Mir fehlte der "Schritt" in die Story
The Hurricane WarsSchreibstil:
Den Schreibstil der Autorin fand ich sehr bildlich und ausschweifend, teilweise auch etwas kompliziert bzw. verbaut. Ich hatte öfters das Gefühl, dass das Wesentliche gar nicht beschrieben ...
Schreibstil:
Den Schreibstil der Autorin fand ich sehr bildlich und ausschweifend, teilweise auch etwas kompliziert bzw. verbaut. Ich hatte öfters das Gefühl, dass das Wesentliche gar nicht beschrieben wurde, Unwesentliches dafür sehr ausführlich. So fiel es mir lange Zeit schwer, der Handlung und vor allem den vorgestellten Figuren und historischen Ereignissen zu folgen. Ich fühlte mich die ganze Zeit höchstens als Beobachterin und nicht wirklich, als wäre ich dabei. So war der Schreibstil wenig nahbar und gab auch wenig über seine Figuren preis, da Emotionen usw. großteilig weggelassen wurden.
Was ich außerdem noch etwas gewöhnungsbedürftig, aber nicht unbedingt schlecht fand, waren die Wechsel der POV innerhalb eines Kapitels. Ich hätte mir aber dennoch öfters mal ausführlichere Schilderungen innerhalb der Perspektiven statt kurzer Einschübe gewünscht.
Zur Geschichte allgemein:
Ich bin wirklich schlecht in die Story reingekommen und eigentlich kann man auch nicht davon sprechen, das ich überhaupt irgendwann hineingefunden habe. Gleich zu Anfang werden unheimlich viele Namen, Geschehnisse und Sachverhalte der dargestellten Welt dargelegt. Einerseits ist das natürlich in dem Genre ganz normal, dass man sich anfangs in der Welt zurechtfinden muss und vielleicht auch erstmal leicht überfordert ist, andererseits war es aber auch schlicht zu viel. Man war mehr damit beschäftigt, zu versuchen, die Welt zu verstehen, als der Handlung zu folgen.
Dazu kam, dass Talasyn nicht wirklich zugänglich wirkte. Sie ist abgeklärt, nahezu emotionslos, denkt nicht wirklich über den Tellerrand hinaus und handelt in den meisten Fällen auch nicht selbstständig. Es braucht immer einen Stoß von jemandem von außen, bevor sie überhaupt etwas macht. Das machte sie für mich eher schwach und unselbstständig, zudem konnte ich ihre Person nicht gut greifen. Die Verweise auf ihre Vergangenheit, die sie immer sehr vage gehalten hat, haben da auch nicht mehr helfen können.
Anders war es bei Alaric. Durch die Hintergründe mit seinem Vater, seine Gedanken zu Talasyn, zum Krieg und seiner Person als Kaiser hat er für mich weitaus mehr Tiefe bekommen und dazu auch Gefühle gezeigt. Mit ihm konnte ich fühlen, habe mitgefiebert und fand seine POV-Kapitel dann auch immer sehr gut. Aber auch an ihm wurde Talasyns fehlende Tiefe spürbar, denn es ist gerade anfangs nicht leicht, seiner Schwärmerei zu folgen.
Die Welt, in der man sich hier bewegt, ist eigentlich recht spannend. Sie ist groß aufgebaut, hat ihre Mythen und magischen Elemente, verschiedene Einwohner:innen und Landschaftsstriche und noch dazu gibt es einiges, was die Welt geradezu in sich selbst lebendig erscheinen lässt. Besonders letzterer Aspekt hat wesentlich zur Handlung beigetragen und konnte sogar Spannung erzeugen.
Gleichzeitig aber ging es die Hälfte des Buches nur um Krieg. Das fand ich etwas schade für diese Welt und noch zudem eher langweilig. Vieles blieb lange quasi im Repertoire bis es gebraucht wurde, statt aktiv bezeichnend für die Welt zu sein. Man merkte richtig, wie die Autorin nach und nach etwas hervorholte, wenn sie meinte, es würde dann jetzt helfen. Und das, obwohl es schon vorher beschrieben wurde.
Der Spannungsverlauf war für mich praktisch gar nicht gegeben. Da ich keine richtige Verbindung zur Hauptprotagonistin aufbauen konnte, war es mir gelinde gesagt egal, was sie als nächstes tut. Ich habe gelesen und darauf gehofft, dass jetzt endlich mal etwas passiert, was mich gebannt den Atem anhalten lassen würde. Irgendwas, dass mich dazu hat bringen können, über das weitere Vorgehen nachzudenken, mich miträtseln zu lassen.
Zwar wurde es ab dreiviertel des Buches etwas besser, aber es reichte nicht, um mich an die Handlung zu fesseln und ich war mehrmals geneigt, das Buch abzubrechen und habe es dann nur zu Ende gehört.
Letzen Endes fühlte sich die Story an, als würde sie lediglich auf etwas hinauswollen, es aber noch nicht selbst erzählen. Wie eine riesengroße Einleitung vielleicht. Nur verwunderlich, dass dann so trotzdem noch einiges ungeklärt blieb, Figuren einfach auftraten, ohne, dass ich sie zuordnen konnte, und das Buch fast sechshundert Seiten lang ist.
Einzig positiv werten konnte ich die Liebesgeschichte, die mich an klassische Fantasybücher erinnert hat, weil es sehr Slow Burn war und der Fokus nicht auf der Liebesgeschichte lag, sondern wohl mehr auf dem Drumherum (liegen sollte).
Fazit:
Hurricane Wars konnte mich leider so gar nicht überzeugen. Es war mir zu flach, zu kompliziert erzählt, ich konnte keine Verbindung mit der Hauptprotagonistin aufbauen und die Spannung fehlte einfach komplett. Es ist ein Fantasybuch, ja, aber Fantasy kann auf 600 Seiten durchaus mehr und das hat die Autorin hier nicht bewiesen. Es gab einfach zu viele Lücken, die den Lesefluss gebrochen haben.
Gerade so 2 von 5 Sterne von mir.