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Veröffentlicht am 07.09.2024

Emigration ist nichts für Feiglinge

Die Glücksfrauen - Der Geschmack von Freiheit
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Die Glücksfrauen - Der Geschmack der Freiheit – ist der erste Teil einer Trilogie der Autorin Anna Claire.

Nach dem Tod ihrer Großmutter Luise erfährt June, dass diese ein Restaurant in New York besitzt ...

Die Glücksfrauen - Der Geschmack der Freiheit – ist der erste Teil einer Trilogie der Autorin Anna Claire.

Nach dem Tod ihrer Großmutter Luise erfährt June, dass diese ein Restaurant in New York besitzt und im Jahre 1936 aus Berlin emigriert ist, nachdem sie mit ihrem Verlobten Richard im Widerstand gegen das NS-Regime tätig war und aufgeflogen ist. Ihr hilfreich zur Seite gestanden haben ihr ihre Freundinnen Maria, eine Jüdin, und Anni, die mit einem Nazi befreundet war. Ihr Traum war es, zusammen in New York ein Restaurant zu eröffnen. Zu diesem Zweck haben sie Luise Geld gegeben.

Zunächst gelingt es Luise zu beiden Frauen Kontakt zu halten. Doch nach 1939 reißt dieser ab. Auch nach dem Ende des zweiten Weltkrieges gelingt es Luise nicht, ihre Freundinnen ausfindig zu machen.

Diese Aufgabe übernimmt June, da sie nur dann an ihr Erbe kommt.

Der Schreibstil ist flüssig und lässt sich sehr gut lesen. Die Charaktere sind glaubhaft dargestellt und ihre Handlungen nachvollziehbar. Vom ersten Moment habe ich mit Luise gefiebert, gebangt und gehofft.

Sehr eindrücklich beschreibt die Autorin das Leben in der Fremde, das Gefühl der Verlorenheit, das Heimweh und die vorhandene Sprachbarriere. Luise gelingt es Fuß zu fassen, ganz anders als ihrem Verlobten, der an Depression erkrankt und für sie nur noch eine Belastung ist. In New York findet sie Anschluss, lernt andere Emigrantinnen kennen und baut sich ein neues Leben auf. Ihr zur Seite steht George, der Freund ihres Verlobten, der bald mehr für sie ist als nur ein Freund. Darf sie sich zu ihm bekennen oder muss sie bei Richard bleiben?

June lernt im Laufe ihrer Recherche viel über sich und landet in der einen oder anderen Sackgasse. Aber auch sie hat Hilfe. Walter, der Anwalt ihrer Großmutter, und Hendrik, Chefkoch in ihrem Restaurant, bemühen sich nach Kräften darum, sie zu unterstützen. Wird es ihnen gemeinsam gelingen, das Rätsel um Maria und Anni zu lösen und wem schenkt sie ihr Herz?

Luise entwickelt sich im Laufe der Geschichte zu einer starken Frau, der es mit Hilfe anderer starken Frauen gelingt, ihren Traum zu verwirklichen. Die Frage bleibt: Was ist aus den Freundinnen Maria und Anni geworden und warum ist der Kontakt abgerissen?

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 12.05.2024

Berlin 1929

Fräulein Gold: Die Lichter der Stadt
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Fräulein Gold: Die Lichter der Stadt ist der sechste Teil der Hebammenreihe von Anne Stern und spielt im Jahr 1929 in Berlin. Dieser Roman kann auch gelesen werden, wenn man die anderen Bücher nicht kennt, ...

Fräulein Gold: Die Lichter der Stadt ist der sechste Teil der Hebammenreihe von Anne Stern und spielt im Jahr 1929 in Berlin. Dieser Roman kann auch gelesen werden, wenn man die anderen Bücher nicht kennt, da die Autorin immer wieder Begebenheiten der Vergangenheit einstreut und so Brücken baut.
Der Schreibstil ist flüssig und lässt sich sehr gut lesen; er ist unaufgeregt aber nicht langweilig.
Hulda wird wieder einmal unfreiwillig in einen Kriminalfall hineingezogen, als sie bei ihrer Tätigkeit in einer Mütterberatungsstelle die Schauspielerin Milli kennenlernt. Bald wird klar, dass Milli auch noch einem Nebenjob nachgeht. Handelt es sich wirklich nur um Prostitution oder steckt mehr dahinter? Wird es Hulda gelingen, Milli zu helfen, ohne sich und ihre Tochter Meta in Gefahr zu bringen. Mit Max taucht ein Mann auf, der in Huldas Privatleben eine Rolle spielen könnte. Leider ist er verheiratet. Hat die Liebe eine Chance?
Anne Stern schildert facettenreich das Leben in Berlin am Ende der 20iger Jahre des letzten Jahrhunderts. Die Hinterhöfe, die keine Perspektive versprechen, aber auch die glamouröse Partyszene, die sich nach dem Ende des ersten Weltkrieges etabliert hat. Auch das Erstarken des Nationalsozialismus wird beleuchtet.
Sehr eindringlich setzt sie sich mit der Tatsache auseinander, wie schwierig es ist als alleinerziehende ledige Mutter berufstätig zu sein und sowohl Kind und Beruf gerecht zu werden. Die innere Zerrissenheit wird sehr glaubhaft geschildert. Die Handlungen der Protagonisten sind authentisch wiedergegeben.
Wem die anderen Bücher gefallen haben, macht mit diesem Roman nichts falsch.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 08.04.2024

Eine durchaus gelungene Fortsetzung

Blankenese - Zwei Familien
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Im zweiten Teil der Blankenese-Saga von Michaela Grünig begleiten wir die Familien Casparius, Hansen und Jacobson durch den zweiten Weltkrieg und die Anfänge der Nachkriegszeit (1939-1949). Dieser lässt ...

Im zweiten Teil der Blankenese-Saga von Michaela Grünig begleiten wir die Familien Casparius, Hansen und Jacobson durch den zweiten Weltkrieg und die Anfänge der Nachkriegszeit (1939-1949). Dieser lässt sich auch lesen, wenn man den ersten Band (Blankenese – Zwei Familien – Licht und Schatten) nicht kennt. Zum besseren Verständnis würde ich aber mit Band 1 beginnen. Hilfreich ist auch das Personenverzeichnis, das sich in beiden Bänden befindet.
Der Schreibstil der Autorin ist flüssig und lässt sich sehr gut lesen.
In diesem zweiten Teil rückt die nachfolgende Generation in den Fokus und nimmt das Ruder in die Hand.
Der Kriegsausbruch führt dazu, dass sich Teile der Familie aus den Augen verlieren, da die Verbindung nach Großbritannien abreist. Auch für die in Deutschland verbliebenen Familienmitglieder bricht eine schwere Zeit an. Der Reederei droht die Enteignung und einigen Familienangehörigen das KZ wegen ihrer jüdischen Abstammung. So sind schwere Entscheidungen zu treffen.
Soll Sonja ihrem Herzen oder ihrem Pflichtgefühl folgen? Bringt Kurt seine Aufnahme in die Royal Air Force in Gewissenskonflikte oder rechtfertigt der Kampf gegen Nazi-Deutschland jedes Mittel? Hier zeigt sich, dass es eben nicht nur Gut und Böse gibt, sondern dass es auf die jeweilige Perspektive ankommt.
Die Nachkriegszeit zeigt, dass der Feind von gestern, der Freund von heute ist, wenn es darum geht, Profit zu machen, auch wenn man damit Teile der Familie vor den Kopf stößt.
Michaela Grünig schildert die Luftangriffe auf Hamburg authentisch und man hat beim Lesen das Gefühl, dabei zu sein, wenn die Bomben fallen und alles in Schutt und Asche legen .Auch die Sorgen und Nöte der Bevölkerung sind realistische wiedergegeben.
Zum Ende des Buches gibt es die eine und andere Wendung, die für mich etwas zu konstruiert ist, damit für möglichst viele Protagonisten ein Happy End gelingt, was nicht immer glaubwürdig ist. Das führt für mich auch dazu, dass ich nicht alle Handlungen nachvollziehen kann, insbesondere nicht Ottos Sympathien für den Kommunismus und die sich daraus ergebenden Entscheidungen.
Es handelt sich um einen sehr gut recherchierten Roman, der auch Potential für eine Fortsetzung hat.

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
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  • Atmosphäre
Veröffentlicht am 16.11.2023

Elbstürme - Eine Familiengeschichte, die es in sich hat

Elbstürme
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Lily fühlt sich von Jo verraten und heiratet auf Drängen der Familie Henry und verlässt mit diesem Hamburg und lebt für drei Jahre in Liverpool, wo auch ihre und Jos Tochter Hanna zur Welt kommt. Das Leben ...

Lily fühlt sich von Jo verraten und heiratet auf Drängen der Familie Henry und verlässt mit diesem Hamburg und lebt für drei Jahre in Liverpool, wo auch ihre und Jos Tochter Hanna zur Welt kommt. Das Leben mit Henry ist geprägt von häuslicher Gewalt. Die Erkrankung ihres Vaters eröffnet ihnen die Möglichkeit nach Hamburg zurückzukehren Diese Rückkehr erweist sich jedoch nicht als Befreiung, da Henry ihr den Umgang mit ihren alten Freundinnen aus der Frauenbewegung fast vollständig verweigert. Sie lebt in einem goldenen Käfig, wo alle ihre Schritte überwacht werden.
Jo Bolten verkraftet die Trennung von Lily schlecht und sucht Vergessen im Alkohol. Gleichzeitig setzt er sich für die Rechte der Hafenarbeiter ein. Für alle seine Verluste macht er den Werftbesitzer Oolkert, seinen Arbeitgeber, verantwortlich und versucht nun, diesem zu schaden, indem er sich in den Opiumhandel einmischt.
Bei einer gemeinsamen Bekannten treffen Lily und Jo wieder aufeinander und merken, dass ihre Gefühle füreinander nicht erloschen sind Es bleibt abzuwarten, ob es für Lily und Jo ein happy End geben wird oder ob Henry Hanna als Druckmittel einsetzt, um seinen Willen zu bekommen.
Miriam Georg hat mit Elbstürme eine tolle Fortsetzung geschrieben, die bis zum Ende spannend bleibt und den Leser wieder in das Hamburg um 1890 eintauchen lässt. Die Geschichte geht unter die Haut. Der Autorin gelingt es trefflich, Bilder vor dem geistigen Auge entstehen zu lassen, sei es bei den gewerkschaftlichen Reden in den Kneipen oder beim Protest der Frauenbewegung. Es handelt sich um ein gut recherchiertes Buch, das zeigt, welche Opfer gebracht wurden, um den Frauen zu mehr Rechten zu verhelfen
Elbstürme ist eine facettenreiche Familiengeschichte, deren Ende nicht jedem gefallen dürfte. Ich denke aber, dass es in die Zeit passt, in der nicht sein kann, was nicht sein darf,
Der Schreibstil ist flüssig und lässt sich sehr gut lesen. Die Handlungen der Charaktere sind glaubhaft und nachvollziehbar.

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Veröffentlicht am 06.10.2023

Das "feine" Hamburg um 1886

Elbleuchten
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Miriam Georg lässt uns teilhaben am Leben in Hamburg des Jahres 1886. Wir begleiten Lily Karsten, verwöhnte Reedereitochter, und Jo Bolten, Hafenarbeiter, die sich durch einen tragischen Zufall begegnen ...

Miriam Georg lässt uns teilhaben am Leben in Hamburg des Jahres 1886. Wir begleiten Lily Karsten, verwöhnte Reedereitochter, und Jo Bolten, Hafenarbeiter, die sich durch einen tragischen Zufall begegnen und ineinander verlieben. Hier ziehen sich Gegensätze an.
Die Autorin schildert facettenreich das Leben der unterschiedlichen Schichten und wir blicken mit ihr hinter die Fassaden der Reichen und erleben mit, wie Geld den Charakter verdirbt und dass man, wenn man nicht dem damals gängigen Bild entspricht, ausgegrenzt und diffamiert wird. Korruption und Ausbeutung gehören für diese Menschen einfach dazu.
Noch eindringlicher sind ihre Schilderungen der Armen. Beim Lesen hat man das Gefühl, mit Jo Bolten durch die Kneipen und engen Gassen der Gängeviertel zu gehen und den modrigen Geruch in der Nase zu haben. Hier regiert das Recht des Stärkern und Krankheit und Tod sind allgegenwärtig.
Durch Jo Bolten lernt Lily Karsten eine ganz andere Seite ihrer Heimatstadt kennen und fängt an, ihr bisherigen Leben in Frage zu stellen. Durch eine Freundin lernt sie gleichgesinnte Frauen kennen und beginnt sich von ihrer Familie zu distanzieren und zu emanzipieren. Es bleibt abzuwarten, wohin die Reise geht.
Die Charaktere sind gut herausgearbeitet, so dass ihre Handlungen glaubwürdig sind. Bei Lily Karsten bin ich etwas zwiegespalten, kann mir nicht vorstellen, dass eine junge Frau aus gutem Hause zu dieser Zeit so viel Freiraum hat und letztendlich alles hinter sich lässt. Der Autorin gelingt es, die Spannung über das gesamte Buch aufrecht zu erhalten. Ich werde mir gleichen den zweiten Teil kaufen.

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