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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 05.10.2024

Tolle Bilder, schwacher Text

Moments in Nature
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Bevor „Moments in Nature“ kannte ich weder Una López noch ihren Bruder Gamander López. Ich habe das Buch eigentlich nur wegen seiner wunderschönen Fotografien gekauft. Mehr hat das Werk leider auch nicht ...

Bevor „Moments in Nature“ kannte ich weder Una López noch ihren Bruder Gamander López. Ich habe das Buch eigentlich nur wegen seiner wunderschönen Fotografien gekauft. Mehr hat das Werk leider auch nicht wirklich zu bieten.

Vielleicht muss man die beiden bereits von ihren diversen Social-Media-Kanälen kennen und ein Fan sein, um tatsächlichen deren Texte genießen zu können. Ich jedenfalls fand sie langweilig und inhaltslos. Ich dachte, ich würde über die einzelnen Tierarten spannende Fakten und Anekdoten erfahren oder zumindest etwas über Fotografie lernen können, stattdessen erfährt man viel über den Alltag der Geschwister in der Natur. Wo sie frühstücken, was sie dabei sehen können und so weiter. Oder welches Tier sie wann entdecken konnten oder ihnen entwischt ist. Man muss schon mehr an Gamander und Una López interessiert sein, um mit dem Text etwas anfangen zu können.

Die Bilder jedoch sind wirklich genial. Das Buch teilt sich in mehrere Kapitel. Sie beschäftigen sich unter anderem mit heimischen Vögeln an Land und zu Wasser, mit Eichhörnchen, Füchsen und Mäusen. Es gibt zahlreiche großformatige Illustrationen, häufig über eine ganze Seite oder sogar eine Doppelseite. Letztere werden häufig von einem Spruch in Großschrift begleitet, die gut die inhaltliche Seite des Buches wiedergeben, wie etwa „Nach Eichhörnchen halte ich immer Ausschau, weil sie ganz plötzlich auftauchen können und meinen Tag verschönern.“ Irgendwie erwartete ich bei einer solchen Gestaltung, dann doch etwas mehr Tiefsinn.

Ich empfehle das Buch jedem Fan der beiden Geschwister, da diese sicherlich mehr Freude an den Texten haben werden als ich. Ansonsten bietet es dennoch wunderschöne Fotografien, die tatsächlich bezaubernde Momente aus unserer Natur einfangen und uns staunen lassen.

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Veröffentlicht am 23.02.2024

Verpasste Chancen

Book Lovers - Die Liebe steckt zwischen den Zeilen
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„Book Lovers“ hätte richtig gut werden können. Die Grundidee selbst ist wirklich genial und auch die beiden Hauptcharaktere finde ich auf ihre verschrobene Weise durchaus liebenswert. Aber leider werden ...

„Book Lovers“ hätte richtig gut werden können. Die Grundidee selbst ist wirklich genial und auch die beiden Hauptcharaktere finde ich auf ihre verschrobene Weise durchaus liebenswert. Aber leider werden viele eingeführte Ideen nicht wirklich zu Ende gedacht oder verlieren sich in dem kitschigen Schluss.

Nora Stephens ist durch und durch ein Stadtmensch. Sie liebt New York und geht völlig in ihrem Beruf als Literaturagentin auf. An erster Stelle steht für sie allerdings immer ihre Schwester Libby. Als diese sie urplötzlich zu einem längeren Trip in das entlegene Dorf Sunshine Falls einlädt, in der ein Roman ihrer Lieblingsautorin spielt, lässt sie sich widerwillig auf das Experiment Landleben ein. Dort trifft sie ihren selbst ernannten Nemesis Charlie Lastra wieder. Er ist Lektor und hatte vor zwei Jahren das Buch ihrer Autorin ziemlich rüde abgelehnt.

Die Romanze wird allmählich und glaubwürdig aufgebaut. Während sich die beiden zunächst einen witzigen Schlagabtausch nach dem nächsten liefern, lernen sie sich langsam immer besser kennen. Die Dialoge zwischen ihnen sind stets amüsant und voller Wortspiele. Nora ist selbst auch keine realitätsferne Romantikerin. Sie ist nach außen hin manchmal sehr hart und wird von anderen als Hai beschrieben. Aber sie hat einen weichen Kern, der sich immer für die Menschen einsetzt, die sie liebt und wertschätzt.

Ebenso gut fand ich die Idee vom Buch im Buch. Die Autorin, die Nora betreut, schreibt tatsächlich ein Buch, in der Nora selbst die Hautrolle spielt. Diese ist völlig entsetzt über die Art, wie sie porträtiert und von anderen wahrgenommen wird. Leider wird dieser Gedanke mittendrin einfach fallengelassen und nicht mehr weiter thematisiert. Es ist halt das neue Buch von der Schriftstellerin. Dessen Bedeutung für Nora oder was die Autorin sich überhaupt dabei gedacht hat, fällt völlig unter den Tisch. Sehr schade!

Ich habe zudem ein Problem mit Noras Schwester Libby. Sie ist in sich sehr widersprüchlich aufgebaut und man bekommt den Eindruck, dass sie selbst nicht genau weiß, was sie will. Will sie nun unabhängig von ihrer großen Schwester sein oder soll sich deren Leben weiterhin nur um sie drehen? So richtig Sinn macht das nicht. Und dass sie ihre eigenen kleinen Kinder einen Monat lang kaum sieht, macht sie für mich ebenso wenig sympathisch, wie ihre ständigen Vorwürfe Nora gegenüber und ihre Geheimniskrämerei.

Das Buch liest sich sehr flüssig und ist überwiegend spannend sowie interessant. Nur ab dem zweiten Drittel fand ich es teilweise etwas langatmig und es fehlte der Schwung, nachdem Nora und Charlie zusammengekommen sind. Mir fehlten zudem die herrlichen Dialoge vom Anfang. Zudem nervten mich die häufigen Liebeszenen. Der Fokus lag für mich besonders zum Schluss der Geschichte auf den falschen Aspekten.

Trotz einiger Kritikpunkte habe ich das Buch überwiegend gemocht und finde es schade, dass einige tolle Elemente einfach so von der Autorin fallengelassen wurden. Es hätte ein großartiges Buch werden können – vielleicht mit einem besseren Lektor.

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Veröffentlicht am 22.02.2024

Super Idee, schlechte Ausführung

Cosima und der Diamantenraub
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Die Idee von „Cosima und der Diamantenraub“ fand ich wirklich toll. Endlich mal starke unkonventionelle Heldinnen, die sich von ihrer Behinderung bzw. von einer chronischen Beeinträchtigung nicht ausbremsen ...

Die Idee von „Cosima und der Diamantenraub“ fand ich wirklich toll. Endlich mal starke unkonventionelle Heldinnen, die sich von ihrer Behinderung bzw. von einer chronischen Beeinträchtigung nicht ausbremsen lassen, sondern aktiv gegen ihr Schicksal vorgehen und sogar noch Raubzüge begehen. Nun, die Idee ist ja wirklich gut, die Ausführung ist jedoch leider äußerst unglaubwürdig.

Cosima lebt als Nummer 1 schon von klein auf im Heim für beklagenswerte Mädchen. Zugern wüsste sie, wo sie herkommt. Das Heim wird von den Geschwistern Frau und Herr Makel geleitet, die wenig Interesse oder Mitgefühl für ihre Schützlinge übrighaben. Sie schikanieren die Mädchen, lassen sie teilweise hungern und treiben sie zum Arbeiten an. Doch die beiden stellen eine weitaus geringere Gefahr dar als Lord Fitzroy, der die Kinder der Heimleitung für dubiöse Zwecke abkaufen möchte. Ihre einzige Rettung sehen die Mädchen darin, das Diadem und andere Juwelen aus seiner Ausstellung zu rauben.

Die Mädchen sind wirklich allesamt sympathisch und sehr unterschiedlich. Man kann sich schnell mit identifizieren und mit ihnen mitfiebern. Ich denke, ihre Behinderungen werden weitestgehend realistisch dargestellt und sie werden von der Autorin ernstgenommen. Sie sind mehr als ihre Beeinträchtigung und sie definieren sich nicht darüber. Aber ich finde, sie haben eine durchaus glaubwürdigere Geschichte verdient.

Die Kinder kommen praktisch ihr ganzes Leben nicht aus dem Heim heraus, haben aber keine Probleme nach nur einem kurzen Aufenthalt auf der Ausstellung genau zu wissen, wie man an die Schätze gelangt und unbemerkt stiehlt. Und natürlich können sie absolut identische Kopien von den Juwelen aus Seilresten und etwas Farbe herstellen, nachdem sie besagte Edelsteine nur in einer Zeitung und einmal kurz in Echt gesehen haben.

Etwas seltsam finde ich auch die Beziehung der Mädchen zu ihren Eltern. Angeblich lieben sie sie, aber warum schiebt man dann sein Kind überhaupt dorthin ab und unternimmt nichts, wenn es doch offensichtliche Missstände in diesem Heim gibt. So ganz nachvollziehen kann ich auch nicht, wie die Mädchen ihre teilweise sehr umfassende Bildung erworben haben. Die Makels werden sie sicher nicht geschult haben. Streckenweise ist die Geschichte zudem etwas langatmig und kommt kaum voran. Zumal einige Wendungen sehr voraussichtlich sind.

Insgesamt bietet das Buch tatsächlich wundervolle Charaktere, die aber meiner Meinung nach eine bessere und vor allem glaubwürdigere Geschichte verdient hätten. Schade! Alles in allem vergebe ich dem Buch 3,5 Sterne.

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Veröffentlicht am 23.01.2024

Niedliches Hexenabenteuer, aber wenig originell

Lily Halbmond - Magie ist nur der Anfang (Lily Halbmond, Bd. 1)
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„Lily Halbmond“ ist ein magischer Comic für Kinder ab ca. 8 Jahren, die sich für Fantasyabenteuer wie Harry Potter interessieren. Durch die geringe Textmenge eignet sich diese Graphic Novel zudem auch ...

„Lily Halbmond“ ist ein magischer Comic für Kinder ab ca. 8 Jahren, die sich für Fantasyabenteuer wie Harry Potter interessieren. Durch die geringe Textmenge eignet sich diese Graphic Novel zudem auch für Erstleser. Die Geschichte selbst liest sich flüssig und ist überaus kurzweilig.

Lily weiß, dass irgendwas mit ihr nicht stimmt. Ständig passieren in ihrer Nähe seltsame Missgeschicke. So beginnt es im Badezimmer zu regnen, ihre Stifte fliegen durch die Gegend oder die Geburtstagstorte explodiert. In ihrer neuen Schule wird sie als magisches Talent entdeckt, wodurch sich ihr ganzes Leben abrupt ändert. Auf dem Stundenplan stehen nun völlig andere Fächer und sie muss sich mehreren magischen Prüfungen stellen. Doch glücklicherweise ist sie dabei nicht allein, ihre neuen Freundinnen Gigi und Mai stehen an ihrer Seite.

Die Geschichte ist wirklich amüsant und interessant. Allerdings musste ich schon an einigen Stellen mit den Augen rollen, wie supertoll Lily der Einstieg in diese neue Welt gelingt. Natürlich ist sie talentiert, beeindruckt mit einer seltenen Fähigkeit und überhaupt gelingt ihr alles recht mühelos - naja, außer das Besenreiten. Ich denke aber, dass sich insbesondere achtjährige Mädchen gerne und leicht mit ihr identifizieren können. Wäre es nicht schön, wenn einem genau dasselbe passieren würde? Als Erwachsener sieht man das Ganze dann doch etwas realistischer und nüchterner.

Außerdem hat mich gestört, dass man viele Motive bereits aus anderen erfolgreichen Fantasybüchern bzw. -filmen kennt. Etwas mehr Originalität wäre schon schön gewesen. Die Zeichnungen sind hingegen sehr gelungen. Sie sind anschaulich, farbenfroh und fantasiereich. Die einzelnen Charaktere werden individuell und detailreich dargestellt. Im Buch gibt es des Weiteren mehrere Wissensseiten, auf denen bestimmte Konzepte dieser Welt erklärt und vorgestellt werden: Was sind die Steine der Macht und ihre Wächter? Wie funktioniert ein Reinigungstrank? Was ist ein Wiederkäuer?

Das Buch ist für Grundschüler perfekt geeignet. Die Themen Freundschaft, neue Kräfte und besondere Fabelwesen werden ansprechend wiedergegeben und von wundervollen Illustrationen begleitet. Allerdings verläuft die Geschichte doch ziemlich geradlinig und ohne große Überraschungen. Es ist aber durchaus Potenzial vorhanden, das in den nächsten Bänden vielleicht besser ausgeschöpft wird.

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Veröffentlicht am 20.01.2024

Wie intelligent ist das Leben auf der Erde?

Im Spiegel des Kosmos
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Ich kenne den Astrophysiker Neil deGrasse Tyson bereits aus seiner Sendung "Unser Kosmos – Die Reise geht weiter", in der er anschaulich Philosophie und Wissenschaft miteinander verbindet. In diesem Buch ...

Ich kenne den Astrophysiker Neil deGrasse Tyson bereits aus seiner Sendung "Unser Kosmos – Die Reise geht weiter", in der er anschaulich Philosophie und Wissenschaft miteinander verbindet. In diesem Buch setzt er diese Grundhaltung fort. Mit einem Augenzwinkern versucht er, mittels nüchterner Fakten einen objektiven Blick auf unsere Welt zu werfen. Obwohl es sich um ein wissenschaftliches Sachbuch handelt, verzichtet deGrasse Tyson auf eine zu komplizierte Sprache, sodass man auch als Nicht-Physiker alles problemlos verstehen kann.

Seine Themen im Buch sind vielfältig. So beschäftigt er sich mit Fragen verschiedener alltäglicher Belange. Ist es wirklich besser, wenn man Vegetarier ist? Welche Bedeutung hat eine Hautfarbe? Welchen Nutzen bringen Gesetze? Wer ist für die Bevölkerung empfehlenswerter: Republikaner oder Demokraten? Was passiert, wenn Physiker in Las Vegas in ein Hotel gehen? Der Astrophysiker versucht dabei klar, zwischen Fakten und Meinungen zu trennen.

Manche seiner Positionen können daher dem einen oder anderen durchaus provokativ vorkommen oder wenig empathisch. Es geht ihm aber weniger darum, jemanden von einer Seite zu überzeugen, sondern lediglich, dass man einen Blick über den eigenen Tellerrand probiert und sich mit einer anderen Sicht auf die Welt auseinanderzusetzt. Dabei sollte man sich an den realen Fakten orientieren und nicht von rein guter Rhetorik einlullen lassen.

Das Buch liest sich flüssig und regt hin und wieder zum Schmunzeln an. Es wird nie zu trocken oder zu realitätsfern. Häufig benutzt er als Gedankenspiel Aliens, die unbedarft auf unserer Erde landen und einen völlig neuen Blickwinkel auf unsere eingefahrenen Strukturen haben. Viele seiner Denkanstöße waren für mich nicht unbedingt neu. Er hat sie aber durchaus lesenswert und unterhaltsam herübergebracht.

Allerdings hat mich doch der stark amerikanische Bezug gestört. Globalere Beispiele zu finden, wäre passender gewesen. Zumal es ihm ja gerade um die Völkerverständigung auf allen Ebenen geht. Da sollte man nicht regional begrenzt denken. Insofern hat mich das lange Kapitel zu Demokraten und Republikaner doch ein wenig genervt. Zudem hat er sich insbesondere hierbei meiner Meinung nach zu sehr auf nackte Zahlen konzentriert, ohne dabei den gesellschaftlichen, historischen und sozialen Kontext der jeweiligen Zeit mit zu berücksichtigen.

Bei einzelnen Aussagen habe ich auch eher mit der Stirn gerunzelt. Etwa bei seiner Darstellung der ComicCon oder bei seiner Behauptung, dass Kuhmilch und Honig die bestmöglichen Ernährungsquellen für alle darstellen: eine gute Ernährungsquelle, die leicht reproduzierbar ist und den Lebewesen nicht wehtut. Naja, die Halte- und Lebensbedingungen der Milchkühe hat er dabei irgendwie vergessen.

Insgesamt fand ich das Buch dennoch kurzweilig und durchaus interessant. Viel Neues konnte ich zwar nicht daraus nehmen, aber zumindest hat mich seine humorvolle Sprache voller persönlicher Anekdoten gut unterhalten.

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