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Veröffentlicht am 29.03.2024

Inspirierend und stark

30 Moments
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In “30 Moments” teilt Lina Mallon 30 Begegnungen, Entscheidungen und Momente ihres Lebens, die sie besonders geprägt haben. Dabei beschreibt sie sowohl schmerzhafte Erkenntnisse als auch die schönen Momente ...

In “30 Moments” teilt Lina Mallon 30 Begegnungen, Entscheidungen und Momente ihres Lebens, die sie besonders geprägt haben. Dabei beschreibt sie sowohl schmerzhafte Erkenntnisse als auch die schönen Momente des Lebens und Erinnerungen, von denen sie bis heute zehrt und die sie nicht missen möchte. Ich konnte mich vom ersten Moment an in Lina hineinfühlen und mich mit ihr identifizieren.

Der Schreibstil ist einfach und geprägt von vielen starken Sätzen und Gedanken, die mich immer wieder inspirieren konnten. Da ich im Laufe der Erzählungen immer mehr grundsätzliche Unterschiede zwischen der Autorin und mir festgestellt habe, konnte ich das Leben aus einem anderen Blickwinkel betrachten und wiederum einige Erkenntnisse für mich mitnehmen. Somit haben mich die verschiedenen Kapitel immer wieder zum Nachdenken angeregt und berührt.

Ich finde, dass uns Lina Mallon sehr mutig und ehrlich durch ihr Leben mitnimmt, sich Fehler eingesteht, schöne Momente wertschätzt und uns immer eine Botschaft mit auf den Weg gibt. Konfliktsituationen in Freundschaften löst sie einfühlsam, lernt dabei aber auch Grenzen zu setzen und ihren Weg zu finden.
Wichtige Botschaften setzen sich mit Misogynie und Feminismus auseinander, was ich sehr wichtig finde und wodurch ich dankbar für diese kurzen Einblicke bin. So geht sie beispielsweise als Vorbild für den Zusammenhalt zwischen Frauen voran.

Ich habe aber auch einige kleinere Kritikpunkte. So sind die Momente und Botschaften im Laufe des Buches etwas repetitiv, sodass ich nicht mehr ganz so viel Neues aus den Kapiteln herausziehen konnte. Außerdem wird die Autorin einige Male leider von ihrer eigenen Wahrnehmung und ihren persönlichen Bedürfnissen zu verallgemeinernd und dadurch erweckt sie manchmal den Anschein einer positiven Selbstdarstellung. Dies möchte ich ihr zugute allerdings auf die Formulierung und nicht auf ihre tatsächliche Meinung zurückführen. Zuletzt kamen zwischendurch auch ein paar Unstimmigkeiten auf, in denen sie sich selber widersprochen hat. Auch hier liegt das wahrscheinlich an der Zusammenstellung der Momente, sodass sie Erkenntnisse erst später erlangt, vorher aber schon in die Beschreibung eines Moments mit einfließen lässt.

Insgesamt ist “30 Moments” ein schönes Buch, das mich gut durch den Alltag begleitet hat. Die angesprochenen Themen finde ich sehr wichtig und so eignet sich das Buch besonders für Leser*innen, die anfangen möchten, sich mit Feminismus auseinanderzusetzen oder vielleicht gerade ein wenig Inspiration für ihr Leben gebrauchen könnten. Ansonsten natürlich ein Must Read für alle Fans der Autorin.
Die Botschaft zum Ende des Buches darf sich gerne jeder zu Herzen nehmen.

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Veröffentlicht am 15.03.2024

Spannende Fortsetzung

Matching Souls
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Matching Souls ist der zweite und abschließende Teil der Aconite Institute-Dilogie von Ria Radtke und schließt an den vorherigen Band an. Deswegen könnte diese Rezension auch für Band 1 spoilern!

Runa ...

Matching Souls ist der zweite und abschließende Teil der Aconite Institute-Dilogie von Ria Radtke und schließt an den vorherigen Band an. Deswegen könnte diese Rezension auch für Band 1 spoilern!

Runa wurde des Instituts verwiesen und weiß plötzlich nicht mehr, wie sie noch in ihre alte Welt passen soll. Kyril geht auf einer Exkursion verloren und taucht später ohne Erinnerungen wieder auf. Und Kyrils Bruder Aurel kehrt plötzlich unerwartet wieder zurück und erzählt etwas von einem Mythos über ausgestoßene Schattenspringer. Bei der Suche nach Erklärungen stoßen sie auf Geheimnisse, die mich überraschen und schockieren konnten.

Der Schreibstil hat mir wie im ersten Band sehr gut gefallen und ist einfach zu verstehen. Auch die Handlung war wieder sehr spannend und einige Twists habe ich nicht vorhersehen können und somit konnte mich das Buch in seinen Bann ziehen.
Runa und Kyril sind interessante Charaktere und die Bindung der beiden hat mich trotz Kyrils Gedächtnisverlust sehr berührt. Aurel mochte ich ebenfalls sehr gerne und ich konnte seinen Schmerz gut nachfühlen. Insgesamt haben wir gut ausgearbeitete und tiefgründige Charaktere kennenlernen dürfen.

Das Ende des Buches ging mir dann leider etwas schnell, weshalb ich mir gerne noch ein paar Seiten mehr gewünscht hätte und dem Buch insgesamt gute 4 Sterne gebe.

Da ich das Hörbuch gehört habe auch hierzu meine Meinung:
Die beiden Sprecher*innen passen sehr gut zur Geschichte und den Charakteren und haben einen wirklich guten Job geleistet. Leider gibt es zwei sehr ähnlich klingende Namen in der Geschichte, sodass dies immer wieder für Verwirrung bei mir gesorgt hat und ich einzelne Passagen doppelt hören musste. Deswegen leider einen halben Stern Abzug für das Hörbuch, womit ich bei 3,5 Sternen lande.

Die Reihe bekommt definitiv eine große Empfehlung mit mir, wobei ich, wenn dies möglich ist, aus oben genannten Gründen trotzdem eher zum Print oder eBook raten würde.

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Veröffentlicht am 23.01.2026

Ein außergewöhnliches Leben

Das Dreizehnte Kind
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Das Dreizehnte Kind von Erin A. Craig ist ein düsterer Fantasy-Einzelband und handelt von Hazel, die ein außergewöhnliches Leben vor sich hat. Es beginnt mit einer schwierigen Kindheit. Da sie als dreizehntes ...

Das Dreizehnte Kind von Erin A. Craig ist ein düsterer Fantasy-Einzelband und handelt von Hazel, die ein außergewöhnliches Leben vor sich hat. Es beginnt mit einer schwierigen Kindheit. Da sie als dreizehntes Kind dem Tod versprochen ist, bekommt sie von ihren Eltern kaum Liebe oder Fürsorge. Mit zwölf Jahren wird sie vom Todesgott geholt und beginnt ihr Studium zur Heilerin. Hier erlebt sie zwar Bindung, aber weiterhin keine Stabilität und ist in so jungen Jahren mit Einsamkeit, zu viel Verantwortung und Tod konfrontiert. Jahre später wird sie als Heilerin an den königlichen Hof geholt. Es herrscht Krieg und der König droht an einer geheimnisvollen Krankheit zu sterben. Am Hof muss sie weitreichende Entscheidungen treffen und begegnet zudem Prinz Leopold, den sie - zumindest zunächst - nicht leiden kann.

Die erste Hälfte hat mich sehr abgeholt, in der zweiten Hälfte hätte ich mir manche Entwicklung oder inhaltliche Schwerpunkte anders gewünscht, sodass es einige Längen gab. Aber durch viele spannende und emotionale Momente habe ich das Buch bis zum Ende gerne gelesen.

Besonders die düstere Atmosphäre war in dem Buch spürbar. Die Welt ist geprägt von Leid, Krankheit, Krieg, Armut und Tod. Wir begleiten auch Hazel durch viele schwierige Phasen in ihrem Leben, die sie erträgt und aus denen sie sich kämpfen muss. Ihre Entwicklung ist dabei spürbar. Ich habe mit Hazel gelitten und sie dabei schnell in mein Herz geschlossen. Prinz Leopold ist für mich eher ein Nebencharakter geblieben, ich konnte die Slow-Burn-Romance zwischen den beiden aber trotzdem nachempfinden.
Den Tod fand ich als Charakter sehr spannend. Als Gott ist er nahezu allmächtig und trotzdem so unperfekt, was sich auch in der Beziehung zwischen ihm und Hazel zeigt. Er nimmt gleich mehrere Rollen in ihrem Leben ein und liebt Hazel, wenn auch nicht ohne Erwartungen oder auf die gesündeste Art und Weise. Er ist irgendwie eine unkonstante Konstante in Hazels Leben.

Insgesamt hatte ich mit Das Dreizehnte Kind eine gute Lesezeit und würde es allen weiterempfehlen, die eine düstere Fantasy suchen. Aufgrund ein paar persönlicher Kritikpunkte bekommt das Buch 3,5 Sterne von mir.

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Veröffentlicht am 04.06.2025

Emotionales Thema nüchtern erzählt

Hello Baby
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"Hello Baby" von Kim Eui-kyung erzählt die Geschichte von sechs Frauen, die sich über ihren unerfüllten Kinderwunsch kennenlernen und darin Gemeinschaft finden.

Anfangs fiel es mir etwas schwer, trotz ...

"Hello Baby" von Kim Eui-kyung erzählt die Geschichte von sechs Frauen, die sich über ihren unerfüllten Kinderwunsch kennenlernen und darin Gemeinschaft finden.

Anfangs fiel es mir etwas schwer, trotz Interesse in die Geschichte hineinzufinden. Das liegt zum Teil daran, dass die Erzählstimme eher nüchtern ist und zunächst viele technische Informationen und Abläufe der IVF-Behandlungen behandelt werden. Außerdem konnte ich mich ohne eigenen Kinderwunsch, und somit emotionale Nähe zum Thema, nicht ausreichend in die Perspektive einfühlen. Vielmehr habe ich mir die Emotionen aus den zum Teil schwerwiegenden Eingriffen, den Rückschlägen und dem schier endlosen Durchhaltevermögen der Frauen abgeleitet, für welches ich große Bewunderung habe. Und auch das letzte Drittel mit einem sich ankündigenden Twist hat noch an Spannung zugenommen und mich schlussendlich nachdenklich gemacht.

Sehr gelungen fand ich auch die Beobachtungen der Autorin, inwieweit Frauen, im Gegensatz zu ihren Männern, schon lange vor einer möglichen Schwangerschaft die beinahe alleinige Verantwortung tragen, sowohl für das Scheitern des Kinderkriegens, als auch für die zum Teil schmerzhaften und kräftezehrenden Eingriffe, die sie wieder und wieder über sich ergehen lassen.
Dabei haben mich besonders der gesellschaftliche, wie auch der (groß-) elterliche Druck auf die Frauen entsetzt. Zu den gesellschaftlichen Einflüssen Südkoreas zu dem Thema kann ich nicht mehr sagen, als ich selber durch das Buch erfahren habe. Insgesamt unterscheiden sich die Kernaspekte wie Misogynie oder die Diskriminierung von Müttern, beispielsweise am Arbeitsplatz, wohl wenig von dem, was ich auch hier erlebe und mitbekomme.

Anmerkung: Das Buchcover wurde leider mithilfe von midjourney.ai erstellt, was ich erst nach Erhalt des Buches gesehen habe. Die Nutzung von KI beeinflusst für gewöhnlich meine Konsumentscheidungen, weswegen ich das hier zumindest nicht unerwähnt lassen möchte.

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Veröffentlicht am 27.12.2024

Umfassender und persönlicher Einblick in das Leben einer Autistin

Strong Female Character
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“Strong Female Character” ist die Autobiographie der schottischen Comedienne Fern Brady, in welcher sie ihr Leben als Autistin bis zu ihrer späten Diagnose beschreibt. Trotz eindeutiger Symptome und vielfacher ...

“Strong Female Character” ist die Autobiographie der schottischen Comedienne Fern Brady, in welcher sie ihr Leben als Autistin bis zu ihrer späten Diagnose beschreibt. Trotz eindeutiger Symptome und vielfacher Versuche, von Beratungsstellen und Fachpersonal ernstgenommen zu werden, werden ihr eine Reihe an Fehldiagnosen gestellt, unpassende Behandlungen angeordnet und sie erhält ihre Diagnose erst mit 34 Jahren.

Ich kannte Fern Brady, bevor ich ihr Buch gelesen habe, nicht, war aufgrund der Thematik aber sehr an ihrer Perspektive als Autistin interessiert. Ich finde es besonders mutig, wie schonungslos ehrlich sie auch die negativen Aspekte ihrer Störung teilt und bin ihr sehr dankbar für ihre Darstellung, wie auch für ihre Kritik an der immer noch unzureichenden Versorgung mit Information und Diagnostikstellen (insbesondere für Mädchen und Frauen).
Brady gelingt ein guter Überblick, wie eine (undiagnostizierte) ASS sich in jeglichen Situationen zeigen kann und sich auf das Leben auswirkt, indem sie uns an unterschiedlichen Erfahrungen ihres bisherigen Lebens teilhaben lässt. Auch wenn ich viele ihrer Erfahrungen gut nachempfinden und in mir selber wiedererkennen konnte, haben mich Bradys Erlebnisse dennoch immer wieder erschüttert. Ich fand es schrecklich zu lesen, welche extremen Erfahrungen Brady im Laufe ihres Lebens machen musste. Dies ist allerdings nicht ungewöhnlich, denn Autist*innen neigen beispielsweise durch die Natur der Störung viel schneller dazu, traumatisierende Erfahrungen machen zu müssen und daraus eine PTBS zu entwickeln.

Die Bewertung der Autobiographie fällt mir an dieser Stelle sehr schwer, da es auch Aspekte gab, die mir nicht gefallen haben. Dabei möchte ich natürlich nicht Fern Brady persönlich oder ihr Leben bewerten, sondern erklären, warum ich das Buch nicht uneingeschränkt empfehlen kann. Denn Bradys schonungslos ehrliche Art, Dinge zu beschreiben, erklärt sich beim Lesen natürlich von selbst. Allerdings habe ich diese häufig unverhältnismäßig negativ wahrgenommen. Das bezieht sich auch auf die Darstellung der Personen, denen sie im Laufe ihres Lebens begegnet, was ich als beinahe ständige Abwertung anderer empfunden habe und so meiner Meinung nach beispielsweise Body- und Fatshaming stattfinden.

Nachdem ich nach den ersten vielversprechenden Seiten und meinen hohen Erwartungen im Vorhinein mit einem Highlight gerechnet habe, konnte diese Erwartung leider nicht ganz erfüllt werden. Trotzdem möchte ich “Strong Female Character” wegen der Sensibilisierung zum Thema Autismus und den wichtigen Aspekten, die das Buch zu dem Thema anspricht - und wofür ich es sehr schätze - empfehlen.

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