Profilbild von julemaus94

julemaus94

Lesejury Star
offline

julemaus94 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit julemaus94 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 15.04.2024

Geheimnisvolle Insel

Leute von früher
0

Auf literarischem Wege Deutschland mit all seinen Mythen und Fantasien zu entdecken macht mir immer wieder Spaß. Diesmal geht es auf die Insel Strand in der Nordsee.

Hier arbeitet Marlene als Saisonkraft ...

Auf literarischem Wege Deutschland mit all seinen Mythen und Fantasien zu entdecken macht mir immer wieder Spaß. Diesmal geht es auf die Insel Strand in der Nordsee.

Hier arbeitet Marlene als Saisonkraft in einem historisch nachempfundenen Dorf als Attraktion für die Besucher und Gäste. Fast auf der ganzen Insel gilt Kostümpflicht, nur die Angestelltenbaracken hinter den Dünen sind freie Zone.

Dieses Buch bietet von allem ein bisschen was. Etwas coming of age, wenn man Marlene dabei zusieht, wie sie nach dem Studium versucht, einen Weg und Ziel für sich zu finden. Eine kleine Prise Lovestory dank Janne, der sie auf der Insel langsam näher kommt. Und etwas Mystizismus, der sich erst nach und nach offenbart.

Für meinen Geschmack ist die Mischung gelungen, was zum Teil auch an dem sehr ruhigen, leichten Schreibstil liegt, der einen durch das Buch treiben lässt. Wenn man keine hochanspruchsvolle Lektüre erwartet, ist man hier sehr gut aufgehoben.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 15.04.2024

Göttliche Sprache

Der Rabengott
0

Mit nur einem Wort könnte man darüber entscheiden, ob dieses Buch gefällt oder nicht. Denn dieses eine Wort macht den Reiz und gleichzeitig auch die Schwierigkeit des ganzen Werkes aus: Sprache.

Ein anfangs ...

Mit nur einem Wort könnte man darüber entscheiden, ob dieses Buch gefällt oder nicht. Denn dieses eine Wort macht den Reiz und gleichzeitig auch die Schwierigkeit des ganzen Werkes aus: Sprache.

Ein anfangs unbekannter Erzähler spricht den ganzen Roman über in direkter Anrede an die Hauptfigur Eolo und erzählt sowohl seine Entstehungsgeschichte als auch die jüngsten Ereignisse.

Denn um Iraden steht es schlecht. Hier herrscht zwar der Gott Rabe, agiert jedoch durch seinen Stellvertreter, den Stadthalter. Seine Macht wird durch den Freitod eben jenes Mannes gestärkt, doch nun ist der Stadthalter verschwunden und sein Nachfolger findet einen Thronräuber vor, als er in die Heiimat zurückkehrt.

Grob gesagt geht es also schon um Intrigen, Geheimnisse, Kriege und viele, viele Verdächtigungen. Aber zwischen den Zeilen geht es um ein ganzes Weltengefüge.

Das kann spannend sein, wird dem Leser aber definitiv nicht auf dem Silbertablett präsentiert. Man muss es sich erarbeiten und sei es auch nur, indem man die ungewöhnliche Erzählform ertragen und im besten Falle genießen lernt.

Meiner Meinung nach lohnt es sich, aber damit steht wohl eine Leserschaft gegen die andere.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 15.04.2024

Gedankenexperiment

Das andere Tal
0

Was würdest du tun wenn deine Zukunft oder Vergangenheit nur eine Wanderung entfernt läge? Würdest du die Reise auf dich nehmen wollen? Auch, wenn du keinen Einfluss nehmen darfst, nur zusehen?

Wie eine ...

Was würdest du tun wenn deine Zukunft oder Vergangenheit nur eine Wanderung entfernt läge? Würdest du die Reise auf dich nehmen wollen? Auch, wenn du keinen Einfluss nehmen darfst, nur zusehen?

Wie eine Perle, aufgefädelt auf eine Kette, liegt das Tal da, in dem Odile aufwächst. Die Zeit verbindet die Täler, von ihrem ausgehend entweder in 20 Jahre-Schritten in die Zukunft oder Vergangenheit. Die Bewohner des Tals leben in einer eingeschworenen Gemeinschaft, die Garde sorgt dafür, dass niemand unbeaufsichtigt das Tal verlässt. Denn jeder Besuch in einem der Nachbartäler birgt die Gefahr der Beeinflussung. Das lernen Odile und ihre Klassenkameraden von Anfang an und alle befolgen die Regeln. Bis ein Ereignis alles aus dem Ruder laufen lässt.

Die Idee ist aufregend und spannend, liest sich wie eine Mischung aus Dystopie mit philosophischem Anspruch und Coming-of-Age. Das Debut des Autors muss sich wirklich nicht verstecken.

Gleichzeitig sorgt der Tiefgang jedoch auch für ein etwas behäbiges Tempo, für das ich mich erst erwärmen musste.

Dafür bekommt Odile den Raum, den sie braucht um sich voll zu entfalten und zu entwicklen, ebenso wie die Atmosphäre des Tals.

Und so packt dich der Roman, wenn du nicht aufpasst, und lässt dich nicht mehr los, bis du am Ende atemlos wieder auftauchst.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 10.03.2024

Episodenhafte Einblicke

Leuchtfeuer
0

Hier kommt alles zusammen, was einen episodenhaften Roman ausmacht. Wir haben eine Vielzahl an Figuren, die alle eine Stimme verliehen bekommen und das Geschehen aus ihrer Sicht schildern dürfen. Wir haben ...

Hier kommt alles zusammen, was einen episodenhaften Roman ausmacht. Wir haben eine Vielzahl an Figuren, die alle eine Stimme verliehen bekommen und das Geschehen aus ihrer Sicht schildern dürfen. Wir haben verschiedene Zeitsprünge, die betont nicht chronologisch angeordnet sind.

Zugegeben, man muss sich den Roman damit erarbeiten, aber zumindest für mich hat sich die Mühe gelohnt.

An einem schicksalhaften Abend ändert sich für die Familie Wilf dank eines Autounfalls mit Todesfolge alles. Jedes Familienmitglied geht mit dem Tod eines jungen Mädchens anders um. Doch man merkt relativ schnell, dass der Einfluss weit reicht.

Wie Leuchtfeuer erhalten wir Einblicke in das Leben der Figuren, springen zu Momenten, die ihr Leben nachhaltig verändert haben und erarbeiten uns so nach und nach ein Bild von ihnen.

Ich persönlich finde diese Form des Erzählens spannend und aufregend. Es ist interessant, wenn man durch spätere Einblicke plötzlich ursprüngliche Handlungen besser verstehen kann.

Insgesamt wäre es ein für mich vollkommen rundes Buch geworden. Nur leider driftet es zum Schluss etwas zu sehr in die esoterische Richtung ab. Das hätte für mich nicht sein müssen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 10.03.2024

Starkes Stück mit schwachem Ende

Yellowface
0

R.F. Kuang- der Name ist mittlerweile mit relativ hohen Erwartungen verbunden. Wer "Babel" gelesen hat, wird einen sorgfältig recherchierten und minutiös ausgearbeiteten, seitenreichen Roman erwarten und ...

R.F. Kuang- der Name ist mittlerweile mit relativ hohen Erwartungen verbunden. Wer "Babel" gelesen hat, wird einen sorgfältig recherchierten und minutiös ausgearbeiteten, seitenreichen Roman erwarten und könnte eventuell etwas enttäuscht werden. Denn die Autorin weicht, zumindest in gewissen Punkten, von ihrem altbewährten Schema ab.

Diesmal bleiben wir in der Gegenwart und hören der erfolglosen Debutautorin June dabei zu, wie sie von ihrer Freundschaft zur Bestsellerautorin Athena erzählt. Zumindest bis diese bei einem unglücklichen Unfall ums Leben kommt und June dabei deren nächstes Manuskript in die Hände fällt. Von da an wird ihr Erfolg in der Literaturbranche zum Selbstläufer- und wir bekommen einen sehr tiefen und aufschlussreichen Einblick.

Die Erzählung lässt tief blicken und ist gnadenlos bissig. Der besondere Clou, June selbst erzählen zu lassen führt dazu, jede ihrer Schilderungen zu hinterfragen. Alles scheint zutiefst subjektiv, höchst emotional und dank Junes teils labiler Verfassung nicht immer glaubwürdig.

Das macht natürlich unheimlich viel Spaß, lässt nebenbei aber auch sehr tief blicken und vieles hinterfragen, was man so in den sozialen Medien und auch im Buchhandel präsentiert bekommt.

Wer entscheidet eigentlich, welches Buch der nächste Bestseller wird? Wer bestimmt über Erfolg oder Miserfolg eines Debuts?

Zumindest "Yellowface" wäre für mich ein Jahreshit geworden, hätte die Autorin ihre Stärke bis zum Schluss ausspielen zu können. Doch das Ende kann leider mit dem Esprit der ersten Kapitel nicht mithalten.

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Themen