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Veröffentlicht am 23.02.2024

Emily und ich wären beste Freundinnen

Emily Wildes Enzyklopädie der Feen
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„Ich war es gewohnt, Geschichten über Feen aufzuzeichnen – ich hatte nicht damit gerechnet, in einer mitzuspielen, das hatte ich nie gewollt. Ich gehörte mit Stift und Block schön außerhalb des Geschehens.“ ...

„Ich war es gewohnt, Geschichten über Feen aufzuzeichnen – ich hatte nicht damit gerechnet, in einer mitzuspielen, das hatte ich nie gewollt. Ich gehörte mit Stift und Block schön außerhalb des Geschehens.“ (S. 255)

Emily Wildes lebt für die Forschung über Feen und ihr Ziel ist es, eine ausführliche Enzyklopädie zu schreiben. Sie hat schon viele Forschungsreisen unternommen; und dieses Mal führt es sie in den weitesten Norden nach Ljosland. Dort möchte sie etwas über die Verborgenen erfahren und ihre Enzyklopädie abschließen. Dazu führt sie ein Tagebuch. „Dieses Tagebuch hat zwei Aufgaben: Es soll meine Erinnerung stützen, wenn ich meine Feldnotizen formal ordne, und es soll späteren Forschern als Protokoll dienen, falls ich vom Kleinen Volk gefangen werde.“ (S. 5)
Obwohl Emily sich vornimmt, Freundschaften im Dorf zu schließen, verärgert sie gleich am ersten Abend die Dorfvorsteherin Aud, obwohl sie sich nicht erklären kann, wie sie das geschafft hat. Trotzdem konzentriert sie sich auf ihre Feldforschung und streift durch die Wildnis. Nach ein paar Tagen ist sie jedoch ganz verzweifelt, weil sie kein Feuerholz mehr hat und es nicht alleine spalten kann; weil ihr Frühstück immer verbrannt ist und die Lebensmittelkosten im naheliegenden Dorfladen horrende sind. Und dann erscheint auch noch ihr Widersacher Wendell Bambleby mit zwei seiner Studenten in ihrem Häuschen. Kann es noch irgendwie schlimmer werden?

Emily Wilde ist eine Protagonistin ganz nach meinem Geschmack: sie stellt die Forschung über alles, manchmal auch über ihr eigenes Leben „Wir können nicht alle aus Stein und Bleistiftspänen bestehen.“ (S. 174); sie bevorzugt die Gesellschaft von Büchern gegenüber den Menschen „»Sitzt du lieber hier und steckst die Nase in ein Buch?« »Deutlich lieber«, sagte ich […].“ (S. 179); ihre sozialen Fähigkeiten sind gelinde gesagt mangelhaft „Ach, Em, […]. Du bist der klügste Dummkopf, dem ich je begegnet bin.“ (S. 297); sie ist sehr belesen und hat einen scharfen Verstand. „Eure sterbliche Geliebte hat einen Verstand wie ein Kristall […]. Scharf und kalt.“ (S. 289)
Das alles macht sie als Forscherin von Feen ideal, da diese mit Gefühlen und Ängsten spielen. Klar bei Verstand zu bleiben, ist eine Kunst, die Emily perfektioniert hat. Trotzdem kann sie ihr Vorhaben nicht alleine schaffen, das beweist ihr nicht zuletzt Wendel Bambleby immerzu.

Emily Wildes Enzyklopädie der Feen ist ein aufregendes Abenteuer, voller Spannung und grausigen Feen. Es beinhaltet nicht nur viele Geschichten über diese Wesen, sondern auch viele Geheimnisse. Und am Ende muß man feststellen, dass nicht alle Feen grausam sind. Aber die meisten. Und die Gesellschaft von anderen ist gar nicht so übel, sind sie doch verläßlicher als Bücher. Manchmal zumindest.

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Veröffentlicht am 06.11.2022

Außen hübsch, innen spannend

Schöpferin der Mondmagie - Sonnengeküsst
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„»Du bist eine Qamar«, mischt sich Reuel nun ein. »In der Sprache der Menschen wäre das wohl eine Mondhexe.“ (S. 30)

Sonnengeküsst ist ein gelungener Auftakt der Trilogie Schöpferin der Mondmagie. Nach ...

„»Du bist eine Qamar«, mischt sich Reuel nun ein. »In der Sprache der Menschen wäre das wohl eine Mondhexe.“ (S. 30)

Sonnengeküsst ist ein gelungener Auftakt der Trilogie Schöpferin der Mondmagie. Nach einem aufregenden Prolog geht es direkt in die Geschichte, die aus Lyras Sicht erzählt wird. Sie ist 19 Jahre alt, lebt mit ihrem Vater über dessen Antiquariat und geht zusammen mit ihrem Freund Kegan aufs College. Als sie im Laden aushilft und eine Kiste auf Kostbarkeiten untersucht, findet sie einen Traumfänger, der ihr die Wahrheit über ihr Leben offenbart: sie ist eine Mondhexe. Und kurz danach entpuppt sich ihr Freund Kegan als Solarier.

Die Welt der Qamar, der Mondhexen, ist sehr rau und karg, doch hat sie auch ihre schönen Seiten. Neben unserem Mond scheint für die Qamar in ihrem Land Numar auch ein pfirsichfarbener, der den Qamar ihre Magie verleiht. Die Nächte sind in diesem Land länger, sodaß der Rhythmus von Lyra schnell durcheinander gerät.
An Numar grenzt das Land der Solarier, Nathaira. Wenig überraschend bekommen die Solarier, ein Kriegervolk, ihre Macht von der Sonne und die Tage sind dort länger. Die Krieger jagen und fangen die Qamar, um ihre Magie zu nutzen.

Obwohl Kegan behauptet, nichts von Lyras wahrer Natur in der Menschenwelt gewußt zu haben, ist er immer noch der Feind. Doch das Orakel der Qamar hat einen anderen Plan, und Lyra ist ein wichtiger Teil davon. Es entspinnt sich eine Romeo-und-Julia-Geschichte, mit zwei Liebenden aus verfeindeten Familien. Lyra ist hin und her gerissen zwischen ihren Gefühlen, ihrem neuen Leben als Qamar und was sie furchtbares über die Solarier erfahren hat.

Besonders die Welt der Solarier, Qamar und die Magie, die in dieser existiert, haben mich fasziniert. Alles ist so anders und neu, ganz aufregend und schön.
Durch die angenehme Erzählweise fliegt man gerade so durch die Geschichte und findet sich an einem offenen Ende wieder. Das war zu erwarten, denn die Trilogie sieht zusammen so hübsch aus, daß man auch einfach weiterlesen muß.

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Veröffentlicht am 12.01.2022

unterhaltsame Comicstreifen

Quiet Girl (deutsche Hardcover-Ausgabe)
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„Oberflächliche soziale Interaktion und Überstimulierung entziehen Introvertierten ihre ganze Energie.“ (S. 156)

Debbie Tung zeigt in autobiografischen, kurzen Comicstreifen das Leben einer Introvertierten. ...

„Oberflächliche soziale Interaktion und Überstimulierung entziehen Introvertierten ihre ganze Energie.“ (S. 156)

Debbie Tung zeigt in autobiografischen, kurzen Comicstreifen das Leben einer Introvertierten. Die Protagonistin heißt selbstverständlich auch Debbie - sonst wäre es nicht autobiografisch - und ist zu Beginn der Graphic Story eine Studentin. Auf dem ersten Bild, welches über zwei Seiten geht, sitzt Debbie unter einem Baum, umgeben von Laptop und Büchern. Im Hintergrund sieht man eine Universität und verschiedene Menschen auf den Wegen oder ebenfalls unter Bäumen sitzend. Menschen und Umgebung sind mit einem Fineliner vorgezeichnet und anschließend in Grautönen grob ausgetuscht. Insgesamt ist es ansprechend, da das Auge direkt auf den Fokus des Bildes gezogen wird ohne von zu vielen Details abgelenkt zu werden.
In den Comicstreifen werden Alltagssituationen mit Debbie im Mittelpunkt dargestellt. Sie gehen meist über eine Doppelseite und konzentrieren sich auf Debbies Interaktion mit anderen. Trotz der Einfachheit der gezeichneten Personen sind Anhand von Körperhaltung, Mimik und Gestik alle wichtigen Emotionen klar erkennbar.
Im Laufe der Geschichten gesellt sich Jason zu Debbie, ihr Freund und späterer Ehemann. Er bringt Abwechslung in den Alltag und macht Debbie auf bestehende Probleme aufmerksam. „Ich bin sozial inkompetent und komisch.“ (S.43)
Debbies Erinnerungen an ihre Kindheit zeigen, daß sie sich schon immer gerne selbst beschäftigt hat und schwer Freunde fand. Doch der Druck von ihren Eltern und der Schule haben sie dazu gezwungen, nicht auf sich selbst acht zu geben und sich in ein Leben zu zwängen, daß ihr nicht zusagt. So geht sie auf Parties, obwohl sie sich dort unwohl fühlt; sie bemüht sich in Lerngruppen zu studieren, weil das von ihr erwartet wird; sie erzwingt Smalltalk, aus Angst unhöflich oder unfreundlich zu wirken. Am Ende ist ihre Batterie leer und der Erwartungsdruck, den sie sich auch selbst macht, gibt ihr keine Möglichkeit, sich zu erholen.
Ein Persönlichkeitstest offenbart Debbie den Grund all ihrer Eigenheiten: sie ist introvertiert. Und ganz schnell stell sie fest, daß sie nicht alleine ist. Damit fällt ein riesiger Stein von ihrem Herzen und sie fühlt sich befreit von allen Selbstzweifeln und nimmt ihr Leben endlich in die Hand.

Die kurzen grafischen Geschichten zeigen eindrucksvoll, wie sich schon viele Buchliebhaber und Introvertierte in ihrem Leben gefühlt haben: mit vielen Menschen überfordert, lieber den Abend zu Hause allein verbringend und manchmal voller Selbstzweifel. Doch sie zeigen auch, daß sie nicht allein sind, daß es okay ist, so zu sein und niemand vorgeben sollte, extrovertiert zu sein, wenn er es nicht ist.
Quiet Girl ist eine unterhaltsame Zusammenfassung von Alltagssituationen, die jeder schon mal erlebt hat, verpackt in ansprechenden Comics.

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Veröffentlicht am 27.10.2019

Farbenfroh und spannend

Atlas Obscura Kids Edition - Entdecke die 100 abenteuerlichsten Orte der Welt!
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„Der Vulkan verändert sich ständig. Unser Planet ist genauso. Er lässt immer wieder neue Wunter entstehen und schafft Raum für viele aufregende Abenteuer, die es nur zu erkunden gilt!“ (S.105)

Dieser ...

„Der Vulkan verändert sich ständig. Unser Planet ist genauso. Er lässt immer wieder neue Wunter entstehen und schafft Raum für viele aufregende Abenteuer, die es nur zu erkunden gilt!“ (S.105)

Dieser Atlas ist nicht nur für Kinder spannend. Die gesamte Aufmachung ist sehr farbenprächtig, die Bilder zu den beschrieben kuriosen Orten passend und schön anzuschauen. Zu Beginn des Buches gibt es Tipps, welche Dinge für eine Weltreise nützlich sind. Nicht alles auf dieser Liste ist praktisch, zumal es um einen Kinderrucksack geht. Dort wären Alltagsgegenstände nützlicher, wie eine Lupe, um Insekten oder Spuren zu entdecken. Dinge, die Entdecker auch im Alltag bei sich tragen könnten.
Der Reiseplan auf der nächsten Seite zeigt die Länder und ihre fantastischen Orte im Überblick, mit der Seitenzahl versehen. Unter den Ländernamen auf den folgenden Seiten finden sich immer interessante Eckdaten, wie die Lage auf der Erde, mit einer kleinen Weltkugel daneben, und etwas Kuriosem. Auf einer Doppelseite finden sich immer zwei Orte zu einem Land, wobei der zweite Ort etwas gemeinsam hat mit dem darauffolgenden in einem anderen Land, z.B. folgt auf die Wand der tanzenden Dinosauerier in Bolivien die Dino-Disco auf der Isle of Skye. So ist die Reiseroute nicht chronologisch aufgebaut, sondern verbindet ähnliche Themen miteinander. Um diese Wunder besuchen zu können, sind sie zusätzlich mit Koordinaten versehen.
Es gibt viele verschiedene Orte und Dinge zu sehen, natürlichen Ursprungs oder von Menschen errichtet. Besonder gefallen haben mir, neben der Dino-Wand in Bolivien, einige Unterwasserwelten, wie die verlorene Stadt Herakleion in Ägypten, der Raumschiff-Friedhof bei Neuseeland oder das Mauseo Atlántico in Spanien. Es gibt aber auch andere Naturschauspiele zu beobachten, wie farbenfrohes Wasser, singenden Wüsten oder fantastische Bauten an Stellen, die man nicht erwartet. In diesem Atlas gibt es spannende Orte zu entdecken, deren Zeichnungen neugierig machen auf die Originale.

Veröffentlicht am 29.11.2018

Macht Lust auf mehr

Lost Project
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Der Stand von Robert Rittermann ist mir auf der Buch Berlin wegen seiner Postkarten aufgefallen. So kam ich ins Gespräch mit dem Künstler und Autor dieses Buches. Als er dann fragte, ob ich Blogger kennen ...

Der Stand von Robert Rittermann ist mir auf der Buch Berlin wegen seiner Postkarten aufgefallen. So kam ich ins Gespräch mit dem Künstler und Autor dieses Buches. Als er dann fragte, ob ich Blogger kennen würde, die Sci-Fi lesen, habe ich mich aufgedrängt und so dieses Buch, sogar signiert, bekommen.
Dieses Buch sieht nicht nur gut aus, es fühlt sich auch gut an. Es ist auf Recycling Papier gedruckt und fühlt sich sehr samtig an. Tolles Gefühl. Außerdem sind in dem Buch Bleistiftzeichnungen enthalten, vom Autor gezeichnet, die die Geschichte eindrucksvoll untermalen, ohne vom Text abzulenken. Soviel zur Aufmachung, die meiner Meinung nach schon zum Kauf animiert.

Tom lebt im Jahr 2383 mit dem Wissen, dass die Welt, wie er sie kennt, untergehen wird. Grund ist der Asteroid Gringer, der einschlagen wird. Sein Vater gehört zu dem Team, das in die Vergangenheit reisen will, um diesen Einschlag zu verhindern. Doch Gringer kommt schneller als gedacht, und in einem überstürzten Aufbruch bekommt Tom Panik und springt kurzerhand auf die Plattform in die Vergangenheit. Und das Abenteuer beginnt.

Tom ist 17 Jahre alt und steht vor einer Lebensentscheidung. Als ihm klar wird, dass alles gleich ein Ende hat, entscheidet er aus dem Bauch heraus. Diese Kurzschlussreaktion, die nichts mit Logik zu tun hat, kann ich sehr gut nachvollziehen. Generell finde ich die Charaktere in diesem Buch sehr real und habe mich gefühlt, als wäre ich mit dem Team unterwegs.
Natürlich muss ich auch etwas zu den Dinosauriern erwähnen. Das Cover verrät ja schon ein wenig, in welche Vergangenheit es geht. Ich kenne mich mit Dinosauriern nicht aus. Mein Wissen habe ich von In einem Land vor Unserer Zeit und Jurassic Park, daher haben die Fachwörter mir nichts gesagt. Aber die Beschreibungen waren so detailliert, dass ich mir ein Bild von den vorkommenden Dinos machen konnte. Wenn dieses Bild dann auf einer Zeichnung bestätigt wurde, habe ich mich wie ein halber Wissenschaftler gefühlt. Ein weiterer Grund, warum mir die Zeichnungen so gut gefallen.
Die Novelle lässt sich leicht und flüssig lesen und ich habe mich in Toms Begleitung von Anfang an sehr Wohl gefühlt.

Abschließend möchte ich nur sagen, dass dieses Buch eine schöne Abenteuergeschichte ist. Nicht nur die Geschichte überzeugt, sondern auch die Aufmachung. Zusammen mit dem sympathischen Autor ergibt das alles ein wirklich schönes Gesamtbild. Deswegen hier eine ganz klare Leseempfehlung.