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Veröffentlicht am 30.03.2024

„Verwehre dir nicht die Dinge, die dich glücklich machen. Niemals!“

Melodie der Asche
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Als Spion in den Reihen eines grausamen Regiems kämpft Laudan, Sohn des Feldherren, für seinen Traum von Freiheit, den Caliyan, der mächtigste Magier aller Zeiten, schon längst aufgegeben hat - er strebt ...

Als Spion in den Reihen eines grausamen Regiems kämpft Laudan, Sohn des Feldherren, für seinen Traum von Freiheit, den Caliyan, der mächtigste Magier aller Zeiten, schon längst aufgegeben hat - er strebt nach Rache, für das, was ihm genommen wurde. Bei dem Versuch, die Rebellion vor der Vernichtung zu bewahren, trifft Laudan auf Vaelen, einen Fischer ohne Erinnerungen. Ihre Schicksale sind durch eine Melodie miteinander verwoben. Doch welche Chance hat ihre Liebe, wenn um sie herum die Welt in Krieg und Chaos versinkt?

Ich weiß nicht, wo ich beginnen und wo ich enden soll. Elya hat mit Melodie der Asche so ein eindrucksvolles, mutiges Debüt vorgelegt, fernab von jeglichem Romantasy-Einheitsbrei, das es mir schwer fällt, es einem bestimmten Genre zuzuordnen. Natürlich spielt die Liebe der beiden Protagonisten eine tragende Rolle. Die Liebe, die Zuneigung zwischen Laudan und Vaelen, die sich so zart entwickelt, aber vergleichsweise wenig Raum einnimmt insbesondere in der ersten Hälfte des Buches. Ist das schlimm? Um Himmels Willen, nein. Man spürt beide immer im Hinterkopf des anderen, aber sie haben wichtigere Dinge zu tun als einander hinterherzuschmachten. Sie haben alle Hände voll damit zu tun, am Leben zu bleiben und für ihre eigene Freiheit und für die Freiheit der Welt, in der sie leben, zu kämpfen.

„Ich will die Welt nicht. Ich will sie verändern. Mit dir“ S. 373

Die Geschichte wird in mehreren Zeitebenen erzählt - und ich bin Elya so dankbar, dass sie dem Leser zutraut, ihr auf diesem Pfad zu folgen. Für mich war es ein Puzzlespiel, ein Rätsel, das es bis weit über die Mitte des Buches zusammen zu setzten galt. Welche Stränge überlappen sich, welches Puzzleteil gehört an welche Stelle, welche Hinweise gibt uns Elya und wie passen sie am besten in das gesamte Spiel. Identitäten und überlappende Handlungsstränge galt es zu entschlüsseln! Oh, hat mir das Spaß gemacht! Insbesondere, da ich von Charakteren getragen wurde, die mir ans Herz gewachsen sind. Vaelen mit seinem unerschütterlichen Idealismus, der ungebrochene Wille und der Glaube an die Freiheit von Laudan und Caliyen mit seinem Schmerz, der in blutiger Rachsucht mündet. Ich konnte sie alle verstehen und wäre mit ihnen durch das feurigste Inferno gegangen. Mein liebster Nebencharakter war übrigens Laudans Freund Reskir, der auch in der Armee dient. Er bringt für mich die Lockerheit und den Witz ins Buch - den die anderen in ihrer Melancholie und in ihrem Schmerz (physisch wie psychisch) dringend benötigen. Ich liebe ihn einfach. Generell hat Elya mit ihrem großen Cast unheimlich verschiedene Figuren geschafften. Trotz der Fülle fiel es mir leicht, die einzelnen Figuren auseinanderzuhalten, oder ineinander zu fügen - ganz so wie es gerade von Nöten war. Und noch ein paar Worte zum Spicegrad - der hier zum Glück keine Gemüsesorten braucht, um angegeben zu werden. Dieser Roman funktioniert mit einer fantastischen Liebesgeschichte, in der die Liebe der Protagonisten in jeder Seite spürbar ist und auch ihr Handeln (klug!) bedingt, ohne, dass sie sich bei jeder Gelegenheit die Kleider vom Leib reissen müssen. Die Geschichte hat einfach so viel mehr Themen als die Lovestory - Rache, Hass, Hoffnung, der Freiheitsgedanke, eine blutige Rebellion gegen das Regime, die Stärke von Wort und Schwert - das sind die Fundamente der Geschichte.

„Aber was werden sie denken (…)“ „Dass Helden und Wunder existieren. Dass Hoffnung auf Freiheit existiert und dass das Licht des Morgens die Dunkelheit verdrängt.“ „Gut, geben wir ihnen einen Traum.“ S. 473

Oh, bin ich diesen Charakteren gerne durch ihre Welt gefolgt. Gleich ob ich mit Vaelen hinaus aufs tiefblaue Meer gefahren bin, oder mit Laudan eine hoffnungslose Schlacht geschlagen habe. Die Orte waren allesamt faszinierend - weil sie erfüllt waren von Leben, von Freundlichkeit, von Liebe, von Hass, Magie und Blut. Ich habe sie einfach gelebt und geliebt. Elya hat die Welt so reich und detailverliebt gestaltet, ohne sie zu erdrücken.

“So werden Männer gemacht.“ Mein Vater hatte unrecht. So wurden Monster gemacht.“ S. 28

Wer hier ein hartes Magiesystem mit all den Erklärungen erwartet, die sonst in High-Fantasy Geschichten vorkommen, der sucht vergebens. Die Magie ist hintergründig, bedarf jedoch keiner großen Erklärung. Ich habe sie auf jeden Fall nicht vermisst.

Elyas Sprache bewegt sich zwischen zart und klassisch - sie verleiht der Geschichte die Tiefe, sie trägt einen sicher durch die schockierenden Schlachten und abgrundtiefen Geheimnisse der Figuren, sie hat mich schimpfen, fluchen, lachen und schmerzvoll aufstöhnen lassen. Ihr Stil hat mich an die Geschichte gebunden.

Symbole ziehen sich durch das gesamte Buch. Das Seidenband, der Ring, um nur einige zu nennen, die mir auch schon auf dem Cover begegnet sind - die Autorin hat sowohl Cover als auch Karte sowie Seitenillustrationen selbst gezeichnet - man spürt das Herzblut, das in jede Seite geflossen ist. So stimmt einfach jedes kleine Sandkorn in den Sanduhren.

Das Buch ist ein Juwel, für alle, die gute High-Fantasy mit einem tragischen Liebespaar vertragen und die fernab von allen Romantasyklisches tief in den Freiheits- und Rachegedanken eintauchen mögen. Der Roman ist komplex, dramatisch und blutig - und er hat mich bis ins Mark berührt.

„Wollt ihr die Welt retten (…)?“ „Ich fürchte, dazu braucht es mehr als Kuchen. Lasst uns gehen.“ S. 364

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Veröffentlicht am 15.03.2024

Zornig und packend

She Who Became the Sun
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„Wenn du fliegst, schau nicht nach unten, oder du wirst begreifen, dass du das Unmögliche tust, und abstürzen.“

Das Zitat fasst exakt das zusammen, als was ich diesen ersten Band der Dilogie empfunden ...

„Wenn du fliegst, schau nicht nach unten, oder du wirst begreifen, dass du das Unmögliche tust, und abstürzen.“

Das Zitat fasst exakt das zusammen, als was ich diesen ersten Band der Dilogie empfunden habe. Als ein beständiges Wandeln am Abgrund. Wenn auch nur einer der Protagonisten einen Zeh in falsch setzt, wird er in den Abgrund stürzen. Dieser Gedanke ist die Triebkraft der Geschichte. Das Fieber. Die Vision, die für mich hinter diesem Stück historischer Fiktion steckt. Grandioser historischer Fiktion, ich sag es ganz simpel. Insbesondere die letzten Kapitel habe ich geradezu verschlungen - oder sie mich, ganz wie ihr wollt.

Der Roman erzählt eine alte chinesische Legende neu. China steht unter mongolischer Herrschaft. Eine Hungersnot zieht über das Land und die Menschen sterben wie die Fliegen. Der Bruder und der Vater sterben, das Mädchen ergreift die Chance und schlüpft in die Rolle des Bruders, sie nimmt sein Schicksal an um zu überleben. Auf mongolischer Seite dient der Eunuch Ouyang dem Prinzen als General seiner Armee und ist das Zünglein an der Wage von Sieg und Niederlage.

Beide Figuren hatten für mich eine ungeheure Kraft, die mich fasziniert und gleichzeitig erschreckt. Wir begleiten Zhu von Kindesbeinen an, und was zunächst scheint wie ein erzwungenes Ablegen der eigenen Identität, zieht sich das gesamte Buch hindurch. Diese „Suche“ nach ihrer eigenen in einer von Männern dominierten Welt habe ich selten so gut ausgearbeitet erlebt. Hinzu kommt noch, dass ich beständig mit Zhus Zorn konfrontiert war. Zunächst ein Funke, schafft er es, einen wilden Flächenbrand zu entzünden in der Geschichte, der mich mitgerissen hat und mich von einem Kloster bis an die Spitze eines Heeres gespült hat, immer Zhus Ziel im Blick. Sie will an die Spitze, und dabei nimmt sie auch herbe Verluste in Kauf. Ouyang hat für mich genau so eine Strahlkraft, aber auf eine gänzlich andere Art und Weise. Er muss mit Neid und Missgunst und dem ständigen Gefühl der Zerrissenheit klar kommen - seine Familie von der Familie ermordet, der er jetzt dient. Beide Protagonisten - auf verschiedenen Seiten - haben mich fasziniert, so unterschiedlich, vielschichtig und zerrissen habe ich sie wahrgenommen. Möchte sie als Freunde für Leben? Nur bedingt! Aber sie sind unglaublich spannende Figuren, die eine noch bei der Justierung der eigenen Identität, und die andere gebeugt von ihrer Entscheidung, einem Weg in den Abgrund folgend.

Wir haben hier ein Stück historische Fiktion vor uns, mit vorsichtig eingestreuten fantastischen Elementen, die nicht zu erdrückend wirken. Ich mochte die Art, wie hier mit der Phantastik umgegangen wird, sehr gerne, stehen doch die geschichtlichen Aspekte im Vordergrund.

Shelley-Parker Chan beschwört vor meinen Augen Sturmfluten, Klosteranlagen, Kaiserpaläste und wilde Schwertkämpfe herauf - ich war einfach nur gebannt - mit jeder Seite ein bisschen mehr - und kann es für jeden empfehlen, der sich durch zornige Protagonisten und eine militärisch geprägte Geschichte nicht abschrecken lässt. Es erwarten euch viele Wunder und das Buch hat seine ganz eigene Ästhetik.

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Veröffentlicht am 05.03.2024

Glück und Leid reiten auf der selben Welle

Demon Copperhead
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Demon Copperhead kommt mit einer Glückshaube zur Welt - das Meer wird der einzige Ort sein, an dem ihm nichts geschehen kann. Doch dem Jungen, der zum Jugendlichen und zum Mann heranwächst, widerfährt ...

Demon Copperhead kommt mit einer Glückshaube zur Welt - das Meer wird der einzige Ort sein, an dem ihm nichts geschehen kann. Doch dem Jungen, der zum Jugendlichen und zum Mann heranwächst, widerfährt so viel schreckliches, dass einem der Atem stockt und man den Kopf schüttelt ob der Grausamkeit. Demon kommt in einem Trailer in der sprichwörtlichen Pampa zur Welt - ein junge mit einer großen Klappe, einem zähen Überlebenswillen und kupferrotem Haar - der dem Leser ein Freund wird.

Mir jedenfalls. Ich hatte beständig das Gefühl, Demon hat sich als Fremder zu mir an den Tisch des Dinners auf abgewetzte Lederbezüge geschoben und mir bei einem Kaffe - oder dreien - seine Lebensgeschichte erzählt - eine Geschichte über Armut und Pflegefamilie, unermesslichen Verlust und große Liebe, über die Freundschaft und die Kraft der Menschen, die nicht aufgeben. Wir haben uns als Freunde verabschiedet, Demon und ich.

Die gesamte Geschichte wird aus Demons Perspektive erzählt - wen wunderts, schließlich erzählt er mir zwischen zwei Schlucken Kaffee seine Geschichte! Von seiner Geburt bis in seine Zwanziger - und ich hatte das Gefühl, dass er die sieben Höllenkreise alle durchquert hat. Und dafür musste er den Weg in die Hölle nicht einmal finden, er war schon Mitten drin. Und trotzdem hat das Buch seine Lichtmomente bewahrt. Momente, in denen Demon frei und glücklich sein konnte, auf seiner Reise von dem Trailer seiner Geburt, über Missbrauch und Pflegefamilien und Drogensucht. Es gab ein paar Dinge, die beständig waren - zum einen seine Comics, die er zeichnete. Zum anderen seine Liebe zum Meer, und zum letzten seine Liebe zu bestimmten Menschen - und diese Dinge machen ihn liebenswert - er nahm mich bei der Hand und führte mich durch den tiefsten Molloch seiner Seele.

Barbara Kingsolver hat eine eindringliche Art zu schreiben. Sie zog mich mit ihren Worten in ihren Bann, gleichzeitig hatte ich aber das Gefühl, sie kämen von Demon - dem Demon, der er retrospektiv in seinen späteren Lebensjahren als 10-jähriger war, dem Demon, der Fehler als Heranwachsender beginn, der sich rettungslos verliebte und dem alles genommen wurde. Besonders zu Beginn fiel mir auf, dass die Geschichte durch eine Art Filter erzählt wurde - so wie ein Kind eine Kindheit in systemischer Armut wahrnehmen muss.

Kingsolver spricht viele schwere Themen an, allen voran die institutionelle Armut - insbesondere die verheerenden Folgen für Kinder in den USA. Das Gesundheits- und Pflegesystem, die Spirale von Sucht und Entzug und vieles mehr - doch ich nahm alles durch Demons Augen wahr - und das machte es für mich nur noch wahrhaftiger und um Längen schrecklicher.

Was zudem heraussticht sind die Figuren, die Demon auf seinem Weg begleiten - vom besten Freund in Kindertagen, über seine Schwester im Geiste, über denjenigen, der ihm zeigt, was er kann, aber auch über jene, die ihn ausnutzen und in den Abgrund führen.

Das Buch hat mich berührt, es ist hart und wichtig - und ich sehe Demon noch lange nach, vor mir eine Tasse Kaffee, die kalt geworden ist.

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Veröffentlicht am 30.01.2024

Spannende Fortsetzung mit neuen Schauplätzen

Jade War - Magie ist Macht
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Jade War von Fonda Lee

Ein wahnsinnig fesselnder, kluger und actionreicher zweiter Band, der selbst mich, die nicht so viel mit wirtschaftlichem Verstrickungen und politischen Fallstricken am Hut hat, ...

Jade War von Fonda Lee

Ein wahnsinnig fesselnder, kluger und actionreicher zweiter Band, der selbst mich, die nicht so viel mit wirtschaftlichem Verstrickungen und politischen Fallstricken am Hut hat, mit wirtschaftlichen Beratungen zu fesseln wusste.

Nachdem im ersten Band so viel schreckliches geschehen ist und mir Hilo (der Pfeiler des Clans), Shae (der Wettermacher), Wen (Hilos Frau und ein Steinauge) und Anden (der sich vom Clan abgewandt hat) wirklich ans Herz gewachsen sind, konnte ich den zweiten Band nicht schnell genug in den Händen halten.
Fonda Lee beweist eines gleich auf den ersten Seiten. Sie hat die gesamte Welt so geschickt aufgebaut, mit all ihren Facetten, dass sie eigentlich nicht den großen Erklärbär an die Front schicken muss, sondern die Figuren in ihrer Stadt, in ihrem wirtschaftlich, politisch und privaten Umfeld einfach handeln lassen kann. Dass ein Pfeiler das Oberhaupt des Clans ist, bekommt der Leser aus dem Kontext mit. Das soll nur ein Beispiel sein, wie gut Fonda Lee ihre eigene Welt beherrscht.

Ob der Leser von dem Buch vollgepackt mit brutalen Clankriegen, mit Jademagie und Intrigen, KungFu-Action und Verhandlungskunst, mitgerissen wird oder nicht, steht und fällt meiner Meinung nach mit den Figuren. Mit Hilo, der hin und hergerissen ist zwischen der Verantwortung als Pfeiler und seinen familiären Pflichten. Mit Wen, die trotz ihres Daseins als Steinauge, die die Jade nicht spüren kann, ein wichtiges Glied des Clans sein will. Shae, die als Wettermacherin die wirtschaftlichen Geschicke des Clans lenken muss, trotzdem aber von den Traditionen abweicht. Von Anden, dessen Geschicke ich besonders gerne verfolgt habe, da er seine Jade aufgrund der Ereignisse im ersten Band abgelegt und bei Hilo in Ungnade gefallen ist und deshalb einen anderen eigenen Weg finden muss.

Das Buch hat mich gefesselt. Ich konnte es kaum aus der Hand legen, vor allen Dingen da mich einige Entscheidungen geliebter Figuren vollkommen aus der Bahn geworfen haben. Das ist die Kunst, die Fonda Lee formvollendet beherrscht. Sie lässt ihre Charaktere unbequeme Entscheidungen treffen, lässt sie gegen den Strom schwimmen, und gestaltet diese Entscheidungen aber so, dass sie in den Entwicklungsprozess des Charakters hineinpassen und ich als Leserin die Zuneigung oder den Respekt vor dem Charakter nicht verloren habe. Das lag wohl auch daran, dass die Figuren so vielschichtig waren. Sie hatten sich dick in die verschiedenen Aspekte ihrer Seele verpackt - manche Blätter haben wir im ersten Band schon gelöst, an manchen zupft man in diesem Band und andere bleiben fest am Seelenkern verankert bis zum letzten Band.

Jade War ist weder ein Jugendbuch, noch schont es die handelnden Figuren. Ich wusste bis zum Schluss nicht, ob meine Lieblinge überleben werden oder ob sie doch noch im Kugelhagel umkommen oder Opfer der Jadekräfte werden.

Die unterschiedlichen Schauplätze (ja, es kommen noch ein paar dazu) hat Fonda Lee richtig gut in meinem Kopf lebendig werden lassen. Es hat wohl auch nicht geschadet, dass ich ständig eine Art Anime aus den 80ern oder 90ern im Kopf hatte, der das geschriebene Wort wunderbar illuminiert hat.

Mir bleibt nur zu sagen, dass ich nach dieser starken Fortsetzung auf den dritten Band giere.

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Veröffentlicht am 11.01.2024

Rasantes Spektakel

Das Herz der Sonne
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Wisst ihr, ich glaube, dass Brandon Sanderson beim Verfassen dieses vierten Secret Projects lachend und Händereibend vor seinem PC gesessen hat, während die Worte von seinem Kopf direkt aufs Papier gewandert ...


Wisst ihr, ich glaube, dass Brandon Sanderson beim Verfassen dieses vierten Secret Projects lachend und Händereibend vor seinem PC gesessen hat, während die Worte von seinem Kopf direkt aufs Papier gewandert sind. Es ist der Roman, der die engste Bindung zum Kosmeer aufweist und viele Anspielungen und Hinweise insbesondere auf die Sturmlichtchroniken enthält. Es ist Sandersons ganz eigene Kunst, den Roman sowohl für die Sturmlicht-Fans wie mich als auch für diejenigen, die neu in sein Universum hereinschnuppern interessant zu gestalten. Perfekt gemacht, Brandon. Natürlich erhält man auch ein paar Informationen über das Kosmeer an sich, aber ich empfand es niemals als einen fetten Spoiler oder zu viele Hinweise oder Infos.

Sanderson schafft eine vollkommen neue Welt, in der Nomad erwacht und sich angekettet mit anderen Menschen in der Morgendämmerung wiederfindet. Der Clou? Er soll gleich sterben, denn die Sonne verbrennt alles, was sie berührt. Mit letzter Kraft kann er sich befreien, aber sein Schicksal als Held dieser Welt hat gerade erst begonnen.

Man wird - wie Nomad genauso - in diese Welt hineingeworfen und muss um sein Leben bzw. um das Verständnis der für uns völlig fremden Welt kämpfen. Auf den ersten paar Dutzend Seiten hatte ich genug damit zu tun, mit Nomad vor Gefahren weg zu laufen, zu kämpfen oder nicht zu verbrennen. Man stellt automatisch eine Bindung zu ihm her, und erst als man dann irgendwann verschnaufen kann, kommt das Verständnis für diese Welt auf. Ich wurde von der Action zu Beginn getragen, verbunden mit dem Verständnis für Nomad (der übrigens einen herrlichen Sinn für Humor hat) und wurde von dem Buch mit Haut und Haaren verschlungen.

Nomad hat einen Partner im Geiste - für alle, die sich in Sandersons Sturmlichtuniversum auskennen, werden wohl wissen, was für einen Partner ich meine. Auxilium ist herrlich - er ist schon lange Zeit an Nomads Seite und hat einen bissigen, sarkastischen Sinn für Humor. Ich habe manchmal laut loslachen müssen, so sprühend war der Austausch zwischen den beiden Freunden, insbesondere da Aux immer Adverbien in seine wörtliche Rede mit einfügt - seine Stimme hört sich in Nomads Kopf reichlich monoton an. Da treibt den Protagonisten abwechselnd zur Weissglut und bringt ihn zum Lachen. Wie alle Protagonisten von Sanderson schleppt auch Nomad einigen Balast mit sich herum, vom dem wir nach und nach in der Geschichte erfahren. Auch hier gillt: Sanderson offenbart genau so viel, dass die Geschichte funktioniert, und genauso wenig, dass man mehr erfahren will.

Auch die Bewohner des Planeten waren ziemlich spannend, ihre Technik, ihr Glauben und ihre Art mit Tod und Verlust umzugehen, der ihnen auf Schritt und Tritt gefolgt ist. Sie waren ständig in Bewegung, im wahrsten Sinne des Wortes. Sandersons Lösungen für die Problematiken der Welt haben mich überrascht. Außerdem glaube ich nicht, dass mir in irgendeinem von Sandersons Büchern schon mal das Wort „Jeans“ über den Weg gelaufen ist.

Ein wahrlicher Pageturner, von dem ich zwei Tage lang nicht die Finger lassen konnte, und eine Empfehlung für alle Kosmeer-Fans und alle Sanderson-Neulinge, denen ein kleiner Blick in fremde Welten und auf das Universum, das Sanderson so fleissig bevölkert, bespielt und bekriegt, nicht zu viel ist.

Was mir dennoch negativ aufgestoßen ist, waren die Rechtschreibfehler, die doch gehäufter vorkamen, als es eigentlich der Fall sein sollte bei einem qualitativ hochwertigen Roman.

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