München 1911
Café AltschwabingCläre ist in Kaufering aufgewachsen und der Tod der Mutter verhindert, dass sie wie geplant ihr Abitur ablegen kann. Doch dann verstirbt die Tante und ihr letzter Wunsch ist es, dass die Nichte in München ...
Cläre ist in Kaufering aufgewachsen und der Tod der Mutter verhindert, dass sie wie geplant ihr Abitur ablegen kann. Doch dann verstirbt die Tante und ihr letzter Wunsch ist es, dass die Nichte in München ihr Abitur macht und sich ihren Traum von einem Studium erfüllt.
Cläres Geschichte ist nur ein Teil einer sehr interessanten Familiengeschichte. Riccarda, die Lebensgefährtin von Cläres Tante Luise führt das Café Altschwabing, in denen sich Literaten, Künstler und Journalisten einfinden und über die Zukunft ihrer jeweiligen Handwerke diskutieren. Wir begegnen hier Größen wie Kandinsky und Franz Marc, Literaturnobelpreisträger Paul Heyse und den Redakteuren des Simplicissimus.
Ihre Tochter Charlotte ist freischaffende Fotografin, ihr Bruder Peter ist Ingenieur bei der AEG in Berlin. Und Cläres Bruder Max studiert Jura in München und ist Mitglied einer Studentenverbindung. Zwischen den jungen Leuten entsteht eine gewisse Dynamik, die die Lebensplanungen doch ein wenig auf den Kopf stellen.
Gerade die Männer stoßen mit ihren liberalen und eher fortschrittlichen Ansichten in ihrem Umfeld auf Unverständnis und Hass, gerade während der Marokko Krise 1911. Das Reich bereitet sich auf Krieg vor, da eckt man mit einer pazifistischen Grundeinstellung schnell an.
Mir hat das Buch ausgesprochen gut gefallen. Es zeichnet ein gutes Bild der Gesellschaft im Kaiserreich so kurz vor dem ersten Weltkrieg. Die Autorin schafft es die wichtigsten damaligen Strömungen in der Gesellschaft darzustellen. So kommen auch die Münchner Frauenrechterinnen zu ihrem Auftritt und gerade Cläre hat es in ihrem Mathematik Studium nicht einfach.
Was mir gut gefallen hat war, dass das Buch bereits vor dem ersten Weltkrieg endet. Man weiß zwar, was auf die Protagonisten in den kommenden Jahren zukommt, aber trotzdem kann man das Buch am Ende mit einem guten Gefühl schließen und ihnen allen eine gute Zeit wünschen, bevor die Welt zu brennen beginnt.
Alles in allem war es ein sehr gut zu lesendes Buch, das wirklich eine Vielfalt an Themen abbildet. Ich kann es auf jeden Fall empfehlen.