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Veröffentlicht am 25.09.2017

unbedingte Leseempfehlung für Fans von Historischen Krimis

Die Salbenmacherin und die Hure
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Schauplatz Nürnberg im Sommer 1409: Olivera und Götz haben sich eine Existenz aufgebaut, Götz ist inwzischen der offizielle Apothecarius der Stadt und Olivera verkauft erfolgreich heilende Salben und Tinkturen, ...

Schauplatz Nürnberg im Sommer 1409: Olivera und Götz haben sich eine Existenz aufgebaut, Götz ist inwzischen der offizielle Apothecarius der Stadt und Olivera verkauft erfolgreich heilende Salben und Tinkturen, aber auch Naschereien und kosmetische Salben für die gut situierten Pfründnerinnen. Als in der Pegnitz ein grausam zugerichteter Toter aufgefunden wird befällt die Bewohner von Nürnberg große Angst, es geht das Gerücht von einem Werwolf um, der den Mann so zugerichtet hat. Allein Olivera glaubt an einen menschlichen Täter, doch als Frau hat sie keine Chance gehört zu werden ohne sich selbst noch in Gefahr zu bringen.

"Die Salbenmacherin und die Hure" ist der dritte Teil um die sympathische Salbenmacherin Olivera. Die beiden vorigen Teile habe ich begeistert verschlungen, es sollte aber auch kein Problem sein, das Buch für sich zu lesen, da anfangs einige wichtige Details zum letzten Teil und die Beziehungen der Protagonisten erwähnt werden. Auch wenn Monate seit dem letzten Band vergangen sind hatte ich die Handlung gleich wieder präsent.

Olivera ist schwanger, die Vorfreude auf ihr erstes Kind ist groß, weswegen sie sich in dem Fall des Mordes auch zurück hält, um nicht sich und ihr ungeborenes Kind in Gefahr zu bringen. Aus unterschiedlichen Perspektiven rollt sich die Handlung auf, zumeist aus der Sicht von Olivera und dem Apothekerjungen Jonas, der sich zusammen mit seinem Freund Caspar auf Werwolfjagd begibt.

Die Autorin lässt durch ihren bildhaften Schreibstil die damalige Zeit aufleben, man spürt die Ängste der Menschen, den Aberglauben, aber auch ihre grenzenlose Neugier als die Leiche gefunden wird und die Stadtwachen die aufgebrachte Menge nur mühsam zurückhalten kann. Das Leben im mittelalterlichen Nürnberg ist lebendig beschrieben, das Treiben im Frauenhaus, die Aufgabe des Stadtrates und des Henkers mit der peinlichen Befragung. So lebendig, dass ich mich mitten ins Geschehen hinein versetzt fühlte und mein Kopfkino problemlos ansprang.

Die Figuren sind wunderbar detailliert gezeichnet und besitzen Tiefe, neben den bekannten Personen spielen einige neue eine Rolle, die Hübschlerin Gerlin hat hier eine Schlüsselrolle.

Ganz nebenbei ist die Handlung total spannend, eigentlich mehr ein historischer Krimi als ein einfacher Roman. Ich war von der ersten bis zur letzten Seite gefesselt und bin wieder einmal begeistert. Ein wunderbar farbenprächtiger Schreibstil, tolle Protagonisten und eine spannende Geschichte sorgen für beste Unterhaltung. Für mich ein rundum gelungener historischer Roman, den ich wärmstens empfehlen kann. Verdiente 5 Sterne!

Veröffentlicht am 21.09.2017

Ermittlungen im Musikbusiness

Zwischen Schatten und Licht
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"Zwischen Schatten und Licht" ist der dritte Teil der Bielefeld-Krimis um Kommissar Dominik Domeyer und sein Team und führt die Leser in die Welt des Musikbusiness. Die Jazz-Sängerin Marleen Seismo hat ...

"Zwischen Schatten und Licht" ist der dritte Teil der Bielefeld-Krimis um Kommissar Dominik Domeyer und sein Team und führt die Leser in die Welt des Musikbusiness. Die Jazz-Sängerin Marleen Seismo hat in Bielefeld einen Auftritt, doch nach der Pause bricht sie auf der Bühne zusammen, der herbeigerufene Rettungswagen kann nichts mehr für sie tun. Recht schnell steht fest, dass die Sängerin vergiftet wurde. Kommissar Domeyer und seine Kollegin Nina Tschöke vom KK11 ermitteln in dem Fall. Schon bei den ersten Befragungen im Umfeld der Toten wird klar, dass es Neider gab, die ihr den Erfolg nicht gönnten. Ist hier das Mordmotiv zu finden?

Ich konnte wunderbar flüssig in die Geschichte eintauchen, das Wiedersehen mit Dodo und seinem Team war für mich wie ein Treffen mit alten Bekannten. Im Vordergrund stehen die Ermittlungen im Mordfall, diesmal besonders Nina und ihr behinderter Bruder Kai. Denn Kai war bei dem Konzert mit dabei und hat den Zusammenbruch von Marleen Seismo hautnah miterlebt. Ihr Tod hat ihn sehr verstört, Nina stellt behutsam Fragen, um ihn nicht noch mehr zu verunsichern.

Die Ermittlungsarbeit ist sehr gut beschrieben, durch verschiedene Sichtweisen bekommt man als Leser einen allumfassenden Überblick und kann sich selbst ein Bild machen. Es gibt eine Vielzahl an Verdächtigen, der perfekte Fall um mitzurätseln, und hier hatte ich diesmal auch den richtigen Riecher.

Die bekannten Charaktere gewinnen an Tiefe, es sind authentische Personen, die überwiegend sehr sympathisch rüberkommen. Auch das Privatleben der Ermittler wird immer wieder kurz thematisiert, ohne zu stark von der Handlung abzulenken. Aber doch so, dass die Charaktere dadurch sehr lebendig wirken.

Durch den wunderbar flüssigen und bildhaften Schreibstil hatte ich die meiste Zeit über Kopfkino, hatte Personen und Szenen bildlich vor Augen. Auch wenn ich Bielefeld mich kenne, kommt durch die Beschreibungen von Straßen und Orten Lokalkolorit auf. Spannungstechnisch hat der Krimi einiges zu bieten und die Handlung ist durchweg fesselnd.

Fazit: Spannender Krimi der mich voll überzeugen konnte. Ich freue mich auf die Fortsetzung.

Veröffentlicht am 19.09.2017

mysteriös und spannend

Aquila
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Nika absolviert ein Auslandssemenster in Siena, mit Jenny, einer anderen deutschen Studentin, teilt sie sich eine kleine Wohnung. Nach der letzten Partynacht am Samstag wacht Nika auf, ohne sich an die ...

Nika absolviert ein Auslandssemenster in Siena, mit Jenny, einer anderen deutschen Studentin, teilt sie sich eine kleine Wohnung. Nach der letzten Partynacht am Samstag wacht Nika auf, ohne sich an die Ereignisse erinnern zu können. Mit Schrecken stellt sie fest, dass es nicht Sonntag, sondern schon Dienstag ist. Sie hatte einen kompletten Filmriss und keine Ahnung, was in den vergangenen Tagen vorgefallen ist. Handy, Schlüssel und Pass sind verschwunden, genauso wie ihre Mitbewohnerin Jenny. Am Badezimmerspiegel steht eine mysteriöse Botschaft und in ihrer Hosentasche befindet sich ein Zettel in Nikas Handschrift mit kryptischen Botschaften. Nika versucht die Bedeutung der rätselhaften Sätze zu finden, um so ihrer Erinnerung auf die Sprünge zu helfen. Mit ihrem bruchstückhaften Italienisch ein schwieriges Unterfangen.

Von der Autorin habe ich einige Bücher gelesen und war bisher von jedem begeistert und auch Aquila hat mich auf ganzer Länge überzeugt.

Aus Nikas Ich-Perspektive ist man an ihren Gefühlen ganz nah dran und erlebt mit ihr das Entsetzen, die Ratlosigkeit und schließlich die Ängste, die sie durchlebt. Nika setzt die wenigen Informationen die sie hat und die ihr andere geben wie bei einem Puzzle zusammen, um am Ende herauszufinden, wo Jenny steckt und was in den Tagen passiert ist, zu denen sie keine Erinnerung mehr hat.

Anfangs scheint kein Teil zum anderen zum passen, doch nach und nach ergibt sich ein schlüssiges Szenario. Doch weit gefehlt, es ist nichts so, wie es scheint.

Die Autorin versteht es meisterhaft Spannung aufzubauen und konstant aufrecht zu halten. Die Atmosphäre ist geheimnisvoll bis bedrückend, durch eingestreute Vokabeln und die detaillierte Beschreibung von Straßen und Plätzen in Siena viel Italien Feeling rüber und macht die Story noch geheimnisvoller.

Der lebhafte Schreibstil der Autorin macht das Buch zu einem Pageturner, den man kaum mehr beiseite legen kann. Für mich ein rundum gelungener Thriller der mich von Anfang bis Ende gefesselt hat. Volle Punktzahl.

Veröffentlicht am 19.09.2017

Spannender Thriller mit einer schockierenden Auflösung

Immerschuld
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"Immerschuld" ist die Fortsetzung von "Immerstill", das ich noch nicht gelesen habe. Doch auch ohne die vorige Handlung zu kennen hatte ich keine Probleme, in die Geschichte einzusteigen. Zumal das Wichtigste ...

"Immerschuld" ist die Fortsetzung von "Immerstill", das ich noch nicht gelesen habe. Doch auch ohne die vorige Handlung zu kennen hatte ich keine Probleme, in die Geschichte einzusteigen. Zumal das Wichtigste aus dem Vorgänger angerissen wird, was für das Verständnis vollkommen ausreichend ist.

Die Geschichte spielt in dem kleinen fiktiven österreichischen Ort Grundendort, nah an der Grenze zur Slowakei. Nach den Ereignissen im letzten Jahr hat Patrick seinen Job als Polizist gekündigt und die vergangenen Monate alleine, ohne großen Kontakt zur Außenwelt, in seinem Haus verbracht. Auch zu seinen Großeltern hatte er keinen Kontakt, den Besuchern die Tür nicht geöffnet. Er muss aus seinem Schneckenhaus hervor, als er erfährt, dass seine Cousine Julia vermisst wird. Was ist geschehen? Was haben die beiden grausam verstümmelten Hunde mit Julias Verschwinden zu tun? Patrick weiß, dass er sich auf seine ehemaligen Kollegen nicht verlassen kann und nimmt die Suche selbst in die Hand. Schneller als gedacht steckt er tief in der Klemme.

Ich konnte schön flüssig in die Geschichte eintauchen, die kurze Einführung vermittelt einen Eindruck, was sich im letzten Jahr in Grundendorf abgespielt hat. Ein Dorf, in dem die Menschen nicht zusammenhalten, in dem es Feindschaft gibt und jede Menge skurrile Charaktere. Die Beschreibung von Grundendorf und seinen Bewohnern fand ich besonders atmosphärisch, ich konnte mir die eigenartigen Bewohner gut vorstellen. Sehr skurril fand ich das Café; das eigentlich vor Jahren geschlossen wurde, aber mehr oder weniger heimlich betrieben wird. Mit einer 80jährigen Inhaberin, die immer ein Bier bringt, egal was man bestellt und sich gern mal zum fernsehen in die Wohnung zurückzieht und ihre Gäste alleine lässt. Klasse!

Patricks verzweifelte Suche ist von einigen Rückschlägen gezeichnet. Sein Auto scheint gestohlen und mehr als einmal muss er Prügel kassieren. Aber aufgeben kommt für ihn nicht infrage. Irgendwann überschlagen sich die Ereignisse und man kann eigene Vermutungen anstellen. Ich hatte bis zum Schluss keinen Verdächtigen, die Auflösung hat mich überrascht, noch mehr die Wendung, die die Geschichte im letzten Abschnitt nimmt.

Der Schreibstil ist klasse, er schafft Atmosphäre und lässt sich schön flüssig lesen. Die Cliffhanger am Ende eines Kapitels sind genial und gleichzeitig fies, dadurch fällt es schwer, das Buch mal beiseite zu packen. Außerdem ist die Spannund dadurch konstant hoch, bis zum bitteren Ende.

Fazit: Spannender Thriller mit einer schockierenden Auflösung!

Veröffentlicht am 08.09.2017

Ein Must-Read für Thriller Fans

Freier Fall
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"Freier Fall" ist der zweite Teil für die Protagonisten Ben Funke und Helen Stein. Auch ohne den ersten Teil zu kennen konnte ich absolut problemlos in die Handlung eintauchen. Und die hat es in sich! ...

"Freier Fall" ist der zweite Teil für die Protagonisten Ben Funke und Helen Stein. Auch ohne den ersten Teil zu kennen konnte ich absolut problemlos in die Handlung eintauchen. Und die hat es in sich! Die Spannung ist von der ersten Seite an vorhanden und bewegt sich auf höchstem Niveau, ich habe das Buch in eineinhalb Tagen ausgelesen. Was zum einen an der temporeichen und fesselnden Handlung, zum anderen am lebendigen Schreibstil des Autors liegt.

Wir lernen den Polizisten Ben Funke kennen, der neben seiner toten Geliebten erwacht. Er kann sich noch daran erinnern, dass er eine Weinflasche öffnen wollte, danach Filmriss. Aber er ist sich sicher, dass nicht er sie getötet hat. Als er feststellt dass sie mit seiner Dienstwaffe erschossen wurde ist ihm klar, dass es jemand darauf angelegt hat, ihn als Sündenbock hinzustellen. Innerhalb weniger Minuten muss er sich entscheiden, wie er sich verhalten soll. Den Mord melden und als potentiell Hauptverdächtiger in den Knast oder untertauchen und selbst auf Mördersuche gehen. Er entscheidet sich für letzteres und lässt die Leiche von Carola verschwinden. Damit wird er zum Gejagten...

Die Handlung läuft parallel in zwei Strängen ab, abwechselnd verfolgen wir Ben und das Team der Koblenzer Kripo um Helen Stein. Helen und ihr Team jagen einen mutmaßlichen Serienkiller, der von der Presse als "Phantom" bezeichnet wird. In den letzten Wochen sind sechs Frauen spurlos verschwunden, jede von ihnen hatte eine Autopanne bevor sie verschwand. Der neue Vorgesetzte des Teams, Kriminalrat Kain ist der Unsympath schlechthin und hat besonders Helen auf dem Kieker. Als die Stürmung der Wohnung des vermeintlich Verdächtigen in einem Desaster endet, fasst Helen eine folgenschwere Entscheidung.

Ich habe lange keinen so spannenden und komplexen Thriller gelesen wie "Freier Fall". Hier stimmt für mich alles: Sehr gut gezeichnete Charaktere, sympathische Ermittler und einige Widerlinge, die bei mir die Emotionen hochkochen ließen. Ben Funke ist menschlich und äußerst sympathisch, er bekommt auf der Flucht unerwartete Hilfe. Helen Stein hat mit einem Trauma aus dem letzten Fall zu kämpfen, immer noch machen ihr Alpträume zu schaffen. Genauso gut sind die "Bösen" charakterisiert, hier blickt man in menschliche Abgründe.

Gepaart mit einem dichten Plot und viel Atmosphäre nimmt der Fall Fahrt auf und wartet mit einigen überraschenden Wendungen auf. Action, interessante Schauplätze und schräge Typen sorgten sowohl für Kopfkino als auch Gänsehautfeeling. Dabei ist die Handlung sehr realitätsnah und temporeich, besonders gefallen haben mir die lebendigen Dialoge.

Fazit: Ein Must-Read für Thriller Fans, ganz großes Kino! Der erste Teil ist schon bestellt.