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MelaK

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 07.04.2017

Ein Bild, zwei Frauenschicksale - wunderbar erzählt

Das letzte Bild der Sara de Vos
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Sara de Vos ist eine begnadete Malerin des 17. Jahrhunderts und die erste Frau, die in die Amsterdamer Meistergilde aufgenommen wird. Sehr feinfühlig erzählt der Autor in einem Handlungsstrang ihr hartes ...

Sara de Vos ist eine begnadete Malerin des 17. Jahrhunderts und die erste Frau, die in die Amsterdamer Meistergilde aufgenommen wird. Sehr feinfühlig erzählt der Autor in einem Handlungsstrang ihr hartes und vom Schicksal gebeuteltes Leben. Das einzig bekannte von ihr bis dahin erhaltene Bild "Am Saum eines Waldes" befindet sich seit Jahrhunderten im Familienbesitz der Familie de Groot. 1957 wird es aus dem Schlafzimmer von Marty de Groot gestohlen. Nur durch Zufall bemerkt er den Diebstahl, denn die Kopie, durch die das Original ersetzt wurde, ist nahezu perfekt.
Er engagiert einen Privatdetektiv, der herausfindet, dass die junge Kunststudentin Ellie Shipley das Bild kopiert hat. Er engagiert und umwirbt sie, ohne sie über seine eigentliche Intention aufzuklären.
Ellie verliebt sich in den eleganten, sehr aufmerksamen und deutlich älteren de Groot. Er jedoch ist zwiegespalten, hat er doch ihren Betrug vor Augen.
Zutiefst enttäuscht bricht Ellie ihre Zelte ab und flieht nach Australien, wo sie ein neues Leben beginnt.
Im Jahr 2000 treffen Bild, Fälschung, Ellie und Marty wieder aufeinander.

In drei Handlungssträngen erzählt Dominic Smith die Lebensgeschichten von Sara und Ellie, zweier leidenschaftlicher, talentierter Frauen, die sich ihrem Schicksal stellten und am Ende Frieden damit schließen konnten.

Fesselnde, authentische Charaktere, interessante Hintergrundinformationen über das Malen in Öl, die Restaurierung, das Kopieren und die Gilden des 17. Jahrhunderts machten diesen wunderschön geschriebenen Roman zu einer spannenden Reise, die mich vom ersten bis zum letzten Augenblick gefesselt hat.

Veröffentlicht am 23.03.2017

Ein sehr gut durchdachtes Bastelbuch

Made at Home Vol. 2 - Frühjahr & Sommer
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Was mir sofort ins Auge gesprungen ist, als ich das Buch in die Hand nahm, war das praktische Format und die Gestaltung als Ringbuch. Man kann das Buch aufgeklappt vor sich hinlegen und hat beide Hände ...

Was mir sofort ins Auge gesprungen ist, als ich das Buch in die Hand nahm, war das praktische Format und die Gestaltung als Ringbuch. Man kann das Buch aufgeklappt vor sich hinlegen und hat beide Hände frei für's Basteln. Perfekt. Einfach und genial. Das würde ich mir auch mal bei Kochbüchern wünschen.
Zweiter Pluspunkt: Die übersichtliche Einteilung in Kategorien wie z.B. Ostern, Mutter- und Vatertag, Sommer u.v.m.. In jeder Kategorie gibt es dazu reichlich Platz, um eigene Ideen und Pläne und Verbesserungen einzutragen.
Das benötigte Material für die einzelnen Bastelarbeiten ist überschaubar. Oft finden ausrangierte Gegenstände eine neue Bestimmung. Auch sind die Anleitungen gut verständlich, wenn auch einiges an eigener Kreativität und Erfahrung vorausgesetzt wird. Aber genauso soll es meiner Meinung nach aus sein. Vorlagen sind im Buch reichlich vorhanden, können herausgetrennt oder kopiert werden. Zusätzlich gibt es Kopiervorlagen als Downloads.
Man merkt, dass sich die Autorinnen Laura und Tine sehr viele Gedanken zu diesem Buch gemacht haben. Toll finde ich auch die variantenreiche Auswahl an Bastelideen. Das ist in vielen anderen Bastelbüchern nicht so. Da wird häufig das immer wieder gleiche Thema in verschiedenen Ausführungen durchgekaut, nur um ein Buch voll zu bekommen.

Auch wenn mir nicht alle Bastelmöglichkeiten gefallen haben, so ist dieses Buch doch ein unglaublicher Ideenpool, in den ich immer wieder gerne springen werde. Ein großes Lob und fünf Sterne von mir.

Veröffentlicht am 23.03.2017

Wortgewaltig, mitreißend, gefühlvoll

Wir sehen uns am Meer
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Liat, eine junge Israelin aus Tel Aviv, lernt in New York zufällig Chilmi, einen Palästinenser aus Ramallah kennen. Er ist Künstler, der in seinen Bildern auch die Geschehnisse in seiner Heimat aufarbeitet. ...

Liat, eine junge Israelin aus Tel Aviv, lernt in New York zufällig Chilmi, einen Palästinenser aus Ramallah kennen. Er ist Künstler, der in seinen Bildern auch die Geschehnisse in seiner Heimat aufarbeitet.
Beide verlieben sich heftig ineinander.
Doch vor allem Liat kämpft schwer mit sich. Sie sieht ihre Beziehung als eine Liebe auf Zeit. Wenn sie nach Israel zurückkehrt, wird diese Geschichte enden müssen. Sie hält Chilmi vor ihrer Familie geheim, worunter er sehr leidet.
Immer wieder geraten sie deswegen und auch wegen ihrer unterschiedlichen Sichtweisen, die Konflikte in ihrer Heimat betreffend, in Streit.
Doch ihre Liebe ist stark....

"Wir sehen uns am Meer" von Dorit Rabinyan hat mich umgehauen.
Die Sprache ist gewaltig, bildreich und poetisch. Sie zeichnet die Personen sehr genau, lässt uns mit ihrer emotionalen Sprache teilhaben an ihren Gefühlen und Sehnsüchten.
Chilmis und Liats unterschiedliche Sichtweisen und auch die ihres Freundes- und Familienkreises machen die Perspektivlosigkeit im Konflikt der beiden Völker deutlich. Dennoch lassen sie sich aufeinander ein und versuchen den anderen zu verstehen. Liebe kennt keine Grenzen.

Ein großes Buch, das einen mitreißt und betroffen macht.

Veröffentlicht am 23.03.2017

Unnormal Genial

Mein Leben, mal eben
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Anouk ist ein dreizehnjähriges Mädchen, mit zwei Müttern Mama Miriam (MaMi) und Mama Beatrix (Matrix). Sie hat auch sowas wie einen Vater (Samenspender), Philipp heißt er und ist Metalmusiker. Er nennt ...

Anouk ist ein dreizehnjähriges Mädchen, mit zwei Müttern Mama Miriam (MaMi) und Mama Beatrix (Matrix). Sie hat auch sowas wie einen Vater (Samenspender), Philipp heißt er und ist Metalmusiker. Er nennt sie "Lieblings-Anouk", ist der beste Freund der Mamas, und verbringt schon mal den Urlaub und eigentlich auch jedes Weihnachten mit ihnen.
Anouk hat sich für das neue Schuljahr einiges vorgenommen. Sie glaubt ein "Unnormalgen" zu haben, dabei will sie nur sein wie alle anderen. Drum hat sie sich eine Liste geschrieben, was in diesem Jahr alles anders werden muss.
Wie das Leben so spielt, läuft das aber alles nicht so, wie sie sich das vorgenommen hat, den da gibt es Moritz, der wie sie Metal liebt und mit ihr zusammen einen Song schreibt, der ihr Vorhaben gewaltig auf den Kopf stellt und es gibt Lore, die nach Missverständnissen nichts mehr mit ihr zu tun haben will. Aber, wie kann es anders sein, miteinander reden und die Bereitschaft, den anderen verstehen zu wollen, und sich selbst und den anderen anzunehmen, wie er ist, ist der Schlüssel.
Diese ganze herrliche Geschichte erfahren wir in Form von Anouks Memoiren, die in einer herrlich unkonventionellen Sprache, mit vielen Klammern (rund und eckig) und Schriftwechseln (Form und Größe) durchsetzt sind. Interessanterweise geht dadurch keine bisschen an Tempo und Flüssigkeit verloren, sondern es macht die Geschichte nur jugendlicher und peppiger.
Nikola Huppertz hat mit "Mein Leben mal eben" ein Plädoyer für den Mut zum Anderssein und für Toleranz geschrieben und das ohne auch nur einmal den Zeigefinger zu erheben.
Jeder Mensch ist einzigartig und hat ein Recht darauf, zu leben, wie er es für richtig hält. Was für eine wunderbare Botschaft für junge Menschen auf der Suche.
Das ganze ist auch noch in eine traumhaft schönes Cover (mit einem Paradiesvogel und Origamivögeln) verpackt, mit einer rückwärtigen Klappe, die die Seiten umfängt und schützt.

Ein wunder-, wunder- wunderschönes Jugendbuch.

Hell yeah!

Veröffentlicht am 06.12.2023

Sehr lehrreich und anspruchsvoll

Welt in Aufruhr
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Wie wird die Weltordnung im 21. Jahrhundert aussehen? Auf diese Frage versucht Herfried Münkler in seinem Buch WELT IN AUFRUHR die Antwort zu geben. Die Welt von Freunden, wie wir sie nun seit Jahrzehnten ...

Wie wird die Weltordnung im 21. Jahrhundert aussehen? Auf diese Frage versucht Herfried Münkler in seinem Buch WELT IN AUFRUHR die Antwort zu geben. Die Welt von Freunden, wie wir sie nun seit Jahrzehnten kennen, ist in weite Ferne gerückt. Kriege, v.a. in der Ukraine, haben die Weltordnung aus dem Gleichgewicht gebracht. Wie kann eine neue Weltordnung aussehen, welche Mächte und wie viele werden dabei eine tragende Rolle übernehmen? Wie stark werden geopolitische Aspekte gegenüber weltpolitischen Vorstellungen an Gewicht gewinnen?
Herfried Münkler holt weit aus und beschreibt detailliert, um die Weltordnung, wie sie sich entwickelte und wie sie sich vermutlich entwickeln wird, aufzuzeigen und zu erklären.
Das hat mir ganz neue Sichtweisen eröffnet und lässt mich nun viel differenzierter auf Entwicklungen schauen. Nicht selten habe ich auch das ein oder andere Fremdwort nachschlagen müssen, ist die Sprache des Autors doch anspruchsvoll und sein Wissen über Politik schier unerschöpflich.

Dieses Buch hat mich bereichert und wohl auch etwas reflektierter und klüger gemacht hat. Ich bin sehr froh, dass ich dem Autor auf seiner lehrreichen Gedankenreise folgen durfte.

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