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Veröffentlicht am 04.12.2017

Irans Pippi Langstrumpf

Die Tochter des Emirs
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Soheila Fors erzählt in diesem Buch aus ihrem spannenden, bewegten Leben. Sie wurde 1967 als Tochter eines kurdischen Emirs geboren, und ist damit eine Prinzessin, was ihr auch urkundlich bescheinigt wurde. ...

Soheila Fors erzählt in diesem Buch aus ihrem spannenden, bewegten Leben. Sie wurde 1967 als Tochter eines kurdischen Emirs geboren, und ist damit eine Prinzessin, was ihr auch urkundlich bescheinigt wurde. Ihr Vater war sehr angesehen und beliebt, und auch für Soheila war er die wichtigste Person ihrer Kindheit. Sie beschreibt sehr anschaulich ihre Kindheit und ihre Jugendjahre. Von dem vergnügtem Spielen im großen Obstgarten der Familie, über die strapazierende Flucht ins Gebirge wegen dem Krieg, ihre Aktivitäten als Kommunistin, bis hin zu einer sehr unglücklichen Ehe. Sie ist in allem eine starke Persönlichkeit. Wie ihr Vorbild Pippi Langstrumpf, stellt sie sich mutig allen Herausforderungen. Dabei wird sie oft geächtet, da sie sich gar nicht wie eine verhätschelte Prinzessin verhält.

Ihr Bruder ist schon nach Schweden geflüchtet, und er hilft Soheila und ihre Familie auch nach Schweden auszuwandern. Da die Flucht für Frauen und Kinder sehr gefährlich gewesen wäre, reist ihr Mann voraus und holt später die Familie nach. Als aber Soheila vier Jahre später mit den Kindern nach Schweden kommt, ist die Ehe schon gescheitert, und ihr gewalttätiger Mann liebt eine Andere. Für Soheila beginnt eine sehr schwere Zeit. In dieser Zeit begegnet sie Jesus, und durch den Blick seiner Augen fühlt sie sich vollkommen heil. Die äußeren Schwierigkeiten halten zunächst noch an, aber nach einigen großen Schwierigkeiten kommt auch äußerlich Ruhe in ihr Leben, als sie einen schwedischen Christ heiratet.

Nun möchte sie ihr Leben dafür einsetzen anderen benachteiligten Frauen zu helfen. Sie richtet ein Teehaus für Frauen ein, in dem aber bald viele unterschiedliche Aktivitäten stattfinden, die nachhaltig Leben verändern. Ein sicheres Haus entsteht, in dem Menschen Zuflucht finden, die von ihrer Familie oder andere bedroht sind. Das sind in erster Linie junge Frauen und Mädchen, aber auch Männer, die nicht auf eine arrangierte Ehe eingehen wollen.

Soheila Fors ist eine sehr sympathische Frau. Als Kind zieht sie lieber eine Latzhose an als Prinzessinnenkleider, als Jugendliche trägt sie die Verantwortung für eine Gruppe von Frauen und Kinder und ältere Menschen, und als Erwachsene setzt sie sich tatkräftig für Menschen ein, die unter dem Ehrenkodex des Islams leiden. Neben ihrem Mut und ihrer Tatkraft, beeindrucken auch ihre Phantasie und ihr Humor. Sie findet sie viele Wege ihre unerwünschten Verehrer zu verscheuchen.

Ihr Herz schlägt für Freiheit. Ihre Erklärungen zu der Kultur, in der sie aufgewachsen ist, sind sehr aufschlussreich und hilfreich. Gerade in unserer Zeit, in der viele Menschen aus islamisch geprägten Ländern zu uns kommen, ist es wichtig, dass wir ihren Hintergrund verstehen.

Fazit: Die abenteuerliche Lebensgeschichte einer mutigen Frau, die dem Leser hilft ihre Heimat Iran bzw. Kurdistan zu verstehen. Beim Lesen kann man miterleben wie ein hoffnungsloses Leben sich durch eine Begegnung mit Jesus grundlegend verändert.

Veröffentlicht am 04.12.2017

Sensibilisierung und konkrete Schritte um Kinder zu schützen

Trügerische Sicherheit
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In gedeckten Farben und mit dem traurigen Bild eines verlassenen Teddys zwischen Kirchenbänken, zeigt schon das Cover dieses Buchs worum es geht. Der Autor, Christian Rommert, engagiert sich, neben seiner ...

In gedeckten Farben und mit dem traurigen Bild eines verlassenen Teddys zwischen Kirchenbänken, zeigt schon das Cover dieses Buchs worum es geht. Der Autor, Christian Rommert, engagiert sich, neben seiner Tätigkeit als Pastor, im Bereich Kinderschutz. Er kennt selbst Missbrauchsopfer, und setzt sich dafür ein, dass Gemeinden, Kindergärten, Vereine und andere Einrichtungen zu Plätzen werden, in denen Kinder sicher sein können und sich phantasievoll entfalten können.

Im ersten Teil geht es vor allem darum, dem Leser bewusstzumachen, wie wichtig es ist, dass Kinder in Gemeinden und Einrichtungen geschützt sind. Der Leser erfährt welche Bedingungen es einem Täter besonders einfach machen, und welche gemeindlichen Strukturen einen Missbrauch begünstigen können.

Im zweiten Teil geht es darum Kinder und Mitarbeiter zu stärken. Eltern erfahren worauf sie in der Erziehung achten sollten, und der Autor zeigt welche Veränderungen bei einer Einrichtung nötig sein können.

In einem dritten Teil werden konkrete und umfassende Vorschläge gemacht, die sich durch ihre Praxisnähe auszeichnen. Daran schließen sich einige wichtige Informationen an, z.B. wie man im Fall eines Falles am besten verfährt, worauf die Betroffenen achten sollen, und welche Rolle Vergebung spielt. Neben Eltern, Kinder und Mitarbeiter, hat der Autor auch Vorschläge für Menschen, die sich zu Kindern hingezogen fühlen.

Im vierten Teil wird der Weg zu einem sicheren Ort zusammengefasst. Auch Informationen zu Hilfsangeboten und eine umfassende Literaturliste fehlen nicht.

Mir gefällt an diesem Buch, dass es wirklich ganz praktische Tipps gibt, und sehr ausführlich auf alle Bereiche eingeht, die sicherer werden können. Ob es um die Gestaltung der Räume geht, um das Verhalten der Mitarbeiter, oder um Fallbeispiele für das Gespräch im Team; ich habe den Eindruck, dass wirklich alles Wichtige angesprochen wird. Die Stärke dieses Buchs ist seine Praxisnähe. Die theoretischen Hinweise werden immer wieder durch Beispiele aus der Praxis aufgelockert.

Fazit: Von der Bewusstmachung des Problems und der Notwendigkeit sichere Orte für Kinder zu schaffen, bis hin zu unzähligen, praktischen Vorschlägen; dieses umfassende Praxisbuch ist ein wertvoller Ratgeber auf dem Weg zu einer sicheren Gemeinde.

Veröffentlicht am 18.11.2017

Alles verloren, für den größten Schatz

Hass gelernt, Liebe erfahren
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Yassir Eric wächst in einem wohlhabenden Elternhaus in Nordsudan auf. Als einziger Sohn soll er später eine führende Rolle in seinem Clan einnehmen. Als kleiner Junge wird er in eine weit entfernte Koranschule ...

Yassir Eric wächst in einem wohlhabenden Elternhaus in Nordsudan auf. Als einziger Sohn soll er später eine führende Rolle in seinem Clan einnehmen. Als kleiner Junge wird er in eine weit entfernte Koranschule gebracht, in der er zwei Jahre bleiben muss um den Koran auswendig zu lernen. Besonders schlimm für ihn ist, dass niemand ihm erklärt hat warum er dort hin soll, und wie lange er bleiben wird. Das ist typisch für die Familien in seinem Clan, der Vater lenkt das Leben aller Familienangehörigen. Ob es um Religion, Ausbildung oder Partnersuche geht, Yassir ist nicht gewohnt eigene Entscheidungen zu treffen.

Als sein geliebter Onkel zum Christentum konvertiert, beschäftigt er sich mit der Person Jesus. Zum ersten Mal stellt er den Islam in Frage, erhält aber vom Iman keine befriedigenden Antworten auf seine Fragen. Nach einiger Zeit findet er selbst zum Glauben an Jesus. Als seine Familie davon erfährt, verliert er alles. Sein Vater wirft ihn hinaus und er verliert alle Rechte als Sohn der Familie, sogar seinen Namen. In der Zeitung sieht er seine Todesanzeige. Da nicht nur er selbst in Gefahr ist, sondern auch die Menschen um ihn herum, muss er schließlich den Sudan verlassen.

Er findet ein neues Zuhause in Kenia. Dort lernt er auch seine deutsche Frau kennen. Seit vielen Jahren lebt er nun in Deutschland. Neben seiner Tätigkeit als Dozent, leitet er das Europäische Institut für Migration, Integration und Islamthemen.

Das Buch selbst, mit Einband und Lesezeichen, macht einen hochwertigen Eindruck. Die Fotos sind eine gute Ergänzung, ebenso wie die Erklärungen der arabischen Begriffe. Etwa ein Drittel des Buchs beschreibt seine Kindheit und Jugend. Im zweiten Drittel geht es um seine ersten Jahre als Christ und seine Anfangszeit in Deutschland. Dann werden viele Jahre seines Lebens übersprungen, und schließlich beschreibt er seine Reisen der letzten Jahre, die ihn zum Teil in Gebiete führen, die von dem IS erobert wurden. Das Buch schließt mit grundsätzlichen Gedanken über Islamismus und Integration.

Yassirs Geschichte ist sehr bewegend. Er kennt die arabische Kultur sehr gut, und seine Erklärungen helfen Migranten zu verstehen. Neben der nüchternen Beschreibung seiner Erlebnisse, reflektiert er immer wieder über den Ursprung seines Hasses auf Andersgläubige, für ihn damals Ungläubige. Dieser Hass ging so weit, dass er bereit war zu töten. Er zeigt auf, wie die Bereitschaft zur Gewalt im Namen der Religion genährt werden kann, und was eine Gesellschaft tun muss, um das zu verhindern.

Fazit: Yassir Eric kann nicht anders; er gibt alles auf, was ihn bisher definiert hat – denn in der Person Jesus erkennt er die Wahrheit. Er erlebt wie sein Hass sich in Liebe verwandelt. Ein bewegendes Buch für alle, die gerne Lebensgeschichten lesen, die sich für die islamische Welt interessieren, oder die Flüchtlinge in unserem Land besser verstehen und willkommen heißen wollen.

Veröffentlicht am 06.11.2017

Ein außergewöhnliches Leben

Vor aller Augen
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Tom Hamblin erzählt hier aus seinem langen Leben. Viele Ereignisse werden nur kurz angerissen, andere werden ausführlich erzählt.

Er wuchs in einem armen Elternhaus in Reading, Großbritannien auf. Von ...

Tom Hamblin erzählt hier aus seinem langen Leben. Viele Ereignisse werden nur kurz angerissen, andere werden ausführlich erzählt.

Er wuchs in einem armen Elternhaus in Reading, Großbritannien auf. Von seinem Vater erfuhr er nur Strenge, dabei blieb seine liebevolle Mutter im Hintergrund. Auch an Geld fehlte es, da der Vater Alkoholiker war. In seiner Jugend nahm er Jesus Christus als seinen Retter an, und von da an veränderte sich alles in seinem Leben. Er nutzte jede Gelegenheit, um anderen von seinem Retter zu erzählen, ob in der Armee, oder später als Missionar.

In diesem Buch geht er vor allem auf seine späteren Jahre ein, in denen er immer wieder mit Bibeln im Gepäck in den Mittleren Osten reiste. Einige Jahre lebte er auch im Jemen und war dort, unter anderem, für die Instandsetzung einer zerfallenen Kirche zuständig.

Tom Hamblin erzählt in diesem Buch ungeschminkt von den Höhen und Tiefen seines Lebens. Neben vielen Wundern, die er beim Transportieren von Bibeln erlebt, verbringt er auch Zeit im Gefängnis und leidet unter einer schweren Verletzung. Aufgebautes wird wieder zerstört, und er erlebt wie gute Freunde für ihren Glauben sterben müssen.

Mich hat dieses Buch sehr bewegt, und ich musste auch lange nach dem Lesen immer wieder an Toms Leben denken. Obwohl das Lesen an manchen Stellen etwas mühsam ist, weil Erlebnisse nur kurz angerissen und wie in einem Zeitraffer erzählt werden, spüre ich als Leser ganz deutlich Toms Hingabe an Christus. Er erwartet, dass Gott ihm sagt, was er tun soll, und er ist immer bereit ihm gehorsam zu folgen, ganz unabhängig von den Kosten. Dabei bewältigt er auch schwierige Situationen mit Mut, Gottvertrauen und Humor. Das Lesen fordert mich heraus auf Gott zu hören, und mit seiner Führung zu rechnen.

Ein beeindruckender Lebensbericht, der den Leser herausfordert wirklich mit Gottes Eingreifen zu rechnen!

Veröffentlicht am 15.10.2017

Fluchtgeschichten und Denkanstöße

Hauptsache weg
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In der ersten Hälfte dieses Buchs kommen neun Flüchtlinge selbst zu Wort. Sie kommen aus verschiedenen Ländern, und leben jetzt in Deutschland oder Österreich. Ihre Flucht liegt teilweise schon länger ...

In der ersten Hälfte dieses Buchs kommen neun Flüchtlinge selbst zu Wort. Sie kommen aus verschiedenen Ländern, und leben jetzt in Deutschland oder Österreich. Ihre Flucht liegt teilweise schon länger zurück, andere sind erst vor kurzem geflohen. Die schockierenden Erlebnisse klingen fast sachlich, so als gäbe es nicht die richtigen Worte um das Entsetzen auszudrücken, das diese Menschen in ihren Heimatländern und auf der Flucht erlebt haben.

In einem zweiten Teil, das fast die Hälfte des Buchs ausmacht, beschäftigt sich der Autor mit grundsätzlichen Fragen rund um das Thema Flucht. Was bedeutet es für unsere Gesellschaft, dass jetzt viele Menschen mit anderen Werten unter uns leben? Sollen wir ihnen helfen, und wie kann diese Hilfe aussehen?

Tobias Kley ist ein begabter Erzähler. Nicht nur die Geschichten in der ersten Hälfte des Buchs sind fesselnd geschrieben, auch im „theoretischen“ Teil erzählt er viel von seinen eigenen Erfahrungen mit jungen Menschen, die geflohen sind. Er spricht Bedenken gegen den Zustrom so vieler Menschen aus einer anderen Kultur an, und lässt den Leser an seinen eigenen Schwierigkeiten und Vorurteilen teilhaben. Kulturelle Unterschiede werden sehr einleuchtend erklärt, und er macht dem Leser Mut die „Fremden“ unter uns kennenzulernen, damit Ängste abgebaut werden.

Besonders beeindruckend finde ich sein Beispiel einer Fußballmannschaft. Wenn Menschen, die eine andere Sportart gewohnt sind, Teil dieser Gemeinschaft werden wollen, heißt das nicht, dass die Fußballer nun umschwenken und ein anderes Spiel spielen. Sie bleiben bei ihren Regeln, auch wenn sie sich bei ihrem Spiel den neuen Spielern anpassen und ihnen helfen die Regeln ihres Spieles kennenzulernen und danach zu spielen. Das ist ein sehr gutes Beispiel dafür, wie Integration aussehen soll.

„Hauptsache weg!“ – Nach dem Lesen dieses Buchs versteht der Leser besser warum Menschen in Strömen in unser Land kommen. Die Kosten der Flucht – finanziell, vor allem aber auch körperlich und emotional - werden dem Leser vor Augen geführt. Man sieht wie schwer die Trennung von Heimat und Familie ist, und welche Schwierigkeiten mit dem Neuanfang verbunden sind. Der Leser erfährt aber auch wie er helfen kann, damit diese Menschen sich in der neuen Heimat willkommen fühlen und sich eingliedern können.