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Veröffentlicht am 28.04.2024

Die gestürzte Königin

Chaos Witches – Die falsche Auserwählte
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Adelina Lighttower weiß schon ihr ganzes Leben lang, wozu sie bestimmt ist: Als Hexenkönigin die magischen Kräfte zurückerhalten, die den Hexen von den Alchemisten genommen wurden, diese besiegen und den ...

Adelina Lighttower weiß schon ihr ganzes Leben lang, wozu sie bestimmt ist: Als Hexenkönigin die magischen Kräfte zurückerhalten, die den Hexen von den Alchemisten genommen wurden, diese besiegen und den anderen Hexen ihre Kräfte zurückzugeben. Doch mittlerweile ist sie fünfzehn und noch immer gibt es keine Anzeichen ihrer Superkräfte, obwohl ihre Tante sie oft in Lebensgefahr bringt, um diese zu aktivieren. Als dann eines Tages ein Waisenmädchen ungeheures Chaos entfacht, ist klar: Adelina war nie die Auserwählte, Echoline ist es. Jetzt soll ausgerechnet Adelina Echoline unterstützen. Und dann ist da noch Tristan, der Sohn des Alchemistenanführers mit seinem anziehenden Lächeln ...

Eigentlich ist das ein mega Jugendfantasyabenteuer, amüsant und mit coolen Ideen. Aber ich gebe ehrlich zu, dass einige Sachen mir extrem gegen den Strich gingen. Allein, wie die Alchemisten einfach in die Häuser der Hexen trampeln, finde ich unmöglich und gegen jedes Menschenrecht. Aber noch schlimmer sind tatsächlich die erwachsenen Hexen. Wie die Adelina behandeln, geht einfach gar nicht. Ich habe Adelinas Mutter und Tante richtig, richtig gehasst und mir gewünscht, dass denen was passiert. Wie man seine eigene Tochter - Fleisch und Blut hin oder her - so behandeln konnte, da kochte Wut in mir hoch. Natürlich habe ich trotzdem öfter gelacht, weil Adelina einfach so cool ist, genauso wie Echoline. Aber ich hätte mir auch gewünscht, dass das Ende nicht ganz so gehetzt daherkommt und man noch eine Art Abschluss bekommt, in der viele der Ungerechtigkeiten einfach ausgetilgt werden. So bleibe zumindest ich ein wenig unbefriedigt zurück.

Veröffentlicht am 27.04.2024

Pflanzenkraft

Essen wie eine vegane Kriegerin
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Menschen, denen der Planet, das Klima, ja eigentlich selbst wenn es nur das eigene Ego und der eigene Platz in der Welt ist, nicht am Hintern vorbeigeht, kommen irgendwann an den Punkt, sich vegan zu ernähren ...

Menschen, denen der Planet, das Klima, ja eigentlich selbst wenn es nur das eigene Ego und der eigene Platz in der Welt ist, nicht am Hintern vorbeigeht, kommen irgendwann an den Punkt, sich vegan zu ernähren oder wenigstens das klimaschädliche Essen stark zu reduzieren. Wenn man dann eventuell auch noch ein paar Herzprobleme hat, ist man bei der Familie Esselstyn gut aufgehoben. Die beiden legen hier ein veganes Kochbuch vor, das nicht nur für vegane Kriegerinnen äußerst praktisch ist.

Es gibt am Anfang eine Art Beginner's Guide, bevor sie ein paar Leute zu Wort kommen lassen, die sich vegan aus welchen Gründen und mit welchen positiven Aspekten ernähren. Um ehrlich zu sein, finde ich, könnte man sich das sparen: wie bereits erwähnt, wer sich ein veganes Kochbuch anschafft, der wird sich auch mit den Gründen für vegane Ernährung beschäftigt haben. Ab da ist das Buch in verschiedene Kategorien eingeteilt. Es gibt Abschnitte mit Frühstück, Bowls, Suppen, schnellen Sachen auf die Hand, Salate, Hauptgerichte und Deserts. Ich habe mir die Zeit genommen, aus jeder Kategorie etwas zuzubereiten (aus manchen sogar mehrere Sachen). Durchweg alles, was ich getestet habe, war lecker, recht einfach und wenig aufwändig, sowohl was Zeit als auch Geld betrifft. Das ist ein riesiger Pluspunkt und hat mich sehr begeistert. Auch dass versucht wird, sehr fettarm zu kochen, finde ich gut.

Ein kleiner Minuspunkt des Buches ist, dass es verhältnismäßig wenige Hauptgerichte gibt und dass diese sehr kichererbsenlastig sind. Jetzt mag ich Kichererbsen sehr gern, sie sind proteinhaltig und schmecken, aber für Leute, die nicht so gepolt sind, könnte es störend sein. Auch finde ich, dass man gut ein paar Bowls und Salate durch Hauptspeisen noch hätte ersetzen können. Trotzdem gibt es für das Buch rein was die Rezepte und den Geschmack angeht eine dicke Empfehlung.

Veröffentlicht am 18.04.2024

Milagritos

Der Vertraute
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Spanien, Ende des 16. Jahrhunderts. Die junge Luzia Cotado arbeitet als Küchenmädchen in einem der ärmeren Stadthäuser von Madrid. Wie Aschenputtel schläft sie in einer schmutzigen Ecke, kassiert Schläge ...

Spanien, Ende des 16. Jahrhunderts. Die junge Luzia Cotado arbeitet als Küchenmädchen in einem der ärmeren Stadthäuser von Madrid. Wie Aschenputtel schläft sie in einer schmutzigen Ecke, kassiert Schläge ihrer Herrin und wenig Respekt von der Köchin. Um ihre harte Arbeit manchmal zu erleichtern, nutzt sie Milagritos, kleine magische Reime. Als sie dabei eines Tages von ihrer Herrin erwischt wird, zwingt diese Luzia, immer wieder ein paar kleine Wunder zu vollbringen. Das geht solange gut, bis ein skrupelloser Edelmann davon hört; er will die Gunst des Königs und Luzia soll seine von Gott gesandte Wunderbringerin sein. Doch die Prüfungen sind hart und der Grat zwischen Wunder und Hexerei äußerst schmal - die Inquisition scharrt allerorten mit den Hufen. Und dann ist da auch noch Santangel, der unheimliche Diener des Edelmanns, der sie trainieren soll. Luzia erkennt, dass ihr Gefahr für Leben und Herz droht.

Ich bin ein großer Fan von Leigh Bardugo. Immer wieder lässt sie sich etwas Neues einfallen, wie sie auch anhand dieses Buches bewiesen hat. Dass es mich am Ende dann doch nicht durchgehend fesseln konnte, obwohl es ein spannendes Thema in einer spannenden Zeit war, ist wohl der Art geschuldet, wie es geschrieben wurde. Einerseits irgendwie märchenhaft, andererseits aber auch nicht. Ich bekam zu eigentlich keinem der Charaktere einen wirklichen Zugang, von der Art her blieben mir alle fremd bis zum Schluss. Nichtsdestotrotz nimmt uns die Autorin in eine spannende Zeit mit und sie lässt den Charakteren Raum, sich zu entwickeln. Als Fazit für mich: Gut zu lesen, aber nicht mein Lieblingsbuch der Autorin.

Veröffentlicht am 16.03.2024

Alientourist

Mein ziemlich seltsamer Freund Walter
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Lisa ist acht, fast neun Jahre alt und sie ist sehr, sehr schlau. Das muss sie auch sein, denn seitdem ihre Eltern arbeitslos (und depressiv) sind, muss sie sich nicht nur allein um sich selbst, sondern ...

Lisa ist acht, fast neun Jahre alt und sie ist sehr, sehr schlau. Das muss sie auch sein, denn seitdem ihre Eltern arbeitslos (und depressiv) sind, muss sie sich nicht nur allein um sich selbst, sondern auch den Haushalt und die Eltern kümmern. Außerdem wird sie auf dem Weg zur Schule regelmäßig von Jugendlichen gequält und in der Schule sowohl von SchülerInnen als auch dem Lehrpersonal gemobbt. Alles in allem sieht es ganz schön grau in Lisas Leben aus. Das Einzige, was sie halbwegs bei Laune hält, ist ihre Begeisterung für Astronomie. Und dann trifft sie eines Tages auf einen Alien mit einem unaussprechlichen Namen, der hier auf der Erde eigentlich Touri sein wollte, den aber seine Reisegruppe vergessen hat. Lisa nennt ihn Walter und nimmt ihn mit nach Hause, denn er kann schließlich in der kalten Nacht nicht allein draußen bleiben. Und deshalb bekommt Walter ihr trauriges, kleines Leben mit. Weil auf Walters Planet viel gekuschelt und liebgehabt wird, hilft er Lisa auch mit ihrem Leben ...

Ich gebe zu, gerade anfangs ist Lisas Leben beinahe unerträglich. Wie sie von allen Seiten einstecken muss - so ein kleines Mädchen, das tut geradezu körperlich weh. Sie hat sogar ihre Spielsachen verkauft, weil sonst kein Geld für Essen da ist. Und wenn man sich überlegt, dass tatsächlich viele Kinder oftmals ohne Nahrung in der Schule sitzen, dass sie gemobbt werden, dass sich niemand um sie kümmert: Ich wollte Lisa so sehr in den Arm nehmen. Und dann kommt Walter und nach und nach bessern sich ihre Verhältnisse, denn Walter ist ein Außerirdischer mit einem anderen Blick auf die Lage.

Einerseits finde ich es natürlich gut, dass sich Lisas Zustände radikal ändern. Andererseits habe ich das Buch mit meinem Vorlesekind (beinahe in Lisas Alter) gelesen/angeschaut und selbst sie legt den Zeigefinger in die Wunde: Das geht aber alles ganz schön einfach! Ja, es wäre natürlich schön, wenn dank eines Außerirdischen alles ein Happy End hätte - und auf gewisse Art ist diese Graphic Novel ein Kinderbuch. Aber dann wiederum nicht. Es sind so ernste Themen, die hier aufgegriffen werden und die ich wichtig und durchaus wunderbar in Szene gesetzt finde, dass es mir lieb wäre, wenn es in der dritten/vierten Klasse Schullektüre werden würde. Aber dennoch sind so einfache Lösungen wohl leider nicht drin. So blöd es sich anhört, mir wäre es lieb gewesen, wenn Walter es mit Lisa zusammen geschafft hätte, mehrere Erwachsene für Lisas Situation zu sensibilisieren und dann eine "richtige" Lösung, ein sich wirklich auch echt und real life tauglicher Abschluss gefunden worden wäre. Trotzdem: Ganz klar eine Leseempfehlung für dieses Buch!

Veröffentlicht am 13.03.2024

Graue Schmiere

Das kleine Buch der großen Risiken
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Das kleine Buch der großen Risiken ist so klein gar nicht - zumindest, was den Informativfaktor angeht. Der Autor, der Think-Tank-Begründer Jakob Thomä, hat sich anhand der 26 Buchstaben des Alphabets ...

Das kleine Buch der großen Risiken ist so klein gar nicht - zumindest, was den Informativfaktor angeht. Der Autor, der Think-Tank-Begründer Jakob Thomä, hat sich anhand der 26 Buchstaben des Alphabets entlanggehangelt, um eine Risikobewertung vorzunehmen. Dabei geht es unter anderem um Atom - und andere wirklich fürchterliche Bomben, künstliche Intelligenz oder die Frage, ob wir Angst vor der Invasion einer außerirdischen Spezies haben müssen. (Kleiner Spoiler zu Letzterem: nicht allzu sehr.)

Er baut es so auf, dass er immer das Risiko in einem Satz vor- und gleich im Anschluss die Frage hintenanstellt: Müssen wir uns Sorgen machen? Um ehrlich zu sein, gab es jede Menge Dinge, die mir tatsächlich Angst bereiten, die hier nicht mal auftauchen, an deren Stelle jedoch interessante Risiken bewertet werden, die ich überhaupt nicht auf dem Schirm hatte. Werde ich irgendwann der Grauen Schmiere zum Opfer fallen? Oder von einem Schwarzen Loch verschluckt? (Spoiler: Die Wahrscheinlichkeit liegt NICHT bei Null.)

Mir war tatsächlich auch nicht bewusst, dass ich mehr Angst vor einem Bevölkerungsrückgang als -zuwachs haben muss. Meistens begründet er seine Argumente recht gut, nur manchmal hatte ich das Gefühl, dass genau das, was beruhigen sollte, eher in eine andere Richtung wies. Könnte natürlich auch an mir liegen, schließlich habe ich keinen Think Tank gegründet. Alles in allem nimmt sich der Autor selbst nicht zu ernst, dabei die möglichen Risiken durchaus, und es war eine durchaus interessante Lektüre, die man gern noch mal vornehmen und eventuell ein paar Dinge selbst recherchieren kann.