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Veröffentlicht am 01.10.2017

feinfühlig, emotional, authentisch

Das Glück hat vier Farben
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Von Anfang an bekommen wir einen guten Einblick in Flannerys Leben. Sie hat es nämlich nicht leicht. Sie wohnt mir ihrer Mutter und ihrem kleinen Bruder in einer Sozialwohnung, ihren Vater kennt sie nicht. ...

Von Anfang an bekommen wir einen guten Einblick in Flannerys Leben. Sie hat es nämlich nicht leicht. Sie wohnt mir ihrer Mutter und ihrem kleinen Bruder in einer Sozialwohnung, ihren Vater kennt sie nicht. Die Mutter ist Künstlerin und ihre unkonventionellen Projekte bringen kaum Geld ein. Und wenn sie doch einmal Geld hat, gibt sie es lieber für völlig Unvernünftiges aus als zum Beispiel die Stromrechnungen oder das Biobuch, das Flannery dringend für die Schule braucht, zu bezahlen.

So muss Flannery schon viel mehr Verantwortung übernehmen, als es es für eine 16-jährige sein sollte. Dazu kommt, dass ihre beste Freundin plötzlich lieber die Zeit mir ihrem Freund verbringt, der wohl ein Keil zwischen die beiden Mädchen treiben möchte. Einziger Lichtblick ist Tyron, den Flannery schon immer kennt und in den sie total verliebt ist.

Als sie dann mit ihm zusammen ein Schulprojekt auf die Beine stellen soll, hat sie grosse Hoffnungen. Schnell muss sie jedoch erkennen, dass sich Tyron wirklich stark verändert und ganz andere Prioritäten hat als sie.

Wenn man die Inhaltsangabe von "Das Glück hat vier Farben" liest, erwartet man eine süsse Liebesgeschichte mit der witzigen Idee, bei einem Schulprojekt Liebestränke zu produzieren, die in der Schule dann einen regelrechten Hype auslösen. Und ja, zu einem Teil erfüllt Lisa Moore auch diese Erwartungen. Doch die Mixturen-Sache kommt erst recht spät ins Spiel und die ganze Geschichte ist nicht wirklich süss, sondern holt einen ganz schnell auf den Boden der Tatsachen zurück.

Dies ist meiner Meinung nach jedoch kein grosser Kritikpunkt, denn Flannerys Geschichte ist ernster und tiefgründiger als man erwarten würde und so bietet "Das Glück hat vier Farben" viel mehr. Es geht um eine Familie, die trotz Problem zusammen hält wie Pech und Schwefel. Es geht um Freundschaften, die sich verändern und dass nicht jeder Lebensabschnitt, jedes Buch mit einem Happy End abschliessen muss, sondern dass es vor allem darum geht, welche Lebenserfahrungen man daraus zieht.

Lisa Moore Schreibstil ist angenehm und erfrischend zu lesen und enthält oft einen ironischen Beigeschmack. Auch wenn "Das Glück hat vier Farben" ausschliesslich aus Flannerys ich-Perspektive geschildert ist, setzt sich die Handlung aus ganz vielen kleinen Geschichten um die verschiedenen Charaktere zusammen, was das Buch zu etwas Besonderem macht.

Fazit:
feinfühlig, emotional, authentisch
"Das Glück hat vier Farben" ist so viel mehr als die erwartete süsse Liebesgeschichte. Lisa Moore beginnt ihre Geschichte ganz schlicht, bringt dann jedoch immer mehr kleine Geschichten rund um ihre lebensnahen und facettenreichen Charaktere ein, so dass die Handlung immer komplexer und scharfsinniger wird und einen richtigen Lesesog ausübt.
Ein Buch, wie es das Leben schreibt.

Veröffentlicht am 28.08.2017

fürs allereste Lesen

Juli Löwenzahn. Zwei Freunde und das größte Abenteuer der Welt
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Es gibt sehr viele Erstlesereihen, "Der Bücherbär" aus dem Arena Verlag konnte mich als Mutter und auch meine Tochter bisher immer begeistern. "Juli Löwenzahn. Zwei Freunde und das grösste Abenteuer der ...

Es gibt sehr viele Erstlesereihen, "Der Bücherbär" aus dem Arena Verlag konnte mich als Mutter und auch meine Tochter bisher immer begeistern. "Juli Löwenzahn. Zwei Freunde und das grösste Abenteuer der Welt" von Andreas H. Schmachtl gehört als Mein LeseBilderbuch zur ersten Lesestufe und richtet sich schon an Kinder im Vorschulalter.

Hier werden nämlich Nomen durch Bilder ersetzt, was auch Kindern, die noch nicht lesen können, das 'Mitlesen' ermöglicht. So werden sie neugierig und das Interessen an Büchern kann weiter ausgebaut werden. Am Ende des Buches finden sich auch noch abwechslungsreiche Leserätsel, die Spass machen und dazu anregen, über die Geschichte zu reden.

Juli Löwenzahn ist schon aus etlichen Bilder- und Vorlesebüchern bekannt. Ich finde es schön, dass der pfiffige kleine Hase die Kinder nun auch in die Schule begleitet und sie mit seinen Abenteuern lesen lernen können.

Jede Seite enthält nur sehr wenig Text, der schön gross gedruckt ist und durch die Bildchen einen schön grossen Abstand zwischen den Zeilen hat. So kann das Kind gut seinen 'Lesefinger' nutzen und ist motiviert, weil es gut vorwärts kommt.

Die Bilder sind sehr schön gezeichnet und es ist meistens klar, für welches Wort es steht. Nur ab und zu muss nach hinten geblättert werden, denn da findet sich die ganze Liste der Bilder und die entsprechenden Wörter dazu.

Neben den kleinen Wortbildern gibt es auch auf jeder Doppelseite grössere Illustrationen. Diese sind wirklich allerliebst gezeichnet, so wie man es von Andres H. Schmachtl kennt.

Aber nicht nur die Gliederung und optische Aufmachung der Geschichte konnte uns überzeugen, auch der Inhalt ist sehr ansprechend. Gespannt hat meine Tochter das Abenteuer von Juli Löwenzahn mitverfolgt und hat nun neue Idee, was sie alles noch in der Natur erleben möchte.

So ist "Juli Löwenzahn. Zwei Freunde und das grösste Abenteuer der Welt" ein rundum gelungenes Erstlesebuch, das meine Tochter motivieren und begeistern konnte. Bei uns werden definitiv noch mehr Bücherbären einziehen.

Fazit:
"Juli Löwenzahn. Zwei Freunde und das grösste Abenteuer der Welt" von Andreas H. Schmachtl ist ein schönes und auch inhaltlich ansprechendes Erstlesebuch, bei dem die Nomen durch Bilder ersetzt wurden, so dass schon in der Vorschule 'Mitlese'spass garantiert ist.

Veröffentlicht am 28.08.2017

ein aussergewöhnliches Buch

Krähe und Bär
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Nur schon der Prolog zeigt auf, dass "Krähe und Bär" ein sehr spezielles Kinderbuch ist. Dieser besteht nämlich ausschliesslich aus direkter Rede. Dies ändert zwar mit dem ersten Kapitel, doch auch dann ...

Nur schon der Prolog zeigt auf, dass "Krähe und Bär" ein sehr spezielles Kinderbuch ist. Dieser besteht nämlich ausschliesslich aus direkter Rede. Dies ändert zwar mit dem ersten Kapitel, doch auch dann steht fest, dass man sich nicht von den farbenfrohen und fröhlichen Illustrationen in Sicherheit wiegen sollte. "Krähe und Bär" ist nämlich sehr tiefgründig und zum Teil etwas abgedreht. Dies kann beim Vorlesen erst etwas irritieren und als Mutter fragt man sich vielleicht mehr als einmal, ob das Buch wirklich die richtige Lektüre ist, doch es lohnt sich dranzubleiben, denn Kindern darf man ab und zu auch etwas zutrauen und zumuten.

Die Krähe ist frei und kann fliegen, wohin sie möchte. Sie ist jedoch völlig ausgehungert und denkt nur noch ans Fressen. Da stört auch kein Bär, wenn sie einen grossen Knochen voller Fleischfetzen entdeckt. Beim Versuch, an den Knochen zu gelangen, stürzt sei jedoch ins Wasserbecken. Blöd, dass eine Krähe nicht schwimmen kann und so darauf angewiesen ist, dass der Bär sie aus dem Wasser zieht.

Der Bär ist unzufrieden. Zwar bekommt er im Zoo immer rechtzeitig seine Mahlzeiten, er ist jedoch in seinem kleinen Gehege eingesperrt. So läuft er den lieben langen Tag im Kreis und langweilt sich. Viel lieber würde er frei sein und so ist er frustriert und schnell gereizt. Als die Krähe ihn einfach nicht in Ruhe lassen will, reagiert er schnell wütend, was auch typografisch schön hervorgehoben wird.

Es ist wunderbar zu beobachten, wie sich die sture, freche Krähe und der depressive, bornierte Bär langsam annäher und aus den Feinden Freunde werden.
Mit dieser Geschichte verhält es sich ähnlich wie mit den beiden tierischen Protagonisten. Man muss sich langsam an sie herantasten und sich eingewöhnen. Das Buch strotzt nur so von Kraftausdrücken, was bestimmt nicht bei jedem Vorleser gut ankommt. Für die Zuhörer ist die Geschichte aber umso glaubwürdiger und faszinierender.
Zwischen den lauten Tönen der beiden Tiere finden sich aber ganz viele Lebensweisheiten und wichtige Botschaften, so dass sich das Vorlesen ganz sicher lohnt.

"Krähe und Bär" ist für mich ein ideales Vorlesebuch. Das Gesprochene von Krähe und Bär ist in anderen Farben gedruckt und Ausrufe sind fett und grösser dargestellt, so dass man sehr gut betonen kann. Gerade jüngeren Lesern würde ich das Buch noch nicht alleine anvertrauen, da es doch ab und zu Klärungs- oder Diskussionsbedarf gibt.

Fazit:
"Krähe und Bär oder die Sonne scheint für uns alle" von Martin Baltscheit ist in allen Bereichen ein aussergewöhnliches Buch. Das Vorlesen braucht sicher etwas Mut, doch schlussendlich bekommt man viel mehr als zu Beginn erwartet. Zwischen dem forschen Erzählstil mit den vielen Kraftausdrücken stecken nämlich viele feine Lebensweisheiten, die bei den Zuhörern sehr gut ankommen.

Veröffentlicht am 28.08.2017

schönes und auch inhaltlich ansprechendes Erstlesebuch

Lilia, die kleine Elbenprinzessin. Das verzauberte Einhorn
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Es gibt sehr viele Erstlesereihen, "Der Bücherbär" aus dem Arena Verlag konnte mich als Mutter und auch meine Tochter bisher immer begeistern. "Lilia, die kleine Elbenprinzessin. Das verzauberte Einhorn" ...

Es gibt sehr viele Erstlesereihen, "Der Bücherbär" aus dem Arena Verlag konnte mich als Mutter und auch meine Tochter bisher immer begeistern. "Lilia, die kleine Elbenprinzessin. Das verzauberte Einhorn" von Stefanie Dahle gehört als Mein LeseBilderbuch zur ersten Lesestufe und richtet sich schon an Kinder im Vorschulalter.

Hier werden nämlich Nomen durch Bilder ersetzt, was auch Kindern, die noch nicht lesen können, das 'Mitlesen' ermöglicht. So werden sie neugierig und das Interessen an Büchern kann weiter ausgebaut werden. Am Ende des Buches finden sich auch noch abwechslungsreiche Leserätsel, die Spass machen und dazu anregen, über die Geschichte zu reden.

Lilia ist schon aus Bilderbüchern bekannt und so finde ich es toll, dass die Elbenprinzessin die Kinder nun auch in die Schule begleitet und sie mit ihren Abenteuern lesen lernen können.

Jede Seite enthält nur sehr wenig Text, der schön gross gedruckt ist und durch die Bildchen einen schön grossen Abstand zwischen den Zeilen hat. So kann das Kind gut seinen 'Lesefinger' nutzen und ist motiviert, weil es gut vorwärts kommt.

Die Bilder sind sehr schön gezeichnet und es ist meistens klar, für welches Wort es steht. Nur ab und zu muss nach hinten geblättert werden, denn da findet sich die ganze Liste der Bilder und die entsprechenden Wörter dazu.

Neben den kleinen Wortbildern gibt es auch auf jeder Doppelseite grössere Illustrationen. Diese sind wirklich allerliebst gezeichnet, so wie man es von Stefanie Dahle kennt.

Aber nicht nur die Gliederung und optische Aufmachung der Geschichte konnte uns überzeugen, auch der Inhalt ist sehr ansprechend. Gespannt hat meine Tochter die fantasievolle Geschichte mitverfolgt. Der Zauberer Klapperix hat nämlich Lilias Einhorn klein gehext und nun versucht die Elbenprinzessin mit ihren Freunden, es wieder gross zu bekommen, damit sie ans Fest der Königin reiten können. Das ist doch genau der Lesestoff, der kleine Mädchenherzen höher schlagen lässt.

Fazit:
"Lilia, die kleine Elbenprinzessin. Das verzauberte Einhorn" von Stefanie Dahle ist ein schönes und auch inhaltlich ansprechendes Erstlesebuch, bei dem die Nomen durch Bilder ersetzt wurden, so dass schon in der Vorschule 'Mitlese'spass garantiert ist.

Veröffentlicht am 28.08.2017

regt zum Nachdenken und Diskutieren an

Lass mich frei!
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Tiere kommen bei jungen Zuhörern immer gut an und spielen somit in Kinderbüchern eine wichtige Rolle. Auch in "Lass mich frei!" stehen sie im Mittelpunkt, doch obwohl das Buch schon ab 3 Jahren empfohlen ...

Tiere kommen bei jungen Zuhörern immer gut an und spielen somit in Kinderbüchern eine wichtige Rolle. Auch in "Lass mich frei!" stehen sie im Mittelpunkt, doch obwohl das Buch schon ab 3 Jahren empfohlen wird, wird hier nichts verniedlicht sondern Patrick George versucht den Kindern ein Teil harte Realität näher zu bringen. Was macht der Mensch mit (aus) den Tieren und wo würden sie eigentlich leben?

"Lass mich frei!" arbeitet mit ganz einfachen, dafür umso wirkungsvolleren Mitteln und kommt ganz ohne Worte aus. Durch umblättern einer transparenten Folie können die Kinder Tiere befreien und in ihren natürlichen Lebensraum entlassen.

So sieht man zum Beispiel erst, wie der Elchkopf ausgestopft über dem Kamin hängt, wenn man dann umblättert, schaut uns der Elch aus dem Wald entgegen. So ergibt jede Doppelseite mit Transparentfolie eine eigene kleine Befreiungsaktion. Die Kinder reagieren fasziniert, gespannt, aber auch erschrocken, so dass beim Betrachten dieses Sachbilderbuches ganz bestimmt viel Gesprächsstoff entsteht.

Mit dem letzten Beispiel kann man auch noch die Thematik Haustier besprechen und für einmal wird der kleine Hund nicht befreit, sondern auf den Arm genommen.

Es sollte aber auch bedacht werden, dass Zirkus- oder Zootiere nicht einfach so in die freie Wildbahn entlassen werden können, da die meisten schon in Gefangenschaft geboren und somit kaum überlebensfähig wären, aber "Lass mich frei!" ist ein tolles Buch, um Kindern die Augen zu öffnen und sie zu sensibilisieren.

"Lass mich frei!" heimst mit seinen einfachen Mitteln viele Aha-Erlebnisse und bringt den Kindern eine wichtige Thematik näher. Das ist bestimmt auch der Grund, dass dieses Buch für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2017 in der Kategorie Sachbuch nominiert wurde.

Fazit:
"Lass mich frei!" von Patrick George thematisiert wie der Mensch Tiere ausbeutet und wo sie eigentlich leben würden. So kann auf jeder Doppelseite ein Tier befreit werden, was eine gute Diskussionsgrundlage zum artgerechten Umgang mit Tieren ist.