Margas wundersame Reise zu sich selbst
Das Lied der BieneDie weibliche Protagonistin in „Das Lied der Bienen“ ist die Anfang vierzigjährige Marga. Sie möchte eigentlich ihren langjährigen Job als Haushaltshilfe bei Paul kündigen. Doch als dessen Lebensgefährtin ...
Die weibliche Protagonistin in „Das Lied der Bienen“ ist die Anfang vierzigjährige Marga. Sie möchte eigentlich ihren langjährigen Job als Haushaltshilfe bei Paul kündigen. Doch als dessen Lebensgefährtin unerwartet stirbt, ändert sie ihre Meinung, auch, weil sie Paul nun nicht im Stich lassen möchte in dieser schwierigen Zeit der Trauer. Da sie selbst schon einen geliebten Menschen verloren hat und deshalb sehr gut nachvollziehen kann, was Paul durchmacht, schreibt sie ihm anonym eine Email, in der sie ihn tröstet und ihm schöne Worte schenkt. Er ist zunächst irritiert, antwortet dann aber doch. Langsam entwickelt sich durch den sehr emotionalen Schriftverkehr eine regelrechte Annäherung zwischen den beiden, ohne dass Paul weiß, wer sich als Absenderin hinter den Emails verbirgt. Beiden tut der Austausch gut, doch es kommt, was kommen muss: Durch einen dummen Zufall erfährt Paul, dass Marga die Emails geschrieben hat, und ist völlig außer sich, das unsichtbare Band, das sich zwischen beiden entwickelt hat, scheint zu zerreißen…
Marga ist eine wundervolle Frau, die oftmals im Leben einfach nur funktionieren musste. Dabei hat sie sich selbst vergessen, sie ist lange Zeit untätig und lässt ihr Leben an ihr vorbeiziehen, ohne selbst aktiv zu werden, doch das ändert sich im Laufe der Geschichte aus unterschiedlichen Gründen und das ist richtig gut! Paul ist auch ein sehr liebenswürdiger Mensch, der sehr gefühlvoll sein kann, wenn er aus seiner Haut kann.
Neben Marga und Paul spielen auch noch weitere Personen eine große Rolle. Conny, die Tochter von Marga, ist eine selbstbewusste Frau, die ihren Weg gehen und sich von ihrer Mutter nichts sagen lassen will, auch wenn es nur gut gemeinte Tipps sind. Sie wirft ihrer Mutter Trägheit vor und verachtet deren langweiliges Leben. Das ist ziemlich hart, jedoch macht sich Marga viele Gedanken, was u. a. dazu führt, dass sie langsam, aber sicher aus ihrem Schneckenhaus herauskommt und sich so einiges traut. Inga, die Stieftochter von Paul, mischt die Geschichte auch ganz schön auf, sie wiederum bringt ihren Stiefvater ganz schön ins Straucheln. Amüsiert habe ich mich über Kirsten und Eva, zwei Freundinnen von Marga, die unterschiedlicher nicht sein können, aber liebevoll sind, v. a. wenn es darum geht, sich gegenseitig zu unterstützen – solche Freundinnen wünscht man sich fürs Leben.
Das Cover mit seiner warmen Farbgebung und seiner Haptik sticht im Buchhandel gleich raus und hat mich direkt angesprochen. Das Titelbild hat mich gedanklich sofort in den Sommer versetzt und ich finde, dass das Buch auch gut in die Jahreszeiten Frühling und Sommer passt. So unscheinbar die Biene auch auf dem Cover ist, sie spielt in dem Buch durchaus eine große Rolle!
Der Schreibstil hat mich sehr angesprochen. Meistens wird aus der Sicht von Marga erzählt, jedoch gibt es auch ab und zu einen Perspektivenwechsel, was ich sehr interessant finde. Die Kapitel haben eine schöne Länge und das Buch liest sich wirklich ganz toll. Es sind viele wirklich sehr schöne Sätze enthalten, die einem regelrecht unter die Haut gehen, wie z. B. „Das Leben schenkt uns einen weiteren Tag“ sowie die Geschichte dahinter.
Gabriela Groß war mir bis dahin unbekannt, aber ich habe durch dieses Buch einen richtigen „Zugang“ zu ihr bekommen und es wird sicherlich nicht das einzige Buch sein, das ich von ihr lese. Ihre Art zu schreiben hat mich absolut fasziniert. Sie ist so feinfühlig und emotional und genau das bringt sie in dieser Geschichte rüber. Das Buch ist eine richtige schöne Sommerlektüre, es liest sich wunderschön und hat mich bis zum Schluss gefesselt. Außerdem weckt es die Reiselust, weil eine Passage in Lissabon spielt, man fühlt sich, als wäre man dabei und erhält viel Detailwissen über Portugal. In dem beschriebenen Hotel würde ich zu gerne mal einchecken. In diesem Buch sind so viele emotionale Momente darin, dass einem eigentlich dauernd warm ums Herz wird. Durch die Entwicklung der Figuren wurde mir der Anstoß gegeben, über viele Dinge in meinem Leben nachzudenken und das finde ich schon etwas Besonderes, das kommt nicht oft vor, wenn ich ein Buch lese. Es hat mich in der Tiefe berührt und obwohl das Thema Trauer sehr zentral ist, hat es mich richtig glücklich gemacht. „Das Lied der Biene“ ist für mich ein absolutes Highlight in diesem Jahr und ich kann es uneingeschränkt und von Herzen nur empfehlen.
Ich hatte das Glück, dieses Buch in einer Leserunde zu lesen und ich muss sagen, das war die beste Leserunde, die ich bis jetzt erlebt habe, denn die Autorin hat sie persönlich begleitet. Das hat sie so toll, mit so viel Engagement und Herzblut gemacht, das kann man gar nicht mehr toppen! Vielen lieben Dank für dieses Buch, liebe Gabriela, und für deine tolle Begleitung in der Leserunde! Ich hoffe, dass es, angeregt durch unsere vielen Gedanken, vielleicht doch einen Fortsetzungsband gibt.