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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 03.05.2024

Scharfzüngig, aber etwas zu abgedreht

Fucking Famous
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3,5 von 5 Sternen

Lotte Hohenfeld hat es...nicht geschafft. Aus ihrer Start-up-Idee wurde nichts und auch ihr Buch brachte Lotte keinen Erfolg. Nun soll es Projekt "Lotte" richten. Mithilfe der IT-Kenntnisse ...

3,5 von 5 Sternen

Lotte Hohenfeld hat es...nicht geschafft. Aus ihrer Start-up-Idee wurde nichts und auch ihr Buch brachte Lotte keinen Erfolg. Nun soll es Projekt "Lotte" richten. Mithilfe der IT-Kenntnisse ihrer Freundin Tessa schafft es zu einer gewissen Bekanntheit in der Influencer-Welt und in der B-Promi-Szene. Alles scheint perfekt für Lotte zu laufen, doch dann trifft sie auf Nils P und der Fall lässt nicht lange auf sich warten.

Erzählt aus der Ich-Perspektive Lottes, taucht man von Beginn an, direkt in ihr Leben und ihre Gedanken ein. Einen wirklich sympathischen Eindruck hinterlässt Lotte dabei allerdings nicht. Besonders an der Gruppe der Influencer und der Möchtegern-Promis lässt sie kein gutes Haar aus, Mitgefühl Fehlanzeige.

Anfangs sorgen ihre schonungslose Analyse dieser und ihre bitterbösen Kommentare bzw. Gedanken noch für gute Unterhaltung, doch auf Dauer verlieren sie an Biss und wirken eher jämmerlich.
Zudem verliert die Handlung nach dem schwungvollen Start bald an Richtung und Glaubwürdigkeit, besonders das überdrehte Ende wirft lässt mich etwas ratlos zurück. Hier wäre weniger, mehr gewesen.

Außerdem hätte ich gerne noch mehr Einblicke in Lottes Vergangenheit bekommen, um sie so näher kennenzulernen. Sympathie oder Nähe zu ihr kommt nicht auf.
Gut passt die Oberflächlichkeit in der Charakterbeschreibung, im Falle der Influencer-Szene ist sie ja genau das. Bei der Beschreibung von Lotte hatte ich mir jedoch mehr erwartet.

Trotz der Kritikpunkte konnte der Roman mich gut unterhalten. Vor allem die Scharfzüngigkeit der Autorin und ihr lebendiger Schreibstil konnten mich begeistern.

Wenn die Geschichte als Ganzes etwas weniger überzogen gewesen wäre sowie etwas mehr inhaltliche Tiefe an der ein oder anderen Stelle gehabt hätte, hätte es ein richtig guter Roman werden können. So verbleibt das Potenzial leider ungenutzt.
Einen interessanten Einblick in die Influencer-Welt liefert "Fucking Famous" trotzdem.

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Veröffentlicht am 07.10.2023

Kurzweiliger Kunstkrimi

Die Akte Madrid
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Ein surrealistisches Gemälde wird gestohlen, womit für Lomberg eine Reise nach Spanien und in die eigene Vergangenheit beginnt. Bei dem entwendeten Gemälde handelt es sich um eines, dass den deutschen ...

Ein surrealistisches Gemälde wird gestohlen, womit für Lomberg eine Reise nach Spanien und in die eigene Vergangenheit beginnt. Bei dem entwendeten Gemälde handelt es sich um eines, dass den deutschen Verteidigungsminister in starke Bedrängnis bringen könnte, wenn nämlich bekannt werden würde, wie er in den Besitz davon gekommen ist. Denn eng verbunden mit dem Gemälde sind politische Verstrickungen bis in höchste Ebenen und Korruption, die bis in die Franco-Diktatur in Spanien zurückreichen, in denen auch der Vater des Verteidigungsministers seine Hände mit im Spiel hatte. Lomberg beginnt im Auftrag des Ministers zu ermitteln und wird dabei von seiner Tochter, seiner Sekretärin und der Kriminalrätin und seiner Liebespartnerin Röhm tatkräftig unterstützt.

Ähnlich wie im ersten Band der Reihe, gibt es parallel zur Handlung im Jahr 2016 mehrere Rückblicke in die Vergangenheit, in denen man mehr über die Geschichte des Gemäldes kennenlernt und was es mit den politischen Verstrickungen alles auf sich hat. Und das sind einige. Beginnend mit der Künstlergruppe rund um Dali, über die Nazi-Zeit, die Franco-Diktatur in Spanien bis in tief in die 1960er-Jahre hinein, wird eine spannende Geschichte vor historischem Hintergrund gesponnen, die so oder so ähnlich auch wirklich sich hätte ereignen können.

Dank kurzer Kapitel und wechselnder Erzählperspektiven baut "Die Akte von Madrid" nach und nach Spannung auf und man wird schnell in das Mysterium rund um das verschwundene Bild hineingezogen. Unterbrochen wird der Lesefluss jedoch hie und da durch den etwas zu beschreibenden und ausschweifenden Erzählstil, wodurch der Krimi sich eher wie eine gut erzählte Geschichte mit Kriminalelementen liest. Fans des ersten Bandes werden trotzdem auf ihre Kosten kommen.

Insgesamt ist "Die Akte von Madrid" ein gut durchdachter Krimi, dessen Stärke in der Vermischung von Kunst-, Krimi- und historischen Elementen liegt. Eine gute Charakterdarstellung sowie ein eingängiger und leicht zu lesender Schreibstil tun ihr Übriges. Am Ende löst sich der Fall für mich zwar etwas zu einfach und zufällig, aber die Entwicklungen im Epilog machen neugierig auf den dritten Band.

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Veröffentlicht am 05.02.2023

Bei Anruf Liebe

The Man I Never Met – Kann man lieben, ohne sich zu kennen?
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3.5 von 5 Sternen

Ein falscher Anruf wird Hannahs und Daveys Leben für immer verändern.

Hannah ist Single und lebt in London. Sie ist eine junge Frau, die mit ihrem Leben zufrieden ist, sie verbringt ...

3.5 von 5 Sternen

Ein falscher Anruf wird Hannahs und Daveys Leben für immer verändern.

Hannah ist Single und lebt in London. Sie ist eine junge Frau, die mit ihrem Leben zufrieden ist, sie verbringt Zeit mit ihrer besten Freundin und deren Mann.
Davey ist Brite, aber er lebt seit seiner Kindheit in den USA.
Als Davey sich verwählt und anstatt bei seinem Gesprächspartner für sein Jobinterview bei Hannah anruft, kreuzen sich ihre Wege zum ersten Mal, auch wenn nur übers Telefon. Noch am selben Abend schickt Davey eine SMS, in der er ihr mitteilt, dass er den Job bekommen hat und dass er dafür bald nach London umziehen wird. In den nächsten Tagen und Monaten werden aus Kurznachrichten, die zu Telefonaten und schließlich zu Videoanrufen werden. Sie werden zu Freunden, doch aus den Freundschaftsgefühlen wird bald mehr.
Als Daveys Umzug kurz bevorsteht, können beiden nicht aufhören, darüber nachzudenken und freuen sich darauf, endlich zusammen zu sein. Hannah beschließt, ihn vom Flughafen abzuholen, aber Davey taucht nicht auf, und der Grund dafür ist ein, der alles verändern wird.

enthält Spoiler

"The Man I Never Met" ist eine Liebesgeschichte voller Glück und Hoffnung, aber auch eine, die man so nicht erwartet.
Der Titel ist Programm, denn bis fast zum Ende des Buches werden Hannah und Davey sich nicht treffen und der Grund ist ein trauriger. Denn kurz bevor Davey nach London umziehen will, wird bei ihm Krebs festgestellt und es sieht nicht gut aus.
Während für Davey beginnt die Chemotherapie in den USA beginnt, versucht Hannah nach dem Schock in England für ihn dazu sein, was jedoch auf Dauer nicht so leicht ist. Man folgt beiden, wie sie jeweils getrennt voneinander versuchen, das Beste aus der Situation zu machen, neue Wege gehen, sich voneinander entfernen und dann wieder einander näher kommen über einen längeren Zeitraum hinweg.

Erzählt aus Hannahs und Daveys Perspektive
bekommt man einen guten Einblick in ihre Gefühls- und Gedankenwelt und wünscht sich ein Happy End für beide.
Trotz des schweren und emotionalen Themas ist der Roman locker und leicht geschrieben und zeichnet sich durch eine gute und glaubwürdige Charakterdarstellung aus.
Einzig zum Ende hin verliert sich der Roman etwas in zu vielen Zufällen und kitschigen Momenten. Weniger wäre hier mehr gewesen.

"The Man I Never Met" von Elle Cook ist ein emotionaler Liebesroman, bei dem das Kennenlernen, das sich (Wieder)finden sowie das Hoffen im Vordergrund stehen.
Nette und gefühlvolle Liebesgeschichte für Zwischendurch mit zwei sympathischen Protagonisten.

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Veröffentlicht am 20.06.2022

Wenn aus Freunden Liebende werden - Unterhaltsam aber auch nicht mehr

Kein Sommer ohne dich
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Nach einer kurzen, aber denkwürdigen Begegnung bei der Orientierung für Studienanfänger treffen sich Poppy und Alex nicht wieder, bis sie im Sommer danach eine Fahrgemeinschaft nach Hause bilden. Ihre ...

Nach einer kurzen, aber denkwürdigen Begegnung bei der Orientierung für Studienanfänger treffen sich Poppy und Alex nicht wieder, bis sie im Sommer danach eine Fahrgemeinschaft nach Hause bilden. Ihre Verachtung füreinander verwandelt sich bald in Sympathie, und die beiden entwickeln eine tiefe und dauerhafte Freundschaft, die sich über 10 Jahre erstreckt. Ihre jährlichen gemeinsamen Sommerferien festigen, sorgen aber auch für Risse in ihrer Freundschaft, da die gemeinsam verbrachten Urlaube Alex und Popper wahre Gefühle füreinander ans Licht bringen und sie dazu zwingen, sich mit ihrer Beziehung auseinanderzusetzen. Werden sie sich für die Liebe entscheiden oder ist das Risiko, ihre Freundschaft zu ruinieren, zu groß?

Die Geschichte wird aus Sicht Poppys erzählt und wechselt zwischen den gegenwärtigen Ferien und den vergangenen hin und her. Es ist humorvoll und locker geschrieben und die Geschichte hat eigentlich alles, was für eine gute Liebesgeschichte zwischen zwei Freunden spricht. Zwei liebenswerte Protagonisten, deren freundschaftliche und romantische Gefühle sich echt anfühlen, zärtliche und emotionsgeladene Momente, doch beim Lesen habe ich zwar Konflikt und die Chemie zwischen Poppy und Alex gespürt, aber nicht so intensiv, wie ich es mir für einem Liebesroman erhofft habe. Auch wurde es zum Ende hin etwas langatmig. Besonders die Fehlkommunikation zwischen Poppy und Alex störte mich, all die verpassten Gelegenheiten oder Probleme, die sie beide hatten und die Unfähigkeit beider, ihre Gefühle mitzuteilen, minderten meine anfängliche Begeisterung für das Buch.

Es war nett zu lesen und das Buch hat einige gute Momente, mehr aber auch nicht. Es konnte mich nicht so sehr berühren, wie ich es mir erhofft habe. Gut für zwischendurch und für heiße Sommertage.

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Veröffentlicht am 07.10.2023

Interessante Dystopie mit Schwächen

Der Vorweiner
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In "Die Vorweiner" findet man sich in einer dystopischen Welt Ende des 21. Jahrhunderts wieder. Von dem uns bekannten Europa gibt es nur noch Resteuropa, dass mittels von einer dicken Schicht aus Beton ...

In "Die Vorweiner" findet man sich in einer dystopischen Welt Ende des 21. Jahrhunderts wieder. Von dem uns bekannten Europa gibt es nur noch Resteuropa, dass mittels von einer dicken Schicht aus Beton über den steigenden Meeresspiegel angehoben wird. Zu Resteuropa gehört das, was einmal Deutschland war und ist ein beliebtes Ziel von Flüchtlingen, wie heute auch. Viele der Flüchtlinge werden als sogenannte Vorweiner für die Oberschicht der Resteuropäer. Vorweiner sind Trauergastarbeiter, die die Tränen vergießen und die Trauer zeigen, zu der die Resteuropäer nicht mehr fähig sind.
A wie Anna hat Jan als Vorweiner in ihren Dienst gestellt. Die Geschichte der beiden wird von B wie Berta, ihre Tochter erzählt.

Wie die Inhaltsangabe schon vermuten lässt, handelt es sich um "Die Vorweiner" um ein eigenwilliges und skurriles Buch, auf das man sich einlassen muss und das demzufolge nicht jeden ansprechen wird.
Beginnend mit Kapitel 2 anstatt mit Kapitel 1 und geschrieben ähnlich wie ein Filmdrehbuch und abwechselnd aus der Ich-Perspektive von Berta und dann der Er-Perspektive von Anna erzählt, lernt man die wichtigsten handelnden Personen kennen und gewinnt einen Einblick in eine Welt, die durch Bürgerkriege, Naturkatastrophen und Zerstreuung auf den ersten Blick stark verändert daherkommt, aber nicht unrealistisch in ihrer Darstellung erscheint.

Dem Autor gelingt es hierbei kurzweilig auf etwas mehr als 200 Seiten eine durchaus interessante und fesselnde Geschichte über eine dystopische Welt zu erschaffen, die jedoch zum Ende hin etwas zu mäandern anfängt und sich teilweise zu absurd und abstrus präsentiert. So konnte sich mir auch nicht immer der Sinn mancher Handlungsszenen erschließen, sodass der Roman mich etwas zwiespältig zurücklässt. Zudem waren mir manche Textabschnitte zu geschmacklos formuliert, was aber vielleicht auch einfach nur die Entmenschlichung der Resteuropäer Rechnung tragen sollte.

Einerseits fand ich Bjergs düster dystopischen Blick auf ein Europa in ferner Zukunft interessant und auch nicht so abwegig, andererseits konnte mich die Erzählstruktur und die fehlende inhaltliche Tiefe nicht ganz überzeugen.
Für Liebhaber von experimenteller Literatur mit Aktualitätsbezug sicherlich interessant.

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