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Veröffentlicht am 20.11.2023

Die Geschichte des Pferdes Lexington

Das Gemälde
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„Das Gemälde“ spielt auf drei verschiedenen Zeitebenen und ist durch das titelgebende Gemälde miteinander verbunden. In Kentucky 1850 verbindet den versklavten Jungen Jarret und ein braunes Fohlen ein ...

„Das Gemälde“ spielt auf drei verschiedenen Zeitebenen und ist durch das titelgebende Gemälde miteinander verbunden. In Kentucky 1850 verbindet den versklavten Jungen Jarret und ein braunes Fohlen ein ganz besonderes Band. Gemeinsam gewinnen sie zahlreiche Rennen. Als der Bürgerkrieg ausbricht treffen sie auf einen jungen Künstler, der sich mit den Gemälden des Pferdes einen Namen gemacht hat.

In New York City im Jahre 1954 findet die Galeristin Martha ein Ölgemälde eines Pferdes von unbekannter Herkunft. Und 2019 in Washington, D.C. führt das Gemälde Jess, eine australische Wissenschaftlerin und den Kunsthistoriker Theo zueinander. Jess unterschied die Knochen des Hengstes und Theo will die verlorene Geschichte des schwarzen Trainers aufdecken.

Die wahre Geschichte des Pferdes Lexington wird in diesem Roman aus verschiedenen Perspektiven erzählt und verbindet durch die verschiedenen Zeitebenen gelungen die Vergangenheit mit der Gegenwart. Ich lese gerne Geschichten, die auf verschiedenen Zeitebenen spielen und finde besonders die Blicke in die Vergangenheit immer sehr spannend. In diesem Fall beschäftigt sich die Autorin vom Bürgerkrieg bis in die Gegenwart eingehend mit dem Thema Sklaverei und man merkt auch wie viel Recherche in dieses Thema geflossen ist.

Die Geschichte des Pferdes zieht sich durch die ganze Handlung und steht im Mittelpunkt, von daher ist das Buch für Pferdeliebhaber sicherlich die passende Lektüre. Persönlich fand ich die vielen sich wiederholenden Beschreibungen des Pferdes aber teilweise doch schwierig und ich habe immer wieder gemerkt wie meine Konzentration verloren ging. Allgemein fand ich das Tempo der Geschichte nicht sehr gelungen. Der Anfang hat sich für meinen Geschmack sehr gezogen und ich habe nicht richtig in die Geschichte hineingefunden. Zwar bringen die verschiedenen Zeitebenen eine gewisse Abwechslung in die Handlung, aber ich habe mich immer zwingen müssen weiterzulesen und fand die Geschichte leider nicht sehr fesselend.

Die Charaktere sind hauptsächlich durch die verschiedenen Zeitebenen leicht zu unterscheiden, bleiben davon abgesehen aber eher blass. Vorallem die Nebencharaktere sind austauschbar und oftmals wirkt es als wüsste die Autorin nicht was sie mit den Charakteren anfangen soll. Ich konnte keine Verbindung zu den einzelnen Protagonisten aufbauen und mir hat die jeweils eigene Stimme der Figuren gefehlt.

Für Pferdeliebhaber mag „Das Gemälde“ die richtige Lektüre sein. Ich selbst kann den Roman aber nicht wirklich empfehlen, weil ich die Handlung überhaupt nicht mitreißend fand. Ich musste mich immer wieder zwingen weiterzulesen und fand auch die Charkatere selbst nicht überzeugend.

Veröffentlicht am 03.10.2023

Langatmige Island Erzählung

60 Kilo Kinnhaken
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Die isländische Insel Segulfjörour ist nach der vierten erfolgreichen Heringssaison zum zweitgrößten Ort Nordislands herangewachsen. Für den jungen Waiser Gestur, der gerade volljährig geworden ist, bietet ...

Die isländische Insel Segulfjörour ist nach der vierten erfolgreichen Heringssaison zum zweitgrößten Ort Nordislands herangewachsen. Für den jungen Waiser Gestur, der gerade volljährig geworden ist, bietet der Fischerort eine Chance auf schnellverdientes Geld und eine neue Welt voller ungeahnter Möglichkeiten. Ohne das Wissen seines Ziehvaters verkauft er dessen Grundstück und findet Arbeit in der gerade errichteten Fischfabrik. Und auch seine Jugendliebe tritt erneut in sein Leben.

Mir war im Vorfeld leider nicht bewusst, dass es sich hierbei um den zweiten Teil der Island Saga handelt und vielleicht war es auch der Grund weshalb ich nicht so gut in die Geschichte hineingefunden habe. Was mir wirklich gut gefallen hat war das Setting. Island ist so ein faszinierender Ort und ein absolutes Traumziel von mir und der Autor schafft es teilweise sehr gelungen dieses Setting zum Leben zu erwecken. Es ist spannend mehr über das Land und die Leute und auch die Traditionen herauszufinden.

Was ich ebenfalls positiv erwähnen muss ist das Cover, welches mir mit seinen Farben unglaublich gut gefällt. Allerdings finde ich den Titel nicht schön gewählt und auch die Schriftart auf dem Cover lenkt zu sehr vom Motiv ab. Besonders die enorm große 60 nimmt das gesamte Bild ein. Ich weiß nicht was man sich dabei gedacht hat, aber ich bin definitiv kein Fan!

Die Handlung selbst fand ich etwas seltsam, weil mir nicht wirklich bewusst wurde was der Autor eigentlich möchte und oftmals wirkte es so, als wüsste er selber nicht was er mit dieser Geschichte erzählen muss. Wir folgen dem jungen Waisen Gestur, aber irgendwie hat mir einfach eine bessere Plotstruktur gefehlt. Alles hat recht wahllos gewirkt; es gab keine wirklichen Höhepunkte und irgendwie kam einfach keine Spannung auf.

Ebenfalls nicht gefallen hat mir der Schreibstil, aber ich bin mir nicht sicher, ob das vielleicht nicht vielmehr die Schuld der Übersetzung ist. Ich habe auf jeden Fall Schwierigkeiten gehabt in die Handlung hineinzufinden und war immer sehr schnell gelangweilt und wollte auch nicht wirklich weiterlesen. Es war ein ziemlicher Kampf mich durch die Geschichte zu arbeiten, da es auch ein wirklich dickes Buch ist. Und wie gesagt passiert halt leider wirklich nicht viel.

Ich bin am Ende mit vielen Fragen zurückgeblieben. In erster Linie wüsste ich gerne was der Autor mit dieser Geschichte eigentlich bezwecken würde. Und irgendwie werde ich das Gefühl nicht los meine Zeit verschwendet zu haben. Von mir gibt es daher leider keine Empfehlung.

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Veröffentlicht am 22.03.2022

Interessante Idee, mangelhafte Umsetzung

Die Wächterinnen von New York
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Inhalt:
Städte sind lebendig und suchen sich einen Avatar, wenn sie erwachen. Doch als New York erwacht läuft etwas schief und es werden fünf Wächter bestimmt. Einen Wächter für jeden Bezirk und so könnten ...

Inhalt:
Städte sind lebendig und suchen sich einen Avatar, wenn sie erwachen. Doch als New York erwacht läuft etwas schief und es werden fünf Wächter bestimmt. Einen Wächter für jeden Bezirk und so könnten die einzelnen Wächter nicht unterschiedlicher sein. Manny ist genau so wie man sich Manhattan vorstellt. Brooklyn ist eine ehemlaige Rapperin. Bronx ist eine Kuration. Und natürlich haben wir auch noch Queens und Staten Island, die ihrem Klischee genau entsprechen. Gemeinsam müssen sie gegen einen Feind kämpfen, der begonnen hat die Stadt zu vergiften.

Review:
N.K. Jemisin war mir vorher nicht bekannt, aber das Cover und die Inhaltsangabe haben mich direkt angesprochen. Das Cover ist zwar schlicht gestaltet, wirkt allerdings ein wenig futuristisch und auch der Titel hat mich neugierig gemacht. Vom Inhalt her versprach es ein großartiges Buch zu werden und ich war neugierig wie die Verkörperung der Städte umgesetzt werden würde. Voller Spannung habe ich mich daher auf die Geschichte gestürzt aber wurde recht ernüchternd zurück gelassen. Die Umsetzung ist sehr woke und verliert sich komplett daran das Thema Rassismus und Diskriminierung unter dem Deckmantel einer Sci-Fi Geschichte umzusetzen.

„Die Wächterinnen von New York“ ist ein ziemlich schlechter Liebesbrief an New York selbst. Es wimmelt nur so vor Witzen und Bemerkungen, die wohl nur ein echter New Yorker verstehen kannund so fühlt sich der Leser schnell recht verloren und ich habe gemerkt wie mein Interesse immer wieder abgedriftet ist. New York wird regelrecht auf ein Podest gehoben und das war mir manchmal fast schon etwas zuviel. Auch der Schreibstil hat da wenig geholfen, da die Autorin einen recht ungewöhnlichen Stil hat und ich daher nicht so ganz in die Geschichte hineingefunden habe. Ein paar Anspielungen finde ich noch okay, aber wenn es so viele werden, dass es den Leser stört dann ist definitiv etwas falsch gelaufen. Es wirkt fast so als wollte die Autorin den Leser absichtlich außen vor lassen, wenn man die Stadt nicht gut genug kennt. Einige Dialoge strotzen nur so von Stereotypen und obwohl ich schon immer nach New York wollte, hat die Autorin mir irgendwann fast schon die Lust daran genommen selber mal nach New York zu reisen.

Wie bereits erwähnt spielt das Thema Rassismus und Diskriminierung eine wichtige Rolle, was ich grundsätzlich großartig finden würde, da es ein Thema ist das uns alle betrifft und als solches auch unbedingt angesprochen werden sollte. Allerdings ist die Darstellung von N.K. Jemisin so voller Klischees und Vorurteile, das es mir den Spaß am lesen genommen hat. Die Bewohner von Staten Island werden als kleingeistige Republikaner dargestellt. Zudem ist es mehr als auffällig, dass alle weißen Charaktere in der Geschichte schlecht sind und alle PoC Charaktere gut sind. Allgemein spielt das Thema Hautfarbe eine unglaublich große Rolle und ads erste was bei jedem Charakter erwähnt wird ist eben dies. Und das wird dann auch bis aufs kleinste Detail ausgeführt. Und es wird natürlich immer wieder erwähnt wie schlecht und rassistisch und böse jeder einzelne der weißen Charaktere ist. Damit zeigt sich die Autorin genau so ignorant wie die Leute, die sie selber mit ihren Aussagen kritisieren will.

N.K. Jemisin versucht eine tiefgründige Geschichte zu schreiben und scheitert daran. Die Geschichte geht nur sehr langsam voran und es passiert sehr lange gar nichts, wodurch ich mich mehrmals gelangweilt gefühlt habe und mich zwingen musste weiter zu lesen. Ich hatte auch das Gefühl als würde sie einige Charaktere im Laufe der Geschichte aus den Augen verlieren, nur um sich dann am Ende wieder daran zu erinnern um sie dann zwanghaft mit einzubringen. Der Bösewicht der Geschichte ist ein klassicher Bilderbuch Bösewicht. Sie ist abgrundtief böse, hat keinerlei Tiefe und wird dadurch einfach unglaublich blass und nichtssagend. Auch das Magiesystem ist nichtssagend und wenig durchdacht und macht teilweise tatsächlich einfach überhaupt keinen Sinn.

Show, Don’t Tell ...das dürfte mittlerweile jedem ein Begriff sein, aber die Autorin hat davon offensichtlich noch nichts gehört. Das fällt bereits nach wenigen Kapiteln auf und steigert sich immer weiter. Ich fand den Schreibstil wirklich sehr durchschnittlich. Zudem greift die Autorin sehr auf Umgangssprache zurück wenn es zu den Dialogen etc. kommt und das war mir stellenweise auch etwas zu viel.

Alles in einem ist die Grundidee wirklich super, aber die Umsetzung konnte mich leider nicht überzeugen. N.K. Jemisin hätte so viel mehr aus dieser Idee rausholen können. Die Handlung war leider viel zu langweilig und ich mochte keinen der Charaktere, wodurch ich auch nicht mitfiebern konnte.

Fazit:
Interessante Idee, aber eine mangelhafte Umsetzung. Wer Sci-Fi liebt sollte lieber zu anderen Autoren greifen und dieses Buch meiden.

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Veröffentlicht am 08.03.2022

Lacey Flint 3

Ihr Blut so rein - Lacey Flint 3
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Lacey Flint geht in die dritte Runde! Ich hatte bei den Vorgängern Probleme in die Story hineinzufinden und dies hat sich bei "Like This For Ever" noch mal verstärkt. Es hat mich deutlich über 150 Seiten ...


Lacey Flint geht in die dritte Runde! Ich hatte bei den Vorgängern Probleme in die Story hineinzufinden und dies hat sich bei "Like This For Ever" noch mal verstärkt. Es hat mich deutlich über 150 Seiten gekostet, um langsam mit der Geschichte warm zu werden und ich kann selbst nicht wirklich sagen woran es gelegen hat. Die Kapitel haben mich einfach nicht gefesselt und mit der neuen Erzählsicht – aus Sicht eines kleinen Jungen – konnte ich mich ebenfalls nicht anfreunden. Allerdings breche ich normalerweise kein Buch ab und lese es stets bis zum Ende, sodass ich mich weitergekämpft hab. Positiv zu erwähnen wäre die Konstruktion des Falles. Sharon Bolton nimmt sich erneut eines schweren Themas an, den Morden an kleinen Kindern, und hat die öffentliche Panik sehr schön ausgearbeitet. Diesmal bin ich allerdings mit der Auflösung des Falles nicht ganz zufrieden und irgendwie hatte ich allgemein das Gefühl, dass der Roman alles in einem einfach nicht ganz stimmig ist.

CHARAKTERE
Nach den ersten beiden Romanen dürfte es kein Geheimnis mehr sein, dass ich die Ausarbeitung und Entwicklung der Charaktere für Sharon Boltons größte Schwäche halte! Und so blieb Lacey Flint auch in "Like This For Ever" mein Sorgenkind. Ich hatte das Gefühl die Autorin hätte durchaus vor Augen gehabt wie Lacey sich in den einzelnen Büchern entwickeln soll, aber die Umsetzung scheitert auf ganzer Linie. Lacey hat mit den psychischen und physischen Schäden von ihrem Undercover Einsatz in Cambridge zu kämpfen. Und genau diese Darstellung empfand ich als zu extrem. Die Autorin nimmt sich zuviel vor und rast mit voller Geschwindigkeit ans Ziel vorbei. In der ersten Hälfte des Romans ist Lacey nicht wieder zu erkennen, während sie dann in der zweiten Hälfte ganz die Alte ist. Zudem ist ihr Handeln während dem großen Showdown und mit ihrer Vorgeschichte absolut unglaubwürdig. Ich finde es nicht nachvollziehbar, dass sie nach allem was passiert ist noch immer so dumm und auf eigener Faust handelt.

Kommen wir zu einem weiteren Charakter mit dem ich immer größere Probleme bekomme. Dana Tulloch. Sympathisch war mir die Ermittlerin noch nie und dies hat "Like This For Ever" nur noch verstärkt. Ich konnte ihre Entwicklung einfach nicht nachvollziehen. Und dann setzt sich Dana auch noch in den Kopf, dass Lacey hinter den Morden steckt. Mal wieder! Dieser Konflikt hat mich wirklich genervt und jedes Mal wenn ein Kapitel aus ihrer Sicht kam, hätte ich es am liebsten übersprungen. Dafür entwickelt sich Mark Joesbury allerdings zum besseren. Diesmal erlebt der Leser ihn in der Rolle als Vater und dies hat ihn soviel sympathischer gemacht als jede einzelne Interaktion mit Lacey es je vermochte. Ich war zum ersten Mal wirklich auf seiner Seite und im ganzen Buch war er der einzig ertragbare Charakter.

"Like This For Ever" bringt eine Reihe neuer Charaktere mit. Einer von ihnen ist Barney, ein kleiner Junge, der neben Lacey wohnt. Und er brachte einige Probleme mit sich. Sein ganzes Handeln hat mich vielmehr an einen älteren Teenager erinnert, weshalb ich mich beim lesen immer wieder daran erinnern musste, dass er noch ein Junge ist. Natürlich gibt es Kinder, die für ihr Alter schon sehr erwachsen sind und bei Barney kommen auch noch gewisse andere Aspekte hinzu …aber selbst wenn ich all diese Punkte berücksichtigte, ist mir seine Darstellung immer noch nicht altersgerecht. Ein Problem, das sich auch bei seinem Freundeskreis gezeigt hat. Nachdem wir in den letzten Teilen über die Vergangenheit von Lacey und Evi gerätselt haben, ist es diesmal Barney, der einige Fragen aufwirft. Und ich weiß nicht ob es an mir lag, aber ich fand es sehr offensichtlich wohin uns die Autorin führt, sodass mich diese Auflösung ziemlich enttäuscht.

WELTENBAU
"Like This For Ever" führt uns wieder nach London. Doch bevor ich darauf eingehe, möchte ich einen kurzen Blick zurück werfen. "Dead Scared" ließ uns mitten in der Handlung fallen und überrascht den Leser mit einem gewaltigen Cliffhanger, welcher mir beim lesen recht bitter aufgestoßen ist. Aber wie die Autorin damit nun in der Fortsetzung umgeht hat mich tatsächlich ziemlich sauer gemacht. Wofür ein Cliffhanger, wenn dieser dann erstmal rigoros ignoriert wird? Dieser Versuch die Spannung zwanghaft aufrecht zu erhalten hat mir wirklich nicht gefallen. So sind wir nun aber zurück in London und diesmal spielt die Themse einen entscheidenden Ort. Hundertprozentig konnte mich das Setting nicht überzeugen, weil für mich beim lesen einfach keine Atmosphäre aufgekommen ist. Lediglich die Szenen mit Barney und seinen Freunden konnten mich dahingehend überzeugen. Ihr Versuch dem Täter auf die Spur zu kommen, hat die Tatorte aufleben lassen. Mir hat es auch gut gefallen, dass Sharon Bolton wieder die Medien berücksichtigt, die selbstverständlich bei einem Fall wie diesem automatisch zur Stelle sind.

Obwohl mir die Konstruktion des Falles durchaus gefallen hat, hatte ich irgendwie das Gefühl, dass Sharon Bolton im Vergleich zu den ersten beiden Lacey Flint Teilen etwas nachgelassen hat. "Now You See Me" hatten den unheimlich spannenden Jack the Ripper Aspekt und "Dead Scared" diese dunklen Horroraspekte, die fast schon an mystische Albträume erinnerten. Dieses besondere hat mir hier gefehlt. Der Leser folgt lediglich den Mordfällen, wie wir es in dutzenden anderen Büchern erleben. Für mich war "Like This For Ever" mehr Krimi als Thriller. Auch das hin und her hinsichtlich der Verdächtigen empfand ich diesmal eher krampfhaft.

Etwas verwirrt hat mich die Tatsache, dass nach diesem Teil noch ein weiterer folgen wird. Ich fand das Ende nämlich sehr rund und harmonisch, genau so wie man sich die finalen Augenblicke einer Reihe wünscht. Ich hoffe Sharon Bolton findet nach dem vierten Teil einen ähnlich guten Abschluss, aber bleib vorerst skeptisch.

SPRACHSTIL
Sharon Bolton schreibt in kurzen und präzisen Sätzen, ohne bildhafte Umschreibungen. Wie bereits in meinen vorherigen Rezensionen erwähnt fehlt mir bei der Autorin das gewisse Etwas. Ein Merkmal, das ihren Schreibstil auszeichnet und wieder erkennbar macht. Wie gewohnt teilt sich auch "Like This For Ever" in viele kurze Kapitel auf, in denen der Erzähler und die Perspektive regelmäßig wechseln. Ich bin diesmal mit allen Erzählern nicht warm geworden und besonders Barney hat mir am Anfang einige Schwierigkeiten bereitet. Für mich kam er stets mehr als Teenager rüber und auch seine Hintergrundgeschichte konnte mich nicht fesseln. Allgemein bin ich kein großer Fan, wenn Geschichten aus der Sicht von Kindern erzählt werden, aber wenn dann bitte glaubwürdig und altersgerecht. Laceys Sicht fand ich noch anstrengender zu lesen. Man hätte ihren inneren Konflikt wunderbar darstellen können und dieser Aspekt hat viel Potential geboten. Aber leider war er stattdessen unglaubwürdig. Ich hätte mir mehr Szenen mit ihrer Psychologin gewünscht, die uns einen direkten Einblick in Laceys Seelenwelt bieten.

COVER
Das Cover zu "Like This For Ever" passt wunderbar zu seinen Vorgängern und vermittelt die gleiche düstere und geheimnisvolle Atmosphäre. Zum ersten Mal bietet sich dem Leser eine Außenansicht und mal fühlt sich in eine fast schon dystopische Zukunft versetzt. Diesmal ist ein kleiner Junge zu sehen und auch der Ort ist passend zur Handlung gewählt. Das amerikanische Hardcover finde ich noch passable, während das deutsche Cover für mich wieder den letzten Platz belegt. Es harmonisiert nicht mit seinen Vorgängern und reiht sich in die lange Schlange nichtssagender Thrillercover ein. Warum man sich nicht wie beim ersten Teil an das Original gehalten hat bleibt mir ein Rätsel.

FAZIT
Lacey Flint lässt deutlich nach. "Like This For Ever" vermag zunächst nicht zu fesseln und braucht sehr lang um in Schwung zu kommen. Die Entwicklung der Charaktere war schwer nachvollziehbar und auch die Perspektivenwechsel konnten diesmal nicht zur Spannung beitragen. Der Fall ist gut konstruiert, aber weißt einige kleine Schwachstellen auf. Bleibt zu hoffen, dass der letzte Band der Reihe dies überbieten kann!

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Veröffentlicht am 08.03.2022

Der Schein.

Der Schein
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Eine Internatsstory auf einer geheimnisvollen Insel? Da konnte ich nicht widerstehen! Das Autorenduo Antje Wagner und Tania Witte – die nun zum ersten Mal gemeinsam als Ella Blix veröffentlichen – konnte ...

Eine Internatsstory auf einer geheimnisvollen Insel? Da konnte ich nicht widerstehen! Das Autorenduo Antje Wagner und Tania Witte – die nun zum ersten Mal gemeinsam als Ella Blix veröffentlichen – konnte mich überraschen, weil ich mir etwas ganz anderes unter der Geschichte vorgestellt hatte. Im Mittelpunkt steht die Entwicklung der Protagonistin Alina, welche nicht nur die Geheimnisse der Insel aufzudecken versucht sondern dabei auch mit ihrer eigenen Vergangenheit konfrontiert wird. "Der Schein" ist ein klassisches Kinder- und Jugendbuch, in welches man wunderbar abtauchen kann und dabei großartig unterhalten wird. Mich haben besonders die Lonelies begeistert, eine ungleiche Gruppe mit der sich Alina schnell anfreundet. Die unterschiedlichen Charaktere waren großartig und ich hätte mir gewünscht, dass deren Geschichten noch mehr im Fokus stehen, da ich mit Alina selbst leider nicht warm geworden bin. Das Geheimnis der Insel ist ab einem gewissen Punkt zwar vorhersehbar, aber trotzdem schaffen es die Autorinnen den Leser mehrmals zu überraschen und besonders das Ende konnte für vieles entschädigen!

CHARAKTERE
Die Charaktere in "Der Schein" sind liebevoll und individuell gezeichnet, wodurch es unglaublich Spaß macht der Geschichte zu folgen. Es gab tatsächlich nur einen Charakter, der mir letztendlich nicht wirklich gefallen hat und das war leider die Protagonistin. Ich konnte mich mit Alina einfach nicht anfreunden, was mehrere Gründe hatte. Zum einen fiel es mir schwer mich in sie hineinzuversetzen. Schubladendenken beherrscht ihre Gedanken und sie beurteilt jeden direkt nach seinem Aussehen. Nur um dann festzustellen, dass sie damit komplett falsch liegt. Daraus lernt sie jedoch nicht und so geht es immer weiter, bis sie erst ganz am Ende feststellt damit wohl falsch zu liegen. Obwohl ich durchaus verstehen kann, was die Autorinnen dem Leser damit vermitteln wollen, war es auf Dauer anstrengend zu lesen. Zudem wird die Handlung mehrmals von Alina selbst aufgehalten. Natürlich kann ein Rätsel nicht sofort gelöst werden, aber es gab so viele Stellen an denen Alina etwas nur hätte hinterfragen müssen und schon wäre sie viel weiter. Stattdessen lässt sie sich immer ablenken, denkt nie etwas zu Ende und wirkt manchmal etwas schwer von Begriff. Als Leser hätte ich sie einige Male am liebsten geschüttelt, damit sie einer Spur endlich mal folgt anstatt nachzugeben.

Aber jeder Leser hat einen anderen Geschmack und ich wurde dafür mit großartigen Nebencharakteren versöhnt. Sehr toll fand ich wie viele Klischees die Autorinnen mit ihren Charakteren brechen. Es gibt Gigi, der hetero ist aber gerne Frauenkleider trägt. Cara, die ständig rosa trägt und etwas fülliger ist, aber sich als unglaublich tough herausstellt. Oder Mareike-Helene, die wie eine zweite Blair Waldorf rüberkommt, aber stattdessen eher eine kleine Mary Poppins ist. Die Lonelies haben mir – bis auf Lexi – unglaublich gut gefallen und ich fand die Dynamik innerhalb der Clique wirklich toll. Obwohl sie nicht unterschiedlicher sein könnten, verbindet sie eine enge Freundschaft, die sich durch tiefe Loyalität auszeichnet. Davon wird der Leser mehrmals Zeuge und ich finde es schön wie die Autorinnen viele moralische Grundsätze in die Handlung einfließen lassen. Der Charakter mit dem meisten Potential, wovon aber leider viel verschenkt wird, ist Tinka. Sie erhält lange Zeit nur kurze Gastauftritte und ihre Rolle bleibt lange im Unklaren. Allgemein hat es den Nebencharakteren für meinen Geschmack an eigenen Handlungssträngen gemangelt und ich hätte es großartig gefunden wenn ihnen eine wichtigere Rolle zugekommen wäre.

WELTENBAU
"Der Schein" spielt auf der fiktiven Ostseeinsel Griffiun. Die Berlinerin Alina muss für ein halbes Jahr das dortige Internat Hoge Zand besuchen und damit bietet sich die perfekte Kulisse für einen Jugendroman. Ich liebe Internatsgeschichten und für meinen Geschmack hätte das Internatsleben noch mehr im Vordergrund rücken dürfen, da wir letztendlich nur kurze Einblicke in das Leben dort erhalten. Das Naturschutzgebiet spielt eine noch wichtigere Rolle und dieses war wirklich schön beschrieben. Ich konnte mir die Natur und die wilde See dort gut vorstellen und hatte selbst das Gefühl am Meer zu stehen. Der Leser wird direkt am Anfang mit einigen Rätseln konfrontiert, aber diese werden tatsächlich erst zum Ende hin geklärt. Dadurch muss die Spannung sehr lange aufrecht erhalten werden, was in meinen Augen nur mittelmäßig gelungen ist. Der Mittelteil war für meinen Geschmack etwas zu langatmig und erschien wie ein kleiner Durchhänger. Es gibt immer wieder Rückblicke und damit verbundene Tagebucheinträge in Alinas Vergangenheit und die haben den Lesefluss etwas gestört.

Im Gegensatz dazu steht das bombastische Finale! Das konnte mich wirklich begeistern und würde ich nur den Endteil bewerten, gäbe es von mir die volle Punktzahl. Ich finde die Idee hinter dem Roman unglaublich faszinierend und spannend. Leider wird das Potential durch die Geheimniskrämerei verschenkt und der Leser erhält somit nur einen kleinen Einblick hinter die Kulissen. Das finde ich besonders schade, weil sich bereits sehr früh erahnen lässt in welche Richtung die Autorinnen gehen wollten. Ich hätte es toll gefunden, wenn die Hintergründe für den Leser bereits früher offenbart worden wären und man daraus einen zweiten Handlungsstrang aus der Sicht von Tinka gemacht hätte. Damit wären auch viele Fragen geklärt worden, die am Ende noch offen gelassen werden. Obwohl das Buch in sich abgeschlossen ist, würde sich durchaus Potential für eine Fortsetzung bieten.

SCHREIBSTIL
Bei einem Autorenduo fragt man sich automatisch, ob man der Geschichte die zwei unterschiedlichen Erzählstimmen anmerken wird. Antje Wagner und Tania Witte verschmelzen aber vollkommen zu Ella Blix und würde man es nicht besser wissen, könnte man meinen das Buch wäre nur von einer Person geschrieben. Ich finde es bewundernswert, wenn zwei Autoren miteinander harmonieren und dabei auch noch ein so gelungener Schreibstil bei herauskommt. "Der Schein" überzeugt mit locker, flüssiger Erzählstimme und es fällt leicht in die Geschichte abzutauchen. Aufgelockert wird dies durch Tagebucheinträge der Protagonistin, aus deren Sicht die Handlung auch erzählt wird. Ich hätte es interessant gefunden, wenn mehrere Erzähler zu Wort gekommen wären, da es unglaublich viele interessante Charaktere gibt, deren Sichtweisen interessant gewesen wären. Besonders Tinka wäre eine faszinierende Erzählerin gewesen, wenn man die Handlung anders aufgerollt hätte. Das hätte "Der Schein" für mich zu einem absoluten Highlight gemacht! Einziger Negativpunkt war die Jugendsprache, die für meinen Geschmack zu präsent war und den Lesefluss mehrmals stört.

COVER
Das Cover ist ein absoluter Eyecatcher! Durch den schwarzen Hintergrund sticht die goldene Prägung erst richtig hervor. Ich liebe den schimmernden Effekt und auch im Buchregal macht sich dieses Schmuckstück großartig. Während der Titel auf dem Buchrücken in großen, roten Lettern prangt, ist er auf der Vorderseite zum Glück dezent gehalten und fügt sich perfekt ein. Stattdessen findet sich das Wort Schein in geschwungenen goldenen Schnörkeln wieder, welches erst beim erneuten Hinschauen auffällt. Die Gestaltung ist wirklich liebevoll und ich hätte mir gewünscht, dass sich davon auch etwas im Buch selbst wiederfindet. Ich hätte eine Karte von Griffiun gewünscht, um die geografischen Details noch besser nachvollziehen zu können.

FAZIT
"Der Schein" ist ein unterhaltsames, kurzlebiges Abenteuer. Begeistern können besonders die individuellen Charaktere und der locker, flüssige Schreibstil. Während der Spannungsaufbau im Mittelteil etwas nachlässt, ist das Ende mitreißend und lässt auf eine Fortsetzung hoffen. Die Grundidee ist faszinierend und hätte gerne noch mehr im Vordergrund stehen dürfen!

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