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Veröffentlicht am 18.11.2017

Alles verloren, für den größten Schatz

Hass gelernt, Liebe erfahren
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Yassir Eric wächst in einem wohlhabenden Elternhaus in Nordsudan auf. Als einziger Sohn soll er später eine führende Rolle in seinem Clan einnehmen. Als kleiner Junge wird er in eine weit entfernte Koranschule ...

Yassir Eric wächst in einem wohlhabenden Elternhaus in Nordsudan auf. Als einziger Sohn soll er später eine führende Rolle in seinem Clan einnehmen. Als kleiner Junge wird er in eine weit entfernte Koranschule gebracht, in der er zwei Jahre bleiben muss um den Koran auswendig zu lernen. Besonders schlimm für ihn ist, dass niemand ihm erklärt hat warum er dort hin soll, und wie lange er bleiben wird. Das ist typisch für die Familien in seinem Clan, der Vater lenkt das Leben aller Familienangehörigen. Ob es um Religion, Ausbildung oder Partnersuche geht, Yassir ist nicht gewohnt eigene Entscheidungen zu treffen.

Als sein geliebter Onkel zum Christentum konvertiert, beschäftigt er sich mit der Person Jesus. Zum ersten Mal stellt er den Islam in Frage, erhält aber vom Iman keine befriedigenden Antworten auf seine Fragen. Nach einiger Zeit findet er selbst zum Glauben an Jesus. Als seine Familie davon erfährt, verliert er alles. Sein Vater wirft ihn hinaus und er verliert alle Rechte als Sohn der Familie, sogar seinen Namen. In der Zeitung sieht er seine Todesanzeige. Da nicht nur er selbst in Gefahr ist, sondern auch die Menschen um ihn herum, muss er schließlich den Sudan verlassen.

Er findet ein neues Zuhause in Kenia. Dort lernt er auch seine deutsche Frau kennen. Seit vielen Jahren lebt er nun in Deutschland. Neben seiner Tätigkeit als Dozent, leitet er das Europäische Institut für Migration, Integration und Islamthemen.

Das Buch selbst, mit Einband und Lesezeichen, macht einen hochwertigen Eindruck. Die Fotos sind eine gute Ergänzung, ebenso wie die Erklärungen der arabischen Begriffe. Etwa ein Drittel des Buchs beschreibt seine Kindheit und Jugend. Im zweiten Drittel geht es um seine ersten Jahre als Christ und seine Anfangszeit in Deutschland. Dann werden viele Jahre seines Lebens übersprungen, und schließlich beschreibt er seine Reisen der letzten Jahre, die ihn zum Teil in Gebiete führen, die von dem IS erobert wurden. Das Buch schließt mit grundsätzlichen Gedanken über Islamismus und Integration.

Yassirs Geschichte ist sehr bewegend. Er kennt die arabische Kultur sehr gut, und seine Erklärungen helfen Migranten zu verstehen. Neben der nüchternen Beschreibung seiner Erlebnisse, reflektiert er immer wieder über den Ursprung seines Hasses auf Andersgläubige, für ihn damals Ungläubige. Dieser Hass ging so weit, dass er bereit war zu töten. Er zeigt auf, wie die Bereitschaft zur Gewalt im Namen der Religion genährt werden kann, und was eine Gesellschaft tun muss, um das zu verhindern.

Fazit: Yassir Eric kann nicht anders; er gibt alles auf, was ihn bisher definiert hat – denn in der Person Jesus erkennt er die Wahrheit. Er erlebt wie sein Hass sich in Liebe verwandelt. Ein bewegendes Buch für alle, die gerne Lebensgeschichten lesen, die sich für die islamische Welt interessieren, oder die Flüchtlinge in unserem Land besser verstehen und willkommen heißen wollen.

Veröffentlicht am 06.11.2017

Ein außergewöhnliches Leben

Vor aller Augen
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Tom Hamblin erzählt hier aus seinem langen Leben. Viele Ereignisse werden nur kurz angerissen, andere werden ausführlich erzählt.

Er wuchs in einem armen Elternhaus in Reading, Großbritannien auf. Von ...

Tom Hamblin erzählt hier aus seinem langen Leben. Viele Ereignisse werden nur kurz angerissen, andere werden ausführlich erzählt.

Er wuchs in einem armen Elternhaus in Reading, Großbritannien auf. Von seinem Vater erfuhr er nur Strenge, dabei blieb seine liebevolle Mutter im Hintergrund. Auch an Geld fehlte es, da der Vater Alkoholiker war. In seiner Jugend nahm er Jesus Christus als seinen Retter an, und von da an veränderte sich alles in seinem Leben. Er nutzte jede Gelegenheit, um anderen von seinem Retter zu erzählen, ob in der Armee, oder später als Missionar.

In diesem Buch geht er vor allem auf seine späteren Jahre ein, in denen er immer wieder mit Bibeln im Gepäck in den Mittleren Osten reiste. Einige Jahre lebte er auch im Jemen und war dort, unter anderem, für die Instandsetzung einer zerfallenen Kirche zuständig.

Tom Hamblin erzählt in diesem Buch ungeschminkt von den Höhen und Tiefen seines Lebens. Neben vielen Wundern, die er beim Transportieren von Bibeln erlebt, verbringt er auch Zeit im Gefängnis und leidet unter einer schweren Verletzung. Aufgebautes wird wieder zerstört, und er erlebt wie gute Freunde für ihren Glauben sterben müssen.

Mich hat dieses Buch sehr bewegt, und ich musste auch lange nach dem Lesen immer wieder an Toms Leben denken. Obwohl das Lesen an manchen Stellen etwas mühsam ist, weil Erlebnisse nur kurz angerissen und wie in einem Zeitraffer erzählt werden, spüre ich als Leser ganz deutlich Toms Hingabe an Christus. Er erwartet, dass Gott ihm sagt, was er tun soll, und er ist immer bereit ihm gehorsam zu folgen, ganz unabhängig von den Kosten. Dabei bewältigt er auch schwierige Situationen mit Mut, Gottvertrauen und Humor. Das Lesen fordert mich heraus auf Gott zu hören, und mit seiner Führung zu rechnen.

Ein beeindruckender Lebensbericht, der den Leser herausfordert wirklich mit Gottes Eingreifen zu rechnen!

Veröffentlicht am 15.10.2017

Fluchtgeschichten und Denkanstöße

Hauptsache weg
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In der ersten Hälfte dieses Buchs kommen neun Flüchtlinge selbst zu Wort. Sie kommen aus verschiedenen Ländern, und leben jetzt in Deutschland oder Österreich. Ihre Flucht liegt teilweise schon länger ...

In der ersten Hälfte dieses Buchs kommen neun Flüchtlinge selbst zu Wort. Sie kommen aus verschiedenen Ländern, und leben jetzt in Deutschland oder Österreich. Ihre Flucht liegt teilweise schon länger zurück, andere sind erst vor kurzem geflohen. Die schockierenden Erlebnisse klingen fast sachlich, so als gäbe es nicht die richtigen Worte um das Entsetzen auszudrücken, das diese Menschen in ihren Heimatländern und auf der Flucht erlebt haben.

In einem zweiten Teil, das fast die Hälfte des Buchs ausmacht, beschäftigt sich der Autor mit grundsätzlichen Fragen rund um das Thema Flucht. Was bedeutet es für unsere Gesellschaft, dass jetzt viele Menschen mit anderen Werten unter uns leben? Sollen wir ihnen helfen, und wie kann diese Hilfe aussehen?

Tobias Kley ist ein begabter Erzähler. Nicht nur die Geschichten in der ersten Hälfte des Buchs sind fesselnd geschrieben, auch im „theoretischen“ Teil erzählt er viel von seinen eigenen Erfahrungen mit jungen Menschen, die geflohen sind. Er spricht Bedenken gegen den Zustrom so vieler Menschen aus einer anderen Kultur an, und lässt den Leser an seinen eigenen Schwierigkeiten und Vorurteilen teilhaben. Kulturelle Unterschiede werden sehr einleuchtend erklärt, und er macht dem Leser Mut die „Fremden“ unter uns kennenzulernen, damit Ängste abgebaut werden.

Besonders beeindruckend finde ich sein Beispiel einer Fußballmannschaft. Wenn Menschen, die eine andere Sportart gewohnt sind, Teil dieser Gemeinschaft werden wollen, heißt das nicht, dass die Fußballer nun umschwenken und ein anderes Spiel spielen. Sie bleiben bei ihren Regeln, auch wenn sie sich bei ihrem Spiel den neuen Spielern anpassen und ihnen helfen die Regeln ihres Spieles kennenzulernen und danach zu spielen. Das ist ein sehr gutes Beispiel dafür, wie Integration aussehen soll.

„Hauptsache weg!“ – Nach dem Lesen dieses Buchs versteht der Leser besser warum Menschen in Strömen in unser Land kommen. Die Kosten der Flucht – finanziell, vor allem aber auch körperlich und emotional - werden dem Leser vor Augen geführt. Man sieht wie schwer die Trennung von Heimat und Familie ist, und welche Schwierigkeiten mit dem Neuanfang verbunden sind. Der Leser erfährt aber auch wie er helfen kann, damit diese Menschen sich in der neuen Heimat willkommen fühlen und sich eingliedern können.

Veröffentlicht am 12.10.2017

Geheimnisse werden gelüftet

Der Triumph des Lammes
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Ein dickes Buch über die Offenbarung - kann das helfen dieses wichtige, aber rätselhafte Buch zu verstehen? Ich finde dieses Buch meistert das auf hervorragende Weise. Ausführlich, aber gut verständlich ...

Ein dickes Buch über die Offenbarung - kann das helfen dieses wichtige, aber rätselhafte Buch zu verstehen? Ich finde dieses Buch meistert das auf hervorragende Weise. Ausführlich, aber gut verständlich geschrieben, nimmt der Autor den Leser mit auf eine Reise durch das Buch der Offenbarung.

Bevor auf einzelne Verse der Offenbarung eingegangen wird, beginnt das Buch mit einer ausführlichen Einleitung, die wirklich ein großer Gewinn ist. Es geht darum wie das Buch der Offenbarung grundsätzlich verstanden werden kann. Dabei geht der Autor auf die damaligen Zuhörer dieses Buches ein – ja, richtig, Zuhörer, denn zur damaligen Zeit wurden Texte eher vorgelesen, da nicht jeder den Text selbst hatte und viele nicht lesen konnten. Darum machen auch komplizierte Erklärungsversuche wenig Sinn, meint der Autor. Und seine Argumente sind sehr überzeugend.

Nach dieser Einleitung geht der Autor abschnittsweise durch die Offenbarung, dabei beginnt jedes Kapitel mit einer Einführung, die diese Gedanken in unserer Lebenswelt holt, und schließt mit einer Zusammenfassung ab. Immer wieder wird auf unterschiedliche Betrachtungsweisen verwiesen, und es finden sich auch viele Anmerkungen und Hinweise speziell für den deutschen Leser. Neben dem Blick auf den damaligen Zuhörer, finden sich viele Verweise auf alttestamentliche Prophezeiungen und andere biblische Parallelen. Und immer wieder geht es um die Frage, was dieser Text für unser persönliches Glaubensleben bedeutet. Das Buch enthält viele Quellenangaben und Worterklärungen für den Leser, der tiefer einsteigen möchte, und es schließt mit einem Kapitel über die Bedeutung der Offenbarung für uns als Leser ab. Im Anhang finden sich noch ein Überblick über die Offenbarung und eine Beschreibung der verschiedenen Auslegungsschulen.

Dieses Buch war mir eine große Hilfe, um die Offenbarung zu verstehen. Ich habe es in kleinen Portionen als Teil meiner täglichen Andacht gelesen, zusammen mit dem biblischen Text. Ich habe neu entdeckt, dass vieles nicht wörtlich zu verstehen ist, sondern als Bild gedacht ist. eine große Hilfe für mich war auch die Erkenntnis, dass die Reihenfolge der geschilderten Ereignisse nicht immer chronologisch ist. Manchmal wird auch dasselbe Ereignis wiederholt, aus anderer Perspektive oder mit einer anderen Betonung, geschildert. Und das macht Sinn, denn auch an anderen Stellen in der Bibel findet sich dieses Prinzip (z.B. Schöpfungsgeschichte, Durchzug durch das Rote Meer).

Dieses Buch hilft mir nicht nur die Offenbarung besser zu verstehen, sondern es stärkt meinen Glauben, und festigt mein Wunsch bereit zu sein für Gottes neue Welt.

Veröffentlicht am 01.10.2017

Einblick in ein verwundetes Herz

Mitten aus dem Leben
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Sara starb kurz vor ihrem 11. Geburtstag. Die Familie war auf den Weg in einem Freizeitpark, es sollte ein besonderes Ferienerlebnis werden. Beim Abbiegen übersah der Vater ein Auto, und bei der anschließenden ...

Sara starb kurz vor ihrem 11. Geburtstag. Die Familie war auf den Weg in einem Freizeitpark, es sollte ein besonderes Ferienerlebnis werden. Beim Abbiegen übersah der Vater ein Auto, und bei der anschließenden Kollision wurde seine Tochter sehr schwer verletzt.

Im Krankenhaus bangte die Familie um das Leben Saras. Familienmitglieder und Freunde unterstützten sie und beteten für sie, aber nach einigen Tagen starb Sara. Viel zu früh.

Der Vater, Arne Kopfermann, ist als Dichter von christlichen Liedern bekannt. Viele kennen ihn von Konzerten oder christliche Veranstaltungen, und er setzt sich auch für das Kinderhilfswerk „World Vision“ ein. Was bedeutet dieser unbegreifliche Verlust für seine Familie, für seinen Glauben und für seine Tätigkeit als Liedermacher?

Mit überraschender Authentizität und Offenheit erzählt Arne Kopfermann in diesem Buch wie er diese schwere Zeit erlebt. Er beginnt mit einer Beschreibung seiner besonderen, lebenslustigen Tochter. Als Leser ist man dann umso betroffener wenn man mitgenommen wird zur Unfallstelle und ans Krankenhausbett auf der Intensivstation. Trotz allem Beten und Hoffen stirbt dieses geliebte Mädchen. Der Autor schreibt dann über seinen Umgang mit diesem Verlust, und vergleicht es mit einer Amputation. Man lernt weiterzuleben und kann sogar irgendwann wieder Schönheit entdecken, aber das ändert nichts daran, dass etwas Wesentliches immer fehlen wird.

Arne schreibt über seinen Umgang mit seinen Schuldgefühlen, über die Schwierigkeit beruflich weiterzumachen, und über die unterschiedliche Art, in der er und seine Frau ihre Trauer verarbeiten. Von Anfang bis Ende ist das Buch auch eine Auseinandersetzung mit seinem Glauben. Trotz Zweifel, hält er daran fest, dass Gott unbegreiflich ist, und das Recht hat zu handeln wie er will. Und auch wenn das was er tut unseren Vorstellungen entgegensteht, ist Gott gut.

Die vielen Liedtexte, die sich an passender Stelle im Buch finden, stammen meist vom Autor selbst und bereichern das Buch sehr. Außerdem habe ich mich über einige bemerkenswerte Zitate aus guten, christlichen Büchern gefreut. Und auch die Bilder bringen diese Geschichte dem Leser noch näher.

Fazit: Diese wahre Geschichte über den Umgang mit Trauer nach einem tragischen Unglück kann trauernden Menschen helfen, die selbst nur schwer Worte für das Unfassbare finden können. Aber auch Menschen, die Trauernde begleiten, werden viel darüber erfahren was hilfreich ist und was nicht. Abgesehen davon, kann jeder Leser wertvolle Gedankenimpulse finden, gerade wenn es darum geht Gott trotz Schicksalsschläge oder geplatzten Träume zu vertrauen. Es lohnt sich diesen offenen Erfahrungsbericht zu lesen.