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Veröffentlicht am 28.09.2025

Nicht immer wird aus einer Zitrone Limonade …

Alles ganz schlimm
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„Alles ganz schlimm“ von Julia Pustet /
Verlag: Haymon

„Weißt du, ich habe auch Grenzen, von denen ich mir manchmal wünsche, dass man sie wahren würde.“ (Seite 165)

Ich habe mich mit diesem Roman schwergetan. ...

„Alles ganz schlimm“ von Julia Pustet /
Verlag: Haymon

„Weißt du, ich habe auch Grenzen, von denen ich mir manchmal wünsche, dass man sie wahren würde.“ (Seite 165)

Ich habe mich mit diesem Roman schwergetan. Die Themen sind ohne Zweifel wichtig und interessant: psychische Probleme, Gewalt, Prostitution, Einsamkeit, aber die Umsetzung war für mich nicht leicht zugänglich.

Susanne als Hauptfigur blieb mir fremd. Ihr Leben ist geprägt von Einsamkeit, Gewalt und Sex, sie wirkt unnahbar und nicht besonders sympathisch. Besonders irritierend fand ich, dass ihre Freundin Stella Susannes Text über ihre Vergangenheit stiehlt, ihn als eigenen veröffentlicht und sich dann auch noch in Susannes Familie hineinspielt. Sie beginnt eine Beziehung mit Jens, Susannes Bruder, und sitzt am Ende mit den Eltern beim Kaffee.

Die Veröffentlichung bescherte Stella Einladungen zu Fernsehshows und sie kündigte sogar an, eine Autobiografie mit dem Titel „ Alles ganz schlimm“ zu schreiben. Was für eine Farce!

Diese Entwicklung war für Susanne ein Schlag in den Magen, kaum nachvollziehbar. Die Freundschaft war bereits vorher zerbrochen, die mediale Aufmerksamkeit des gestohlenen Textes schrie nach Gerechtigkeit und doch war auch die Angst da, vor weiteren Brüchen und Isolation.

Hasstiraden im Netz, anonyme Hetze, Mobbing, Beleidigungen und Drohungen gegen S. sind keine Kritik, sondern ein Brechen der Persönlichkeit.

„Ein Meme über jemanden ist schnell gemacht und schnell vergessen. Außer für die Person, die darauf bloßgestellt wird.“ (Seite 196)

Was den Suizid von S. betrifft, sind Susanne die genaueren Umstände nicht bekannt. Das sie stirbt wollte niemand.

Der Schreibstil ist sehr anspruchsvoll: lange Kapitel, verschachtelte Sätze, viele Zeitsprünge. Dadurch kam bei mir kein richtiger Lesefluss auf, und ich habe immer wieder zum Prolog oder vorherigen Kapiteln zurückgeblättert, um den Zusammenhang zu verstehen.

Es ist definitiv kein Buch für zwischendurch, man muss konzentriert lesen. Trotzdem hat mich Susannes Tragik nicht so berührt, wie ich es mir bei diesen Themen gewünscht hätte.
Gesellschaftlich relevante Aspekte sind vorhanden, das sehe ich. Aber durch die fehlende Struktur und die fragmentarische Erzählweise blieb ich am Ende etwas ratlos zurück.

Ein ambitioniertes Werk mit schwierigen Themen, sprachlich und erzählerisch herausfordernd, das mich persönlich leider nicht fesseln konnte.

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Veröffentlicht am 26.02.2025

Lesenswerter Debütroman

Toyboy
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„Toyboy“ von Jonas Theresia/ Debütroman
Verlag: Kein & Aber
222 Seiten

Solide, aber nicht ganz überzeugend
Der Roman hat definitiv Potenzial, konnte mich aber letztlich nicht komplett mitreißen. Jonas ...

„Toyboy“ von Jonas Theresia/ Debütroman
Verlag: Kein & Aber
222 Seiten

Solide, aber nicht ganz überzeugend
Der Roman hat definitiv Potenzial, konnte mich aber letztlich nicht komplett mitreißen. Jonas Theresia erzählt die Geschichte von Levin und Gregor mit sprachlicher Präzension und klaren, pointierten Sätzen. Besonders gelungen ist das Verhältnis der beiden Brüder: Trotz all ihrer Unterschiede, trotz Distanz und Missverständnissen bleibt eine tiefe, wenn auch komplizierte Liebe spürbar.
Der Schluss bringt dies noch einmal besonders gut zum Ausdruck.
Allerdings fehlte mir insgesamt die emotionale Wucht. Levin hinterlässt in seinem Leben einen Scherbenhaufen nach dem anderen, doch die Gründe für sein Handeln bleiben oft zu vage. Wieso er sich für die Erotikbranche entscheidet, obwohl es ihm offensichtlich nicht gut tut, oder warum Gregor sich so stark in seine virtuelle Welt zurückzieht, darauf gibt der Roman kaum Antworten.
Hier hätte ich mir mehr Tiefe gewünscht.
Der Autor beschreibt die Szenen sehr bildlich, insbesondere Levin wird mit großer Genauigkeit gezeichnet. Jedes Detail seines Körpers wird beschrieben, allerdings in einem sachlichen, strukturierten Ton, der keine Erotik aufkommen lässt. Dadurch vermittelt der Roman die Härte und Erschwernisse der Branche. Gregor, der kleine Bruder wurde in seinem Kinderzimmer mit seiner Kinderbettwäsche und seinen pornografischen Lektüren sehr authentisch von Theresia dargestellt. Man kann sich in jede Szene, sei es beim Dreh eines Pornos, in Gregors Zimmer oder im Wald, mühelos hineinversetzen. Der flüssige Schreibstil macht das Buch leicht zugänglich.
Es gibt trotzdem viele interessante Aspekte, etwa die absurden Einblicke in die Erotikbranche oder die skurrile Figur der Oxana, einer Domina, mit ihrem armen Hund.
Auch wenn mich das Buch nicht vollständig überzeugen konnte, bleibt es ein lesenswertes Debüt mit einigen starken Momenten.

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Veröffentlicht am 03.02.2025

Interessante Grundidee, tolles Setting

Das Dinner – Alle am Tisch sind gute Freunde. Oder?
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„Das Dinner“ von Emily Rudolf
Verlag: Scherz


Der Thriller „Das Dinner“ weckte große Erwartungen; das Setting wurde perfekt gewählt- zwischen einem Krimi-Dinner in dem abgelegenen Restaurant The Ark ...

„Das Dinner“ von Emily Rudolf
Verlag: Scherz


Der Thriller „Das Dinner“ weckte große Erwartungen; das Setting wurde perfekt gewählt- zwischen einem Krimi-Dinner in dem abgelegenen Restaurant The Ark in der Eifel und dem Radiant-Ryft- Festival auf der Halbinsel Jabe wird in Zeitsprüngen über das Verschwinden von Maria, den Intrigen und Lügen der Freunde in der Vergangenheit erzählt.

Nach Marias Verschwinden lösten sich die Freundschaften auf. Nur einmal jährlich versuchte Jonathan die alte Clique zusammenzuholen. Es klappte bisher immer nur digital, dieses Mal wollte Jonathan das Wiedersehen in echt abhalten.

Es sollte ein gelungener Rätselspaß bei einem Krimi-Dinner, veranstaltet von Jonathan und seiner Freundin Lotta, werden. Eingeladen wurde die alte Clique - nur Maria fehlt. Sie ist vor fünf Jahren bei dem gemeinsamen Festivalbesuch verschwunden.
Da es eine Abschiedsnachricht gab, stellte die Polizei keine Nachforschungen an. Nur Hanna, ihre beste Freundin, bezweifelt, dass Maria das Festival freiwillig verlassen hat.
Das Spiel sorgt für Verwirrung unter den Freunden. Die Rollen sind sehr stark auf die einzelnen Charaktere zugeschnitten und auch die Handlung erinnert immer mehr an das Verschwinden von Maria. Erinnerungen kommen hoch, es tauchen Fragen auf, die von einzelnen Personen nicht beantwortet werden möchten und so steigern sich die Freunde in ein Spiel, welches mit der Realität verschmilzt. Wer steckt hinter diesem Spiel? Wer möchte die Vergangenheit aufarbeiten? Ist es vielleicht Maria, die dieses Szenario inszeniert hat?

Der Einstieg in das Buch fiel mir leicht, da der Schreibstil sehr flüssig und das Setting sehr atmosphärisch ist. Das abgelegene Restaurant mitten im Wald, ohne Fahrzeug vor der Türe erzeugt eine gewisse Unbehaglichkeit und sorgt für die richtige Stimmung. Auch die Grundidee, dass die Figuren alle mit dem Verschwinden von Maria in Verbindung stehen können, fand ich spannend. Der Perspektivenwechsel zwischen den Charakteren war eine gute Wahl, um die Dynamik und die Motive innhalb der Gruppe darzustellen.

Allerdings hatte ich Schwierigkeiten mit den Protagonisten warm zu werden. Sie wirkten durchweg unsympathisch, voller Neid und Lügen. Besonders Tristan stach negativ heraus, sein Verhalten ließ ihn fast schon berechnend erscheinen. Hanna hätte eine interessante Figur abgeben können, doch ihre psychische Verfassung wurde zwar gut beschrieben, aber nicht so genutzt, das es echte Spannung erzeugte.

Ein weiterer Kritikpunkt ist die Langatmigkeit des Buches. Es gibt spannende Momente, doch der große Nervenkitzel blieb aus. Obwohl ich sehr neugierig war, was mit Maria passierte, zog sich die Handlung. Zudem waren einige Drogen-/Sexszenen unnötig und haben weder die Geschichte vorangebracht, noch waren diese sonderlich gut lesbar.

Das Ende hat mich nicht überrascht, leider blieben einige Fragen offen.

Der Thriller hatte großes Potenzial - die Grundidee, das Setting und die psychologischen Aspekte hätten für eine packende Geschichte sorgen können. Die Charaktere waren schwer zugänglich und die Umsetzung hat mich nicht überzeugt. Dennoch war die Grundidee und das Setting sehr gelungen und es gab einige Wendungen, die den Thriller interessant machten.


Leider wurde das Potenzial meines Erachtens nicht ganz ausgeschöpft. Wer Interesse an psychologischem Tiefgang hat, könnte hier dennoch auf seine Kosten kommen. Von mir gibt es 3 Sterne für diesen Thriller.

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Veröffentlicht am 28.05.2024

Unaufgeregte Geschichte

Das Fischerhaus
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“Das Fischerhaus” von Stein Torleif Bjella handelt von dem achtzigjährigen Ivar und seinem
Neffen Jon.
Diesem möchte er Storsenn d.h. den See, das Bootshaus und das Boot mit allem Drumherum vermachen. ...

“Das Fischerhaus” von Stein Torleif Bjella handelt von dem achtzigjährigen Ivar und seinem
Neffen Jon.
Diesem möchte er Storsenn d.h. den See, das Bootshaus und das Boot mit allem Drumherum vermachen. Es soll alles in der Familie bleiben und seinen Töchtern oder seinen Schwiegersöhnen möchte er Storsenn nicht geben. Es braucht jemanden, der nichts verändern möchte.

Aus diesem Grund nimmt er seinen Neffen mit zum
See. Er möchte ihm in einer Woche alles beibringen was mit dem Fischen zu tun hat.
Ivar ist von Anfang an sehr direkt und unfreundlich zu seinem Neffen.
Er zeigt ihm auf, was für ein Nichtsnutz er ist und wie schlecht sein Leben läuft.

Jon ärgert sich über seinen Onkel, auch wenn manches zum
Nachdenken anregt, was der alte Kauz sagt. Doch muss er wirklich so direkt und giftig zu ihm sein? Er wollte diese Woche mit Jon verbringen, kann man dann nicht freundlicher sein?

Die beiden Männer teilen sich das Bootshaus, die Arbeit auf dem See. Sie werfen die Netze aus, rudern im See und gemeinsam holen sie die Fische ein.

Die ruhige unaufgeregte Arbeit lässt die beiden Männer über das Leben sinnieren.
Ivar erzählt viel von der Familie, den Traditionen und der Vergangenheit.
Jon denkt aufgrund der bösen Sticheleien seines Onkels über sein Leben, seine Leidenschaft die Musik, seine Beziehungen und seine Arbeit als Aushilfslehrer nach.
Ist er glücklich und erfüllt?

Das Buch dreht sich um das Fischen und um das eigene Leben.
Jon notiert sich auf Anweisung alle wichtigen Gedanken und Anmerkungen seines Onkels, um in Zukunft alleine auf dem See zurecht zu kommen. Und vielleicht auch im Leben?

Der Autor setzt zuletzt eine Überraschung obendrauf, was für mich als Leser:in das Geschriebene zusammenführte. Unverhofft und doch passend, gibt es ein einschneidendes Erlebnis in Jon’s Leben.

Persönlich waren mir als Leser:in die Formulierungen und giftigen Bemerkungen von Onkel Ivar zu negativ. Das Buch konnte mich nicht richtig fesseln, die Handlung nicht abholen und die Charaktere nicht überzeugen.
Die Protagonisten Ivar als unfreundlicher, alter Mann und Jon als freundlicher, verträumter, musikalischer und mitfühlender Mensch wurden sehr gut von dem Autor beschrieben.
Landschaftlich wurde der See mit seinem Bootshaus sehr gut ausgearbeitet.

Die Botschaft der Geschichte wurde meiner Meinung nach zu tief vergraben;
durch die sich wiederholenden negativen Sätze geht der Sinn der Geschichte etwas verloren.

Eine unaufgeregte Geschichte, leicht und flüssig geschrieben mit Potential.

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Veröffentlicht am 01.05.2024

Gute Thematik, wenig Spannung

Die Stimme der Kraken
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„Die Stimme der Kraken“ von Ray Nayler ist ein Ökothriller über das Bewusstsein, menschliche Abgründe und eine leise Ahnung was künstliche Intelligenz bewirken kann.
Das Buch wurde vom Tropenverlag mit ...

„Die Stimme der Kraken“ von Ray Nayler ist ein Ökothriller über das Bewusstsein, menschliche Abgründe und eine leise Ahnung was künstliche Intelligenz bewirken kann.
Das Buch wurde vom Tropenverlag mit einem sehr ausdrucksstarken Cover und wundervollem lilafarbenen Buchschnitt verlegt.
Der Ökothriller besteht aus drei Handlungssträngen.
DIANIMA, ein riesiger internationaler Konzern der die besten KI‘s konstruiert, hat das Archipel Con Dao aufgrund unternehmerischer Gesellschaftsverantwortung gekauft und alle Menschen mit einer großzügigen Entschädigung von der Insel zum Schutz der Tiere evakuiert. Aber kann man diesem Großkonzern dies glauben?
Auf der Insel befindet sich nur die erste, sehr menschliche, wunderschöne, künstliche Intelligenz Evrim. Der Konzern musste diese KI vor den Menschen beschützen. Doch es gibt ein großes Geheimnis, welches noch wertvoller als diese KI und die Kraken sind.
Evrim, eine extrem fähige Securitybeauftragte und die Meeresbiologin Dr. Ha Nguyen befinden sich nun auf der Insel, um eine seltene Krakenart zu erforschen. Diese Kraken sind extrem intelligent, haben eine Sprache und vielleicht eine eigene Kultur. Obwohl Kraken weder eine Sippe, noch eine hohe Lebenserwartung haben? Wie kann es nun diese Krakenart geben?
In einem weiteren Handlungsstrang geht es um den jungen, talentierten Japaner Eiko. Er wurde in der autonomen Handelszone Ho Chi Minh entführt und als Sklave auf der Sea Wolf, einem KI gesteuerten Schiff, gehalten. Seine Aufgabe war es, die Fische in Schlitze zum Schockfrosten zu sortieren. Die Sea Wolf ist auf der Suche nach den letzten Fischen um diese in proteinhaltige Patties umzuwandeln.
Rustem, ist einer der besten Hacker. Alle wollen seine Dienste in Anspruch nehmen und doch hat er nun Angst um sein Leben. Manche Geheimnisse sind wertvoller als sein Leben. Dies ist ihm bewusst.
Die drei Handlungsstränge werden abwechselnd erzählt. Zu Beginn der Kapitel wird aus den Büchern der Wissenschaftlerinnen Dr.Ha Nguyen und Dr. Arnkatla Mínervudóttir-Chan, die für die Entwicklung von Evrim verantwortlich ist, rezensiert. Es werden Beiträge zu KI, Geist, Bewusstsein und Umwelt beschrieben und als Leser erhält man dadurch einen guten Einblick in die Themen.
Ray Naylar hat einen Thriller erschaffen, der von unterschiedlichen Intelligenzen handelt. Leider konnte mich trotz der abwechslungsreichen Handlungssträngen und dem sprachlich guten Schreibstil der Ökothriller nicht fesseln. Die Charaktere wurden gut ausgearbeitet, jedoch konnte ich keinen Zugang finden. Technologie, Ökonomie und Gesellschaft werden in einer Zukunft miteinander verwoben, was zum Nachdenken anregt. Man kann sich dies tatsächlich als Grundlage für eine ferne/nahe Zukunft vorstellen.
Die Basis für diesen Thriller war perfekt, die Recherche des Autors ist positiv hervorzuheben und doch fehlte mir als Leser:in für einen Thriller die Spannung, das Fesselnde, der Sog.
Meine Erwartungen wurden leider - trotz der unglaublichen Thematik-nicht erfüllt. Die Spannung, die für mich einen (ÖkThriller ausmacht, fehlte und ich wurde nicht abgeholt.
Deshalb nur drei Sterne für dieses Buch.

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