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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 15.05.2024

eine echte Achterbahnfahrt

Sieben Sommer
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Ich hatte aufgrund des Covers eine leichte, fröhliche Sommergeschichte erwartet und eigentlich beginnt das Buch auch genau so- mit dem Flair eines verheißungsvollen Sommer zwischen Uni und dem Ernst des ...

Ich hatte aufgrund des Covers eine leichte, fröhliche Sommergeschichte erwartet und eigentlich beginnt das Buch auch genau so- mit dem Flair eines verheißungsvollen Sommer zwischen Uni und dem Ernst des Lebens. Aber in dieser Geschichte steckt so viel mehr, dass es ein stetiges Up und Down der Gefühle war, von großem Herzschmerz und einer alles verzehrenden Verbindung, über zarte Bande, bis zu einer tiefen, heilsamen Liebe. Ich fand diese emotionale Achterbahnfahrt sehr einnehmend und wirklich toll rübergebracht. Mich hat die Autorin damit voll abgeholt und ich werde mir jetzt definitiv auch ihre anderen Bücher mal anschauen.

Zum Inhalt: Liv hat gerade ihr Studium beendet und träumt von einem Leben als Künstlerin in London. Um Geld beiseite zu legen jobbt sie den Sommer über in ihrer Heimat St. Aggies, wo sie auf Finn trifft. Und wo ein einziger Augenblick ihr komplettes Leben für immer verändert und sie untrennbar mit Finn verbindet. In den darauffolgenden Sommern kehrt Finn immer wieder zu Liv zurück, aber kann das genug sein, wenn ihre Leben so grundverschieden sind? Als Liv sich im siebten Sommer in den stillen Tom verliebt, gerät alles was sie mit Finn verbindet, ins Wanken.

Was Finn und Liv haben ist absolut markerschütternd, aber auch kräftezehrend und alles verschlingend. Es ist die Art Anziehung, derer man sich nicht erwehren kann, die aber auch gleichzeitig dazu bestimmt ist, Leid zu verursachen. Ich fand Ihre gemeinsamen Sommer sehr ergreifend und nahbar erzählt und hab total verstanden, warum beide so daran festhalten. Gleichzeitig schwingt immer die Sorge mit, dass ihrer beider Lebensmodelle sich niemals vereinbaren lassen und der Schmerz, den sie beide für sich selbst empfinden zu einer zu großen gemeinsamen Last wird.

Liv und Tom dagegen entwickeln sich ganz natürlich, was im krassen Gegensatz zu Livs Beziehung mit Finn steht. Es ist eine andere, sanftere Liebe, die weniger fordernd, aber nicht weniger erfüllend ist. Timing spielt in diesem Buch eine große Rolle und ich mochte die Botschaft dahinter, dass es verschiedene Spielarten von Liebe gibt und Bedürfnisse sich ändern können.

Neben den Protagonisten fand ich auch einfach Setting sehr einnehmend und irgendwie auch heimelig. Livs Welt ist überschaubar, aber ausgefüllt mit tollen Menschen und ihre künstlerische Begabung und was sie daraus macht, fand ich sehr berührend. Immer wieder schlägt auch der locker-leichte Charakter eines Sommerromans mal durch und ich hatte einfach Spaß dabei, dieses Buch zu lesen, dass eine emotionale Sogwirkung auf mich hatte, sodass ich das Buch fast in einem Stück durchgesuchtet habe.

Ein sehr schöner Roman und definitiv nicht das letzte Buch von Paige Toon, das ich gelesen habe.

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Veröffentlicht am 05.05.2024

Herrlicher Sommerroman

The Summer of Broken Rules
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Vllt zuerst einmal: das Buch wird als New Adult Roman angepriesen und die Protas sind tatsächlich sehr jung. Da aber im Fokus die Familienfeierlichkeiten und diverse interessante Nebencharaktere stehen, ...

Vllt zuerst einmal: das Buch wird als New Adult Roman angepriesen und die Protas sind tatsächlich sehr jung. Da aber im Fokus die Familienfeierlichkeiten und diverse interessante Nebencharaktere stehen, ist das Buch auch ideal für ältere Leser geeignet. Es ist eine schöne, leichte Sommergeschichte mit absolutem Wohlfühlfeeling und dem charmanten Nervenkitzel langer Sommernächte.

Zum Inhalte: jedes Jahr hat die Familie Fox ihre Sommer auf Martha‘s Vineyard verbracht, bis vor 18 Monaten Merediths Schwester Clair gestorben ist. Nun kommt dir ganze Familie für eine Hochzeit endlich wieder zusammen. Und zu ehren von Clair wird das Familienspiel Killer mit der Hochzeitsgesellschaft gespielt. Mer ist fest entschlossen zu gewinnen, genau wir ihre Schwester früher. Um zu siegen tut sie sich mit dem Feind zusammen- dem Bruder des Bräutigams.

Ich fand die Idee mit dem Familienspiel einfach grandios. Nicht nur werden dadurch spannende und witzige Situationen geschaffen, der Leser lernt dadurch auch die Nebencharaktere kennen, was ich total gelungen fand. Generell sind die beiden Familien einfach hinreißend, sodass man gerne selbst Teil der bunten, fröhlichen Gesellschaft wäre. Es ist einfach unglaublich toll rübergekommen, wie viel Liebe und Verständnis füreinander in diesen Familien herrscht.

Auch das Setting ist einfach ein Traum. Mit Mer und Wit erkundet der Leser die Farm und die Insel. Bei mir ist dabei auf jeden Fall Urlaubsfeeling aufgekommen und ich hatte direkt Lust meine Koffer zu packen und auch nach Martha‘s Vineyard zu reisen. Die Story ist dadurch absolut atmosphärisch- dieses sommerliche Flirren langer Nächte, heißer Flirts und der Verheißung warmer Tage kommt gut rüber.

Die Lovestory ist schon konstruiert und hat mir gut gefallen. Durch die besondere Beziehung zwischen Clair und Mer bekommt die Geschichte zusätzliche Tiefe und einen schicksalhaften Touch.
Ein richtig schöner Sommerroman, den ich nur empfehlen kann.

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Veröffentlicht am 05.05.2024

Sinnsuche

Lügen, die wir uns erzählen
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Gefühlt bin ich mit den Büchern von Anne Freytag erwachsen geworden. Zu jeder Etappe meines Lebens gab es ein passendes Buch von ihr. So verhält es sich nun auch mit diesem Buch. Ich habe viel von mir ...

Gefühlt bin ich mit den Büchern von Anne Freytag erwachsen geworden. Zu jeder Etappe meines Lebens gab es ein passendes Buch von ihr. So verhält es sich nun auch mit diesem Buch. Ich habe viel von mir selbst in Helene wiedergefunden. Und genau darin besteht für mich das große Talent der Autorin: sie schafft Figuren wie du und ich, in denen man sich sieht, mit denen man mitfühlen kann. Und die einem aufzeigen, dass auch Scheitern und Fehler machen erlaubt ist und einen weiterbringt. Für mich wieder ein ganz tolles Buch genau zur richtigen Zeit.

Zum Inhalt: Helene steht an einem Scheideweg ihres Lebens, sie ist Mitte 40, Mutter, Karrierefrau. Und ihr Mann liebt eine andere. Eine Yogalehrerin, Vegetarierin, eine jüngere Frau. Und Helene muss sich fragen, wie sie mit diesen neuen Lebensumständen und mit zwei Teenagern nun ihr Leben bestreiten will.

Im Mittelpunkt der Erzählung steht Helene-Mutter und Ehefrau, aber auch Tochter, Schwester, Karrierefrau. Innerhalb der gesellschaftlichen Label, die sie als Frau definieren erzählt sie rückblickend wie ihr Leben an den Punkt kam, wo sie sich nun befindet. In zwei Zeitebenen erfährt der Leser, wie Helene sich in ihre derzeitige Situation hineinmanövriert, nicht ganz unschuldige an der derzeitigen Lage ihrer familiären Beziehungen.

Die Autorin legt pointiert den Finger auf die Wunde. Sprachlich gewandt erzählt sie von alltäglichen Banalitäten, erschafft das Bild eines Familienlebens zwischen Trennung, geteiltem Sorgerecht, Patchworkfamilie. Aber auch von den Tücken potentieller Affären, dem stetigen Was-wäre-wenn unf verpasster Chancen. Offen und ehrlich werden hier Themen aufgearbeitet, die ich authentisch und nahbar finde, über Selbstfindung und Selbstbetrug.

Eine besondere Geschichte, ein großartiges Buch, das mir viel gegeben hat.

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Veröffentlicht am 05.05.2024

Widerstand

Wir waren nur Mädchen
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Romane über die Nazibesetzung Europas finde ich immer sehr interessant und lesenswert, da es ja doch einen wichtigen Teil unserer Geschichte darstellt. Ich fands wahnsinnig spannend, wie hier Frauen, die ...

Romane über die Nazibesetzung Europas finde ich immer sehr interessant und lesenswert, da es ja doch einen wichtigen Teil unserer Geschichte darstellt. Ich fands wahnsinnig spannend, wie hier Frauen, die sich im Widerstand engagiert haben, im Fokus standen. Sowas habe ich bisher noch nicht gelesen und war entsprechend neugierig auf die Umsetzung. Eine unglaubliche Geschichte über eine unglaublich mutige Frau.

Zum Inhalt: 1940 in Holland studiert Hannie Jura und hat endlich Freundinnen gefunden. Als die Schikanen der Nazi-Besatzer zunehmend flüchtet Hannie mit ihren Freundinnen aus Amsterdam nach Haarlem um sie dort in ihrem Elternhaus zu verstecken, während sie sich selbst dem Widerstand anschließt. Und schon bald hört man Gerüchte über „das Mädchen mit den roten Haaren“.

Was mir an diesem Buch besonders gut gefallen hat und für mich bisher ein Alleinstellungsmerkmal ist, sind das historische Vor- und Nachwort zur Geschichte, in denen nicht nur die geschichtlichen Hintergründe kurz umrissen wurden, sondern auch die Schicksale aller Hauptpersonen nach erfolgt wurden. Das finde ich nicht nur hilfreich um sich in der Handlung orientieren zu können, sondern auch einen richtigen guten Abschluss, der bei derartigen Romamen sonst ja eher offen gehalten wird. Dadurch merkt man auch, das hier echte Recherchearbeit dahintersteckt.

Hannis Schicksal ist nicht nur ergreifend, sie ist in meinen Augen auch ein echtes Vorbild- eine unerschrockene, mutige junge Frau, die sich nicht brechen lässt und für ihre Glaubensgrundsätze einsteht. Besonders die Szenen ihrer Inhaftierung fand ich nicht nur erschreckend und beängstigend in den Schilderungen der Folter, sie sind auch Sinnbild für eine Frau mit großer mentaler Stärke. Absolut inspirierend und ergreifend.

Mir hat dieses Buch sehr gut gefallen, wahrscheinlich eben auch, da es auf realen Ereignissen beruht. Unten den historischen Roman die ich dieses Jahr gelesen habe auf jeden Fall ein Highlight.

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Veröffentlicht am 03.05.2024

Erschreckend alltäglich

Sommer bei Nacht
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Dass ein Kind verschwindet- das eigene Kind verschwindet- gehört vermutlich zu den schlimmsten Vorstellungen der meisten Leute. Einfach weil es unvorstellbar und abstrakt ist, bis es eintritt und einen ...

Dass ein Kind verschwindet- das eigene Kind verschwindet- gehört vermutlich zu den schlimmsten Vorstellungen der meisten Leute. Einfach weil es unvorstellbar und abstrakt ist, bis es eintritt und einen selbst betrifft. In diesem grandiosen, psychologischen Roman wird beleuchtet was passiert, nachdem ein Kind verschwindet.

Zum Inhalt: ein Flohmarkt an einer Schule, viele Eltern, Lehrer, andere Kinder. Und trotzdem verschwindet Jannis unbemerkt und spurlos. Die Ermittler Ben Neven und Christian Sandner setzen alle Hebel in Bewegung, um den Jungen zu finden. Und bald wird klar, dass dies kein Einzelfall ist.

Die Geschichte wird aus Sicht aller betroffener Personen erzählt, inklusive dem Täter. Das erstaunliche, was ich zugleich wahnsinnig erschreckend finde, ist, dass dieser nicht mal besonders bedrohlich oder bösartig wirkt. Ziemlich normal, ein Typ, den man leicht übersieht, jemand den man nicht weiter beachtet. Von allem was in diesem Buch passiert, hat mich das vermutlich am meisten geschockt.

Der Autor schafft es sehr viel zu suggerieren, ohne die zwischen den Zeilen versteckte Wahrheit tatsächlich auszusprechen. Muss er auch nicht. Die Erkenntnis dessen, was da vor sich geht ist die ganze Zeit unterschwellig präsent. Das muss man erstmal schaffen- großes Lob an dieser Stelle.

Der Roman ist trotz, oder vielleicht auch gerade aufgrund seiner Alltäglichkeit, unglaublich spannend und verzehrend. Viele Leben und Schicksale auf so zufällige Art miteinander verknüpft, der Durchbruch im Fall eigentlich pures Glück.

Ich finde diesen Reihenauftakt sehr gelungen, tatsächlich habe ich Band 3 zuerst gelesen und weil es mich überzeugt hat, wollte ich die anderen Bände ebenfalls lesen. Es ist eine Geschichte, die nachhallt und einen nicht loslässt. Sich an den Grenzen der Moral bewegt und in den seelischen Abgrund blickt.

Unglaublich eindringlich und packend. Ist das noch ein Roman oder schon Horror?

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