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Veröffentlicht am 03.02.2025

Interessante Grundidee, tolles Setting

Das Dinner – Alle am Tisch sind gute Freunde. Oder?
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„Das Dinner“ von Emily Rudolf
Verlag: Scherz


Der Thriller „Das Dinner“ weckte große Erwartungen; das Setting wurde perfekt gewählt- zwischen einem Krimi-Dinner in dem abgelegenen Restaurant The Ark ...

„Das Dinner“ von Emily Rudolf
Verlag: Scherz


Der Thriller „Das Dinner“ weckte große Erwartungen; das Setting wurde perfekt gewählt- zwischen einem Krimi-Dinner in dem abgelegenen Restaurant The Ark in der Eifel und dem Radiant-Ryft- Festival auf der Halbinsel Jabe wird in Zeitsprüngen über das Verschwinden von Maria, den Intrigen und Lügen der Freunde in der Vergangenheit erzählt.

Nach Marias Verschwinden lösten sich die Freundschaften auf. Nur einmal jährlich versuchte Jonathan die alte Clique zusammenzuholen. Es klappte bisher immer nur digital, dieses Mal wollte Jonathan das Wiedersehen in echt abhalten.

Es sollte ein gelungener Rätselspaß bei einem Krimi-Dinner, veranstaltet von Jonathan und seiner Freundin Lotta, werden. Eingeladen wurde die alte Clique - nur Maria fehlt. Sie ist vor fünf Jahren bei dem gemeinsamen Festivalbesuch verschwunden.
Da es eine Abschiedsnachricht gab, stellte die Polizei keine Nachforschungen an. Nur Hanna, ihre beste Freundin, bezweifelt, dass Maria das Festival freiwillig verlassen hat.
Das Spiel sorgt für Verwirrung unter den Freunden. Die Rollen sind sehr stark auf die einzelnen Charaktere zugeschnitten und auch die Handlung erinnert immer mehr an das Verschwinden von Maria. Erinnerungen kommen hoch, es tauchen Fragen auf, die von einzelnen Personen nicht beantwortet werden möchten und so steigern sich die Freunde in ein Spiel, welches mit der Realität verschmilzt. Wer steckt hinter diesem Spiel? Wer möchte die Vergangenheit aufarbeiten? Ist es vielleicht Maria, die dieses Szenario inszeniert hat?

Der Einstieg in das Buch fiel mir leicht, da der Schreibstil sehr flüssig und das Setting sehr atmosphärisch ist. Das abgelegene Restaurant mitten im Wald, ohne Fahrzeug vor der Türe erzeugt eine gewisse Unbehaglichkeit und sorgt für die richtige Stimmung. Auch die Grundidee, dass die Figuren alle mit dem Verschwinden von Maria in Verbindung stehen können, fand ich spannend. Der Perspektivenwechsel zwischen den Charakteren war eine gute Wahl, um die Dynamik und die Motive innhalb der Gruppe darzustellen.

Allerdings hatte ich Schwierigkeiten mit den Protagonisten warm zu werden. Sie wirkten durchweg unsympathisch, voller Neid und Lügen. Besonders Tristan stach negativ heraus, sein Verhalten ließ ihn fast schon berechnend erscheinen. Hanna hätte eine interessante Figur abgeben können, doch ihre psychische Verfassung wurde zwar gut beschrieben, aber nicht so genutzt, das es echte Spannung erzeugte.

Ein weiterer Kritikpunkt ist die Langatmigkeit des Buches. Es gibt spannende Momente, doch der große Nervenkitzel blieb aus. Obwohl ich sehr neugierig war, was mit Maria passierte, zog sich die Handlung. Zudem waren einige Drogen-/Sexszenen unnötig und haben weder die Geschichte vorangebracht, noch waren diese sonderlich gut lesbar.

Das Ende hat mich nicht überrascht, leider blieben einige Fragen offen.

Der Thriller hatte großes Potenzial - die Grundidee, das Setting und die psychologischen Aspekte hätten für eine packende Geschichte sorgen können. Die Charaktere waren schwer zugänglich und die Umsetzung hat mich nicht überzeugt. Dennoch war die Grundidee und das Setting sehr gelungen und es gab einige Wendungen, die den Thriller interessant machten.


Leider wurde das Potenzial meines Erachtens nicht ganz ausgeschöpft. Wer Interesse an psychologischem Tiefgang hat, könnte hier dennoch auf seine Kosten kommen. Von mir gibt es 3 Sterne für diesen Thriller.

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Veröffentlicht am 28.05.2024

Unaufgeregte Geschichte

Das Fischerhaus
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“Das Fischerhaus” von Stein Torleif Bjella handelt von dem achtzigjährigen Ivar und seinem
Neffen Jon.
Diesem möchte er Storsenn d.h. den See, das Bootshaus und das Boot mit allem Drumherum vermachen. ...

“Das Fischerhaus” von Stein Torleif Bjella handelt von dem achtzigjährigen Ivar und seinem
Neffen Jon.
Diesem möchte er Storsenn d.h. den See, das Bootshaus und das Boot mit allem Drumherum vermachen. Es soll alles in der Familie bleiben und seinen Töchtern oder seinen Schwiegersöhnen möchte er Storsenn nicht geben. Es braucht jemanden, der nichts verändern möchte.

Aus diesem Grund nimmt er seinen Neffen mit zum
See. Er möchte ihm in einer Woche alles beibringen was mit dem Fischen zu tun hat.
Ivar ist von Anfang an sehr direkt und unfreundlich zu seinem Neffen.
Er zeigt ihm auf, was für ein Nichtsnutz er ist und wie schlecht sein Leben läuft.

Jon ärgert sich über seinen Onkel, auch wenn manches zum
Nachdenken anregt, was der alte Kauz sagt. Doch muss er wirklich so direkt und giftig zu ihm sein? Er wollte diese Woche mit Jon verbringen, kann man dann nicht freundlicher sein?

Die beiden Männer teilen sich das Bootshaus, die Arbeit auf dem See. Sie werfen die Netze aus, rudern im See und gemeinsam holen sie die Fische ein.

Die ruhige unaufgeregte Arbeit lässt die beiden Männer über das Leben sinnieren.
Ivar erzählt viel von der Familie, den Traditionen und der Vergangenheit.
Jon denkt aufgrund der bösen Sticheleien seines Onkels über sein Leben, seine Leidenschaft die Musik, seine Beziehungen und seine Arbeit als Aushilfslehrer nach.
Ist er glücklich und erfüllt?

Das Buch dreht sich um das Fischen und um das eigene Leben.
Jon notiert sich auf Anweisung alle wichtigen Gedanken und Anmerkungen seines Onkels, um in Zukunft alleine auf dem See zurecht zu kommen. Und vielleicht auch im Leben?

Der Autor setzt zuletzt eine Überraschung obendrauf, was für mich als Leser:in das Geschriebene zusammenführte. Unverhofft und doch passend, gibt es ein einschneidendes Erlebnis in Jon’s Leben.

Persönlich waren mir als Leser:in die Formulierungen und giftigen Bemerkungen von Onkel Ivar zu negativ. Das Buch konnte mich nicht richtig fesseln, die Handlung nicht abholen und die Charaktere nicht überzeugen.
Die Protagonisten Ivar als unfreundlicher, alter Mann und Jon als freundlicher, verträumter, musikalischer und mitfühlender Mensch wurden sehr gut von dem Autor beschrieben.
Landschaftlich wurde der See mit seinem Bootshaus sehr gut ausgearbeitet.

Die Botschaft der Geschichte wurde meiner Meinung nach zu tief vergraben;
durch die sich wiederholenden negativen Sätze geht der Sinn der Geschichte etwas verloren.

Eine unaufgeregte Geschichte, leicht und flüssig geschrieben mit Potential.

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Veröffentlicht am 01.05.2024

Gute Thematik, wenig Spannung

Die Stimme der Kraken
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„Die Stimme der Kraken“ von Ray Nayler ist ein Ökothriller über das Bewusstsein, menschliche Abgründe und eine leise Ahnung was künstliche Intelligenz bewirken kann.
Das Buch wurde vom Tropenverlag mit ...

„Die Stimme der Kraken“ von Ray Nayler ist ein Ökothriller über das Bewusstsein, menschliche Abgründe und eine leise Ahnung was künstliche Intelligenz bewirken kann.
Das Buch wurde vom Tropenverlag mit einem sehr ausdrucksstarken Cover und wundervollem lilafarbenen Buchschnitt verlegt.
Der Ökothriller besteht aus drei Handlungssträngen.
DIANIMA, ein riesiger internationaler Konzern der die besten KI‘s konstruiert, hat das Archipel Con Dao aufgrund unternehmerischer Gesellschaftsverantwortung gekauft und alle Menschen mit einer großzügigen Entschädigung von der Insel zum Schutz der Tiere evakuiert. Aber kann man diesem Großkonzern dies glauben?
Auf der Insel befindet sich nur die erste, sehr menschliche, wunderschöne, künstliche Intelligenz Evrim. Der Konzern musste diese KI vor den Menschen beschützen. Doch es gibt ein großes Geheimnis, welches noch wertvoller als diese KI und die Kraken sind.
Evrim, eine extrem fähige Securitybeauftragte und die Meeresbiologin Dr. Ha Nguyen befinden sich nun auf der Insel, um eine seltene Krakenart zu erforschen. Diese Kraken sind extrem intelligent, haben eine Sprache und vielleicht eine eigene Kultur. Obwohl Kraken weder eine Sippe, noch eine hohe Lebenserwartung haben? Wie kann es nun diese Krakenart geben?
In einem weiteren Handlungsstrang geht es um den jungen, talentierten Japaner Eiko. Er wurde in der autonomen Handelszone Ho Chi Minh entführt und als Sklave auf der Sea Wolf, einem KI gesteuerten Schiff, gehalten. Seine Aufgabe war es, die Fische in Schlitze zum Schockfrosten zu sortieren. Die Sea Wolf ist auf der Suche nach den letzten Fischen um diese in proteinhaltige Patties umzuwandeln.
Rustem, ist einer der besten Hacker. Alle wollen seine Dienste in Anspruch nehmen und doch hat er nun Angst um sein Leben. Manche Geheimnisse sind wertvoller als sein Leben. Dies ist ihm bewusst.
Die drei Handlungsstränge werden abwechselnd erzählt. Zu Beginn der Kapitel wird aus den Büchern der Wissenschaftlerinnen Dr.Ha Nguyen und Dr. Arnkatla Mínervudóttir-Chan, die für die Entwicklung von Evrim verantwortlich ist, rezensiert. Es werden Beiträge zu KI, Geist, Bewusstsein und Umwelt beschrieben und als Leser erhält man dadurch einen guten Einblick in die Themen.
Ray Naylar hat einen Thriller erschaffen, der von unterschiedlichen Intelligenzen handelt. Leider konnte mich trotz der abwechslungsreichen Handlungssträngen und dem sprachlich guten Schreibstil der Ökothriller nicht fesseln. Die Charaktere wurden gut ausgearbeitet, jedoch konnte ich keinen Zugang finden. Technologie, Ökonomie und Gesellschaft werden in einer Zukunft miteinander verwoben, was zum Nachdenken anregt. Man kann sich dies tatsächlich als Grundlage für eine ferne/nahe Zukunft vorstellen.
Die Basis für diesen Thriller war perfekt, die Recherche des Autors ist positiv hervorzuheben und doch fehlte mir als Leser:in für einen Thriller die Spannung, das Fesselnde, der Sog.
Meine Erwartungen wurden leider - trotz der unglaublichen Thematik-nicht erfüllt. Die Spannung, die für mich einen (ÖkThriller ausmacht, fehlte und ich wurde nicht abgeholt.
Deshalb nur drei Sterne für dieses Buch.

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Veröffentlicht am 04.02.2024

Unspektakulär

Der Pfad
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“Der Pfad” von Megan Miranda handelt von dem kleinen Ort “Cutter’s Pass” in North Carolina, der idyllisch am Fuße eines Berges liegt. Es handelt sich um einen gefährlichen Ort, sieben Menschen sind spurlos ...

“Der Pfad” von Megan Miranda handelt von dem kleinen Ort “Cutter’s Pass” in North Carolina, der idyllisch am Fuße eines Berges liegt. Es handelt sich um einen gefährlichen Ort, sieben Menschen sind spurlos im Gebirge verschwunden. Der beliebte Appalachian Train fordert seine Opfer.

Zuletzt ist der Journalist Landon West verschwunden und als sein Bruder Trey nach Monaten im Passage Inn eincheckt, um mehr über das Verschwinden seines Bruders zu erfahren, rüttelt er an Türen, die besser verschlossen bleiben sollten. Auch Abby - Abigail- Lovett, welche seit 10 Jahren im Passage Inn arbeitet wird neugierig.
Irgendetwas stimmt nicht mit dem Ort. Die Einheimischen legen einen Mantel des Schweigens um die Geschehnisse, jedoch wird die Geschichte bei Führungen gut vermarktet und zieht die Touristen ins Dorf. Was ist passiert? Die Geheimnisse bleiben tief versteckt und jeder beschützt seinen Nachbarn, Freund und Verwandten.
Es ist ein kleiner Ort….

Die Autorin hat einen Thriller mit viel Potential geschrieben, leider konnte mich die Story nicht überzeugen. Sehr langatmig wurde von den verschwiegenen Dorfbewohnern, dem Trail und den verschwundenen Personen berichtet. Der Spannungsbogen kam erst in der zweiten Hälfte kurzzeitig zum tragen. Die Handlung wirkte anfangs vielversprechend, leider war kaum Spannung vorhanden und der Schreibstil konnte mich nicht fesseln. Sehr langatmig und unspektakulär bewegt sich der Thriller vorwärts.

Die Beschreibung der Protagonisten war blass, Abby als Hauptprotagonistin wirkte sympathisch und wurde authentisch dargestellt. Das Hotel, die Ortschaft und auch der Trail wurden bildlich beschrieben und als Leser konnte man sich sofort verbinden.

Leider nur 3 Sterne aufgrund der langatmigen Abschnitte ohne Spannung.


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Veröffentlicht am 23.10.2023

Geister-App und True Crime

Das achte Haus
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„Das Achte Haus“ von Linda Segtnan entstand durch Nachforschungen zu einem Stadtrundgang, bei welchem die Autorin auf einen alten, ungelösten Mordfall stieß.
Im Mai 1948 verschwindet die neunjährige Birgitta ...

„Das Achte Haus“ von Linda Segtnan entstand durch Nachforschungen zu einem Stadtrundgang, bei welchem die Autorin auf einen alten, ungelösten Mordfall stieß.
Im Mai 1948 verschwindet die neunjährige Birgitta Sivander. Zuletzt wurde das Mädchen in der Nähe des Sportplatzes gesehen. Am nächsten Morgen wird sie tot in einem Graben im Wald gefunden.
Siebzig Jahre später recherchiert die Autorin akribisch zu Birgittas Schicksal. In dem Buch wird die aufwendige Recherche dargelegt, verwoben mit ihrem Privatleben. Der Cold Case fesselt Linda und während ihre Schwangerschaft immer weiter fortschreitet, dringt der Fall immer mehr in ihr Leben.
Linda bringt ein Mädchen zur Welt, vernachlässigt ihren erstgeborenen Sohn Sam und dringt immer tiefer in die Akten der damaligen Ermittlungen ein. Zwischen ihren eigenen Gedanken, Gefühlen und Ängsten, lässt sie ihre spirituellen Erfahrungen in das Buch einfließen.
Der Debütroman wird in zwei Zeitsprüngen und drei Teilen untergliedert.
Es werden neue Erkenntnisse aufgedeckt, die Autorin zeigt auf, dass bei den früheren Ermittlungen nicht allen Unklarheiten nachgegangen wurde. Auch sind jugendliche Straftäter nicht befragt worden und die Nachlässigkeit der damals ermittelnden Beamten wird offensichtlich.
Ein 14jähriger Junge war der Hauptverdächtige, seine Schuld konnte jedoch nicht bewiesen werden und es wurde wohl nicht detailliert ermittelt.
Die Autorin ist besessen von dem Fall, sie vernachlässigt ihre Kinder und schreibt sich selbst in die Geschichte. Sie spürt Geister und hat mittlerweile auch eine Geister-App installiert.
Für die Recherche und Darlegung der Fakten zu dem ungelösten Mordfall ist die Ausarbeitung ihres Privatlebens zu intensiv und nicht notwendig.
Sehr interessant wurde das Leben des Mädchens, der Ablauf vor dem Tathergang und die einzelnen Erinnerungen der weiteren Nebenprotagonisten ausgearbeitet.
Der Ort des Geschehens wurde bildlich dargestellt, als Leser konnte ich mich mit den Beschreibungen sehr gut zurechtfinden.
Ein wundervolles Andenken an das ermordete Mädchen.

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