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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 21.04.2024

Interessant und inspirierend

Literatour
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Hermann Schmidt, seines Zeichens Vielleser, nimmt uns mit auf eine Litera-tour, eine Reise durch das Leben und die Werke von Autoren, die der Welt, noch lebend oder bereits tot, etwas Bleibendes hinterlassen ...

Hermann Schmidt, seines Zeichens Vielleser, nimmt uns mit auf eine Litera-tour, eine Reise durch das Leben und die Werke von Autoren, die der Welt, noch lebend oder bereits tot, etwas Bleibendes hinterlassen haben.
„Ob Lehrer wirklich wissen, wie viel Einfluss sie auf die Interessen und das Leben ihrer Schülerinnen und Schüler nehmen können?“ Die persönliche Note zeigt sich bereits in der Einteilung der Kapitel in Leseverführer, Meistererzähler, Zauberer der Poesie, Dichter für eine bessere Welt, Klassiker der Moderne, neue deutsche Klassiker, meine Lieblingserzähler der Gegenwart und literarische Genies, denen ganz subjektiv Autoren von „Wilhelm Busch, der ewige Junggeselle“ bis „Franz Kafka, der Größte“ zugeordnet werden.
Der Verlauf der Tour folgt einem bestimmten Muster: Die Persönlichkeit wird anhand einer kurzen Biografie vorgestellt, Schmidts Lieblingswerke werden in eine Reihenfolge gebracht und sein Favorit mit Textauszügen präsentiert, während weiterführende Texte und besuchenswerte Orte den Abschluss bilden.
Man mag dem Kanon eine gewisse Einseitigkeit vorwerfen (Nur sieben der fünfundfünfzig vorgestellten Schriftsteller sind Frauen, mehr als die Hälfte kommt aus dem deutschsprachigen Raum.), aber es handelt sich eben um den persönlichen Erfahrungsschatz und nicht um eine vorgebende Leseliste. Interessant und inspirierend sind die Porträts allemal. Das Buch ließ mich mehrfach aufhorchen und Werke vormerken, zu denen ich gerne einmal greifen würde.

Veröffentlicht am 20.04.2024

Stochern im Nebel

Der falsche Vogel
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Der Antiquitätenhändler Arthur hinterlässt nach seinem Tod seiner ehemaligen Schülerin und seiner Freundin einen rätselhaften Brief mit Hinweisen, denen sie folgen sollen, um diverse Geheimnisse aufzuklären. ...

Der Antiquitätenhändler Arthur hinterlässt nach seinem Tod seiner ehemaligen Schülerin und seiner Freundin einen rätselhaften Brief mit Hinweisen, denen sie folgen sollen, um diverse Geheimnisse aufzuklären. Gemeinsam begeben sich die beiden, das sind Freya und ihre Tante Carole, auf ein Anwesen, dessen antike Gegenstände begutachtet werden sollen, und damit in Gefahr, weil sie einer Verschwörung auf der Spur sind.
„As someone told me yesterday, we‘ve lost not only a dear friend but our very own Indiana Jones, with his antiques and antiquities from all over the world . . .“ Mit Anspielungen auf Miss Marple oder Indiana Jones werden wir gelockt, „The Antique Hunter‘s Guide to Murder“ zu lesen. Doch wird das Buch solchen bekannten Vorbildern tatsächlich gerecht?
In meinen Augen wurden da zu hohe Erwartungen geschürt. Wir erhalten zwar ein „Cosy Crime“, bei dem zwei unbedarfte Protagonistinnen im englischen Nebel stochern, aber das „Mystery“ wirkt doch sehr konstruiert. Von detektivischen Fähigkeiten oder Spannung war für mich wenig zu spüren; stattdessen ließen mich unglaubwürdige Details häufig die Stirn runzeln.
Auch wenn mir die Hauptfiguren nicht unsympathisch waren, habe ich geringes Interesse daran, die Fortsetzung zu lesen. Während die Lektüre eine leichte und schnelle war, wurde meine Hoffnung, durch eine atmosphärische Stimmung in den Fall hineingezogen zu werden, leider enttäuscht.

Veröffentlicht am 14.04.2024

Neue Gewohnheiten

111 Healthy Habits
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Der Ratgeber „111 Healthy Habits“ legt nahe, dass ein gesunderer Lebensstil durch das Ändern von kleinen Gewohnheiten möglich ist. Die Tipps sind in die Kategorien Lebensfreude und Zufriedenheit, Bewegung ...

Der Ratgeber „111 Healthy Habits“ legt nahe, dass ein gesunderer Lebensstil durch das Ändern von kleinen Gewohnheiten möglich ist. Die Tipps sind in die Kategorien Lebensfreude und Zufriedenheit, Bewegung und Aktivität, gesunde Ernährung, Entspannung und guter Schlaf, Ordnung und Planung sowie eine ausgewogene Work-Life-Balance eingeordnet.
Das Buch bringt einige Ärgernisse mit sich. Schon der Begriff „das healthy habit“, der ausgiebig im Text verwendet wird, fühlt sich für mich sperrig an. Zudem werden mitunter kurze Behauptungen in den Raum gestellt, die sich auf Studien beziehen, die nicht als Quelle angegeben werden, aus der sich ein Sachverhalt vollständig erschließen würde. Schlussendlich fällt auf, dass mehrfach etwas zuvor Genanntes als separater Tipp in neuem Gewand daherkommt (beispielsweise „Steige eine Station früher aus und bewege dich mehr“ gegenüber „Zähle deine Schritte und bewege dich viel“).
Gut gefallen hat mir die Struktur, die einen Überblick zu einer neuen Kategorie gewährleistet und Zwischenstopps mit Fragen zur Selbstreflexion anbietet. Auch wenn nicht jeder Tipp neu oder realistisch ist (z.B. feste Zeitpunkte zu setzen, um täglich eine gute Tat zu vollbringen), habe ich unter den Vorschlägen durchaus Inspiration gefunden. Einen nützlichen Abschluss bildet das letzte Kapitel, das darauf eingeht, wie neue Routinen etabliert werden können.

Veröffentlicht am 17.03.2024

Eiertanz

Kosakenberg
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Eine Frau hat es geschafft - aus dem Dorf ihrer Kindheit nach London, wo sie nun lebt und arbeitet. Die Besuche in der mecklenburgischen Provinz zeugen vom harten Kontrast zwischen Landleben und Weltstadt.
Unaufgeregt ...

Eine Frau hat es geschafft - aus dem Dorf ihrer Kindheit nach London, wo sie nun lebt und arbeitet. Die Besuche in der mecklenburgischen Provinz zeugen vom harten Kontrast zwischen Landleben und Weltstadt.
Unaufgeregt berichtet die Ich-Erzählerin, wie viele weggingen - die einzig logische Konsequenz, wenn man etwas werden wollte. Die Zurückgebliebenen arbeiten an der Tankstelle oder verkaufen Eier. Letzteren wird ein ganzes Kapitel gewidmet, in dem, mal bezeichnend, mal leicht übertrieben, die Bedeutung dieses Naturprodukts hervorgehoben wird. „Zehn Eier steckten in der Packung. Sie hatten die weite Reise von Kosakenberg nach London, tausend Kilometer, überstanden.“
Ich kann gut verstehen, dass sich die Protagonistin für ihre Entscheidung, den Ort zu verlassen, nicht verurteilen lassen will. Doch ihre Art, wie sie Selbiges mit ihren Freunden von damals tut, weil sie noch dort sind, hat etwas Herablassendes, was sie nicht sympathisch erscheinen lässt.
Gut gefallen haben mir die Rückblicke in die DDR-Vergangenheit und in das Familienleben, die sehr gut die Wehmut widerspiegeln, die mit einer Heimkehr verbunden ist. Denn auch wenn wir uns abgewandt haben, können wir unsere Herkunft nicht verleugnen.

Veröffentlicht am 03.02.2024

Wilde Zeiten in der DDR

Heinz Labensky - und seine Sicht auf die Dinge
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Heinz Labensky verlässt das „Feierabendheim“ in Erfurt und begibt sich auf die Reise an die Ostsee, von wo ihn ein mysteriöser Brief erreicht hatte. Unterwegs im Flixbus erzählt er Mitreisenden von seiner ...

Heinz Labensky verlässt das „Feierabendheim“ in Erfurt und begibt sich auf die Reise an die Ostsee, von wo ihn ein mysteriöser Brief erreicht hatte. Unterwegs im Flixbus erzählt er Mitreisenden von seiner aufregenden Vergangenheit im Osten Deutschlands.
Es wirkt, als habe das Autorenduo die Mission verfolgt, den „Hundertjährigen, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ nach Deutschland zu verlegen. Der Protagonist hat mit seinen 79 Jahren, trotz der territorialen Begrenzung der DDR, Unglaubliches erlebt. So stehen etwa Begegnungen mit der RAF und der Stasi auf dem Programm oder die Suche nach dem Bernsteinzimmer in einem alten Nazibunker.
Da unser Heinz selbst nicht die hellste Kerze auf der Torte ist, werden Abkürzungen und Hintergründe ausführlich erklärt, denn sie sind dem Erzähler manchmal selbst nicht so klar, wie sie es den Lesern sein sollen. Ich habe dies stellenweise als übertrieben empfunden, zumal für die Beschreibungen meist blumige Vergleiche im Stile von „Jetzt schwitzte er blödsinnig wie ein Pudding beim Picknick.“ herangezogen werden, die ich auf Dauer als nervig empfand.
Die Unterhaltsamkeit möchte ich dem Buch aber nicht absprechen. Es wurde tief in die Mottenkiste gegriffen, um ein DDR-Abenteuer zu erschaffen, das keineswegs Langeweile aufkommen lässt. Die Hauptfigur ist stets bemüht, das Richtige zu tun, und erweckt mit ihrer Redseligkeit eine gewisse Sympathie. Die Auflösung lässt schließlich selbst dieser Kerze ein Licht aufgehen.