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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 01.05.2024

Habe ich gerne gelesen

Aus dem Salzkammergut
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Nachdem das Salzkammergut in diesem Jahr anlässlich der Europäischen Kulturhauptstädte im internationalen Fokus liegt, sind zahlreiche Bücher über die wunderbare Landschaft und ihre Bewohner erschienen. ...

Nachdem das Salzkammergut in diesem Jahr anlässlich der Europäischen Kulturhauptstädte im internationalen Fokus liegt, sind zahlreiche Bücher über die wunderbare Landschaft und ihre Bewohner erschienen. Dieses hier nennt sich im Untertitel „Lesebuch“. Und als solches ist es auch zu verstehen. Unterschiedliche Essays holen bekannte und weniger bekannten Persönlichkeiten vor den Vorhang.

Zunächst einmal wird das Salzkammergut und seine Bewohner beschrieben. Da dürfen auch die üblichen Klischees nicht fehlen. Anschließend geht es mit Betrachtungen von Einheimischen und Zuagroasten weiter. Diese Beiträge sind in folgende Abschnitte unterteilt:

Künstlerinnen und Lebenskünstler
Jasager und Neinsagerinnen
Gipfelstürmer und Naturtalente
Tüftlerinnen und Schrittmacher

Einige der Essays widmen sich dem Widerstand gegen das NS-Unrechtsregime. Ja, es hat sie auch im Salzkammergut gegeben, das ob einer größeren Anzahl von „eingewanderten“ Nazi-Bonzen als besonders regimetreu gegolten hat.

Das Buch liegt schwer auf der Hand, ist es doch als gediegene Ausgabe als Hardcover mit Lesebändchen im Verlag Anton Pustet erschienen.

Historische Fotos sowie ein ausführliches Literaturverzeichnis ergänzen dieses interessante Buch.

Fazit:

Diesem Buch, das in interessanten Beiträgen von namhaften Autorinnen und Autoren Bekanntes und Unbekanntes aus der Region ans Tageslicht fördert, gebe ich gerne 5 Sterne.

Veröffentlicht am 01.05.2024

Interessante Neuauflage

A Man's Job
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Dieser interessante Roman ist bereits 1956 erstmals erschienen und nun in neuer Übersetzung verlegt worden.

Worum geht’s?

In ihrem Debütroman schildert Edith Anderson (1915-1999) den Arbeitskampf von ...

Dieser interessante Roman ist bereits 1956 erstmals erschienen und nun in neuer Übersetzung verlegt worden.

Worum geht’s?

In ihrem Debütroman schildert Edith Anderson (1915-1999) den Arbeitskampf von amerikanischen Bahnangestellten. Es ist eine bedrückende, realistische Geschichte einer Gruppe von Frauen, die während des Zweiten Weltkrieges an der amerikanischen Ostküste die Arbeit der eingerückten Männer übernehmen (müssen). Die Autorin weiß, worüber sie schreibt, da sie eine von ihnen war. Zwischen 1943 und 1947 hat sie als Schaffnerin bei der Pennsylvania Railroad gearbeitet.

Wenn aktuell über Streiks der Deutschen Bahn gesprochen und gelesen wird, so haben solche Bahnstreiks lange Tradition. Dieses Buch liefert einen Einblick in historische Miseren, in denen es nicht ausschließlich um höhere Gehälter ging, sondern um die systematische Benachteiligung von Frauen und Sexismus als Spielart des Kapitalismus.

Anspruch auf einen regulären Dienstplan hatte die Angestellten erst nach einigen Jahren als Beschäftigte, mit der sogenannten Seniorität. Diese wurden Frauen, nachdem sie von vornherein nur für die Kriegsdauer eingestellt worden waren, vorenthalten. Die mehr als ambivalente Haltung der männlichen Vorgesetzen zeigt sich auch darin, dass sie einerseits behaupteten, Frauen könnten die anstrengende Arbeit körperlich und psychisch nicht bewältigen (Schichten, die bis zu 16 Stunden dauerten, ohne sich waschen zu können, waren keine Seltenheit), andererseits teilten sie ihnen für gewöhnlich die aufreibenden Strecken zu, während sie den Männern die guten Strecken zuschanzten. Dazu kamen die stetige sexuell-aggressiven Sprüche, die die Schaffnerinnen über sich ergehen lassen mussten. Manchmal blieb es nicht bei blöden Anmache.

Selbstbewusste Frauen hat man als gesellschaftliche Bedrohung angesehen hat. Nur vor schwarzen US-Amerikaner hatte man noch mehr Angst, wie das folgende Zitat zeigt:

„Ihr Hirngespinst, dass Horden von Frauen die Bahn übernahmen, wurde von dem weit beängstigerenderen Hirngespinst anstürmender Schwarzer verdrängt.“

Da hat man doch lieber Frauen angestellt, die man nach der Rückkehr der Männer sofort wieder entlassen konnte, denn nur die Seniorität bot so etwas wie einen Schutz vor allzu willkürlichen Kündigungen. Die aber hatte man den Frauen ja verwehrt. Ein wahrer Teufelskreis!

Biografisches zur Autorin:

Edith Anderson (1915-1999) ist als Tochter eines jüdischen Ehepaars in New York City zu Welt gekommen, macht eine Ausbildung zur Lehrerin und tritt 1938 der amerikanischen kommunistischen Partei bei und schreibt für eine kommunistische Tageszeitung. Ein eher ungewöhnlicher Schritt in den USA. Sie setzt sich für bessere Arbeitsbedingungen, vor allem für die Frauen, ein.

In zweiter Ehe ist sie mit dem deutschen Journalisten Max Schröder (1900-1958) verheiratet, der aus Nazi-Deutschland fliehen musste. Als Max Schröder nach Kriegsende in das besiegt und zerstörte Deutschland zurückkehrt und als Lektor beim Aufbau-Verlag arbeitet, folgt sie ihm nach Ost-Berlin.

Fazit:

Dieses Buch, das einen interessanten Einblick die amerikanische (Arbeits)Welt während des Zweiten Weltkrieges und kurz danach gibt, erhält von mir 5 Sterne.

Veröffentlicht am 30.04.2024

Fesselnd bis zur letzten Seite

Tunnel der Mutigen
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Dieser historische Roman, der uns in das Berlin nach dem Zweiten Weltkrieg und dem anschließenden Mauerbau entführt, ist der dritte Teil einer Reihe mit dem Namen „Schicksalsmomente der Geschichte“. Hier ...

Dieser historische Roman, der uns in das Berlin nach dem Zweiten Weltkrieg und dem anschließenden Mauerbau entführt, ist der dritte Teil einer Reihe mit dem Namen „Schicksalsmomente der Geschichte“. Hier schreiben verschiedene Autorinnen und Autoren über eben ein solches einschneidendes Ereignis oder eine ganz Kette davon.

Christian Hardinghaus erzählt die fesselnde Geschichte von Lotte Frey, die mitansehen muss, wie ihr Mann Peter am Tag des Mauerbaus von einem Grenzsoldaten erschossen wird. Doch Peter wird nicht nur erschossen, sondern regelrecht hingerichtet, denn der Schütze ist niemand anderer als ein ehemaliger fanatischer Nazi der nun die Seiten gewechselt hat und sich ebenso glühend für die Diktatur der DDR begeistert. Sowohl Lotte als auch Peter sind ihm zuvor schon einmal begegnet.

Nachdem der Schütze der Mord seitens der Behörden vertuscht wird, will Lotte die Gerechtigkeit in ihre eigenen Hände nehmen und schließt sich einer Gruppe professioneller Fluchthelfer an, die an verschiedenen Stellen Berlins Tunnel gräbt.

Meine Meinung:

Ich kenne alle Bücher von Christian Hardinghaus wie seine Sachbücher und die historischen Roman über den Zweiten Weltkrieg sowie seine Krimis. Dieses Buch ist, wie alle anderen des Autors, der ja Historiker ist, sorgfältig recherchiert und gekonnt erzählt.

Da Lotte ihre fesselnde wie dramatische Geschichte einem Journalisten erzählt, ist Schreibstil ein wenig anders als bei Hardinghaus‘ anderen Büchern.

Ich gebe ja zu, mich mit der Geschichte der DDR im Allgemeinen und des Mauerbaus im Besonderen nicht allzu gut auszukennen. Daher haben mir die vielen Details aus sich der Betroffenen einige neue Erkenntnisse gebracht. Vor allem die Professionalität der Tunnelbauer hat mich fasziniert. Viele ehemalige Nazis haben die eine Diktatur mit einer anderen getauscht. Repression und Indoktrination sind die selben, nur die Inhalte haben sich ein wenig verändert. Der Kern der Propaganda „WIR gegen die anderen“ ist geblieben und zerreißt abermals Familien wie ehedem das NS-Regime.

Die Charaktere sind ausgefeilt gezeichnet. Schmunzeln musste ich über Oma Schmidtchen und ihr Gasthaus „Kutschpeitsche“.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem Roman, der einen kleinen Einblick in die Geschichte der mutigen Tunnelbauer gibt, die zahlreichen Menschen die Flucht aus der DDR ermöglicht hat, 5 Sterne und eine ganz klare Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 29.04.2024

Eine gelungene Fortsetzung

Salzkammerblut
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In ihrem zweiten Krimi dieser Reihe lässt Dagmar Marie Giesinger, ihres Zeichens Landärztin, beim feucht-fröhliche „Liachtbratlmontag“ auf der Katrin, dem Bad Ischler Hausberg, über die Leiche von Hubert ...

In ihrem zweiten Krimi dieser Reihe lässt Dagmar Marie Giesinger, ihres Zeichens Landärztin, beim feucht-fröhliche „Liachtbratlmontag“ auf der Katrin, dem Bad Ischler Hausberg, über die Leiche von Hubert Holzinger stolpern. Der umtriebige Kulturmanager liegt verbrannt auf dem Griller der Almhütte.

Natürlich übernimmt Ben Achleitner, Ermittler beim LKA und Ex-Freund von Marie wieder die Ermittlungen. Noch ist völlig unklar, was passiert ist. Rund 80 Personen sind zu befragen. Doch dann stellt sich heraus, dass ausgerechnet Hannes Reiter, ein junger Mann, der wegen eines tödlichen Autounfalls im Gefängnis gesessen hat und als Hilfskraft beim Liachtbratlmontag beschäftigt war, verschwunden ist.

Wenig später gibt es einen weiteren Toten: Der berüchtigte Linzer Anwalt Theo Pühringer liegt unterhalb des Hallstätter Skywalk. Ist er gesprungen oder gestoßen worden?

Die Ermittlungen gestalten sich als schwierig, denn Filomena, Maries Sprechstundenhilfe, die vielleicht ein wenig Licht ins Dunkel bringen könnte, glänzt durch Abwesenheit.

Hängen die beiden Todesfälle zusammen? Wenn ja, wie? Immerhin kannten sich die beiden Männer.

„Möglich. Aber ich glaube das nicht. Das ist hier das Salzkammergut und nicht New York, wo an allen Ecken und Enden etwas passiert.

Ben Achleitner, der ja die Mentalität der Bewohner des Salzkammerguts recht gut kennt, da er ja selbst einer ist, trägt Mosaiksteinchen für Mosaiksteinchen zusammen, bis sich eine, wenn auch überraschende, aber stimmige Auflösung ergibt.

Meine Meinung:

Dagmar Hager ist es wieder sehr gut gelungen, die Schönheit des Salzkammerguts einzufangen. Die Beschreibung der Landschaft macht Lust, Berge wie die Katrin zu erwandern oder an den Salzkammergutseen die Seele baumeln zu lassen.

Die Autorin legt zahlreiche Spuren, die nicht immer weiter oder gar ans Ziel führen. Der Schreibstil ist flott und der Krimi lässt sich gut lesen.

Die Charaktere sind recht gut gezeichnet. Gut beschrieben ist das Schweigen der Bewohner, das manchmal an die Omertà in Sizilien oder Korsika erinnert. Alte Familiengeschichten und Dramen, die lieber unter den Teppich gekehrt werden, machen den Ermittlern das Leben schwer.

Diesmal darf Filomena, Maries Sprechstundenhilfe, eine wichtige Rolle spielen und enthüllt eines ihrer zahlreichen Geheimnisse.

Die Ereignisse werden aus mehreren Perspektiven erzählt. Jedes Kapitel hat einen Dialektausdruck als Überschrift. Aber keine Sorge, der wird gleicht anschließend erklärt.

Fazit:

Gerne gebe ich dieser gelungenen Fortsetzung, die menschliche Abgründe offenbart, 5 Sterne.

Veröffentlicht am 26.04.2024

gerne gelesen

Das Café ohne Namen
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Robert Seethaler nimmt uns in seinem Buch mit in das Wien des Jahres 1966. Der Gelegenheitsarbeiter Robert Simon erfüllt sich den Traum vom eigenen Café als er eine heruntergekommene Kaschemme am Wiener ...

Robert Seethaler nimmt uns in seinem Buch mit in das Wien des Jahres 1966. Der Gelegenheitsarbeiter Robert Simon erfüllt sich den Traum vom eigenen Café als er eine heruntergekommene Kaschemme am Wiener Karmelitermarkt pachtet.

Wenig später lernt er Mila kennen, die bei ihm als Aushilfe arbeiten wird. Eine Liebesbeziehung wird sich während der zehn Jahre, die das Café besteht, zwischen den beiden nicht entspinnen. Mit zahlreichen guten Ideen kann sich das Café rund zehn Jahre behaupten bis der Hauseigentümer den Pachtvertrag kündigt, weil die Liegenschaft verkauft werden muss.

Meine Meinung:

Wie schon in den anderen Romanen sind laute Töne Robert Seethalers Sache nicht. Er beschreibt die Menschen, die dieses Café für sich entdecken in berührenden Worten. Neben erfüllten Träumen lernen wir auch falsche Hoffnungen und bittere Momente jener Personen kennen, die in diesem Café einkehren. Durch die häufig wechselnden Gäste entsteht Abwechslung. Einige Stammgäste tauchen auch in regelmäßigen Abständen wieder auf. Es gibt hitzige Debatten, die sich unter dem Einfluss des Alkohols aufschaukeln und manchmal fliegen auch die Fäuste.

In seiner schnörkellosen, aber poetisch anmutenden Sprache entführt uns Robert Seethaler in eine Epoche, die ich als Kind mit erlebt habe. Das Gebiet rund um den Karmelitermarkt ist mir gut vertraut, habe ich doch fast 25 Jahre in der Nähe gewohnt, bin ums eine Eck in die Schule (Kleine Sperlgasse) gegangen und habe mehr als 40 Jahre ums andere Eck (Schiffamtsgasse) gearbeitet.

Ich habe Die Entwicklung des Karmelitermarktes und seiner Umgebung vom schmuddeligen, fast vergessenen Viertel, zur schicken Wohngegend miterlebt. Heute gibt es fast mehr Restaurants als Marktstände dort. Das Café ohne Namen hat möglicherweise zwei reale Vorbilder, die nach wie vor existieren. Eines davon war mehrfache Filmkulisse.

Fazit:

Ich habe dieses Buch gerne gelesen und gebe diesen Erinnerungen an eine längst vergangene Zeit 5 Sterne.