Starke Kritik, aber mir fehlt etwas Tiefe...
Monstergott"Monstergott" handelt von den Geschwistern Ben und Esther, die in einer Freikirche aufwachsen und ihren Struggles damit. Nach außen wirkt ihre Fassade perfekt, aber innerlich bröckelt alles.
Die Problematik ...
"Monstergott" handelt von den Geschwistern Ben und Esther, die in einer Freikirche aufwachsen und ihren Struggles damit. Nach außen wirkt ihre Fassade perfekt, aber innerlich bröckelt alles.
Die Problematik wird sehr eindrücklich rübergebracht und ich habe sehr mit den Figuren mitgefühlt.
Esther kämpft um eine höhere Stellung für sich als Frau in ihrer Kirche und ich bewundere ihre Berharrlichkeit, dass sie nicht aufgibt. Sie ist für mich sehr nachvollziehbar und nahbar, wie sie sich zwar immer mit der Gemeinde anlegt und zweifelt, aber sehr lange nicht ihre Mitgliedschaft darin grundsätzlich hinterfragt. Ihr Zwiespalt wird gut deutlich.
Ihr Bruder Ben ist etwas verschlossener, aber auch zu ihm findet man Zugang. Aufgrund der religiösen Doktrin verdammt er sich für seine Identität und leidet extrem. Er tut mir unfassbar leid.
Das Umfeld der beiden und ihre Kirchengemeinde mit ihrer Abgeschiedenheit und trügerischen Harmonie werden sehr gut dargestellt.
Ich habe dieses Buch an nur einem Nachmittag komplett verschlungen, weil ich so in die Geschichte eingesogen wurde und durch den angenehmen Schreibstil gut durchgekommen bin.
Allerdings hätte ich mir mehr Tiefe gewünscht. Dadurch, dass das Buch nur knapp 270 Seiten hat, bleibt vieles oberflächlich und die Identitätssuche von Ben und Esther fühlt sich sehr gerafft an.
Auch die Figur des Pastors hat mit nicht so gut gefallen. Natürlich ist er ein furchtbarer Mensch, aber meiner Meinung nach hat die Autorin mit einem Plottwist versucht, ihn um jeden Preis so darzustellen, was ihn als ROMANFIGUR (als Mensch ist er das sowieso) unglaubwürdig macht. Diesen Plottwist hätte es für mich nicht gebraucht, er ist auch so schon ein schrecklicher Heuchler.
Alles in allem hat mir "Monstergott" mit seiner validen Kritik an freikirchlichen Strukturen gut gefallen und ich kann es empfehlen, auch wenn ich mir 50 bis 80 Seiten mehr gewünscht hätte!