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Veröffentlicht am 21.02.2026

Ich habe nicht das Recht dazu, dieses Buch zu bewerten...

Soziopathin
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Memoiren subjektiv zu bewerten ist immer schwierig, denn woher hat man das Recht, das Erlebte, dass eine andere Person teilen möchte, zu beurteilen? Ich bin der Meinung, dass man das als Leser:in nur begrenzt ...

Memoiren subjektiv zu bewerten ist immer schwierig, denn woher hat man das Recht, das Erlebte, dass eine andere Person teilen möchte, zu beurteilen? Ich bin der Meinung, dass man das als Leser:in nur begrenzt tun kann. Bei "Soziopathin" ist es mir allerdings überhaupt nicht möglich, das Gelesene zu bewerten, weil ich mich nicht in die Autorin Patric Gagne hineinversetzen konnte. Und genau das ist der Punkt an diesem Buch.

Patric Gagne ist promovierte Psychologin, Therapeutin - und Soziopathin. Sie erzählt in dieser Autobiographie ihr Aufwachsen und Umgehen mit ihrer Persönlichkeitsstörung. Damit will sie Stigmata abbauen, Verständnis schaffen und anderen Soziopath:innen helfen. Es geht um ihr destruktives Verhalten und wie sie ihr Leben lang versucht hat, sich selbst zu verstehen sowie um Liebe und Freundschaft. Sie zeigt, dass Psychoedukation eine zentrale Säule der Behandlung von psychischen Erkrankungen sein kann, dass das Problem jedoch darin besteht, dass die Forschung sich zu wenig mit Soziopathie befasst. Deshalb widmet Gagne ihr Leben diesem Ziel, um zu zeigen, dass Soziopath*innen nicht per se böse sind.

Ich kann nicht beurteilen, inwiefern dieses Buch Betroffenen helfen kann. Mir persönlich fiel es schwer, in das Buch reinzukommen, weil ich die Abwesenheit von Emotionen, die Gagne erlebt und mit destruktiven Verhalten auszugleichen versucht, nur sehr begrenzt nachvollziehen kann. Hilfreich fand ich hierbei, dass Gagne immer wieder psychologische Einordnungen und Ergebnisse aus ihren Therapiesitzungen teilt.

Ich denke die beste Haltung, um als Nicht-Betroffene an dieses Buch heranzugehen ist diese: unvoreingenommen und nicht verurteilend. Dadurch hat dieses Buch dazu beigetragen, dass ich Soziopathie an sich besser verstehe und als weniger negativ wahrnehme. Ich habe allerdings beim Lesen auch gemerkt, dass ich an manchen Stellen eine gewisse Abneigung verspürt habe, die mir zeigt, dass ich meinen Vorsatz des Nicht-Verurteilens nicht an jedem Punkt einhalten konnte. Trotzdem nehme ich die Lektüre als bereichernd wahr, nicht nur weil sie mir diesen Spiegel vorgehalten hat, sondern auch, weil sie sich sehr fundiert und verständlich mit der Thematik auseinandersetzt und ihrem entstigmatisierenden Vorsatz durchaus nachkommt. Denn es zeigt auf, dass Soziopathie normal und nicht kriminell ist und dass es möglich ist, einen Umgang damit zu finden, sowohl für Betroffene, als auch für die Gesellschaft, um Betroffene zu unterstützen.

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Veröffentlicht am 13.02.2026

Starke Kritik, aber mir fehlt etwas Tiefe...

Monstergott
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"Monstergott" handelt von den Geschwistern Ben und Esther, die in einer Freikirche aufwachsen und ihren Struggles damit. Nach außen wirkt ihre Fassade perfekt, aber innerlich bröckelt alles.
Die Problematik ...

"Monstergott" handelt von den Geschwistern Ben und Esther, die in einer Freikirche aufwachsen und ihren Struggles damit. Nach außen wirkt ihre Fassade perfekt, aber innerlich bröckelt alles.
Die Problematik wird sehr eindrücklich rübergebracht und ich habe sehr mit den Figuren mitgefühlt.

Esther kämpft um eine höhere Stellung für sich als Frau in ihrer Kirche und ich bewundere ihre Berharrlichkeit, dass sie nicht aufgibt. Sie ist für mich sehr nachvollziehbar und nahbar, wie sie sich zwar immer mit der Gemeinde anlegt und zweifelt, aber sehr lange nicht ihre Mitgliedschaft darin grundsätzlich hinterfragt. Ihr Zwiespalt wird gut deutlich.
Ihr Bruder Ben ist etwas verschlossener, aber auch zu ihm findet man Zugang. Aufgrund der religiösen Doktrin verdammt er sich für seine Identität und leidet extrem. Er tut mir unfassbar leid.
Das Umfeld der beiden und ihre Kirchengemeinde mit ihrer Abgeschiedenheit und trügerischen Harmonie werden sehr gut dargestellt.

Ich habe dieses Buch an nur einem Nachmittag komplett verschlungen, weil ich so in die Geschichte eingesogen wurde und durch den angenehmen Schreibstil gut durchgekommen bin.

Allerdings hätte ich mir mehr Tiefe gewünscht. Dadurch, dass das Buch nur knapp 270 Seiten hat, bleibt vieles oberflächlich und die Identitätssuche von Ben und Esther fühlt sich sehr gerafft an.

Auch die Figur des Pastors hat mit nicht so gut gefallen. Natürlich ist er ein furchtbarer Mensch, aber meiner Meinung nach hat die Autorin mit einem Plottwist versucht, ihn um jeden Preis so darzustellen, was ihn als ROMANFIGUR (als Mensch ist er das sowieso) unglaubwürdig macht. Diesen Plottwist hätte es für mich nicht gebraucht, er ist auch so schon ein schrecklicher Heuchler.

Alles in allem hat mir "Monstergott" mit seiner validen Kritik an freikirchlichen Strukturen gut gefallen und ich kann es empfehlen, auch wenn ich mir 50 bis 80 Seiten mehr gewünscht hätte!

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Veröffentlicht am 03.07.2025

Ein perfekter Schreibstil trifft auf eine schwierige Protagonistin

Nowhere Heart Land
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„Nowhere Heart Land“ erzählt die Geschichte von Rosa Konert, die lost im Erwachsensein ist. Und weil die Dinge immer anders laufen als erwartet, landet sie auf einmal wieder in der deutschen Kleinstadt, ...

„Nowhere Heart Land“ erzählt die Geschichte von Rosa Konert, die lost im Erwachsensein ist. Und weil die Dinge immer anders laufen als erwartet, landet sie auf einmal wieder in der deutschen Kleinstadt, in der sie aufgewachsen ist. Hier brechen alte, nicht geheilte Wunden wieder auf und Rosa versucht ihre chaotischen Erinnerungen, die in ihre Gegenwart gespült werden, vergeblich zu ordnen.

Der Schreibstil ist perfekt für diese Art von Geschichte! Assoziativ, fragmentarisch und teilweise willkürlich mit vielen Streams of Consciousness wird der Gemütszustand Rosas auf der Erzählebene abgebildet. So habe ich direkt ein Gefühl für ihren mentalen Zustand bekommen. Das ist die Art von Schreibstil, die ich liebe! Sehr nah an der Protagonistin und an vielen Stellen in dem Chaos wunderschön, aber auch nachdenklich stimmend.

Es gibt häufig Rückblenden in die Vergangenheit am Internat, wenn Rosa sich zurück erinnert. Diese sind teilweise sehr willkürlich oder leicht deplatziert, vermitteln jedoch ein gutes Gefühl für Rosas Aufwachsen und ihre Art, daran zurückzudenken.

Leider hatte ich so meine Probleme mit Rosa. Ich empfand sie an einigen Stellen als sehr anstrengend. Ich verstehe genau, warum sie so ist, wie sie ist. Sie agiert sehr kindisch, weil sie nicht erwachsen sein möchte, ist impulsiv, hat viele (Generationen-)Traumata, gerade was ihre Mutter und Großmutter betrifft, nicht verarbeitet und sehnt sich nach ihrer Internatszeit zurück, die sie wieder in die Gegenwart zu holen versucht. Dennoch ging sie mir oft auf die Nerven und ich finde ihr Verhalten anderen Personen gegenüber unfair und kopflos. In mancher Hinsicht ist sie unvorhersehbar, weil mir trotz des Schreibstils nicht ganz einleuchtete, was genau in Rosas Kopf vorgeht. Das hat mein positives Leseerlebnis etwas eingeschränkt, weil ich an bestimmten Stellen einfach nur den Kopf geschüttelt habe und mir ihr Verhalten nicht mehr erklären konnte.

Nichtsdestotrotz hat „Nowhere Heart Land“ meine vorherige Erwartungshaltung erfüllt und obwohl ich Rosa so schwierig finde, macht gerade das das Buch so besonders. Auch wenn es nicht mein liebstes Buch ist, kann ich es empfehlen, weil es definitiv außergewöhnlich ist und wunderschön geschrieben! Allein für den Schreibstil lohnt es sich!

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Veröffentlicht am 01.06.2024

Ich sehe das Potential!

In Al-Lucants Schatten 1
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"In Al-Lucants Schatten" handelt von einer großen Verschwörung in einem grausamen Kalifat. Mittendrin stehen die Messerwerferin Mira und der Greifenreiter Yerad, die ein neues Zuhause finden und auch ein ...

"In Al-Lucants Schatten" handelt von einer großen Verschwörung in einem grausamen Kalifat. Mittendrin stehen die Messerwerferin Mira und der Greifenreiter Yerad, die ein neues Zuhause finden und auch ein paar Greife...

Anfangs konnte ich die beiden Protas in ihrer Persönlichkeit nicht ganz greifen. Yerad hat mir zu viel Emotionen gezeigt und Mira zu wenig, dafür dass sie schwer traumatisiert sein müsste. Ich habe aber gelernt, ihre Stärke, die manchmal mehr Schein als Sein ist, zu bewundern. Dennoch hätte ich mir ein wenig mehr Emotionen und weniger Rationalität von ihr gewünscht. Nicht die beiden Protas haben es mir angetan, sondern der mysteriöse Rabe (das ist kein Vogel, sondern der Deckname eines Charakters xd). Alles an ihm ist so geheimnisvoll wie sein Name! Seine Beweggründe, seine Vergangenheit, seine Pläne... Und dann diese Tension zwischen ihm und einer anderen Figur... Und, OMG, wie cool ist bitte sein Versteck?

Die kurzen Sätze, in denen das Buch überwiegend geschrieben ist, ermöglichen es einem, schnell durch die Seiten zu fliegen. Das habe ich als sehr angenehm empfunden und war auch sehr schnell fertig mit dem Buch.

Allerdings hat mir der Höhepunkt gefehlt... Die Geschichte endet auf dem Spannungsbogen mitten in der steigenden Handlung. Ich war sehr verblüfft, dass das Buch an der Stelle schon zu Ende war. Auch wenn es sich um den ersten Band einer Trilogie handelt, die sich ja steigern soll, wünsche ich mir in einem Fantasybuch trotzdem einen kleinen Höhepunkt. Hier haben mir 100 bis 200 Seiten gefehlt, um diesen zu erzählen. Das finde ich sehr schade, weil mir die Grundstory, der Schreibstil und das Setting gut gefallen haben, ich aber nicht wirklich Handlung bekommen habe.

Ich sehe das Potential in der Geschichte und kann mir vorstellen, dass sie richtig gut wird, wenn man alle Teile (die bisher noch nicht erschienen sind) hintereinander weg liest. Deshalb gebe ich dem Buch 3 von 5 Sternen.

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Veröffentlicht am 22.03.2024

Mir hat der rote Faden gefehlt…

Alte weiße Männer
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Sophie Passman führt hier viele schlaue Gespräche mit „alten eißen Männern". Die Gespräche fand ich teilweise sehr
spannend und aufschlussreich! Mein Highlight war erstaunlicherweise das Gespräch mit Robert ...

Sophie Passman führt hier viele schlaue Gespräche mit „alten eißen Männern". Die Gespräche fand ich teilweise sehr
spannend und aufschlussreich! Mein Highlight war erstaunlicherweise das Gespräch mit Robert Habeck. Mir hat aber ein bisschen der rote Faden gefehlt. Ich weiß nicht, was dieses Buch will und irgendwas will es definitiv. Trotzdem konnte es mich gut unterhalten, auch wenn Pick Me Girls mir besser gefallen hat.

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