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blumenkind_93

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 05.02.2026

Hin- und hergerissen

Schleifen
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„Schleifen“ von Elias Hirschl ist ein Buch, das man vor allem wegen seiner Sprache liest. Viele Sätze sind sehr schön formuliert, genau beobachtet und wirken lange nach. Man merkt, dass hier jemand schreibt, ...

„Schleifen“ von Elias Hirschl ist ein Buch, das man vor allem wegen seiner Sprache liest. Viele Sätze sind sehr schön formuliert, genau beobachtet und wirken lange nach. Man merkt, dass hier jemand schreibt, der Sprache ernst nimmt und Freude daran hat, mit ihr zu arbeiten. Auch thematisch hat mich der Roman angesprochen: Es geht um Wiederholungen, das Kreisen um sich selbst, um Unsicherheiten und Gedanken, die nicht zur Ruhe kommen. Das fühlt sich zeitgemäß an und ist gut getroffen.
Trotzdem bin ich beim Lesen immer wieder etwas ratlos zurückgeblieben. Je weiter man kommt, desto mehr fragt man sich, was das Buch eigentlich will. Es gibt viele kluge Überlegungen, Reflexionen und Anspielungen, aber sie führen nicht klar irgendwohin. Das kann interessant sein, wirkt aber stellenweise auch selbstverliebt.
Man hat den Eindruck, dass der Text vor allem zeigen möchte, wie schlau Hirschl ist. Der Autor beweist immer wieder, wie gut er denken und formulieren kann, doch dabei geht etwas verloren: eine klare Richtung oder ein emotionaler Kern, an dem man sich festhalten könnte. Dadurch entsteht eine Distanz, die es schwer macht, sich mitreißen zu lassen.
„Schleifen“ ist ein sprachlich starkes Buch. Am Ende bleibt für mich ein gemischter Eindruck: ein sehr gut geschriebenes Buch mit einem interessanten Thema, das mich erreicht, aber nicht ganz überzeugt. Es bleibt unklar, was es außer seiner eigenen Klugheit eigentlich vermitteln möchte.

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Veröffentlicht am 26.09.2022

Gemischte Gefühle

Anleitung ein anderer zu werden
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Édouard Louis ist 1992 geboren, das heißt: gerade mal 30 Jahre alt. Dennoch schreibt er, als hätte er ein langes, beschwerliches Leben hinter sich, das unumkehrbar in eine Richtung gegangen ist. In seinem ...

Édouard Louis ist 1992 geboren, das heißt: gerade mal 30 Jahre alt. Dennoch schreibt er, als hätte er ein langes, beschwerliches Leben hinter sich, das unumkehrbar in eine Richtung gegangen ist. In seinem autobiographischen Roman „Anleitung, ein anderer zu werden“ schreibt er über seine Flucht aus seinem französischen Heimatdorf, vor seinem Vater, vor dem Mobbing wegen seiner Homosexualität, vor der Klasse, in die er hineingeboren wurde. Er träumt vom Aufstieg in die Welt der Künstler:innen und „Lebemänner“, des vornehmen Essens und der Wollust – und er schafft es. Aber er zahlt dafür einen Preis. Er trennt sich von seiner besten Freundin, bricht mit seiner Familie, zieht in die Großstadt Paris, schlägt sich durch.
Meine Meinung darüber: Der junge Mann wirkt einerseits, als hätte er es endlich „geschafft“, auszubrechen. Andererseits scheint er einiges zu bereuen und zu vermissen. Mit 30 Jahren ist das Leben nicht vorbei, und er könnte noch immer einiges aus seinem Leben machen. Der Roman hat mir insgesamt sehr gut gefallen, mich aber auch melancholisch gestimmt.

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Veröffentlicht am 06.12.2023

Viel Fiction, wenig Science

Pionéa Loop
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Unter dem Titel „Pionéa – Loop“ kann man sich erstmal eigentlich gar nichts vorstellen. Meiner Meinung nach steckt ein Science Fiction-Roman dahinter – mit viel Fiction und ganz wenig Science.
Die Freunde ...

Unter dem Titel „Pionéa – Loop“ kann man sich erstmal eigentlich gar nichts vorstellen. Meiner Meinung nach steckt ein Science Fiction-Roman dahinter – mit viel Fiction und ganz wenig Science.
Die Freunde Jay und Alan, die Zwillingsschwestern Liya und Raya, das frisch verheiratete Paar Saskia und Jarne und Pionéa, die ihren Freund Angus treffen will, machen unabhängig voneinander eine Reise nach Korsika. Doch sie finden sich in einem „Loop“ wieder. Dieser hat anscheinend etwas mit „Herzenergie“ von einem tibetischen Mönch zu tun, aber auch mit Raum-Zeit-Krümmung – ganz verstanden habe ich es ehrlich gesagt nicht.
Der Stil ist gewöhnungsbedürftig. Recht oft spielt der Autor Lucas Martainn mit Redewendungen und abgedroschenen Floskeln. Das zeugt nach meinem Erwachten von wenig Kreativität. Besonders seltsam fand ich, dass ein Charakter erst scheinbar (fast) nur in Sprichwörtern redet, dann aber plötzlich damit aufhört. Vielleicht war das eine Stilform, die ich nicht verstanden habe – jedenfalls recht nervig.
Die Grundidee zu dem Buch finde ich jedenfalls spannend. Ich denke, die Reihe darf und soll noch wachsen und bin trotz geteilter Meinung gespannt auf die weiteren Teile!

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Veröffentlicht am 13.09.2022

Ein Mann, der kein "Nein" versteht

Ich verliebe mich so leicht
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Der Roman „Ich verliebe mich so leicht“ von Hervé Le Tellier macht erst einen spannenden Eindruck: ein einsamer, reflektierter Mann, der darüber nachdenkt, wieso er sich immer zu schnell verliebt; eine ...

Der Roman „Ich verliebe mich so leicht“ von Hervé Le Tellier macht erst einen spannenden Eindruck: ein einsamer, reflektierter Mann, der darüber nachdenkt, wieso er sich immer zu schnell verliebt; eine feinfühlige Geschichte über die Liebe; eine Frau, die weiß, was sie will; die wilde Landschaft der schottischen Highlands… Leider geht es in der Kurzgeschichte einfach nur um einen älteren Mann, der zum wiederholten Mal die Abweisung einer jüngeren Frau nicht gelten lassen will. Die Geschichte wird auch nur aus seiner Sicht erzählt. Dieser Mann ist kein Held, kein unglücklich Verliebter, sondern ein aufdringlicher Kerl, der kein „Nein“ versteht. Letztlich finde ich den Roman nicht „geistreich“ und „feinfühlig“, sondern einfach belanglos und langweilig.
Eines muss man dem Buch zu Gute halten: Der sprachliche Stil und die Erzählperspektive hat mir sehr gut gefallen.

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