniere sind verrostet und sie staunt nicht schlecht, als sie darin Briefe, Dokumente und noch mehr entdeckt. Dieser Fund inspiriert sie, ganz tief in die Welt des Tabaks einzutauchen.

Der Roman entführt seine Leser nach Kuba. Er erzählt von der 16jährigen Anna, die in Bremen auf einem Schiff als Hilfsmatrose, verkleidet als Junge, anheuert. Schon die Überfahrt ist abenteuerlich und eigentlich wollte sie in New York von Bord gehen, ihre fehlenden Papiere machen ihr dies unmöglich und so geht es weiter gen Kuba.

Anna ist auf der Suche nach ihren Wurzeln, nach ihrem Vater. Und sie findet in Luca ihre große Liebe, die schon aufgrund seiner Hautfarbe unmöglich scheint.

Die Autorin nimmt mich mit auf eine Reise in eine mir unbekannte Welt und – wie sie verrät – hat sie dieser Kofferfund dazu inspiriert, zwei Jahre später ihre eigene Zigarrenmarke zu kreieren und nicht genug damit – sie eröffnet „La Galana“, ihren Zigarrensalon. Sie weiß also, wovon sie schreibt und das merkt man ihrem Roman auch an. Sie kennt Kuba, spricht neben vielen anderen Sprachen auch spanisch, sie ist weltoffen und erzählt von Anna, die schon von Kindesbeinen vom Zigarrenrollen begeistert war. In Havanna trifft Anna auf Hoffmann, dessen Familie im heimischen Bremen Konkurrenten der Meringers sind. Nachdem Hoffmanns Blendmeister verschwunden ist, kreiert Anna ihre eigene, hochgelobte Zigarrenlinie. So bindet Ana Galana ihr fundiertes Wissen meisterhaft in Annas Geschichte mit ein.

Luca, der ehemalige Sklave und Annas große Liebe, ist zwar frei und verdingt sich als Lohnarbeiter, seine Arbeitsbedingungen sind aber nicht viel besser als jene der Unfreien. Die Sklaverei war in dieser Zeit auf Kuba allgegenwärtig, die Sklavenhaltung geht einher mit dem wirtschaftlichen Aufschwung. Für die spanischen Kolonialherren gab es reichlich Auswahl, die Peitsche war ein beliebtes Züchtigungsmittel. Trotz Verbot blühte der Sklavenhandel.

Es sind beileibe keine Themen, die leichtfüßig daherkommen. Und doch versteht es die Autorin meisterhaft, nichts zu beschönigen, nichts auszulassen und doch ein Gesamtbild wie eine gut kreierte Zigarre vorzulegen. Sie hat mir viel Wissenswertes nähergebracht und hat ihre bittersüße Liebesgeschichte dezent mit einfließen lassen. Unbedingt erwähnen möchte ich noch die Bleistiftzeichnungen, die für so manches Kapitel den perfekten Abschluss bilden.

Nun heißt es Abschied nehmen. „Das Geheimnis der Zigarrenkönigin“ war eine lohnende, eine tiefgründige Lektüre, die ich allen historisch Interessierten und auch all jenen, die gut recherchierte und kurzweilige Romane suchen, wärmstens empfehlen kann.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere