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Veröffentlicht am 22.11.2017

Schöne Geschichte mit toller Kulisse

Die Rückkehr der Wale
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Auf der kleinen Hebriden Insel vor den schottischen Küsten lebt Kayla mit ihrem Mann Dalziel. Doch glücklich ist sie schon lange nicht mehr, denn mit Dalziel gibt es immer wieder Streit, vor allem seit ...

Auf der kleinen Hebriden Insel vor den schottischen Küsten lebt Kayla mit ihrem Mann Dalziel. Doch glücklich ist sie schon lange nicht mehr, denn mit Dalziel gibt es immer wieder Streit, vor allem seit Dalziels Sohn aus erster Ehe beschlossen hat, sein Glück auf dem Festland zu suchen. Dafür gibt er Kayla die Schuld und die Streitereien werden teils so heftig, dass Kayla regelrecht Angst vor ihrem Mann hat. Doch dann taucht Brannan auf, der geheimnisvolle Fremde, der schnell für allerlei Gerüchte auf der Insel sorgt. Aber nicht nur das, er sieht auch noch sehr gut aus, teilt Kaylas Liebe zur Musik und ist höflich und zuvorkommend. Kayla fühlt sich immer mehr zu ihm hingezogen, doch was ist mit Dalziel, immerhin hat sie ihn damals geheiratet, weil sie ihn liebt.
Meine Meinung:
Dieses Cover ist so wunderschön und lädt nicht nur dazu ein, das Buch in die Hand zu nehmen, sondern man könnte es ständig betrachten und träumen. Auch die Geschichte an für sich ist zum Träumen, nicht nur die wunderschöne, rauhe, aber auch idyllische Kulisse Schottlands, sondern auch die wirklich gelungen eingesetzten, mythischen Geschichten laden den Leser geradewegs dazu ein. Dabei schreibt die Autorin Isabel Morland mit sehr viel Gefühl, ihre Sprache ist sehr weich und voller Bilder, so dass die gesamte Umgebung, in der der Roman spielt, vor dem inneren Auge lebendig wird. Sie versetzt den Leser geradewegs auf die kleine Insel mit ihren vielen, äußerst interessanten Persönlichkeiten.
Genau darin liegt auch die Stärke dieses Romans, denn hier geht es nicht um eine actionreiche Story oder hohes Tempo, vielmehr wird hier die Landschaft beschrieben, man lernt nicht nur die Protagonistin Kayla kennen, sondern auch all ihre Freunde, Bekannte und Verwandte und so nach und nach fühlt man sich richtig wohl auf der Insel, fast so, als wäre man schon einmal dort gewesen.
Was mich sehr fasziniert hat, sind die Geschichten innerhalb der Geschichten, denn Isabel Morland baut immer wieder Mythen, die rund um die Hebriden Insel existieren, mit in ihre Geschicht ein. So lässt sie Geschichten über Selkiefrauen lebendig werden, aber auch unheimliche Geschichten über Leuchtturmwärter, die für immer spurlos verschwanden. All das macht dieses Buch zu etwas warmherzigen, lebendigen, mit dem man sich sehr wohlfühlt. Neben all diesen Personen und Mythen gibt es dann auch noch ein wenig was fürs Herz, dass das Gesamtbild einmal mehr abrundet.
Die Geschichte wird durch einen personellen Erzähler in der dritten Person erzählt. Dieser lässt uns regelrecht am Geschchen teilhaben und sorgt dafür, dass man in die passende Stimmung zur jeweiligen Situation gerät.
Die Personen in der Geschichte sind sehr zahlreich, man hat den Eindruck, eine Menge Bewohner persönlich kennengelernt zu haben. Doch im Mittelpunkt steht Kayla, aus deren Perspektive wir das Geschehen verfolgen können. Kayla hat mir sehr gut gefallen, sie ist eine Frau Mitte dreißig und man kann hier sehr gut nachvollziehen, in welcher Zwickmühle sie sich befindet. Sie steckt voller Selbstzweifel, dabei ist sie ein sehr warmherziger, liebevoller Charakter. Ihre Entwicklung innerhalb der Geschichte war glaubwürdig und nachvollziehbar und ich konnte sie sehr gut verstehen. Das Leben mit Dalziel ist alles andere als leicht und genau das bringt die Autorin sehr gut rüber, ich habe mich sehr oft über diesen Mann geärgert, der für alles, was bei ihm schief lief im Leben, die Schuld bei anderen, vor allem bei Kayla sucht. Brannan im Gegensatz dazu wirkt interessant, sehr warmherzig und man kann hier gut verstehen, warum man ihn kennenlernen möchte. Die Interaktionen zwischen diesen Personen, aber auch mit weiteren Einwohnern der Insel sind gelungen dargestellt und lebendig.
Neben diesen drei zuvor genannten Charakteren gibt es zahlreiche Nebencharaktere, die einmal mehr für die Lebendigkeit der Insel und das Geschehen darauf sorgen. Sie haben viele Ecken und Kanten, sind facettenreich und individuell und man sieht sie förmlich vor sich, wie sie dort auf der kleinen Insel ihr Leben führen.
Mein Fazit:
Ein sehr stimmungsvoller Roman, der mich schnell auf die Hebrideninsel versetzen konnte. Man erfährt von Mythen und Legenden rund um die Inseln und fühlt sich heimisch, vor allem dank der vielen lebendigen Charaktere. Mit gefühlvollem Schreibstil und bildreicher Sprache bietet das Buch gute Unterhaltung. Wer allerdings viel Action und Spannung in einem Buch bevorzugt, könnte hier enttäuscht sein. Schottlandliebhaber, die lebendige und facettenreiche Charaktere mögen, liegen hier aber genau richtig. Lest einfach mal in eine Leseprobe und schaut, ob diese wunderschöne Geschichte etwas für euch sein könnte.

Veröffentlicht am 07.11.2017

Wer die Mythos Academy liebt, wird auch dieses Spin Off lieben

Bitterfrost
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Nachdem der Kampf gegen Lokis Schnitter erfolgreich endete und Gwen Frost die große Heldin war, scheint auf den ersten Blick alles wieder in gewohnten Bahnen zu Laufen. Auch Rory Forseti kehr an ihre Akademie ...

Nachdem der Kampf gegen Lokis Schnitter erfolgreich endete und Gwen Frost die große Heldin war, scheint auf den ersten Blick alles wieder in gewohnten Bahnen zu Laufen. Auch Rory Forseti kehr an ihre Akademie in Colorada zurück, allerdings wird sie hier von ihren Mitschülern nicht gerne gesehen, denn ihre Eltern gehörten zu den Schnittern. All das ist nicht leicht für Rory, denn sie leidet sehr unter dem Verlust der Eltern, die bei dem Kampf ums Leben kamen. Trotzdem hält sie den Kopf hoch und versucht ihren Mitschülern mutig gegenüber zu treten. Doch schnell spürt man, dass in Colorado etwas nicht stimmt. Als Rory zufällig in einen Kampf in der Schulbibliothek gerät, bei dem eine junge Frau ums Leben kam, besiegt sie die Chimären. Es stellt sich heraus, dass die junge Frau einer Spezialeinheit gegen Lokis Schnitter angehörte und kurzerhand wird Rory von diesen rekrutiert.
Meine Meinung:
Mit Bitterfrost beginnt eine neue Reihe rund um die von der Grundlage her bekannten Mythos Academy. Doch hier ist nicht mehr Gwen Frost die Protagonistin, sondern ihre Cousine, die Spartanerin Rory Forseti. Schon der Einstieg in dieses Spin Off gelingt sehr leicht, allein weil man hier den Eindruck erhält, an bekannte Gefilde zurückzukehren.
Der Schreibstil der Autorin Jennifer Estep ist auch hier wieder sehr flüssig und einnehmend und somit fällt es sehr leicht, sich innerhalb der Geschichte zurechtzufinden. Sie ist sprachlich jung und frisch und somit auch durchaus für die Leser im Teenageralter geeignet. Ebenfalls gelungen sind viele der Dialoge, die Rorys Schlagfertigkeit mit unterstreichen. Gerade mit Ian bieten sich hier ein paar Szenen, die den Leser schmunzeln lassen.
Der Einstieg fällt recht leicht und dadurch, dass die Autorin auch immer wieder kleinere Einblendungen auf vergangene Ereignisse gibt, findet man sich auch recht gut zurecht, wenn man die Mythos Academy Reihe nicht kennt. Doch alles in allem ist es durchaus von Vorteil, wenn diese bereits bekannt ist. Im ersten Moment hat man dann doch den Eindruck, dass sich die Geschichte wiederholen könnte, doch schnell wird hier klar, dass Rory ihre eigene Geschichte erhält. Schnell wird es spannend und es gibt auch wieder actiongeladene Szenen, die den Leser in Atem halten. Durch die Verbindung zu den bekannten Ereignissen aus der Mythos Academy Reihe bekommt man das Gefühl, zu Bekannten zurückzukehren und doch ist es eine eigenständige Geschichte. Es gibt unvorhersehbare Ereignisse und Wendungen, die ebenfalls die Spannung aufrecht halten.
Die mythischen Figuren sind natürlich bekannt, können aber nach wie vor begeistern und so begegnen wir wieder den Wikingern, den Walküren oder den Spartanern oder andere Figuren und jeder hat seine Eigenschaften, gegen die sie einfach nicht ankommen und dementsprechend auch handeln. Wer Mythen und Legenden mag, der findet hier auch absolut Gefallen an der Geschichte.
Wie bereits erwähnt, ist in dieser Reihe Rory Forseti die Protagonistin und diese erzählt hier auch aus der Ich-Perspektive von den Ereignissen. Man kennt Rory bereits aus der anderen Reihe, bekommt sie aber hier natürlich viel näher gebracht. Sie ist ein sehr gelungener Charakter und gerade am Anfang konnte ich mich gut in sie hineinfühlen. Dieses Gefühl von Nicht-Willkommen-Sein, das sie hier erlebt, wurde sehr gut dargestellt und lässt Rory dadurch auch menschlicher wirken. Dabei ist sie ja eigentlich als Spartanerin eine Kriegerin und genau diese Eigenschaft kommt ihr auch absolut zu Gute. Mir ist sie auf jeden Fall sehr sympathisch und eine würdige Nachfolgerin Gwens. Wie ich schon andeutete, gibt es hier natürlich auch einen männlichen Part zu Rory, nämlich den Wikinger Ian. Dieser zeigt durchaus, dass er Rory nicht mag, aber im Grunde ist die Entwicklung, die die Geschichte zwischen den Beiden nimmt, vorhersehbar und trotzdem gut.
Mein Fazit:
Fans der bereits bekannten Reihe werden sich auch in dem Spin Off absolut wohl fühlen. Auch wenn man gerade zu Beginn glaubt, dass sich hier vieles wiederholt, bekommt Rory doch ihre eigene Geschichte. Das ein oder andere ist vorhersehbar, aber es gibt auch immer wieder Überraschungen für den Leser. Jennifers Esteps Schreibstil ist einfach sehr fesselnd und mitreißend und das gelingt ihr auch hier bei Bitterfrost. Rory ist eine sympathische Protagonistin und auch Ian wird im Laufe der Geschichte dem Leser immer näher gebracht. Ein gelungener Einstieg in eine neue Reihe mit bekanntem Hintergrund.

Veröffentlicht am 07.11.2017

Guter Trilogiebeginn

Die Zwölf Könige
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Die neunzehnjährige Çeda lebt in Sharakhai und während sie am Tage eine eher unscheinbare Persönlichkeit zu sein scheint, wird sie in der Arena zu einer gefährlichen Gegnerin. Als weiße Wölfin ist sie ...

Die neunzehnjährige Çeda lebt in Sharakhai und während sie am Tage eine eher unscheinbare Persönlichkeit zu sein scheint, wird sie in der Arena zu einer gefährlichen Gegnerin. Als weiße Wölfin ist sie dort bekannt und ist nur schwer zu schlagen. Neben den regelmäßigen Kämpfen arbeitet sie noch als Botin für den Arenabesitzer Osman, doch ihr eigentliches Ziel ist ein ganz anderes. Bereits mit acht Jahren wurde sie zu einer Waise, als man ihre Mutter vor den Toren der Stadt erhängte. Seitdem kann sie nur an eines denken: an Rache. Doch die, an die sie sich rächen will, sind nicht allzu leicht zu erreichen, denn es sind die zwölf Könige, die seit vierhundert Jahren über Sharakhai herrschen. Auf ihrem Weg der Rache sucht und findet Çeda Verbündete, darunter auch einige eher zwielichtige Gestalten. Dabei kommt sie dem Geheimnis, warum ihre Mutter sterben musste immer näher und muss feststellen, dass sich da viel mehr hinter verbirgt, als sie jemals geglaubt hätte.
Meine Meinung:
Dieses Fantasybuch wurde bereits in vielen Fachkreisen hoch gelobt und auch mir brachte diese Fantasygeschichte spannende Lesestunden. Der Einstieg fiel leicht, da die Geschichte mittendrin startet und man gleich an einem der Kämpfe Çedas teilnimmt. Dazu kommt ein wirklich fesselnder und mitreißender Schreibstil, der, auch wenn es eher in Richtung High Fantasy geht, modern und flüssig zu lesen ist. Sprachlich wirkt es eher klar und schnörkellos.
Wie bereits erwähnt, ist schon der Einstieg sehr spannend gehalten und man befindet sich gleich mitten im Geschehen. Doch dann bremst der Autor sein Tempo und nimmt sich Zeit, seine Charaktere und auch seine Welt vor- und darzustellen. Man lernt hier so einiges über Sharakai kennen und kann auch nach und nach die Protagonistin einschätzen. Das wirkte ein wenig langatmig, dank des Schreibstils aber nicht langweilig und dann beginnt auch der Autor wieder die Spannung zu steigern. Irgendwann war ich dann völlig in diese ferne Welt abgetaucht und hatte klare Bilder vor Augen.
Der Autor entwirft mit der Stadt Sharakai und dem drumherum ein sehr gelungenes Weltbild. So hat man durchaus das Gefühl einer längst vergangenen Zeit beizuwohnen, die allerdings auch orientalisch angehaucht ist. Eine Wüstenstadt, die eine ganz eigene Welt verkörpert und gerade durch die geheimnisvollen Herrscher unglaublich spannend und fremd wirkt. Alles in allem konnte ich die Welt klar und deutlich vor mir sehen.
Durch einen personellen Erzähler in der dritten Person lernt man die Charaktere und die Welt kennen. Dabei wechselt dieser auch durchaus mal die Perspektiven, allerdings steht hier die junge Ceda deutlich im Mittelpunkt. Während man also zum großen Teil Çeda begleitet, bekommt man auch immer wieder Rückblenden aus Çedas Vergangenheit, in der man auch Çedas Mutter kennenlernt und auch mitverfolgt, was damals geschehen ist.
Bei den Charakteren merkt man deutlich, wie gut sie durchdacht wurden. Sie sind aussergewöhnlich und stecken voller Überraschungen, dabei sind sie facettenreich und haben sehr viel Persönlichkeit. Çeda ist hier klar gezeichnet und je mehr man auch von ihrer Vergangenheit erfährt, desto mehr kann man sie verstehen. Sie ist mir durchaus ans Herz gewachsen und ich konnte sie absolut verstehen. Sie behält ihren Weg klar bei und ist dabei durchaus hartnäckig und auch sonst wirkt sie sehr selbstbewusst, allein schon bei ihren Kämpfen in der Arena beweist sie immer wieder, was wirklich alles in ihr steckt.
Ihr bester Freund Emre begleitet sie schon seit ihrer Kindheit und die Beiden leben in einer gemeinsamen Wohnung. Er scheint so etwas wie ein Bruder für Çeda zu sein und doch gibt es immer mehr, durch das die eigentliche Beziehung der Beiden leidet.
Doch neben den Beiden gibt es noch eine ganze Menge mehr Charaktere, die hier wichtige Rollen im Geschehen spielen. Da wäre z. B. Ramahd dessen Geschichte mich sehr eingenommen hat und hier durchaus wichtig für das Gesamte wird.
Mein Fazit:
Eine sehr tiefgehende Geschichte, bei der man immer mehr ins Schwanken zwischen Gut und Böse gerät, nichts ist einfach nur schwarz oder weiß, sondern voller Facetten und man muss deutlich nachdenken, wem man vertraut. Eine Geschichte voller Intrigen und aussergewöhnlichen Figuren und allem voran eine komplett vorstellbare und durchdachte Welt, deren Setting im Orientalischem noch einmal mehr für etwas anderes sorgt. Der Einstieg kann auf den ein oder anderen etwas lang wirken, doch es lohnt sich hier auf alle Fälle am Ball zu bleiben, denn man wird mit einer facettenreichen Geschichte belohnt, die auf eine spannende Fortsetzung hoffen lässt.

Veröffentlicht am 30.10.2017

Tolles Debüt

Angstmörder
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Nicholas Meller, Rechtsanwalt und eher ein kleines Licht unter den Strafverteidigern, ist auf der Suche nach einer Referendarin. Als sich die junge Nina bei ihm bewirbt, ist er im ersten Moment perplex, ...

Nicholas Meller, Rechtsanwalt und eher ein kleines Licht unter den Strafverteidigern, ist auf der Suche nach einer Referendarin. Als sich die junge Nina bei ihm bewirbt, ist er im ersten Moment perplex, denn obwohl sie wie auf dem Foto aussieht, hat sie Meller etwas verschwiegen, ihren von Geburt an zurückgebildeten rechten Arm. Doch trotz diesem Handicap überzeugt ihn die junge Frau und fängt bei ihm an. Kurze Zeit später erhält er einen Anruf der Polizei, einer seiner ehemaligen Klienten steckt in Schwierigkeiten, er wird verdächtigt, seine Frau brutal ermordet und im Wald verscharrt zu haben. Nicholas und Nina beginnen ihren ersten gemeinsamen Fall und schnell stellen die Beiden fest, dass bei diesem Fall einiges im Argen liegt.
Meine Meinung:
Allein das Cover dieses Thrillers sieht spannend aus und passt auch perfekt zu seinem Inhalt. Auch sonst konnte mich das Debüt des Autors Lorenz Stassen überzeugen. Mit einem sehr guten, flüssigen Schreibstil und einem gewissen Gefühl, seinen Charakteren die passende Sprache und das richtige Auftreten zu geben, wird dieser Thriller schnell zu einem Pageturner.
Der Einstieg fiel sehr leicht, da es gleich spannend beginnt und auch sonst wirkt der Plot gut durchdacht und glaubwürdig. Alles in allem bleibt die Spannung durchweg erhalten, Längen und/oder Logikfehler gibt es hier keine. Gegen Ende gibt es dann ein gelungenes Showdown, dass den Leser mitfiebern lässt.
Der Fall an für sich ist ebenfalls sehr gelungen und auch wenn man immer wieder mal die Perspektive des Täters gezeigt bekommt, gibt es Wendungen und Unvorhergesehenes. Mir hätte es hier sehr gut gefallen, wenn man noch ein wenig mehr Eiblicke in die Gedankenwelt des Täters erhalten hätte, um mehr über seine Beweggründe zu erfahren. Aber das ist durchaus schon jammern auf sehr hohem Niveau. Richtig spannend war für mich das Setting, da dieser Thriller sozusagen bei mir um die Ecke spielt und ich dementsprechend auch immer das passende Bild der Umgebung vor Augen hatte.
Aus der Ich-Perspektive lässt Stassen den Anwalt Nicholas Meller einen großen Teil seiner Geschichte erzählen. Lediglich bei Perspektivenwechsel kommt der dritte Personerzähler zum Einsatz. Zum einen lernt hier der Leser dadurch Meller recht gut kennen, zum anderen bekommt man durch die Perspektivwechsel auch das ein oder andere Detail mit, also eine gute Draufsicht, aber auch Einsicht ins Geschehen.
Der Protagonist Meller war mir gleich vom ersten Moment an recht sympathisch. Er ist ein sympathischer, authentischer Charakter, der weder verstellt noch aufgesetzt wirkt. Denkt man zu Beginn noch oft, dass er ein typischer Loser am Rande der Rechtsverdreherwelt ist, merkt man schnell, dass hinter der Fassade noch einiges mehr steckt. Interessant sind auch seine Kontakte in die russische Ecke, das war sehr clever eingearbeitet und lässt Meller noch natürlicher wirken.
Nina hat mir ebenfalls gut gefallen, allein ihr selbstsicheres Auftreten fand ich gelungen. Sie zeigt Nicholas schnell, dass sie nicht nur durchsetzungsfähig ist, sondern auch über ein hübsches, aber auch helles Köpfchen verfügt. Gemeinsam sind sie ein interessantes Duo, dass für viel Leben sorgt und dem man gerne bei den Ermittlungen zusieht.
Neben Nicholas und Nina gibt es noch eine handvoll weiterer Personen, die hier mit auf das Geschehen einwirken. Alles zusammen gibt ein großes und interessantes Gesamtbild.
Mein Fazit:
Ein rundum gelungenes Debüt, das kurzweilig und unterhaltsam ist und mit viel Spannung wird hier eine Geschichte erzählt, die durchweg logisch ist. Interessante Charaktere, die zum Mitfiebern einladen und eine flüssiger und geradliniger Sprachstil sorgen dafür, dass das Buch ein Pageturner wird. Ich hoffe, dass wir noch so einiges von diesem Autor lesen dürfen, denn er verspricht durchweg gute Unterhaltung.

Veröffentlicht am 22.10.2017

Herzlich Willkommen in der Optimalwohlgesellschaft

Die Optimierer
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Wir befinden uns im Jahr 2052 in der Bundesrepublik Europa. Diese steht für eine sichere, hochentwickelte Gesellschaft, voller Wohnstand. Samson Freitag lebt hier mit seiner Freundin Melanie und ist ein ...


Wir befinden uns im Jahr 2052 in der Bundesrepublik Europa. Diese steht für eine sichere, hochentwickelte Gesellschaft, voller Wohnstand. Samson Freitag lebt hier mit seiner Freundin Melanie und ist ein absoluter Musterbürger. Für seine Arbeit als Lebensberater ist er regelrecht prädestiniert, denn er tut alles, was in seiner Macht steht, um auch wirklich jeden an seinem Platz zu wissen. Zur Zeit ist er kurz davor, eine Beförderung zu erlangen, einzig ein paar wenige Sozialpunkte fehlen ihm dafür noch, doch diese zu erhalten, dürfte keinerlei Probleme für ihn bereiten. Heute soll er der zwanzigjährigen Martina bei einer Lebensberatung zur Seite stehen, doch für Samson ist beinahe von vorneherein klar, was er der jungen Frau raten wird.
Meine Meinung:
Mit Die Optimierer erschafft die Autorin Theresa Hannig eine interessante Sicht auf eine mögliche Zukunft, bei der ich mir alles andere als sicher bin, ob mir diese gefallen würde. 2052 klingt ja auch eigentlich gar nicht so weit von uns entfernt, umso erschreckender empfinde ich das Weltbild, das hier hervorsticht.
Das Buch lässt sich locker und leicht lesen, denn der Schreibstil der Autorin ist sehr flüssig, modern und gut verständlich. Schnell war ich mitten im Geschehen und konnte den Protagonisten Samson begleiten. Sprachlich folgt die Autorin einer klaren Linie, ohne Schnörkel oder Ausschweifungen und somit ist dieses Buch auch eine perfekte Unterhaltung an einem Nachmittag auf dem Sofa.
Die Geschichte an für sich ist recht spannend, gerade wenn man so verfolgt, was sich in unserer Welt alles verändert hat. Dabei bleibt dem Leser genügend Raum, um sich das Gesamtbild vorzustellen, denn wir erhalten zwar Informationen, wie es aussieht, aber genügend Möglichkeiten, sein eigenes Bild dazu lebendig werden zu lassen.
Viele Ideen, wie die Zukunft aussieht, kann ich mir ebenfalls gut vorstellen, seien es die selbstfahrenden Autos oder die Lebensberater, die jeden Einwohner der Bundesrepublik Europa an seinen Platz verweist. Alles bleibt in einem Rahmen der Möglichkeiten und klingt nicht allzu weit hergeholt.
Erzählt wird die Geschichte durch den Protagonisten Samson, allerdings durch einen personellen Erzähler in der dritten Person. Dieser hält den Leser ein wenig auf Distanz und lässt das Geschehen mit ein wenig Abstand verfolgen. Dieser Abstand ist hier auch perfekt gewählt, denn der Protagonist macht es dem Leser nicht allzu leicht.
Samson Freitag ist ein grauenhafter Mensch, dessen Art es mir sehr schwer machte, ihn auch nur annähernd zu mögen. Er lebt streng nach Vorschrift und er kann es auch perfekt auf andere übertragen, diese nach seinen Ansichten zu drangsalieren. Er ist besserwisserisch, hält sich an die Guten Gesetze und bleibt dabei so engstirnig, dass er gar nicht mehr mitbekommt, wie es den Menschen in seiner Umwelt überhaupt geht. Auf gut Deutsch: ein widerliches kleines A.... ;)
Aber hat man sich halbwegs an diesen Kerl gewöhnt, kommt eine riesige Wende, mit der ich so gar nicht gerechnet habe und ich habe mich dabei ertappt, wie mir immer wieder der Gedanke kam: geschieht ihm Recht. Was passiert und warum, möchte ich allerdings gar nicht verraten, da es einfach zu viel vorwegnehmen würde.
Neben Samson gibt es nur wenige Charaktere, diese sind in erster Linie auch dazu da, zu zeigen, wie es in dieser Optimalwohlökonomie läuft und was alles falsch sein kann. Aber ich würde mal sagen, hier ist jeder an seinem Platz.
Mein Fazit:
Kurzweilig und interessant, dabei bin ich mir letzten Endes gar nicht so sicher, ob es hier eine Utopie oder eine Dystopie sein soll. Geschickt bringt die Autorin hier einen Charakter in den Vordergrund, der dem Leser nicht so recht sympathisch werden will und das mit voller Absicht. Was da genau hintersteckt, möchte ich nicht verraten. Das Buch lässt sich schnell und gut verständlich lesen und bringt gute Unterhaltung, bei der man hofft, dass es vielleicht doch nicht ganz so optimal für das Europa der Zukunft wird. Leseempfehlung!