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Veröffentlicht am 02.03.2026

Hör auf dein Gefühl

Das Zauberwort heißt Nein!
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Es ist ein wichtiges Thema, das die Autorin Rebecca Mir in ihrem ersten Kinderbuch anschneidet – die Fähigkeit, „nein!" sagen zu können. In meiner Kindheit prägte mich (und die meisten Kinder, die ich ...

Es ist ein wichtiges Thema, das die Autorin Rebecca Mir in ihrem ersten Kinderbuch anschneidet – die Fähigkeit, „nein!" sagen zu können. In meiner Kindheit prägte mich (und die meisten Kinder, die ich kannte) der Satz der Erwachsenen „Tu, was man dir sagt." So aufgewachsen fällt es mir auch heute noch schwer, anderen eine Bitte abzuschlagen.
Genauso empfindet der kleine Kater Fiete; denn er möchte seine Freunde nicht verlieren. Diese jedoch haben sein Problem erkannt und nutzen es weidlich aus. Ausgerechnet eine kleine Maus flößt ihm so viel Selbstvertrauen ein, dass er auf sein Bauchgefühl hört und der Aufforderung eines seiner Freunde schließlich nicht mehr Folge leistet.
Mit altersentsprechend kurzen, einprägsamen Sätzen erreicht Mir die Aufmerksamkeit des kleinen Lesers. Die Übertragung des Problems, nicht nein sagen zu können, auf die Tierwelt ist geschickt und fesselt die Kinder.
Lisa Hänschs farbige, großformatige Illustrationen ergänzen den Text. Ausdrucksstark verdeutlichen sie die Gefühle der Protagonisten. Sie vermitteln dem Betrachter einen intensiven Eindruck des Geschehens und intensivieren dadurch das Gelesene.
Einen Kritikpunkt habe ich allerdings. Für mein Empfinden bleibt das Thema hier ohne wirklichen Abschluss. Verliert Fiete nun seine Freunde? Oder respektieren sie ihn? Denn in der Realität hat ein Kind große Angst, dass sich ein geliebter Mensch von ihm abwendet, wenn es nein sagt. Es bleibt allein den Eltern überlassen, das Thema „Neinsagen" einfühlsam auf (sexuellen) Missbrauch zu übertragen.


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Veröffentlicht am 22.03.2024

Munyal ...

Die ungeduldigen Frauen
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… Geduld - im westlichen Kulturraum als Tugend und Weisheit gepriesen - wird in Kamerun viel ausufernder interpretiert. Munyal bedeutet für die Frauen hier ein völliges Sich-Zurücknehmen, bis zur ...


… Geduld - im westlichen Kulturraum als Tugend und Weisheit gepriesen - wird in Kamerun viel ausufernder interpretiert. Munyal bedeutet für die Frauen hier ein völliges Sich-Zurücknehmen, bis zur totalen Unterwerfung unter den Willen eines Mannes. Erst ist es der Vater, später der Ehemann, der über Wohl und Wehe der Frauen bestimmt.
In ihrem Roman lässt Djaili Amadou Amal drei unterschiedliche junge Frauen zu Wort kommen, die ihre Schicksale erzählen. Da ist zum einen die siebzehnjährige Ramla, die immerhin eine Schule besuchen durfte und davon träumte, Apothekerin zu werden, bevor sie zwangsverheiratet wird. Ihre Halbschwester Hindou wird an demselben Tag verheiratet wie sie. Wie unglücklich beide sind, kümmert niemanden: es ist das Schicksal der Frau, wie eine Sklavin einem Mann zu gehören - so, wie es der Islam verlangt.
Die dritte Frau ist Safira, bereits verheiratet mit Alhadji und nicht begeistert davon, dass er sich Ramla als Zweitfrau genommen hat. Sie empfindet sie als ernsthafte Konkurrentin um Alhadjis Gunst; denn in der weiblichen Gemeinschaft kursiert derSpruch: „Für eine Frau gibt es keinen schlimmeren Feind als eine Frau!“ Anstelle von Solidarität und gegenseitiger Hilfe wird so eher Misstrauen und sogar Hass untereinander genährt, was es wiederum dem männlichen Anspruch auf Besitz leicht macht, sich zu behaupten.
In klaren, nüchternen Worten erzählt die Autorin vom Schicksal der Frauen. Sie zeichnet ein eindrucksvolles Bild von Leben und Gebräuchen in Kamerun. Amal, die sich auch privat gegen die Unterdrückung von Frauen engagiert, liegt besonders die Situation der Mädchen und Frauen am Herzen, die nicht über ihr eigenes Leben bestimmen dürfen.
“Wer geduldig ist, bereut es nicht" sagt man in Kamerun. Nach der Lektüre dieses Romans habe ich da meine Zweifel.

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Veröffentlicht am 30.06.2021

Keine leichte Lektüre

Schicksal
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Es sind zwei recht unterschiedliche Frauen, die sich eines Tages in Rachels Wohnung begegnen. Rachel, neunzig Jahre alt, verwitwet und Mutter zweier Söhne, gibt der jüngeren Atara ein lange auch vor ihren ...

Es sind zwei recht unterschiedliche Frauen, die sich eines Tages in Rachels Wohnung begegnen. Rachel, neunzig Jahre alt, verwitwet und Mutter zweier Söhne, gibt der jüngeren Atara ein lange auch vor ihren Kindern gehütetes Geheimnis preis: als überzeugte Anhängerin der Lechi hat sie im Untergrund agiert und getötet. Atara hingegen steht noch in der Mitte ihres Lebens, verheiratet mit dem streitbaren Alex und konfrontiert mit den Problemen einer Patchwork-Familie, zwei älteren Kindern und dem gemeinsamen Sohn Eden. Was Atara mit Rachel verbindet ist ihr Vater Meno, Rachels geschiedener Ehemann und ebenfalls ehemaliger Lechi-Kämpfer. Wie nimmt Atara Rachels Bericht auf?
Alles, was geschieht oder geschehen ist, lässt uns die Autorin durch den Blickwinkel zweier Frauen erleben, sehr persönlich und subjektiv gefärbt. In einem schönen, an Bildern reichen Schreibstil gibt sie wechselweise Gefühle und Reflektionen jeder der Frauen wieder, was jedoch zeitweilig etwas mühsam zu lesen ist. Teils ungeschönt, teilweise aber in poetischen Worten und häufig religiösen Zitaten schildert Zeruya Shalev Erinnerungen der Protagonistinnen und gegenwärtige Szenen. Sie wirft dabei zahlreiche Fragen auf und überlässt es dem Leser, sie für sich zu beantworten. Vor dem Hintergrund israelischer Geschichte werden Rachels (späte) Konflikte deutlich, doch es werden sehr viel mehr Themen und Probleme angesprochen, die nicht unbedingt Israel-typisch sind - zuviele, meiner Meinung nach, die den Roman überfrachten und die Geduld vieler Leser überfordern.

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Veröffentlicht am 17.05.2019

Spaß am Fabulieren

Düsternbrook
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Mit dem Wahlspruch seiner Mutter „Wir sind was Besseres“ wird Axel in Düsternbrook, einem vornehmen Villenviertel Kiels, groß. Er wächst behütet als Sohn eines Anwalts und einer Ärztin auf und genießt ...

Mit dem Wahlspruch seiner Mutter „Wir sind was Besseres“ wird Axel in Düsternbrook, einem vornehmen Villenviertel Kiels, groß. Er wächst behütet als Sohn eines Anwalts und einer Ärztin auf und genießt das Privileg, die Gelehrtenschule besuchen zu dürfen, natürlich gehören auch Klavier- und Tennisunterricht mit zur standesgemäßen Erziehung. Doch je älter er wird, desto enger erscheint ihm „das überschaubare Karussell“ der Kieler Idylle. Er packt seine Sachen und zieht möglichst weit fort, nach München, wo sein Leben schließlich ganz neue Impulse erfährt.
Düsternbrook ist konzipiert als Roman mit autobiografischen Zügen. In kurzen Kapiteln und leicht zu lesender Sprache schildert Milberg Ereignisse aus Kindheit und Jugend seines Alter Ego Axel, beginnend in den 1960er Jahren. Wirken seine Schilderungen zu Beginn der Geschichte wie die aus einem größeren Zusammenhang entnommenen Erinnerungsdetails eines kleinen Kindes, erscheinen sie später mit zunehmendem Alter des Jungen ausführlicher und intellektueller. Mit reichlich trockenem Humor und Ironie kommentiert Axel Milberg Familienmitglieder, Lehrer und Mitschüler und lässt entsprechend zeitgenössisches Flair mit einfließen. Dass die Stadt seiner Kindheit jedoch nicht nur Schauplatz idyllischen Lebens ist, sondern versteckt auch hier Böses lauert, klingt in vereinzelten Kapiteln an, die der Autor - für mein Empfinden - präziser hätte ausführen können.
Locker und lebendig geschrieben, ist Düsternbrook eine unterhaltsame Lektüre für „zwischendurch“ , bei der dem Autor und Schauspieler die Lust am Fabulieren durchaus anzumerken ist.

Veröffentlicht am 20.11.2025

"...where the search begins..."

Before I met Supergirl
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Wie der Titel "Before I met supergirl" bereits ankündigt, erzählt Rea Garvey von seiner Kindheit und Jugend, also dem Teil seines Lebens vor seinem Erfolg in der Musikszene. Raymond wächst im konservativ-katholischen ...


Wie der Titel "Before I met supergirl" bereits ankündigt, erzählt Rea Garvey von seiner Kindheit und Jugend, also dem Teil seines Lebens vor seinem Erfolg in der Musikszene. Raymond wächst im konservativ-katholischen Irland der siebziger und achtziger Jahre auf als eines von acht Kindern des Polizisten Fred und seiner Frau Anne, die als Lehrerin arbeitet. Musik spielte in seinem Leben schon immer eine Rolle, doch erst als er während des Studiums in Dublin mit anderen musikbegeisterten Studenten in Kontakt kommt, gründet er seine erste Band, die "Reckless Pedestrians".
Erfrischend ehrlich und mit viel Humor schildert Garvey die ersten musikalischen Auftritte, berichtet von abenteuerlichen Konzerttouren, von kleinen Erfolgen und Misserfolgen. Durch seine lockere Erzählart und Spontaneität nimmt der Leser deutlich den jungen, impulsiven Mann wahr, der noch unerfahren und auf der Suche nach seiner Identität ist.
Neben einem lebendigen Bild seiner Kindheit und Jugend vermittelt er auch einen Hauch der Atmosphäre, die im Irland (und Nordirland) des letzten Jahrhunderts geherrscht hat: vor allem der Einfluss der Konfessionen auf Politik und Gesellschaft ist hier zu erwähnen.
So ist eine lebensvolle Autobiografie entstanden, gewidmet seinen beiden Kindern Aamor und Rufus.


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