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Veröffentlicht am 08.02.2024

Wenn die Kinder ausziehen

Eine vollständige Liste aller Dinge, die ich vergessen habe
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Doris Knecht hat eine ganz besondere Art zu schreiben, die mir sehr gefällt, sehr ehrlich , sehr angenehm, sehr warm. Man kann ihre Gedanken gut nachvollziehen und hat Dinge , die sie beschreibt vielleicht ...

Doris Knecht hat eine ganz besondere Art zu schreiben, die mir sehr gefällt, sehr ehrlich , sehr angenehm, sehr warm. Man kann ihre Gedanken gut nachvollziehen und hat Dinge , die sie beschreibt vielleicht schon selbst so erlebt, sie nur nie so gut in Worte gefasst.

Worum geht es?

Die Protagonistin steht an einem Wendepunkt in ihrem Leben. Ihre Kinder sind flügge geworden und werden in Kürze ausziehen. Für sie selbst ist die geräumige Mietwohnung nicht mehr finanzierbar, wenn die Alimente des Vaters ihrer Zwillinge wegfallen. Sie wird sich eine kleinere Wohnung suchen müssen und muß rigoros ausmisten. Das macht sie dann auch, und mit dem Aussortieren, erinnert sie sich an eigene Kindheitserlebnisse, vergangene Freundschaften, Entscheidungen, die ihrem Leben die Richtung gegeben haben. Sie mistet ihre Erinnerungsräume sozusagen gleich mit aus. Schön fand ich, dass die Protagonistin in dem Buch nicht verbittert ist, weil sie in eine deutlich kleinere Wohnung ziehen muss, eine Veränderung, die ihr die Umstände aufzwingen. Nein, sie freut sich auf ihren neuen Lebensabschnitt , sieht das Positive, z. b die Nähe zu ihrer Freundin. Auch bei der Gestaltung der neuen Wohnung braucht sie auf niemanden mehr Rücksicht zu nehmen. Pech, wenn den Kindern der Beige oder besser gesagt Greigeton der Wandfarbe zu langweilig ist. Das Buch beschreibt die innere Zäsur der Protagonistin in der Mitte des Lebens mit einem feinen Humor und einer Spur Selbstironie, was ich sehr mochte und gerne gelesen, bzw. gehört habe, denn ich hatte das Buch als Hörbuch vorliegen. Das ist im Übrigen sehr zu empfehlen. Jutta Seifert hat eine tolle und für den Text sehr passende Stimme und hat es perfekt vorgelesen.

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Veröffentlicht am 29.01.2024

Spurensucher kann jeder, Spurenfinder nicht

Der Spurenfinder
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Marc Uwe Kling , der besonders durch seine gesellschaftskritischen Geschichten mit dem Känguru bekannt geworden ist, hat sich an etwas Neues herangewagt.
Er hat gemeinsam mit seinen Kindern eine Fantasy ...

Marc Uwe Kling , der besonders durch seine gesellschaftskritischen Geschichten mit dem Känguru bekannt geworden ist, hat sich an etwas Neues herangewagt.
Er hat gemeinsam mit seinen Kindern eine Fantasy - Märchengeschichte mit Krimielementen geschrieben, die familientauglich ist, also Erwachsene und Kinder gleichermaßen begeistern sollte. Ich glaube, das ist wirklich ganz gut gelungen.

Elos von Bergen lebt mit seinen Kindern, den Zwillingen Ada und Naru in der sterbenslangweiligen Provinz Friedhofen, wo er ein beschauliches Leben abseits jeglicher Gefahr leben möchte, was natürlich nicht gelingt. Als der Dorfvorsteher ermordet aufgefunden wird, muß Elos seiner Berufung folgen und den Mord aufklären. Er ist nämlich der weltbeste Spurenfinder, ( nicht zu verwechseln mit dem Spurensucher, das kann ja jeder), und der Fall ist verzwickt. Gemeinsam mit Ada und Naru begibt er sich auf ein gefährliches Abenteuer. Hier lässt Familie Kling der Fantasie freien Lauf und man staunt über die vielen tollen Ideen. Wundersame Wesen kreuzen ihren Weg, besonders als sie sich auf einem Jahrmarkt umsehen. Vor Feuerdrops sollte man sich hüten, aber Stimmonade ist auch für Kinder ein Riesenspaß. Da weiß man nie welche Stimme schon man nach ein paar Schlucken aus einem spricht. Gerade für solche Szenen habe ich das Hörbuch sehr genossen. Da konnte sich Herr Kling, der es selber liest wieder mal so richtig austoben.

Alles in allem war das Buch eine nette Unterhaltung für zwischendurch, bei der ich meinen Spaß hatte. Durchaus empfehlenswert!

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Veröffentlicht am 11.01.2024

Spannender 3. Band der Kate Burkholder Reihe

Wenn die Nacht verstummt
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Dieses Mal geht es um ein Familiendrama, dass vielleicht im Zusammenhang steht mit den zunehmenden Hassverbrechen gegen Amische. Man ist sofort wieder mitten im Geschehen und verfolgt die Ermittlungen ...

Dieses Mal geht es um ein Familiendrama, dass vielleicht im Zusammenhang steht mit den zunehmenden Hassverbrechen gegen Amische. Man ist sofort wieder mitten im Geschehen und verfolgt die Ermittlungen der Polizeichefin Kate, die selbst in der Glaubensgemeinschaft der Amischen aufgewachsen ist, sich dann nach einem traumatischen Erlebnis aber für ein anderes Leben entschieden hat. Auch ihr guter Freund John Tomasetti mit dem sie mehr als freundschaftlich verbunden ist, „Beziehungsstatus ungenau“, ist natürlich wieder dabei. Hier findet eine Entwicklung statt und die Beziehung der beiden festigt sich mehr und mehr.

Der Fall ist spannend und für mich waren die Wendungen nicht vorhersehbar und zum Ende überraschend. Sicher werde ich bei der Reihe am Ball bleiben und freue mich schon auf ein baldiges Wiedersehen in Painters Mill.

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Veröffentlicht am 04.01.2024

Thriller aus dem Hackermilieu

Zero Days
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Jacintha (Jack) Cross und Gabe Medway sind ein sehr ungewöhnliches Paar. Beide werden von Unternehmen engagiert um Sicherheitslücken aufzudecken. Dieser Beruf nennt sich PEN Tester, und während Jack versucht ...

Jacintha (Jack) Cross und Gabe Medway sind ein sehr ungewöhnliches Paar. Beide werden von Unternehmen engagiert um Sicherheitslücken aufzudecken. Dieser Beruf nennt sich PEN Tester, und während Jack versucht unbemerkt in eine Firma einzudringen, arbeitet Gabe vom heimischen Computer aus und unterstützt seine Frau von der technischen Seite. Die Idee einen Thriller im Hackermilieu spielen zu lassen, fand ich schon sehr reizvoll.

Jack‘s Welt bricht zusammen, als sie ihren Mann nach einem Auftrag ermordet in ihrem gemeinsamen Zuhause vorfindet. Da die Polizei sie schnell als die Hauptverdächtige ausmacht, beschließt Jack zu fliehen um Gabe‘s Mörder eigenständig zu finden. Eine aufregende Hetzjagd durch London und über die Stadtgrenzen hinaus beginnt und Jack bringt sich selbst in große Gefahr.



Jack‘s Flucht ist sehr temporeich erzählt, so dass man als Leser*in dranbleiben möchte. Bei der Flucht verletzt sich die junge Frau und die Autorin wird nicht müde immer und immer wieder die Schwere der Verletzung hervorzuheben , die Wundversorgung und wiederholte Kleiderwechsel zu beschreiben. Trotz beinahe unmenschlicher Schmerzen kann die Protagonistin noch aus Zügen springen, vor der Polizei davonlaufen und Balkonbrüstungen überwinden. Es fühlte sich beim Lesen ein bisschen wie in einem Actionfilm an, Jason Bourne kam mir in den Sinn.

Trotz meiner Kritik finde ich Ruth Ware‘s Schreibstil toll und ihre Thriller sehr unterhaltsam. Auch dieses Buch habe ich gerne gelesen, auch wenn die Auflösung etwas vorhersehbar war.

Ihren letzten Thriller „Das College“ mochte ich etwas lieber, aber ich freue mich immer, wenn ein neues Buch der Autorin auf dem Markt erscheint und werde auch ihr nächstes Werk sicher wieder lesen.

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Veröffentlicht am 20.12.2023

Beängstigende Gehirnimplantate

Mind Gap
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Das Leben der Journalistin Silvie Mankowitz ändert sich innerhalb eines einzigen Tages komplett, als sie einen Telefonanruf von ihrem Bruder erhält. Diesen hat sie nämlich vor 2 Jahren beerdigt, und jetzt ...

Das Leben der Journalistin Silvie Mankowitz ändert sich innerhalb eines einzigen Tages komplett, als sie einen Telefonanruf von ihrem Bruder erhält. Diesen hat sie nämlich vor 2 Jahren beerdigt, und jetzt möchte er sie treffen und deutet an, dass er verfolgt wird und man ihn töten will.

Zu einem Treffen der Geschwister kommt es jedoch nicht mehr, und Silvie verliert Samuel ein weiteres Mal. Die Aussage, dass sich ihr Bruder das Leben genommen hat, glaubt sie keine Sekunde.

Mit ihren Nachforschungen stößt Silvie in ein Wespennest. Forscher haben einen Chip entwickelt den sogenannten Nink, der im Gehirn implantiert wird, und so war der ursprüngliche Plan, bei Soldaten belastende Erinnerungen löschen kann. Das spart Zeit und Kosten und hat den großen Vorteil, dass Soldaten in kürzester Zeit wieder einsatzbereit sind. Es entspinnt sich eine Geschichte über Machtmissbrauch im ganz großen Stil.

Es ist packend erzählt und auch tatsächlich nicht ganz unwahrscheinlich, dass sich Menschen freiwillig diesen Chip, implantieren lassen würden. Es gibt gewohnt viele Perspektiven bei Frau Freytag, aber nicht so viele, dass man den Überblick verliert.

Allerdings zieht die Geschichte auch ganz schön runter, denn alle Figuren in dieser Geschichte, die sich gegen das korrupte System stellen, sind letztendlich nur ganz kleine Rädchen, die nicht wirklich etwas ausrichten können gegen den allmächtigen Gegner. Es bleibt eine gewisse Hoffnungslosigkeit und das Ende ist auch nicht gerade aufbauend.


Fazit: Anne Freytag entwirft in ihrer Dystopie „Mind Gap“ eine spannende aber auch sehr düstere Zukunft. Die enthaltene Gesellschaftskritik regt zum Nachdenken an, hinterlässt aber auch eine recht hoffnungslose Stimmung. Das Hörbuch wird wirklich toll gelesen von Vera Teltz und Herbert Schäfer.

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